Kommentare unserer Leserinnen und Leser zur Kurzgeschichte
„über das Zeitalter der Gestörten: Szenografie_A“ von Egbert Schmitt


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Ja, lieber Egbert,
was soll ich sagen, geschweige denn kommentieren? Du hast einmal mehr deine Lebenserlebnisse (merkwürdige Wortwahl meinerseits) in witzig gekonnter Weise präsentiert. Einen gewissen Teil davon könnte ich aus eigenem durch die Welt bummeln bestätigen, vielleicht sogar ergänzen. Allerdings, und da scheiden sich die Geister, war meine aktive ÖPNV-Zeit im Wesentlichen von anderen Parametern geprägt. Zu Anfang kannten wir so etwas wie eine U-Bahn nur aus Filmen oder dem Schulunterricht, sollte einer der wenig begnadeten Lehrer, zuzüglich derer weiblichen Pendants, aus Versehen schon einmal davon gehört oder gar im Ausland selbst erlebt haben. Im letzteren Fall konnte er oder sie auftrumpfen und seine oder ihre weltumspannende Versiertheit unter Beweis stellen. Wir freuten uns dagegen auf die Straßenbahn mit Anhänger und Zusteige-Plattform (auch zum Aussteigen genutzt). UND im Anhänger durfte geraucht werden und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit! Was wir Lümmel auch reichlich taten, und was wiederum die etwas ältere Generation mit Regelmäßigkeit auf die Palme brachte. "Du Hundsgrippe..." war eine damals beliebte und oft verwendete Eingangs- oder Startfloskel, bevor die eigentlichen Schimpftriaden gscheid gscherd auf uns herniederprasselten. Das heute die Bahnen und Busse bevölkernde Klientel, gab es, wie von dir beschrieben, nicht. Allerdings, und das scheint mir erwähnenswert, war es nicht so, dass es etwa keine "Fremdländer" gegeben hätte. Ganz im Gegenteil. Nur, sie waren oft erst dann deutlich zu erkennen, wenn sie das, was sie für Deutsch hielten, auch aussprachen, vom bayerischen Dialekt, dem Ursprung aller Weltsprachen, gar nicht erst zu reden. Ja, sie kamen eben aus Regionen, in die sie die Geschichte aus vielerlei Gründen verschlagen hatte. Später waren sie wichtiger Grundstock für die Gründung diverser Gruppen und Aussiedlerverbände. Heute in der Xten Generation sind sie integrierter Teil der Gesellschaft und auch wieder nicht, wenn jene, die vom ehemaligen Erleben nichts wissen und nur aus Erzählungen kennen, sich jeweils kurzzeitig sozusagen ausgliedern, um in ihren Verbänden in alte Trachten gekleidet, Dinge pflegen und von sich geben, die bei Lichte betrachtet, mit dem realen Leben hier nichts zu tun haben. Da freut sich dann manch NEUPOLITISCHE-Orientierung. So könnte es eines Tages sein, dass jene jetzt Hinzugekommenen es ähnlich handhaben werden und vielleicht, nein ganz sicher, heute schon tun. Sie tragen IHRE Tracht, sie treffen sich in IHREN Vereinen und scheren sich keinen Deut darum, ob dieses und jenes den Integrationsvorstellungen des oder der Bundes-Integrationsbeauftragten entsprechen. Allerdings, und da werden sie niemals an unsere Vergangenheit anknüpfen können, wir sind, ob rauchend oder auch nicht, immer aufgestanden, sollten ältere Fahrgäste zugestiegen sein. Wir haben ihnen unseren Sitzplatz förmlich aufgedrängt.
Lieber Egbert, Fahrradklauen hat von je her Hochkonjunktur bei unseren Nachbarn mit den Coffeeshops. Vielleicht gehört es dort auch zum Induvidual-ÖPNV, quasi als temporäre unentgeltliche Leihgabe.
Mit der Integration ist das ohnehin so eine Sache. Ist sie nicht aktives Hineinfinden in das Neue? Wer das nicht begreift, nicht will, nicht kann, wird anfangen, mit sich, mit seinem Leben, mit der Gesellschaft usw. zu hadern. Ich bin beruflich in vielen Ländern und Städten unterwegs gewesen. Nirgendwo habe ich erlebt, dass etwa meine bayerische Vorprägung das Mass der Dinge gewesen wäre (was natürlich unverzeihlich war und ist).
Viel Freude wünsche ich dir für den Folgeteil!
Servus
Hans





