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„Nachtschattengewächse“ von Patrick Rabe

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Andreas Vierk (Andreasvierkgmx.de)

18.08.2020
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Lieber Patrick,
traditionelle Hoheliedkommentare sehen die Shulamitin als Braut Jesu und damit die individuelle Seele. Dass sie ein eigentlich voreheliches Verhältnis darstellt, ist mir neu. Im Thomasevangelium wird Magdalena als Frau Jesu vorgestellt. Eine Veronica beschwert sich aber so bei ihm, dass man dort von einer Art Verhältnis ausgehen könnte! Vielleicht repräsentiert Sulamith die Volkseele Israels. Vielleicht ist das Veronika, Maria steht für die frühe christliche Kirche. Aber wir sollten vielleicht aufhören, Bräute auf dem Schachbrett hin und her zu schieben. - Den Igel habe ich nicht verstanden, es sei denn, dass es das Wortspiel Eagle (Adler) und Igel (Hegdehog oder so) ist.
Liebe Grüße, dein Konrad Google (nicht zu verwechseln mit Konrad Lorenz, wegen seiner Entenfüße auch Lorenz von Arabien genannt)

Patrick Rabe (18.08.2020):
Lieber Con-Rad (Mit-Rad-Schlange oder Keinohrhase, je nach dem. Jedenfalls Fisch auf Fahrrad mit genug "Großer-Conrady"-Bildung) Wenn man das salomonische Hohelied LIEST, und die theologischen Erörterungen dazu VERGISST, ergibt sich aus der reinen HANDLUNG dieses Textes ein Zwiegespräch zwischen Salomo und seiner Verlobten bzw. noch nicht angetrauten, Sulamith. Sie halten das Aufeinander Warten nicht mehr aus, und rufen sich in beschwörungsähnlichen Worten, die die erotischen, seelsichen und körperlichen Vorzüge des jeweils anderen preisen, gegenseitig in einen Rausch, der dazu führt, dass salomo Sulamiths Einladung auf die Felder folgt, wo der "Weinstock sprosst, und der Granatbaum blüht". Dort haben sie dann vorehelichen Sex. Das kann man drehen und wenden, wie man will. Allerdings ist das kein stumpfes Gerammel. Sondern, sie erfahren dabei die Nähe und den Durchbruch zum Göttlichen. ("Meine Liebste ist wie eine Flamme Jah's!") Und natürlich hat dieses Hohelied auch tehologischen gehalt. Und der ist nicht ohne. Man KANN ihn auf Gott und Israel interpretieren. Auf Jesus und die Gemeinde schon eher weniger, weil Jesus zu der Zeit, als der Text abgefasst wurde, noch gar nicht lebte. Aber auf jeden Fall sagt dieser Text eins aus: Sex ist ein legitimer und sehr effektvoller Weg, um zu Gott zu gelangen. Und es ist ja gerade DIESES Wissen, was in der christlichen, aber auch in Teilen der jüdischen Orthodoxie (nicht im Sinne von griechisch, russisch oder koptisch orthodox, sondern im Sinne von konservativ und textwörtlich) fataler Weise unterdrückt und teilweise durch das glatte Gegenteil ersetzt wurde. Den Igel deutest du richtig. Er ist als Igel, der sich untem dem Strauch verbirgt, das Pendant zum "Eagle", dem in der Luft fliegenden, majestätischen Adler. Der Untertitel ("The eagle only flies, when he feels safe") legt jedoch nahe, dass der Adler auch seine Voraussetzungen und Hilfestellungen braucht, um so majestätisch sein zu können, und zu einer solchen "Größe" "anwachsen". zu können. *smile*. Im Prinzip ist es ein Mutmachgedicht für Liebende, die sich noch nicht so ganz trauen. Liebe Grüße, Dein Hedge Hog Head Quarters

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