Kommentare unserer Leserinnen und Leser zum Gedicht
„10 kleine Negerlein (sit venia verbo!)“ von Rolph David


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Klopft sich wer an die rettende Heldenbrust und setzt auf Schock. Warum nicht. Alles erlaubt -
auch ellenlange Erklärungen unter´m eigenen Text, falls ihn kein Schwein versteht, oder nicht
kapieren will.
Garantiert kein Shit-Storm. Scheiße darf ich den Negerlein-Vergleich zum Glück dennoch finden.
Allein den Vergleich.

Zustimmung immerhin für den vielleicht edel angedachten Hintergrund.

Rolph David (03.01.2022):
Hallo Ralph, hier klopft sich leider niemand an die "rettende Heldenbrust". Wenn ich ein Held wäre, hätte ich meine Mutter vor ihrer Ermordung retten können, was mir nicht gelang. Ich hatte zwar alles Menschenmögliche (in der Presse nachzulesen) versucht, doch ohne Erfolg. Bitte nicht urteilen, wenn man Hintergründe nicht kennt. Ich hätte auch Ottifanden (Otto), Jägermeister (Die Ärzte) etc. wählen können, doch nur mit diesem makaberen Lied ergibt sich das Immer-weniger-Werden von Menschen. Schade, dass das bei dir nicht ankam.


Ralph:

stimmt Rolph, deinen Hintergrund kenne ich nicht. Ja, wie denn auch, wenn Du stattdessen ver-schachtelt die kleinen Negerlein beiziehst. Das mit deiner Mutter ist erschütternd und berührt
mich zutiefst. Nur: auch davon war kein einziges Wort im Text zu finden.
Kurzum: meine Kritik ging einzig in Richtung des - für mich - verunglückten Abzähl-Vergleichs. Den guten
Willen, dahinter, hab ich ja schon auch wenigstens ansatzweise herausgelesen und erwähnt.
Letztendlich ist meine Meinung ja auch nur eine nach eigener Lesart.

ahoi Ralph
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...Rolph, "10 kleine Pflegelein" wäre als Titel und im Text auch noch möglich.
Dein Text trifft sehr gut das Ableben in Pflegeanstalten.

LG Adalbert

Rolph David (03.01.2022):
Hallo Adalbert, sicher hätte ich "Negerlein" austauschen können, dachte auch schon an Umschreibungen. Es gibt ja in unserem Kulturbereich mittlerweile viele, die sich dem Lied angenommen und es umgedichtet haben, so OTTO (10 kleine Ottifanden), Die Ärzte (Jägermeister) usw. Aber es hätte das Ganze verballhornt, was ich nicht wollte. Das Bild der immer weniger werdenden schwarzen Kinder sollte, zusammen mit dem dt. Kinderspiel "Die Reise nach Jerusalem" den Rahmen bilden. Die Kommentare kamen prompt - nur einer negativ, weil er es nicht verstand, dass man den Titel heute noch erwähnt. Man kann Dinge nicht ändern, indem man Altes totschweigt bzw. ins Lächerliche zieht, indem man neue Namen dafür sucht. Alles hat seine Zeit - Schönes und Unschönes und für einige Menschen ist das schwer, eine klare Trennlinie zu ziehen. Ich bin niemand, der das N-Wort benutzt oder Menschen dieser Hautfarbe schlecht macht. Doch als das Lied 1868 entstand - kurz nach dem am. Bürgerkrieg - da waren es die Indianer, die immer weniger wurden, keine schwarzen Kinder. In Deutschland wurde es "Negerlein" - in anderen Kulturen auch. Meine Mutter wurde im letzten Jahr im Heim ermordet und was ich dort erleben musste - neben vielen anderen - das kann man nicht durch so ein Gedicht ausdrücken. Das trifft es noch nicht einmal im Ansatz.

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Lieber Rolph, dies ist in der Tat ein zunächst befremdlich wirkender Text, doch mit der Erläuterung darunter wird er verständlich... und in seiner deprimierenden Dringlichkeit auch leider real.
Nicht in allen Pflegeheimen läuft es so schlimm ab, wie in deinem Text... doch in etlichen sicherlich so oder ähnlich... ein Warten auf den Tod in einem immer dringlicher werdenden Pflege-Notstand, der individuelle Betreuung selten zulässt.
Ich schaute gestern im Fernsehen im Ersten einen beeindruckenden Film mit Dieter Hallervorden, der dieses Thema sehr gefühlvoll schilderte und muss zugeben, dass mir beinahe die Tränen liefen. Obwohl es in dem Film ein "Happy End" gab, weil die Alten in dem Heim durch den "Marathonläufer" aus ihrer Lethargie gerissen wurden... und auch das Personal ein Umdenken lernte...
Es wäre zu wünschen, dass sich diesbezüglich noch vieles verbessert... denn wir werden ja alle immer älter... und es macht Angst, dass man vielleicht einmal selbst in solch einem Heim landet, das keine Heimat mehr ist...
Nachdenkliche Grüße! Anschi

Rolph David (03.01.2022):
Hallo Anschi, nicht in allen Heimen läuft es so schlimm? Nenne mir bitte das Heim, in dem es zumindest befriedigend läuft, dann werde ich es bewerben. "Wir" waren in drei Heimen und das Entsetzliche steigerte sich von Heim zu Heim. Wir änderten das Bundesland und es wurde schlimmer, nicht besser. Versprochen hatte man uns alles, gehalten nichts. Und als ich dagegen kämpfte, musste meine Mutter leiden. Sie wurde letztes Jahr im Heim ermordet und mein Kampf gegen Heim und Behörden ist online zu verfolgen, bekannt, denn ich arbeitete mit Fussek und Co zusammen - gebracht hatte es nichts. Corona war das Beste, was den Heimen passieren konnte. Wir hatten keinen Zutritt mehr, durften nicht sehen (ich war auch Heimbeirat), was da alles verbrochen wird. Nein, Anschi, es gibt keine guten Heime. Definitiv nicht. Ich nenne sie nur noch Sterbeanstalten, Mordhäuser. Aus Überzeugung. Wer mich eines Besseren belehren kann, der tue es. Ich bin gespannt.

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