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Egbert Schmitt (16.12.2025):
Lieber Hans, (hat ein bisschen gedauert)...
dein Hinweis auf die fehlenden Sensoren trifft den Kern, allerdings
fürchte ich, dass es sich nicht um ein evolutionäres Defizit handelt,
sondern um eine bewusst eingebaute Sollbruchstelle.
Endlich eine Erklärung, warum ich trotz jahrzehntelanger
Feldforschung immer noch im Nebel taste.
Darwin hätte uns wenigstens eine Warnlampe spendieren können:
Achtung, Wahrnehmung reicht nur bis zur Oberfläche.
Eine Art männlicher Selbstschutz, der verhindert, dass wir frühzeitig
erkennen, worauf wir uns eingelassen haben.
Die von dir beschriebenen Phasenverschiebungen beobachte ich
ebenfalls.
Ich nenne es kulturelle Blindheit. Sie hält ihre Art zu herrschen für
universell, dabei funktioniert sie nur in einem sehr schmalen Biotop:
zwischen Eigenheim, Krankenversicherung und der stillschweigenden
Vereinbarung, dass Männer zwar denken dürfen, aber bitte nicht zu
laut.
Meist treten sie spontan auf, ohne Vorwarnung, gerne abends oder
kurz vor dem Einschlafen.
Ein falsches Wort genügt, und schon kollabiert der lokale
Realitätskorridor. Kontrolle ist dann kein Zustand mehr, sondern ein
nostalgischer Begriff aus der Frühzeit der Beziehung.
Denn meine außerirdische Lebensform, du würdest sie vermutlich als
„werte Gattin“ klassifizieren, agiert nicht einfach autoritativ.
Sie lehrt, wie ihre Schwester und meine stillgelegte SchwiegerMUH,
im Acht-Minuten-Takt. Mit der Geduld eines Orthopäden, der exakt
eine Untersuchung vorgesehen hat und danach für jede weitere Frage
emotional wie administrativ nicht mehr zuständig ist.
Ihre Weltanschauungen ist/sind dabei von einer Reinheit, die in
anderen Kulturkreisen schlicht nicht überlebensfähig wäre.
Nicht, weil diese Kulturen barbarisch wären, sondern weil sie Ironie,
Ambiguität und situative Intelligenz verlangen.
Eigenschaften, die in ihrem inneren Regelwerk als verdächtig,
ineffizient oder gleich ganz verboten gelten.
Man könnte sagen: Ihre Moral ist so kompromisslos, dass sie nur in
einer vollständig regulierten Umgebung existieren kann, vorzugsweise
dort, wo Männer domestiziert, abgesichert und steuerlich erfasst
sind.
Bereits südlich der Alpen würde diese kompromisslose
Prinzipientreue nicht als Stärke, sondern als Einladung zur finalen
Fehlinterpretation gelesen.
Dort nämlich, wo soziale Realität nicht diskutiert, sondern
ausgehandelt wird, wäre ihr pädagogischer Furor kein moralischer
Leuchtturm, sondern ein kurz aufflackerndes Missverständnis.
Kein Diskurs. Kein Protokoll. Kein Acht-Minuten-Zyklus. Nur die
rasche Korrektur eines Systems, das seine Umwelt falsch gelesen
hat.
Also dies hebe ich jetzt so ausformuliert, weil ich ES so ... wie
nachfolgend ... klarer dargelegt ... nicht schreiben darf ... ohne dafür
... bei Wasser und Brot ...
[ mit dem Umstand dass Sie, wenn Sie in einem anderen Kulturkreis
leben würde, keine 40 Jahre, sondern mit viel Wohlwollen nur 4
Wochen überlebt hätte.
Selbst im südlichsten Italien hätte Sie die Camorra geviertelt und
noch kleiner geschnitten und an das Federfieh verfüttert.
Danach die Hühner geschrettert und das was noch wie Globolie von
ihr daseinte, streunende Hunde zu Frass vorgeworfen.
Meistens hat man dann die Hunde noch in Salzsäure aufgelöst,
sicherhalber ... ]
Deine Hoffnung auf transzendentale Erleuchtung teile ich nur bedingt.
Ich vermute, am Ende wartet keine Erleuchtung, sondern
administrative Ruhe.
Der Zustand, in dem man nichts mehr erklärt bekommt, weil man
endgültig aufgegeben hat, verstanden werden zu wollen.
Bis dahin erdulde ich weiter die Weisungsbefugnis meiner
außerirdischen Lebensform, nicht aus Einsicht, sondern aus
Langzeiterfahrung.
Aus der Gewissheit heraus, dass Evolution manchmal nicht das
Überleben des Stärkeren meint, sondern des Anpassungsfähigsten.
Kosmisch resignierte Grüße
vom Egbert, der schon ein paar Mal nachfragte, bei der
Gefängnisküche, ob Sie dass gute Rebellbrot vom Bäcker Geil haben,
jenes mit der Salzkruste im Programm. Das Stadtwasser in der
Marthastraße, ist excelent.
Du siehst der MUTivationslevel hängt manchmal an einem dünnen
Weihnachtszweig.
Egbert Schmitt (16.12.2025):
Lieber Uwe,
der zweite Urknall ist eine sehr treffende Diagnose. Ich hatte bislang
eher an ein schleichendes Raum-Zeit-Leck gedacht, aber dein Bild
vom Schwarzen Loch erklärt einiges.
Licht kommt zwar noch rein, Argumente allerdings nicht mehr heraus.
Das „Dagegenstemmen“ auf dem Foto ist übrigens kein heroischer
Akt, sondern reine Physik. Wer einmal in den Einflussbereich eines
solchen Gravitationsfeldes geraten ist, kann nur noch so tun, als habe
er Wahlmöglichkeiten.
Tatsächlich handelt es sich um eine Mischung aus Restimpuls und
höflicher Verzweiflung.
Der Rentenbeginn wirkt dabei wie ein kosmischer Katalysator.
Plötzlich kollidieren zwei Universen, die jahrzehntelang durch Arbeit,
Termine und äußere Umlaufbahnen voneinander getrennt waren.
Nun stehen sie sich ungefiltert gegenüber, ohne
Fluchtgeschwindigkeit, ohne Schutzschild, ohne externe Ablenkung.
Das Ergebnis ist weniger Harmonie als vielmehr Hochenergie-
Interaktion.
Dass du die Geschichte amüsant fandest, freut mich sehr. Humor ist
vermutlich die einzige noch funktionierende Form der Raumsonde, die
man gefahrlos in dieses System schicken kann.
Alles andere wird entweder assimiliert oder in moralische Materie
umgewandelt.
Bleibt also nur, weiter zu dokumentieren, was dort draußen geschieht,
nicht als Warnung, sondern als astronomische Beobachtung.
Kosmische Grüße, vom Egbert
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