Kommentare unserer Leserinnen und Leser zur Kurzgeschichte

„Furchtland“ von Karl-Konrad Knooshood

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nanita (c.a.mielckt-online.de) 04.10.2019

Lieber Karl-Konrad,
ich kann mich den Worten von Claudia nur anschließen. Warum dürfen wir nicht stolz auf ein Volk sein, was nach einem verheerenden Krieg einen demokratischen Wohlstands- und Rechtsstaat mit seiner Hände Arbeit aufgebaut hat? Warum sollen sich Menschen, die das Dritte Reich nie erlebt haben, wegen des Holocaust schuldig fühlen? Die USA strotzt vor Patriotismus, obwohl sie die Indianer fast ganz ausrotten und sie in Reservate verdammten. Gleiches gilt für Frankreich, das unter Napoleon Europa mit Krieg überzog. Ein Volk ohne Nationalstolz verliert seine Bindung an sein Land und dessen Regierung. So rauben die vermeintlichen Gutmenschen den Bürgern ihre Identität. Aber die Deutschen scheinen sich lieber in Selbstmitleid zu suhlen.
Herzlich grüßt
Christiane

 

Antwort von Karl-Konrad Knooshood (05.10.2019)

Ja, liebe Christiane, wir Deutschen haben einen Hang zum Selbstmitleid, auch ein Eifer zur Selbstvernichtung - und dem ständigen Wunsch nach Sühne und Buße sind wir auch ergeben. Deshalb beneide ich die USA für ihren unverbrüchlichen, unumstößlich großen Patriotismus. Früher fand ich ihn übertrieben, denn es wird sich kaum ein US-amerikanischer Film (oder Blockbuster) finden lassen, in dem nicht wenigstens einmal im Hintergrund (oder in etwas lädiertem Zustand, wenn es um Dystopien und Postapokalypsen geht) das Stars And Stripes Banner zu sehen ist. Während unsrer Kanzlerin das Schwarz- Rot-Gold angewidert von sich wirft und beim Erklingen der Hymne nicht feierlich, sondern unheimlich berührt zittert. Dabei ist dieses Schwarz-Rot-Gold ja ohnehin die Farbe der Bundesrepublik, nicht die des Dritten Reiches oder des Kaiserreiches, denn das war Schwarz-Weiß-Rot. Also ist die (immer noch aktuelle) Flagge eine unbefleckte, unschuldige. Ich mag diese Farben sehr, hab mich immer ob der Fußballfan- Flaggenmeere gefreut, denn das war (und ist) immer der einzige Anlass, dass die Dinger mal ohne Scham und Angst herausgeholt werden. Wie Du richtig schreibst, verliert ein Volk ohne Bindung an sein Land (und dessen Regierung). Es verliert sich selbst, seine gemeinsame Identität, die immer auch ein Teil des Einzelnen ist, auch wenn er sie leugnet. Es ist ein bisschen wie das Leugnen der eigenen Sexualität. Sie gehört zu einem, man ist so wie man ist. So weit man auch reist, wo man sich auch immer niederlässt, man bleibt doch ein Stückweit der Heimat verbunden, man hat eine Herkunft, die man in sich trägt. Was wir aus unsrer leidvollen und mörderischen Geschichte, aus all den barbarischen Geschehnissen des 20. Jahrhunderts, mit zwei von uns ausgelösten Weltkriegen gelernt haben, ist zweierlei: Erstens, dass alles verhindert werden muss, was auch nur nach "rääächts" aussieht, dass in einer Demokratie möglichst Konsens herrschen sollte (dass Dissens diese Herrschaftsform stark macht, lebendig hält, haben wir bis heute wohl nicht verstanden), dass es erlaubt ist, mit ALLEN MITTELN gegen Abweichler vorzugehen und man andere Meinungen, wenn sie nicht zur Hauptlinie "passen", mit allem unterdrücken muss, "wehret den Anfängen" hört man allenthalben, ein immer hohler werdender Satz, man schießt übers Ziel hinaus. Zweitens: Dass wir uns auf ewig selbst verleugnen müssen, hassen müssen, keinen Nationalstolz, zumindest keinen Patriotismus und keinerlei positive Gefühle unsrem Land gegenüber haben dürfen, sonst sind wir automatisch wieder böse, böse Nazis. Kein Land der Welt, nicht die Alliierten, die unser Land eine Zeitlang in Besatzungszonen aufteilen mussten, weder die Amerikaner noch die Briten oder Franzosen haben jemals von uns verlangt, dass wir uns selbst so hassen und nur noch das brave Hündchen spielen, das sogar als großes Vorbild für Europa und die Welt gelten will. Die Crux ist, dass uns Letzteres in den Hintern beißt: Wir entwickeln zunehmend wieder dieses "am deutschen Wesen soll die Welt genesen", indem wir unser Nationalgefühl, unsre Grenzen, unsre Kultur und den Zusammenhalt aufgeben - für eine "größere Sache", die darin bestehen soll, dass es eines Tages keine Nationen mehr gibt (der Plan der Globalisten), deshalb geben wir unser Land vorsorglich schon mal auf. Gepaart mit einem neuen Größenwahn, der diesmal nicht darin besteht, die ganze Welt zuerst in einem verheerenden Krieg zu besiegen, dann zu unterwerfen und erobern, sondern quasi die ganze Welt bei uns aufzunehmen und zu retten. Auf Gedeih und Verderb, Biegen und Brechen versuchen wir gleichzeitig, Europa zusammenzuhalten, dieses EU-Konstrukt, das mittlerweile zunehmend antidemokratisch wird, indem es immer mehr in die Souveränität seiner Mitgliedsstaaten eingreift und undemokratisch autoritär regiert. Diese Gemeinschaft, die ursprünglich etwas Positives war, zum besseren Verständnis der Länder untereinander, einem neuen Miteinander in einer wirtschaftlich zusammenarbeitenden Union, wächst nun zu einem Monster, am kräftigsten aus Deutschland gefüttert. Schon längst beginnen insbesondere die osteuropäischen Staaten, den neuen deutschen Sonderweg zu kritisieren und sich von EUropa abzuwenden, denn diese Art autoritärer Staatengemeinschaft kennen sie schon aus der Sowjetunion, aus den UDSSR-Zeiten. Es ist fatal, was die Gutmenschen tun, die die Regierung noch darin unterstützen und denen zujubeln, die uns ins nächste Dunkel führen. Traurig aber herzlich grüßt Dich Karl-Konrad


