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Egbert Schmitt (18.11.2025):
Lieber Uwe,
Zwischen Theorie und Praxis im Lehrerzimmer liegen tatsächlich
Kontinente. Man könnte die Distanz fast auf Google Maps anzeigen
lassen:
Route zwischen pädagogischem Anspruch und tatsächlichem
Unterricht wird berechnet ... ! ... Keine Verbindung gefunden ...
Dass man darüber lacht, obwohl es eigentlich zum Heulen ist, kenne
ich nur zu gut.
Humor ist hier nicht Beiwerk, sondern überlebenswichtige Medizin.
Sonst würde man die ganze Misere wie ein zu lang liegengebliebenes
Pausenbrot betrachten ...
...ungenießbar, aber irgendwie immer noch Bestandteil des Systems.
Wir sitzen international längst wieder hinten in der Klasse, direkt
neben Ländern, die vorher in unserem Schatten standen, obwohl wir
uns seit Jahrzehnten einreden, wir wären - das Land der Bildung -.
Wenn das so weitergeht, bleibt uns nur noch die Rolle des
Nachsitzers mit Förderbedarf.
Bürokratie, die jeden Fortschritt auffrisst, bevor er das Klassenzimmer
erreicht.
Auch die sprachlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die
wir uns seit Jahren schönreden, anstatt sie pragmatisch und
professionell anzupacken
Wie kommen wir da heraus ?
Wahrscheinlich erst, wenn nicht mehr jeder Schulversuch wie ein
staatlich geprüfter Schildkrötenmarsch durch 16 Kultusministerien
schleichen muss ... und ...
Wenn man endlich aufhört, Reformen zu erfinden, die in der Praxis
aussehen wie IKEA-Möbel ohne Anleitung.
Große Versprechen, aber am Ende fehlen die Schrauben.
Aber dass habe ich ja schon vor Jahren gebethsmühlen artig
mehrfach geschrieben.
Anscheinend macht Wiederholung, wie in der Schule DA auch NICHT
anschaulich.
Gruß Egbert
Egbert Schmitt (18.11.2025):
Hallo Klaus,
Ja, der Apostroph in Lehrerzimmer’n war eine kleine stilistische
Feldstudie. Eine Art orthografischer Stinkefinger in Richtung jener
Pedanten, die seit Jahrzehnten im Deutschunterricht mehr auf
Kommas als auf Inhalte achten.
Keine Sorge, wer solche Zeichen setzt, wird in echten Lehrerzimmern
selbstverständlich sofort ausgesiebt, wie du anmerktest, rein aus
Gründen der -Sprachreinheit - und anderer musealer Tugenden.
Grüße Egbert
Egbert Schmitt (18.11.2025):
Servus Hans,
Da hast Du mitten in den Lehrerkaktus gefasst. Das System passt
tatsächlich zum System.
Ein in Formalin eingelegtes Fossil, das seit Jahrzehnten behauptet, es
wolle mehr für Bildung tun, aber schon am Austausch einer
Toilettenbrille scheitert.
Wir reden in Deutschland über Handyverbote, während in vielen
Schulen die Klos aussehen wie archäologische Grabungsstätten.
Da hilft keine Pädagogik, da hilft nur ein Bautrupp, oder ein Exorzist.
Dass man die Leistungsanforderungen ständig nach unten schraubt,
ist ebenfalls symptomatisch.
Pisa fällt, also wird nicht gelernt, sondern die Latte abgesenkt, bis
man eigentlich nur noch drüber gehen muss.
Bald reicht wahrscheinlich Anwesenheit plus Puls für eine „1 vor dem
Komma“. Ein Abitur fürs Standhalten.
Die Bundesjugendspiele abzuschaffen, damit sich niemand schlecht
fühlt ... herrlich.
Das ist, als würde man den Thermometer abschaffen, um Fieber zu
heilen.
Ja, die große Gleichmacherei.
Alle gleich, alle ähnlich, alle auf Einheitsbrei-Niveau. Der Mensch als
pädagogisch glattgehobeltes IKEA-Regalbrett. Vielseitig einsetzbar,
aber bitte ohne Profil.
Dabei verhungern Talente wie Zimmerpflanzen im Treppenhaus.
Interessiert keinen, Hauptsache, der Inklusionsprospekt glänzt.
Dass in einer Grundschulklasse mittlerweile sechs Sprachen
gleichzeitig auftauchen, ist Realität.
Aber anstatt dafür Ressourcen zu schaffen, drückt man einfach alle
durch die gleiche Tür.
Ergebnis: Die Starken langweilen sich, die Schwachen verzweifeln und
das System behauptet, alles sei pädagogisch wertvoll.
Wertvoll wofür, bleibt offen.
Fachkräftemangel ?
Ach herrje. Wir ernten jetzt, was die Schulpolitik seit 30 Jahren
angesät hat.
Weniger Anspruch, weniger Leistung, weniger Können, weniger
Fachkräfte.
Eine Art pädagogische Schwerkraft, absolut zuverlässig nach unten.
Die Teilzeitwelle bei meist weiblichen Lehrenden.
Klar arbeiten Sie Teilzeit, wer Vollzeit in diesem Bürokratie-Moloch
überlebt, müsste eigentlich eine Tapferkeitsmedaille bekommen.
Beamte sind dem Wohl des Staates verpflichtet ? Ja, theoretisch.
Praktisch sind viele froh, wenn sie nicht täglich an Formular-Infarkt
sterben.
Unterm Strich züchten wir uns ein Bildungssystem, das weder den
Schwachen hilft noch die Starken fördert, dafür aber garantiert, dass
alle in der Mitte kleben bleiben wie Kaugummi unter der Schulbank.
Gruß vom Egbert, sorry, hat ein bisschen gedauert, weil mein WLan
schleppt. Vermutlich deshalb, da wir neben Schulen wohnen und die
uns vermutlich anzapfen. Geistig und Durchsatz mäßig.
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