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„Am Strand der Erinnerungen“ von Heinz-Walter Hoetter

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Hans Raasch (dr.hans.raaschfreenet.de) 16.04.2018

Hallo Heinz-Walter, war mal starker Tubak, den du da von dir gelassen hast. Mir war schon seit meinem Studium klar, Psychiater ticken anders und sind mir dubiös. Nur der eine in deiner Story galt als verrückt. ;-)
Gutes Thema - sehr tiefsinnig, hat mir gut gefallen.
LG Hans

 

Antwort von Heinz-Walter Hoetter (17.04.2018)

Lieber Hans Raasch! Immer wieder mache ich mir Gedanken darüber, was eigentlich "normal" bwz. "verrückt" bedeutet. Eigentlich sind ja nicht die Verrückten, sondern die Normalen das Problem. Ich möchte das mal an einem kleinen Beispiel erläutern. In der Geschichte des Menschen gibt es entsetzliche Katastrophen, die wir als Kriege bezeichnen. Der 1. und der 2. Weltkrieg forderten zusammen mehr als 100 Millionen Opfer, die auf die verschiedenste Art und Weise grausam zu Tode kamen. Hitler aus Braunau am Inn war zweifellos eine monströse Erscheinung, voller Hass und maßloser Aggression in seinem Willen, seine Feinde (vor allen Dingen Menschen jüdischen Glaubens) zu vernichten. Es sind ja gerade die sog. "normalen Menschen", die, koste es was es wolle, zu jeder Zeit im "Trend" liegen wollen, die deshalb einfach nur unkritisch mitlaufen und immer genau wissen wollen, was man sagen muss oder was nicht. Diese "wahnsinnig Normalen" klatschen gerne Beifall, wenn sie in Masse auftreten. Sie jubeln dann eben auch einem Hitler, einem Stalin, einem Mao Tse-tung oder Kim Il-sung zu. Sie stehen plötzlich wie die Marionetten in Reih und Glied vor irgendeinem abscheulichen Repräsentanten des ganz "normalen Wahnsinns" und fühlen sich in der Tat "wohl" dabei. Die sog. "Psychoanalyse" lehrt z. B., dass viele Menschen eigentlich schwer gestört sind, wenn sie Teile ihrer Lebensgeschichte oder ihrer psychischen Existenz wegen irgendeines (gesellschaftspolitischen) Prozesses einfach schnell und unüberlegt aufgeben bzw. "abspalten". Normal zu sein, das hat auch immer etwas mit leichtem Schwachsinn zu tun. Es sind daher nicht die wirklich krankhaften und (zu bemitleidenden) vom Wahnsinn gequälten Menschen, sondern jene Personen, von denen es sehr, sehr viele gibt, die sich ein starres, intolerantes Selbstbild von Normalität zulegen, das eigentlich im Prinzip nur reine Fassade ist. Diese Menschen sind zutiefst unsicher und werden zugleich fast hysterisch beunruhigt, wenn man an ihrer Fassade kratzt. Dann werden sie aggressiv und suchen nach einem Schutz ihrer selbstgestrickten Normalität und bewegen sich damit auf dem besten Weg zur Diktatur der Normalität. Abweichler werden rücksichtslos bekämpft, bis hin zur Vernichtung. Jeder Totalitarismus wurde von "normalen Menschen" ausprobiert und in Szene gesetzt. Aber es sind eben gerade diese "Normalen", die psychisch gestört sind. Sie lassen sich gerne uniformieren und schließen sich zu großen Einheiten zusammen, um dann die grausamsten Exzesse ohne Schuldgefühle begehen zu können, sozusagen auf Befehl von ganz oben. Wir alle leben eben im Wahnsinn und es gibt eigentlich kein Entrinnen. Denk mal darüber nach. Gruß Heinz-W.


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