claudia savelsberg (cs205web.de) 03.10.2019

Mal wieder trefflich auf den Punkt gebracht! Wir schämen uns immer noch unserer Nazi-Vergangenheit, geben extrem viel Geld aus für Mahnmale für die Opfer des Holocaust. Geld, das sicher für andere (soziale) Zwecke besser verwendet werden könnte. Diese Kollektiv-Schuld, wie lange wird sie uns noch angelastet werden? Wir werden auch immer wieder damit erpresst (Michel Friedmann!!) Ich formuliere es jetzt bewusst extrem: wenn ich von einem Juden vergewaltigt würde, dann müsste ich ihm vergeben, weil er Jude ist, einer verfolgten Minderheit angehört, oder? Ich bin nicht "rechts", was man mir bei diesem Kommentar wohl gerne unterstellen würde ... ich denke nur logisch. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat ganz bewusst mit seinem Status als Jude gespielt. Egal, was er sagte. Seine arroganten Verrisse ließ die Kulturwelt gelten, weil man ihm nicht widersprechen wollte.
Herzlich grüßt Claudia

 

Antwort von Karl-Konrad Knooshood (05.10.2019)

Liebe Claudia, das mit den Mahnmalen finde ich gar nicht verkehrt, es ist halt nur so, dass wir die Einzigen weltweit sind, die quasi auch dieses mit in unsere Erinnerungskultur integrieren. Natürlich sollten diese Mahnmale ein Bestandteil unsrer Kultur sein und bleiben. Man könnte natürlich auch besser soziale Projekte fördern, auch infrastrukturelle Maßnahmen zur Verbesserung/Verschönerung von Städten und ländlichen Gebieten. Und für den Umwelt-, eventuell sogar Klimaschutz. Das gilt erst recht für den mit 8 Milliarden (!) jährlich viel zu aufgeblasenen Öffentlich- Rechtlichen-Kulturbetrieb, der seine Mitwirkenden fürstlich protegiert und finanziert, dafür aber, außer informativen Naturdokus, Zoodokus und Informationsmagazinen auch jede Menge miese und schädliche Propaganda in die Hirne junger, beeinflussbarer Menschen, aber auch der Älteren, bläst. Schade ist nur, wenn die Geschichte missbraucht und wir immer wieder mit ihr erpresst werden, während es danach aussieht, als schlitterten wir mit Schmackes in die nächste Katastrophe, die diesmal verdächtig nach Sozialismus-Vorzeichen riecht. Das Einzige, das wir aus unsrer Geschichte gelernt zu haben scheinen, ist dieses diffuse Schuldgefühl, der Eifer, unbedingt Neuerliches dieser Art zu verhindern - und dabei wieder in dieselben Fallen tappen: Kollektivismus gegen einen gemeinsamen erklärten Feind (in diesem Fall eine gewisse konservative Partei, die gesamte sonstige Opposition), Gesinnungs- und Haltungsvermittlung (und Preise für diejenigen, die gut mitlaufen/mitmachen), Konsens-Zwang oder zumindest Lenkung in diese Richtung, als lebe die Demokratie nicht auch vom Gegenüberstehen konträrer Meinungsbilder, Propaganda in Funk und Film, in der die "richtige" Einstellung gepredigt und gepriesen wird etc. Es ist schwierig zu sagen, ob man, wenn einen ein Jude vergewaltigen würde, ihm nur deshalb direkt vergeben müsste. Immerhin ist Vergewaltigung so ziemlich das Schlimmste, das man einem Menschen antun kann (außer natürlich Mord). Man muss aber auch so jemanden dann zur Rechenschaft für sein Verbrechen ziehen können, ohne gleich als Antisemit zu gelten. Was Michel Friedmann betrifft: Er ist eine Nummer für sich, er arbeitet gern mit Provokation (wie viele andere auch), ist aber auch sehr dogmatisch und eifrig dabei, wenn's um die Erpressung mit unsrer Geschichte geht. Dass Du nicht rechts bist, glaube ich Dir auch so, Deine Fragestellungen im Kommentar sind vollkommen berechtigt und weit entfernt von irgendwelchem extremen Gedankengut. Reich-Ranicki fand ich persönlich schon nett, unabhängig von seinem Jude-Sein, er war einfach eine schillernde Persönlichkeit. Gut, oftmals ging er zu hart mit Autoren ins Gericht, man merkte manchmal, dass er Bücher verriss, weil er deren Schriftsteller nicht mochte. Sein Glaube mag dabei eine Rolle gespielt haben, sicher nur gelegentlich. LG, Karl-Konrad


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