Kommentare unserer Leserinnen und Leser zum Gedicht

„Frühstück mit Freunden (Light my candles in a daze)“ von Patrick Rabe

Das Gedicht lesen - oder weitere Beiträge und Infos von Patrick Rabe anzeigen.

Beiträge anderer Autorinnen und Autoren aus der Kategorie „Autobiografisches“ lesen

Andreas Vierk (Andreasvierkgmx.de)

12.08.2020
Bild vom Kommentator
Lieber Patrick,
die Strophen 1-Heimatflughafen zählen zum Aufregendsten, was ich seit langem gelesen habe! Aber dann habe ich mich durchgekämpft bis zum Salpeter, dann habe ich geguckt, wie lange das noch geht und hab dann abgebrochen. Du mutest dem Leser so oft zu viel zu, das ist schade... Aber die californischen Strophen sind spitze!
Liebe Grüße von Andreas

Patrick Rabe (14.08.2020):
Lieber Andreas, ich gebe dir absolut recht. Die "Heimatflughafen-Strophe" ist die objektiv beste in diesem Gedicht. Und dass du nicht "dran" geblieben bist, kann ich auch nicht schlimm finden. Aus zwei Gründen. Das Gedicht ist für's Lesen eher ungeiegnet. Und ich hätte so viele Fußnoten anfügen müssen, wie selten, um es überhaupt für alle Nichtkenner der Rock-und Popkultur des letzten Drittels des letzten Jahrtausends verstehbar zu machen. Ich frage ich aber auch, warum ich das tun sollte. Denn ich gehöre dieser Generation an (1976 geboren), und möchte kackfrech behaupten, dass zumindest Menschen meines Jahrganges dieses Gedicht ohne große Hirnverrenkung verstehen müssten. Allerdings bin ich so middel-aged-altersmilde, dass mir klar ist, dass Trends sich in all dieser Zeit wahnsinnig schnell geändert haben, und dass nur alleine Leute, die heute von sich behaupten können, noch Grunge-Fans zu sein, weil sie begriffen haben, dass die Grunger sich nicht auf Punk, sondern viel deutlicher auf die härtere Musik der 1960er beriefen (was an Soundgarden oder Pearl Jam noch deutlicher wird, als an Nirvana) einen Schrecken bei Gleichaltrigen hervorrufen, die "nach" "Smells like Teen Spirit" noch Technofans werden konnten (Ich meine damit Spaßtechno ud DJ Bobo). Ein Rockfan wie ich hat durchaus äußerst nachdenklich zur Kenntnis genommen, dass Kurt Cobain zwar ein Genie, aber auch ein bereits äußerst früh zer-und gebrochener Mensch war, der ohne Heroin, seine Magenprobleme gar nicht in den Griff bekam (als Homöopath sage ich, er hatte schon als Kind zuviel seelisch Unverdaubares zu sich genommen). Wenn man sich dieses verzweifelt-hilflos-rührende Weihnachtsfoto anschaut, dass er mit einer Polaroidkamera von sich und seiner kleinren Familie machte (Er, Courtney Love und die kleine Frances Bean), ahnt man, dass es das war, wonach er sich sehnte. Die Tragik, die dahintersteckt, darf und soll abernicht verschleiern, wie großartig, die Musik und die Texte waren, die er hinterlassen hat. Sie könnten ein Schlüssel zum Verständnis unserer Generation sein, wenn wir es zuließen. Dafür müssen wir aber Musik wieder HÖREN und Gedichte wieder SPRECHEN. Vom SINGEN mal ganz (oder eben gar nicht!) zu schweigen. Kurt und die anderen Musiker aus Seattle waren nach den musikalisch tauben und mumpfigen 1980ern die erste Generation, die wieder "sagte, was wirklich los ist." Das tat aber all überall furchtbar weh. Egal, wo diese Musik gespielt wurde. Nur bei denen nicht, die sie real befreite. Deswegen wurde in einer fast mucksch-ängstlichen Weise nach Cobains Tod versucht, Grunge zur Mode oder zum Trend zu deklassieren. Ich hatte das Glück, 1991, als "Nevermind" rauskam, diese Musik mit meinen damals 15-jährigen Ohren noch unschuldig zu hören, und als ich dann nach 1993 Stones-und Dylan-Fan geworden war, erkannte ich auch Led Zeppelin, Cream und noch so manches mehr im Grunge wieder. Es war aber eben kein "Retro" und keine "Nostalgiemucke", es warein eigener, künstlerischer Ausdruck. Mein Gedicht muss man eigentlich wie folgt zelebrieren: Poetry-Slam-Bühne. Ich am Mikro. Zuerst wird in voller Gönnung und voller Lautstärke der Song"Lithium" von Nirvana gespielt. Dann rezitiere ich das Gedicht. Mit ebensolcher voller Gönnung. Und eben auch mit den zarten Zwischentönen. Wenn du es nachempfinden MÖCHTES, stell dir das Originalaudio von "Lithium" auf youtube an, und rezitiere danach das Gedicht laut. So ungefähr hab ich es auch geschrieben. Und lass dir den Text gut übersetzen. Für mich, der ich auch den Tonfall beim Singen mit dem Herzen hören kann, ist nur klar, wenn Kurt Cobain singt "Light my candles in al daze, 'cause I found God." dann meint er das NICHT ZYNISCH. Und gerade das ist ja die unglaubliche Tragik...........Schweigeminute. Alles Liebe, dein Patrick

Nicht vergessen: Eigenen Kommentar zum Gedicht verfassen!

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für die Leserkommentare liegen bei den jeweiligen Einsendern.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für die Beiträge oder von den Einsendern verlinkte Inhalte.
Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).