Kommentare unserer Leserinnen und Leser zur Kurzgeschichte
„... über den Schuldienst, als geologisches Zeitalter !“ von Egbert Schmitt


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Lieber Egbert,
es gibt nur wenige Räume, wo die Theorie- und Praxiswände so weit von einander entfernt sind, als in Lehrerzimmern. Deine Betrachtungen sind wieder mal herrlich analytisch und gleichzeitig humorvoll unterhaltsam. Wenn es doch nicht so ernst um unsere Bildung stehen würde, könnte man darüber lachen. Tue ich auch, aber nur weil es gesund sein soll. Dringendst müsste sich im Bildungssystem etwas ändern. Wie in anderen Bereichen, wurden wir von vielen Ländern abgehängt oder besser gesagt, auf die hinteren Schulbänke verwiesen. Die Ursachen sind zum großen Teil hausgemacht, aber auch eingewandert. Das muss man an der Stelle mal ansprechen dürfen. Bleibt also abzuwarten, wie Deutschland aus dieser Misere herauskommt. Deinen starken Beitrag, inklusiver der drei Schul-Natur-Gesetze habe ich mit Begeisterung gelesen.

LG Uwe

Egbert Schmitt (18.11.2025):
Lieber Uwe, Zwischen Theorie und Praxis im Lehrerzimmer liegen tatsächlich Kontinente. Man könnte die Distanz fast auf Google Maps anzeigen lassen: Route zwischen pädagogischem Anspruch und tatsächlichem Unterricht wird berechnet ... ! ... Keine Verbindung gefunden ... Dass man darüber lacht, obwohl es eigentlich zum Heulen ist, kenne ich nur zu gut. Humor ist hier nicht Beiwerk, sondern überlebenswichtige Medizin. Sonst würde man die ganze Misere wie ein zu lang liegengebliebenes Pausenbrot betrachten ... ...ungenießbar, aber irgendwie immer noch Bestandteil des Systems. Wir sitzen international längst wieder hinten in der Klasse, direkt neben Ländern, die vorher in unserem Schatten standen, obwohl wir uns seit Jahrzehnten einreden, wir wären - das Land der Bildung -. Wenn das so weitergeht, bleibt uns nur noch die Rolle des Nachsitzers mit Förderbedarf. Bürokratie, die jeden Fortschritt auffrisst, bevor er das Klassenzimmer erreicht. Auch die sprachlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die wir uns seit Jahren schönreden, anstatt sie pragmatisch und professionell anzupacken Wie kommen wir da heraus ? Wahrscheinlich erst, wenn nicht mehr jeder Schulversuch wie ein staatlich geprüfter Schildkrötenmarsch durch 16 Kultusministerien schleichen muss ... und ... Wenn man endlich aufhört, Reformen zu erfinden, die in der Praxis aussehen wie IKEA-Möbel ohne Anleitung. Große Versprechen, aber am Ende fehlen die Schrauben. Aber dass habe ich ja schon vor Jahren gebethsmühlen artig mehrfach geschrieben. Anscheinend macht Wiederholung, wie in der Schule DA auch NICHT anschaulich. Gruß Egbert

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Unter Gebildeten: Schön vor allem ist natürlich der Apostroph in Lehrerzimmer'n. Solche werden rücksichtslos ausgesiebt.

Egbert Schmitt (18.11.2025):
Hallo Klaus, Ja, der Apostroph in Lehrerzimmer’n war eine kleine stilistische Feldstudie. Eine Art orthografischer Stinkefinger in Richtung jener Pedanten, die seit Jahrzehnten im Deutschunterricht mehr auf Kommas als auf Inhalte achten. Keine Sorge, wer solche Zeichen setzt, wird in echten Lehrerzimmern selbstverständlich sofort ausgesiebt, wie du anmerktest, rein aus Gründen der -Sprachreinheit - und anderer musealer Tugenden. Grüße Egbert

