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„Der Nazi ist des Menschen Wolfsmilch“ von Patrick Rabe

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Gherkin (gherkinhotmail.de) 10.10.2019

Na ja, lieber frech-dreister Rabe,

"was Juden alles können, wenn sie gehörig einen an der Marmel haben", das empfand ich als Jude schon ein wenig als latenten Antisemitismus. Gleich nach dem Anschlag in Halle ist solch ein Posting jedenfalls ganz schön mutig. Ich denke, ich kann in etwa ermessen, dass all dies nicht wirklich böse gemeint ist, aber irgendwie treffen die Worte schon in gewisse Weichteile. Ganz schön mutig, wie erwähnt. Der Stil ist sehr gut, Mara hat ja auch so ihre Probleme mit diesem Text. Also wäre es sehr erfreulich, wenn Sie sich hier ein wenig erklärten. Das wäre sehr hilfreich. Vielen Dank dafür. Gherkin

 

Antwort von Patrick Rabe (11.10.2019)

Lieber Gherkin, das war nicht beabsichtigt. Ich bin alles andere als ein Antisemit und außerdem großer Bob-Dylan-Fan. Ich habe mich in meinem Leben sehr eingehend mit der jüdischen Kultur beschäftigt und habe auch jüdische Freunde. Ich glaube, alle, die zu doll von Gott geküsst werden, werden ein bisschen Gaga aus weltlicher Sicht (nicht umsonst offenbart sich Gott Mose auch "nur" in einem brennenden Dornbusch), aber es befähit sie auch zu ungewöhnlichen Taten. Mein Gedicht thematisiert eher meine Besorgnis über die jüngsten, deutschen Tendenzen, nach Rechts zu kippen.Ich ringe auch gemeinsam mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinde umein fruchtbares verhältnis zwischen Juden und Christen. weil ich finde, dass dies auch in die Öffentlichkeit gehört,und um sie zu beruhigen, drucke ichhier mal einen meiner Briefe ausder letzten Zeit ab. Alles Liebe, und Schalom, wenn ich das als unverschämter Rabe sagen darf... "Lieber W.G., Ich habe mir über verschiedene Dinge Gedanken gemacht in der letzten Zeit. Für meine Begriffe ist das Verhältnis "Christen-Juden" auch aus dem Grund in einer Schieflage, weil die Bibel problematisch übersetzt ist (von Luther) und fast alle neuen Übersetzugen die Luther'schen Fehler übernehmen, unter anderem, weil sie von der Terminologie her gesellschaftlicher Konsens sind. So ist ja schon alleine der Begriff "Juden" selber eigentlich ein Lutherisches Kunstwort, dessen korrekte Einordnung kein Christ - und leider zunehmend auch immer weniger "Juden" hinbekommen. Mich würde wirklich interessieren, wie sich die "Juden"genannt haben, bevor Luther diesen Begriff ins Spiel brachte. Korrekter Weise, wenn man die Thora etc. aufmerksam liest, müsste man sie "Das Volk Israel" nennen oder zurückgehend auf die Zeit vor Jakob schlicht "das Volk Gottes/Jahwes". Seit der Generation von Jakob (der seit seinem gewonnenen Ringkampf mit Gott ja den Beinamen "Israel" führt) mit seinen zwölf Söhnen gibt es ja die sogenannten 12 Stämme Israels, von denen Juda ja nur einer ist, und zwar ein recht kleiner (bzw. der bei der Landverteilung nach der Einnahme des Heiligen Landes nur eine kleine Provinz zugewiesen bekam. -In Mosaischer Zeit-) In den Propheten Israels werden alle zwölf Stämme immer wieder benannt, jeder hat bestimmte Charakteristika, bestimmte Stärken und bestimmte Schwächen und alle werden gemäß ihrem Wesen von Gott geprüft. Das Ziel ist dabei immer eine Einswerdung Israels. Über Jesus (Jeschua) heißt es ganz klar, dass er"zu den verlorenen Schafen Israels" gesandt wurde, aber während seines Wirkens begriff, dass wir zwischen der Not des einen und des anderen Volkes nicht unterscheiden dürfen. Da Christen ja glauben, dass er der inkarnierte Vatergott war, hat das eine nicht zu unteschätzende Tragweite.Wir haben den frühen Jesus, der eine Sameritanerin noch harsch abweist, und ihr erst hilft, nachdem sie ihn argumentativ überzeugt hat, und den späteren, lukanischen Jesus, der diese wirklich große Milde und Reife ausstrahlt und die Gleichnisse vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Samariter erzählt. Auch wenn man bezweifeln kann, dass dies Originallogien sind, spiegeln auch die anderen Evangelien diesen Sinneswandel Jesu wider. Jesus nimmt in mehreren Reden Bezug auf die zwölf Stämme und ist damit in bester prophetischer Tradition. Jedoch die deutsche Übersetzung mit ihrer anschließenden Wirkungsgeschichte verschleiert mehr, als dass sie es für unsere Kultur begreiflich macht. Wir haben da beispielsweise die Stelle, wo Jesus seine Jünger anmahnt: "Ihr seid wie die Juden geworden. Sie lieben den Baum, aber nicht die Frucht, oder die Frucht, aber nicht den Baum!" Diese Stelle hat man schon zu Luthers Zeit anders und völlig sinnverzerrend verstanden, als sie ein Israelit zu Jesu Zeit verstanden hätte, heute ist es noch schlimmer, weil die Gemeinschaft des Volkes Israel sich selber "Juden"nennt. Was Jesus hier aber in Wirklichkeit tut, ist lediglich, seine Jünger zurecht zu weisen mit Bezugnahme auf einen einzelnen Stamm, nämlich den Stamm Juda. Wollte man die Stelle so übersetzen, dass sie heute so verstanden werden könnte, wie sie gemeint war, müsste man übersetzen: "Ihr seid geworden, wie die Mitglieder des Stammes Juda." Dies ist irgendeine Bezugnahme auf Begebenheiten aus den alten Schriften, welche weiß ich jetzt auch nicht, dafür bin nicht mal ich Bibelnerd genug. Der Begriff "Juden" wurde schon zu Luthers Zeit ein Kampfbegriff gegen die Mitglieder des Volkes Israel, die in Deutschland lebten, und der Begriff setzte sich europaweit durch. Wann endlich wird es einen vernünftigen Theologen geben, der glasklar erkennt, nicht nur, dass die christlichen Schriften nicht "judenfeindlich" sein KÖNNEN, sondern es schlicht nicht SIND??? Jesus WAR doch "Jude". Und immer, wenn Jesus oder Paulus von "Juden" spricht (Und Paulus spricht in der Apostelgeschichte sehr harsch über "Juden"), sprechen sie von Angehörigen des Stammes Juda. Es wäre so hilfreich, wenn endlich mal ein kluger Theologenkopf das wieder auf korrekte Füße stellen könnte!!! Das möge fürs Erste genügen. Über eine Rückantwort würde ich mich sehr freuen! Liebe Grüße, Patrick Rabe"