Egbert Schmitt (30.08.2022):
Hallo Hans, endlich komme ich zum Beantworten, da ich gerade erst (10 Uhr morgens) in die Firma drive mit Rad – U- Bahn – Rad – Bus - Rad. Bekommen heute nachher eine Werkstudentin für meine bald entbindende Kollegin). Habe somit gerade Zeit. Wie im ersten Teil beschrieben dauert es meistens - ewig am Morgen -, da meine Frau meint ich könne doch - auf dem Weg liegend – noch am Hauptbahnhof ihre Übergangsjacke (ein Wort das es nur in Deutschland gibt, wie Kreiswehrersatzamt oder Legeware) bei der Reinigung vorbeibringen. Noch dies oder jenes – mal schnell – besorgen. Irgendwohin - ohne zusätzlichen Eil-Auftrag von der Ehe-Regierung – ist in meiner Heiratsstufe nicht drin. Meistens Abend noch am Heimweg: ICH BRAUCHE NOCH aus der Stadt, kurz vor Ladenschluss noch einkaufen soll. Meistens vorher anrufen muss, weil der Metzger um 17 Uhr zu macht und DU (also WIR) bereits Vormittags vorbestellen musst, wenn DU sechs Bratwürste (nicht SEX auf Kraut) geordert erwerben willst. Oder Kosmetika. Aber nur von DORT oder nur von DEM. Oft besteht die größte Angst des Mannes darin, dass man die Richtige (Frau) findet. Wen ja dann host der’s. (sagt Gerry Seidel, als Österreicher) Die ghört der etz. Griegt mer oft immer schwer weg. Nun meiner- einer ist ja durch die Gnade der späten Geburt vom Krieg verschont geblieben. Kann also vom Krieg nichts erzählen. Dafür habe ich gedacht heiratest dafür als Ausgleich, damit du nach 30 Jahren – mitreden kannst -. Dummerweise ist die Lebenserwartung orbitant gestiegen, als Verschärfung. Hatte gestern frei um meine greise Mutter zu besuchen. War schon am Samstag mit mitgekochtem Essen bei ihr. Vorher noch mit dem Rad zum Friedhof die Ahnen bewässern und dann in der Hitze - zu Muttern - damit sie sprachlich nicht verlottert, wie sie sagt. Sie Ansprache benötigt. Hat mit 86 kaum noch Ansprache in ihrem zwangsweisen geräumigen Austragsstüberl-Homeoffice. Ihre Aktivitäten eben sehr eingeschränkt sind, da Sie mit der VAG-Straßenbahn und dem Stock unterwegs um einen Sitzplatz betteln muss, in der Südstadt, wo besagte Klientel überaltert und Sitzplätze nicht freiwillig - von Osteuropäern - geräumt werden. Freue mich jedes Mal über das Internet-Video wo im rigorosen Frankreich, eine 40 Jährige impertinente Frau nicht aufstehen wollte im Eingangsbereich, der in Paris für ältere Menschen – von allen - freigehalten wird. Hier sieht man wie ein Jüngling aufsteht und den Indentitätshandtaschenkrempel - der Zumpfl – beim nächsten Stationshalt unter umstehenden frenetischen Beifall aller Mitreisenden durch die geöffnete Wagontüre auf den Bahnsteig pfeffert, damit die Besitzerin aufspringt und ihrer Daseinsberechtigung nachhechtet. Jedenfalls bin ich nach den ehelichen Einkauf-Wochenendaktivitäten (alles mit Rad) dann am freien Montag dermaßen fertig, das ich (das Buberl) bei Muttern am Chanapé wegdöst, für über drei Stunden, anstatt mit ihr Konversation zu betreiben. Was eh schwierig ist. Ich erlebe nichts, wie auch Sie, außer VAG & GUS-Deppen im Nahverkehr und Netto-Supermarkt. Und Sie hat mir ja bereits alles berichtet WO ICH als Kind zugegen war. Ein Großereignis ist schon, wenn meine relativ junge Mutter (nur zwanzig Jahre jünger als ich) mit den verbliebenen Uralt-Kartl-Freundinnen sich im Kulturverein Stadtpark trifft (mit der Straßenbahn hin) und nach 4 Stunden Karten-Klopfen dann nach 5 Monaten Hitzewelle in einen – Kittl-Wascher (=fränkisch=heftigster Dauerregenguss) gerät. Wobei alle Damen KEINEN SCHIRM dabei hatten. Tropfnass in die Straßenbahn gezwängt werden, wo selbst Stehplätze rar sind, weil Mütter mit Kinderwägen ihre Brut verteilen, die jedweden Alters die Sitzplätze verbarrikadieren. Andere stehen AUCH NICHT AUF. Würde gerne mal Maskenverweigerern und Sitzplatzlümmeln (meistens tätowiert angesoffene Männer und sprachlich auf unverständlich machend) an die Haltekonsole mit Handschellen festarretieren. Ihne den Schlüssel in den Mund werfen und mit Strong-Panzerband selbigen zukleben, wo er solange verweilen muss, bis ER den verschluckten Schlüssel wieder aussch … eidet. Gruß vom Egbert, bis Freitag.

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