Kommentare unserer Leserinnen und Leser zum Gedicht
„Schwarz“ von Andreas Vierk


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Lieber Andreas, Trauer und Verzweiflung liegen über allen Worten. Fühlbar auch dein Schmerz, den man nicht erfinden kann. Das geht unter die Haut. Aber dein Paradiesvogel wird wieder aus der Asche steigen, wie schon Phönix. Da bin ich mir sicher.

LG Uwe

Andreas Vierk (16.12.2025):
Lieber Uwe, dieser Paradiesvogel ist so schwarz, dass man eigentlich einen anderen Namen für diese Farbe erfinden müsste. Das gibt es auch nur einmal in der Natur. LG von Andreas

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Lieber Andreas,

manchmal gibt es Texte, die nicht über Trauer sprechen, sondern aus ihr heraus.
Dein Gedicht wirkt so – als wäre Trauer darin kein Zustand unter anderen, keine Phase, die vergeht, sondern eine Verwandlung des Seins selbst.

Trauer erscheint bei dir nicht als Nacht, sondern als Licht ohne Zugang:
Die Welt ist da, sie bleibt hell, geordnet, benennbar – und doch unerreichbar.
Nicht weil sie verschwunden wäre, sondern weil sich etwas Grundlegendes zwischen sie und das Ich geschoben hat.

Der Verlust, den dein Text trägt, wirkt nicht privat und nicht bloß innerlich.
Er ist körperlich, vernichtend, er kommt aus den Ordnungen selbst:
aus Geschichte, aus Macht, aus Schönheit, aus Sprache.
So leidet das Ich nicht isoliert, sondern im Resonanzraum der Geschichte – dort, wo individuelles Leid auf kollektive Erinnerung trifft und sich nicht mehr trennen lässt.

Besonders berührend ist, dass diese Trauer nicht hässlich gemacht wird.
Sie ist schwarz, ja – aber von einer eigentümlichen, erschreckenden Vollkommenheit.
Wie etwas, das sich ästhetisch und unausweichlich ins Dasein eingeschrieben hat, ohne um Erlaubnis zu fragen.

Dein Gedicht sagt nicht: Ich bin traurig.
Es sagt: Ich bin anders geworden.
Und vielleicht ist das die ehrlichste Form von Trauer:
nicht der Schmerz allein, sondern das Wissen, dass nach dem Verlust zwar weitergelebt wird –
aber in einer anderen Ontologie.

Mögen diese Worte dir selbst das geben, was sie anderen geben können, was sie MIR gaben:
keine Lösung, keinen Trost im schnellen Sinn,
sondern die leise Gewissheit, dass dieses Dunkel gesehen werden kann,
ohne es zu banalisieren.

Mit stillem Respekt
und in Verbundenheit
Rolph

Andreas Vierk (16.12.2025):
Lieber Rolph nach deinem empathischen Kommentar habe ich lange um eine Antwort gerungen. „Manchmal gibt es Texte, die nicht über Trauer sprechen, sondern aus ihr heraus.“ Ist schon ein vollendeter, wahrhaftiger Aphorismus, der sich in mein Bewusstsein eingeschrieben hat. Aber Trauer als Verwandlung des Selbst scheint mir ein bitterer, auswegloser Lebenskampf zu sein. Vieles aus deinem Kommentar (z.B. „nicht privat“ oder „wo individuelles Leid auf kollektive Erinnerung triff“) scheint mir eher auf Celan zu passen. Aber ich habe von dir etwas gelernt: vielleicht ist es ja so, dass Gedichte, wenn sie nicht für das Schubfach gedichtet sind, ihr Leid, ihre Freude und ihren Humor für die Öffentlichkeit zugänglich und verstehbar machen, auch wenn es nur Facetten oder einzelne Metaphern sind. Dein Kommentar nötigt mir auch Respekt ab, und wirkliche Künstler sind immer in einer großen, vielleicht polarisierenden Gemeinschaft miteinander verbunden. LG von Andreas

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Lieber Andreas, als Kommentar einfach nur ein spontanes Gedicht:

Der Brunnen der Verzweiflung
***
In den Brunnen der Verzweiflung
Hineingestürzt
Abgrundtief
Dort unten lauert
Der zähe Schlamm der Bitternis
Blind vor Wut und Verzweiflung
Befühlt der Gefangene sein Gefängnis
Nicht glatt sind die Wände
Vorsprünge
Griffmulden
Der Verzweifelte – Der Gefangene – Der Verbitterte
Er könnte sich dem Schlamm entwinden
Er könnte emporsteigen
Er wird, er muss allen Mut zusammennehmen
Festgekrallt am Leben und am Stein
Darf er den Rücksturz nicht fürchten
Langsam bricht Licht durch geschlossene Lider
Eindringlich sind die hellen Farben des Erkennens

Nachdenkliche und optimistische Grüße an dich
Bernhard


Andreas Vierk (16.12.2025):
Lieber Bernhard, dein Antwortgedicht ist fast eine kleine Ballade. Den Trost am Ende erlebe ich gerade. Habe mich einfach mal wieder meiner Gemeinschaft angeschlossen, statt mich zu verkrümeln. LG von Andreas

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Ich hab jetzt eine Reise hinter mir:Sie begann mit dem Dauphin,die Institution des frz.Kronprinzen,
die nach der frz.Revolution ihr Ende fand. unwiederbringlich. Das strahlende Blau des Wappens mit dem
edlen Tier, das - so will es derMythos - immer wieder Menschen gerettet hat-
wurde ausgelöscht.Da der Dauphin = Delfin keinen Huf hat, kann es nur metaphorisch der zerstörerische
Huf des Blitzes sein, der aber ein neues Zeitalter einleitete,............
.das zunächst im schwarzen Bereich
mündet, in dem unglaublich aufwendigen Werbungtanz eines Paradiesvogels,der 6 Jahre benötigt für
die volle Entfaltung seiner Schönheit......auf Paul Celan mag ich hier nicht eingehen - das wäre eine
andere Galaxis - aber am Blindsein sind wir alle beteiligt..... unbeholfene Grüße ....Inge

Andreas Vierk (16.12.2025):
Liebe Inge, mir geht es hier nicht so sehr um Geschichte und Politik. Für die einzelnen Facetten gilt, was du aufgeschlüsselt hast. Das zeigt mir auch, dass du einen mir verwandten Intellekt hast. Aber gehe bitte mal ein paar Schritte zurück. Das Gerüst des Gedichtes ist: Blau, Blitz, Blind. Das ist mir vor drei Wochen passiert, als meine Freundin völlig unvermittelt die Beziehung beendet hat, und mich in eine tiefe Krise gestürzt hat. Mehr besagt das Gedicht eigentlich gar nicht. Mein Lieblingsbuch von Celan ist übrigens nicht Mohn und Gedächtni mit der Todesfuge, sondern Sprachgitter. Hier im Forum lästern einige über Dichter, die reimlos schreiben. Ich finde, mal sollte als Dichter Celan, Neruda, Alberti, Ungaretti usw, zumindest zur Kenntnis nehmen. LG von Andreas

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