tryggvason (olaf-lueken2web.de) 10.10.2019

Sehr gern gelesen, nicht alles geglaubt.
Unabhängig davon denke ich, gilt auch heute:
"Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
ist der Herren eig'ner Geist
in dem die Zeiten sich bespiegeln." (Goethe)
HG Olaf


Mara Krovecs (marakrovecsgmx.de) 10.10.2019


Ahoi Patrick,

"Ich öffne euch eure Affengehirne"

... wer ist in diesem Falle das Lyrische Ich ?
Und warum stellt es sich über die anderen ....


Ein interessantes Sammelsurium an Bildern bekannter Ereignisse und Personen ..... viel Bunt, auf den Kopf gestellte Ereignisse und seltsame Verknüpfungen ....

Der Titel gewagt ... provokant?

Will das Lyrich damit etwa alles ausschließen, was auch in eine andere Richtung gehen könnte? In die Sehnsucht vieler, auf die andere Seite von Krieg Tot Verderben Verrückt-heiten?
Poesie,Tanz,Liebe,Gemeinschaft,Friedensgläubige,Musik .... u.v.m.

Eine Anspielung darauf, dass alles in jedem steckt?

Hab ich gern gelesen und lese nochmal drüber, um meine ersten Eindrücke zu glätten und zu ergänzen ;-)

LG
Mara


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