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Servus Egbert,
das System passt zum System. Entweder so rum oder anders herum! Ist wurscht, denn auf Hochdeutsch: das eine bedingt das andere und umgekehrt.
Seit ewigen Zeiten heißt es, und es wird beteuert: Wir müssen mehr für die Bildung tun! Stimmt! Aber warum wird es dann nicht gemacht? Anständige Schulhäuser mit sauberen und funktionsfähigen Toiletten wären schon mal ein guter Start! Dazu eine zeitgemäße Ausstattung in der Schule und für die Schüler und zwar Geldbeutel der Eltern unabhängig! Stattdessen wird lieber und sehr ausführlich über Handyverbote diskutiert. Lehrer und ihre weiblichen Pendants, die meinen, Verbote nützen nichts, denn gefragt wären sinnvolle und weiterführende Unterrichtsangebote, werden nicht gehört oder…, ich weiß es nicht. Vermutlich gehen die im Ober sticht Unter Prinzip unter. Folgt man den Ausführungen von Prof. Becker, Positive Psychologie, sieht man, wie die Leistungsanforderungen an die Schüler beständig nach unten angepasst werden. Möglichst viele sollen schließlich das Abitur mit einer Eins vor dem Komma schaffen. Alles, damit schwächere oder/und weniger motivierte Kids und Jugendliche es trotzdem schaffen. Bundesjugendspiele: Bitte nicht! Die Besseren sollen es nicht mehr zeigen. So fördert man Einheitsbrei! Alles vermischt, Inklusion auf jeder Ebene und jedem Level. Motto: Wir sind alle Gleichmenschen! Das das nicht stimmt, weiß jeder. Das System macht aus gegebener Ungleichheit (an dieser Stelle nicht negativ zu verstehen) verordnete Gleichheit. Freilich wäre es durchaus vorstellbar, Gleichheit zu fördern unter Anlehnung vorhandener Fähigkeiten und Talente. Dazu müssten sie nur erkannt werden, dann gefördert. Nicht jeder Mensch, auch wenn er noch Kind und Jugendlicher ist, ist gleich dem anderen, auch nicht in seinen Fähigkeiten. Binsenweisheit! Und wenn in einer Grundschulklasse 5 oder 6 unterschiedliche Sprachen vorherrschen, dann wird es nichts werden mit den gleichen Chancen. Übrigens auch für jene nicht, die‘s im Oberstübchen stemmen würden. Schüler, die sich langweilen, weil unterfordert, können ihr Potenzial nicht entwickeln! Darum weniger Gleichmacherei und mehr individuelle Förderung! Prost Mahlzeit, der Fachkräftemangel….! Unzählige Lehrkräfte arbeiten nur Teilzeit! Beamte, nicht wahr, dem Wohle des Staates verpflichtet oder so ähnlich! Es gäb’ viel zu tun, warten wir‘s ab!
Ein schönes und erholsames Wochenende!
Ciao
Hans

Egbert Schmitt (18.11.2025):
Servus Hans, Da hast Du mitten in den Lehrerkaktus gefasst. Das System passt tatsächlich zum System. Ein in Formalin eingelegtes Fossil, das seit Jahrzehnten behauptet, es wolle mehr für Bildung tun, aber schon am Austausch einer Toilettenbrille scheitert. Wir reden in Deutschland über Handyverbote, während in vielen Schulen die Klos aussehen wie archäologische Grabungsstätten. Da hilft keine Pädagogik, da hilft nur ein Bautrupp, oder ein Exorzist. Dass man die Leistungsanforderungen ständig nach unten schraubt, ist ebenfalls symptomatisch. Pisa fällt, also wird nicht gelernt, sondern die Latte abgesenkt, bis man eigentlich nur noch drüber gehen muss. Bald reicht wahrscheinlich Anwesenheit plus Puls für eine „1 vor dem Komma“. Ein Abitur fürs Standhalten. Die Bundesjugendspiele abzuschaffen, damit sich niemand schlecht fühlt ... herrlich. Das ist, als würde man den Thermometer abschaffen, um Fieber zu heilen. Ja, die große Gleichmacherei. Alle gleich, alle ähnlich, alle auf Einheitsbrei-Niveau. Der Mensch als pädagogisch glattgehobeltes IKEA-Regalbrett. Vielseitig einsetzbar, aber bitte ohne Profil. Dabei verhungern Talente wie Zimmerpflanzen im Treppenhaus. Interessiert keinen, Hauptsache, der Inklusionsprospekt glänzt. Dass in einer Grundschulklasse mittlerweile sechs Sprachen gleichzeitig auftauchen, ist Realität. Aber anstatt dafür Ressourcen zu schaffen, drückt man einfach alle durch die gleiche Tür. Ergebnis: Die Starken langweilen sich, die Schwachen verzweifeln und das System behauptet, alles sei pädagogisch wertvoll. Wertvoll wofür, bleibt offen. Fachkräftemangel ? Ach herrje. Wir ernten jetzt, was die Schulpolitik seit 30 Jahren angesät hat. Weniger Anspruch, weniger Leistung, weniger Können, weniger Fachkräfte. Eine Art pädagogische Schwerkraft, absolut zuverlässig nach unten. Die Teilzeitwelle bei meist weiblichen Lehrenden. Klar arbeiten Sie Teilzeit, wer Vollzeit in diesem Bürokratie-Moloch überlebt, müsste eigentlich eine Tapferkeitsmedaille bekommen. Beamte sind dem Wohl des Staates verpflichtet ? Ja, theoretisch. Praktisch sind viele froh, wenn sie nicht täglich an Formular-Infarkt sterben. Unterm Strich züchten wir uns ein Bildungssystem, das weder den Schwachen hilft noch die Starken fördert, dafür aber garantiert, dass alle in der Mitte kleben bleiben wie Kaugummi unter der Schulbank. Gruß vom Egbert, sorry, hat ein bisschen gedauert, weil mein WLan schleppt. Vermutlich deshalb, da wir neben Schulen wohnen und die uns vermutlich anzapfen. Geistig und Durchsatz mäßig.

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