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„Die Leiche“ von Patrick Rabe

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rnyff (drnyffihotmail.com)

26.01.2021
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Eindrücklich und bestens geschildert. Man ist fasziniert und staunt und überlegt, was da nun wirklich abgegangen ist. Auf jeden Fall bist Du für mystische Ereignisse bestens geeignet und kannst sie auch entsprechend verarbeiten. Herzlich Robert

Patrick Rabe (27.01.2021):
Zunächst mal: Ich habe diese Erinnerung an die Sache mit dem Mann auf der Parkbank. Und die war auch wirklich so, wie ich sie dort schildere. Ich kann eine Leiche schon von einem Betrunkenen unterscheiden. Jedoch ist es natürlich möglich, dass ich mir die Sache, dass der Mann wieder aufgestanden und auf mich zugegangen ist, aufgrund des Schocks eingebildet habe. Es war jedoch auch dies recht plastisch. nur, dass er mir dann eben nichts tat, sondern einmal nach hier und einmal nach da ging. Jedoch auch nicht wie ein Betrunkener. Und wenn ich mich recht erinnere, lag er dann wieder auf der Bank. Es hat in den 1980ern und 1990ern in unserem Stadtteil dort Satanisten gegeben, die manchmal im Park Rituale machten. Später, als Erwachsener habe ich auch welche davon kennengelernt. es sind auch "nur" Menschen, die ihre Taten bis heute teilweise sehr bereuen. Ich persönlich glaube an das Wirken höherer und niederer Mächte. Aber deswegen ist diese Geschichte trotzdem nur eine Geschichte, keineswegs mehr die Verarbeitung eines Traumas oder so. Dafür ist die Sache einfach schon zu lange her. Und ich glaube, jedes Kind erlebt solche abstrusen Sachen. Man traut sich nur später nicht immer, darüber zu sprechen. In der Psychologie nennt man das die "magische Phase". Ich habe mein Leben größtenteils "in der Realität" verbracht (und tue es noch), deswegen messe ich dem jetzt keine schicksalhafte Bedeutung mehr zu. Und das Ende der Geschichte ist sozusagen frei erfunden. (Bis auf die Tatsache, dass ich wirklich gute Eltern hatte...). Dennoch glaube ich auch, dass mein Stadtteil (seit vielen Jahren lebe ich wieder hier), immer noch belastet ist von diversen Traumata. Persönlichen und kollektiven. Hier gibt es eine ehemalige SS-Kaserne, die nach dem Krieg ein Krankenhaus wurde, das lange Zeit -und heute wieder-berüchtigte psychiatrische Krankenhaus Ochsenzoll ist hier in der Nähe, und in einem Wohngebiet auf der anderen Seite des Stadtteils war in den 1030er/40er Jahren die "Außenstelle" des KZ's Neuengamme. (Eine Art "Vorsortierungslager"). In Neuengamme haben die Häftlinge Torf gestochen und daraus Ziegel gebrannt. Wenn sie erschöpft und nicht mehr arbeitsfähig waren, sind sie teilweise gleich mit in den Ofen geschmissen worden. (Wegen den teilweise hier immer noch sehr sichtbaren Zeichen all dessen -obwohl man mittlerweile versucht, es baulich wegzukaschieren, und im KZ Neuengamme hat man teilweise die Originalbaracken und Öfen abgerissen, weil man den Eindruck hatte, das schcke die junge Generation zu sehr- werde ich auch nie in der Lage sein, den Holocaust zu leugnen. Umso mehr schmerzt es mich, dass man mich teilweise in so eine Ecke stellt.) Abgesehen davon gibt es aber auch viele deutlich jüngere Schrecklichkeiten und Skandale hier, wie einen Pädophilenring, der seit ca. den 1970er Jahren hier aktiv ist, und in den auch immer mal wieder die Kirche (evangelisch UND katholisch) verstrickt war. All das harrt schon in gewisser Weise einer Bearbeitung und Verarbeitung. Denn manche (auch gerade aus meiner Generation) sind hier vom Konfirmandenunterricht oder der Firmung gleich irgendwie in Pädopholenhände "gewandert", dann eventuell früh ins Krankenhaus Ochsenzoll gekommen, mit schweren Medikamenten teils lebensunfähig gemacht worden, von Kleinstjob zu Kleinstjob getingelt, teilweise aus Protest Satanist, Satanistin oder Nazi geworden, dort dann auch vom Regen in die Traufe gekommen und immer wieder versucht, durchzukommen und weiterzuleben. Mein Leben war zum Glück ein bisschen anders (aber auch nicht deutlich anders...). Ich bin lediglich von meinen Eltern in einen anderen Stadtteil zur schule geschickt worden, als meine Mutter hörte, dass es hier Satanisten gibt. Meine Mutter kommt aus einem sehr frommen Dorf. Das hat auch manchmal seine Tücken, aber insgesamt bin ich doch froh darüber. Hier im Stadtteil gibt es viele Künstler. Auch viele richtig gute (und teilweise deutschlandweit bekannte wie die Band "Slime"). Jedoch vor allem diejenigen, die nicht so bekannt geworden sind, z.B. die Schriftsteller, so wie ich, können diese ganzen Dinge, die hier im Stadtteil vorgefallen sind, zunehmend besser erspüren und sind, denke ich, eher in der Lage, dies in einer würdigen Weise - z.B. literarisch - zu bearbeiten, als dies Polizei, Justiz und Geheimdienste könnten (die immer mal wieder auf diesen Stadtteil angesetzt wurden, teilweise auch die internationalen). In Maine und Umgebung macht so etwas beispielsweise Stephen King, und das geht in Amerika und wird geachtet. Ich weiß wirklich nicht, warum in Deutschland immer alles zur justiziablen Sache hochgepitcht werden muss. Das ist dann irgendwann ein endloses vergelten und Sich-gegenseitg-anzeigen. Und ich muss ganz ehrlich sagen: dafür ist mir meine Lebenszeit zu schade. Daher hoffe ich, dass die Geschichte wirklich als Horrorgeschichte rezipiert wird, und nicht noch in irgendwelchen Geheimdienstakten landet. Alles Liebe, Patrick Rabe

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