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„Orte (Ein Lyrik-Duett)“ von Patrick Rabe

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Andreas Vierk (Andreasvierkgmx.de)

24.04.2021
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Lieber Patrick,
als ich dein Ulrike-Meinhof-Gedicht anlas, dachte ich zuerst "warum macht er sich jetzt gemein mit diesen Terroristen?" Dann erinnerte ich mich an die Zeit. Ist es wieder ein halbes Jahrhundert her? Vers für Vers zog es mich dann in das Gedicht hinein. Wow! Mutig, dieses noch immer heiße Eisen anzufassen, fast ein Tabubruch, einer von der aufrechten Sorte zivilen Ungehorsams. Und was für eine abgründige Biografie. Ich habe ein echt schlechtes Gewissen, wenn ich mir eingestehen muss, dass mir Leonardo da Vinci oder der heilige Athanasius wichtiger und gegenwärtiger sind, als Günter Grass oder Steven Hawking. Schreibe ich noch Gegenwartsliteratur? Aber warum ist ein Dichter, der nichts macht außer dichten, ein Verräter? Wen verrät er denn? Sich selbst? Seine Leser? Was verrät er denn? Das Wort?
Liebe Grüße aus dem Hölderlinturm von Andreas

Patrick Rabe (27.04.2021):
Lieber Andreas. Zunächst mal war dieses Gedicht ("Bist du's") wirklich eine Art "Weiterdichtung" des Romans "Kein Ort. Nirgends" von Christa Wolf, den ich kürzlich gelesen habe. Aber natürlich ist es auch mehr. Es ist das Erschüttert werden von der Biographie Ulrike Meinhofs. Sie ist auch zwischen die Räder geraten. Da ich sowohl das berühmte Aust-Buch gelesen habe, als auch die beiden Filme "Stammheim" und "Der Baader-Meinhof-Komplex" und noch einige eher dokumentarischere Filme über die Sache gesehen habe, sowie auch den Film "Deutschland im Herbst" mit Beiträgen von mehreren Filmkünstlern (Und nicht zu vergessen auch den Film über Bernward Vesper -"Wer, wenn nicht wir"- und sein Buch "Die Reise", in dem er unter anderem sein Verhältnis zu seinem Nazivater Will Vesper , der unter Hitler ein berühmter Dichter war, aufarbeitet, und der mit Gudrun Ensslin zusammen war, bevor diese sich Andreas Baader zuwandte), habe ich glaube ich eine recht gute Basis, um über die Sache schreiben zu können. Und zumindest die revolutionären Studenten unter Dutschke sind und waren mir halt immer sympathisch. das waren nämlich KEINE Terroristen. Der erste Terrorist war der verkappte Nazi Josef Bachmann, der feige auf Dutschke schoss, während er zur Apotheke ging, um Medizin für seine Eltern zu holen. Das ist jetzt mal eine etwas "linkere" Geschichtsstunde. Und das lass ich mir als "Nachgeborener" auch nicht nehmen. man beurteilt geschichtliche Dinge nicht unbedingt besser, wenn man mitten in ihnen drin steckt. Das Gedicht "Der Dichter" drückt vor allem meine eigene Hilflosigkeit aus. Für manche ist ein Wort nicht genug,um ihnen helfen zu können. Alles Liebe von Patrick Rabe, ein Vogel ohne Gehabe ...und Käse fressen sie nur in der Not. Daher geben sie auch weniger davon von sich. Das ist jetzt aber echt nicht gegen dich. Das ist nur gegen völlig rechte Flachpfeifen. Ulrike Meinhof war immerhin mal eine wirklich angesehene Journalistin und wurde ja tatsächlich schon im Umfeld der Gruppe 47 von einem gewissen Herrn, der auch später noch gut austeilen konnte, ziemlich weggebügelt. Dass er sie als "Spiegel"-Kolumnistin dann wieder gut fand, war wohl nicht so ganz das, was Ulrike sich gewünscht hätte. Dein RAF-Kenner Bunald Sobaster

freude (bertlnagelegmail.com)

24.04.2021
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Wow Patrick, sehr tiefsinnig, deine Zeilen.
Dichter sind leider oft Verräter. Zumindest, wenn sie nichts anderes machen außer Dichten.
Was sollten sie tun? Neuerlich Revolutionen anfachen?
Gerade, offenherzig schreiben, das wär es wohl, aber da kommt ihnen ihr eigenes Ich oft in die Quere,
wo wieder nur Erfolg und Anerkennung, zuletzt das Geld noch zählt.

LG Bertl.


Patrick Rabe (27.04.2021):
Naja, Bertl, so viel Geld hab ich ja nicht. Aber ich glaube generell ist Spagat immer etwas schwierig. leider zwingt uns die welt manchmal welchen auf. Liebe Grüße von Patrick

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