Kommentare unserer Leserinnen und Leser zum Gedicht
„Sprache“ von Karin Guterding


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Immer wieder interessant, wie die Sprache entwickelt Karin.
LG Bertl.

Karin Guterding (03.03.2026):
Lieber Bertl, ich finde es unglaublich spannend. Viele Grüße Karin

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Liebe Karin,
dein Text hat mir gefallen, weil er etwas macht, das man viel zu selten tut: Er bleibt bei einzelnen Wörtern stehen. Er betrachtet sie nicht als selbstverständlich, sondern als gewachsene, manchmal rätselhafte Gebilde. Er ist weniger ein klassisches Gedicht im engeren Sinn als eine poetische Sprachreflexion – ein lyrischer Essay über Bedeutungswandel.
Besonders spannend fand ich dein Beispiel „Kompromiss“. Deine Zerlegung wirkt auf den ersten Blick überraschend stimmig – gerade weil sie so logisch erscheint. Und genau darin zeigt sich etwas sehr Schönes: wie sehr unser heutiges Sprachgefühl versucht, Sinnzusammenhänge herzustellen. Man entdeckt Bausteine, die vertraut wirken und ordnet sie neu.
Sprachhistorisch ist die Entstehung des Wortes aber eine andere – aber fast noch interessanter ist doch, dass deine Deutung intuitiv ein Gefühl trifft: Ein Kompromiss fühlt sich für viele tatsächlich ein wenig nach „gemeinsam etwas Unrichtiges akzeptieren“ an. Vielleicht liegt darin weniger eine falsche Herleitung als eine sehr gegenwärtige Bedeutungswahrnehmung.
Überhaupt lese ich deinen Text nicht als lexikalische Erklärung, sondern als Einladung zum Staunen darüber, wie beweglich Sprache ist. Dass „Ding“ einmal mit Gerichtsstand (Das Wort Þing (Thing) bedeutet im Altnordischen Versammlung, Volksgericht, Parlament - man denke nur an Island und sein 1. Parlament der Welt: Thingvellir) verbunden war oder „Kopulation“ schlicht die kirchliche Trauung meinte, zeigt ja genau das: Wörter tragen Geschichte in sich – und wechseln im Laufe der Zeit ihre Gewänder.
Ob man deinen Text nun Gedicht nennt oder sprachliche Miniatur – er regt an, genauer hinzusehen. Und das ist vielleicht das Schönste, was man über Sprache sagen kann: Sie ist nie fertig.

Herzliche Grüße
Rolph

Karin Guterding (03.03.2026):
Lieber Rolph auch heute möchte ich mich wieder ganz herzlich für Deine Gedanken, zu meinem Text bedanken. Das, was Farben für den Maler, sind Worte für den Schreiber. Für mich ist es spannend, unsere Sprache zu erforschen. Herzliche Grüße Karin

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