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„Schuld(en), Gnade und "Weltgeist" “ von Patrick Rabe

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Alma Brosci (eMail senden) 18.04.2017

Oh Patrick! Stell dir doch nur mal eine Sekunde vor, dass sind alles Nebelgespinste! Hervorgebracht
von irren(den) Gehirnen! Und schon breitet sich vor dir die Wirklichkeit aus, ohne Gespenster,
ohne Richter, nicht schön und nicht unschön. Welche Erleichterung! Möge dies Wort "Erleichterung"
bei dir nachklingen ... LG Inge

 

Antwort von Patrick Rabe (19.04.2017)

Liebe Inge, wir kommen einfach aus unterschiedlichen Sozialisationen und haben uns im Leben mit unterschiedlichen Dingen beschäftigt... Mir ist klar, dass dir religiöse/spirituelle Dinge wahrscheinlich komplett fremd sind, du stehst offenbar auf einem humanistisch-aufgeklärten Fundament. Diese Denkungsart halte ich für sehr gut. Nur: Die Aufklärung des 17./18. Jahrhunderts ging von der nicht ganz runden Annahme aus, die Religionen seien von Mächtigen (Klerikern) installierte Institutionen, die in erster Linie dazu dienen, dem einfachen Volk unsinnige Schuldgefühle und trügerische Jenseitshoffnung einzupflanzen, und es daran zu hindern, gegen die Machtinhaber (Adel/Politik) aufzubegehren. Das ist zwar nicht völlig falsch, erzählt aber meines Erachtens nicht die ganze Geschichte. Die Menschheit war schon immer religiös, seit ihren Anfängen, noch lange bevor Religionen institutionalisiert wurden und der Machtausübung dienten. Speziell das Christentum - in seiner Frühphase - war eine Religion, die mystische (heute könnte man sagen: psychologische) Zusammenhänge bildhaft darstellte. Juden - bis auf die Orthodoxen - ist es bis heute klar, dass die Bibel Allegorien erzählt. Kein ernsthafter Rabbi glaubt, dass es Adam, Eva und die sprechende Schlange "wirklich" gegeben hat! Und dieses Wissen, dass es sich hier um Seelen-Bilder-Geschichten handelt, gab es selbstredend auch im jungen Christentum. Der Moment, in dem sich das änderte, nein sogar systematisch geändert wurde, war die Verschwisterung von Gemeinde und Macht unter Kaiser Konstantin. Man "verweltlichte" die christliche Lehre, indem man behauptete, all diese Dinge seien "wirklich geschehen", und dass es darauf ankomme. Damit trieb man den Geist aus der Flasche. Man installierte das Gottesbild von einem extern irgendwo rumschwebenden, männlichen Wesen, dass uns regiert und richtet (aber auch erst im Jenseits). Inge, sprich mit Juden. Die glauben sowas nicht! Jahwe ist ein mystischer Name. Ich bin-der ich bin. Würde zu weit führen, das hier zu erörtern. Nur: ich glaube an keinen Richter. Und auch an keinen externen Gott, der Person ist. Gott ist für mich das Sein in Gänze. (Im radikalen Konstruktivismus =das eine Gehirn). Das, was der Mensch als "Gericht" wahrnimmt, ist lediglich das Gesetz von Ursache und Wirkung. Das fügt ihm aber kein externes Wesen zu. Das geschieht intern, bzw. in der Interaktion mit der Umwelt. Für mich ist das, was der Hinduismus "Karma" nennt, absolut real. Ich erlebe das in meinem Leben und in den Leben anderer Menschen. Ob man aus dem Ursache-Wirkungs-Prinzip schlussfolgern muss, dass es mehrere Leben gibt und dass es ein Kastensystem geben sollte, sei dahingestellt. Andere Weltanschauungen kommen da zu anderen Ergebnissen. Aber dass das Säen-Ernten-Prinzip real ist, da sind sich alle Religionen einig. Und nicht nur sie. Wir finden diese Anschauung auch in der Philosophie. Wir finden sie auch in der Physik und in in der Hirnforschung. Für mich sind das alles andere als Nebelgespinste. Und ich habe auch keine Angst vor einem rächenden, folternden Gott. Weil Gott für mich keine Person ist. Natürlich war ich auch einmal in einer Gemeinde, ja, sogar in einer fundamentalistischen. Aber meine Denke hat mit deren Weltbild ungefähr soviel zu tun wie ein Lore-Roman mit "Krieg und Frieden". Hoffe, ich muss meine Sicht jetzt nicht nochmal erklären. Nichts für ungut, Paddy


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