Kommentare unserer Leserinnen und Leser zur Kurzgeschichte
„... über Dichtungen, Dübel und digitale Dauererregung !“ von Egbert Schmitt


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Ich scheine auch gerade ein kleines Problemchen mit dem Betriebssystem zu haben, lieber Egbert... Merkwürdigerweise lässt sich der Zoom nicht anklicken und nun muss ich bei 50 % arbeiten. Plötzlich sind es dann wieder 100 %, ohne dass ich was dran gemacht habe... Gut, dass man in deiner KG schon am Anfang erkennt, worum es im Kern geht... Ich habe gerade sowas gelesen... Die jungen Leute greifen heute lieber zum Smartphone als selbst Hand anzulegen (natürlich betrifft das nur die Männer...-)) Ich habe leider für solche Sachen zu wenig Kraft. Im Backofen ist schon wieder der obere Rost runtergefallen, wie schon vor einem Jahr, als ich den Service rief. Der Typ meinte dann, dass er einfach nur mehr Kraft hat, was definitiv stimmte...-) Nur gut, dass ich den kleinen mobilen Backofen mitgenommen hatte. Es ist aber sowieso nicht so gut, ständig den Backofen anzumachen, weil damit der Energieverbrauch glaube ich höher ist als beim Herd. Ich stelle ihn nur hin und wieder mal für Pizza an. Gemüse ist sowieso gesünder... Meine Eltern hatten auch so ein Problemchen mit dem Toiilettendeckel, der dann schließlich vom Nachbarn ausgetauscht wurde. Es gibt heute tolle Deckel mit Sonnenuntergang in der Südsee etc..... Aber es war trotzdem klug, dass meine Eltern diesmal einen weißen genommen haben, weil Geschmäcker verschieden sind und das Haus ja irgendwann verkauft wird. Mein Vater hatte übrigens - obwohl er ein Mann war - zwei linke Hände, was Reparaturen anging. Er hat auch meist den Handwerker gerufen. Der eine Wasserhahn im Bad tropft, aber ich lasse ihn tropfen, weil Handwerker gleich über 100,-€ nehmen. Ansonsten muss nichts gemacht werden, außer einmal pro Jahr die Heizungswartung, die glücklicherweise 'nur' 220,-€ kostete, nachdem die Sekretärin meinte, dass das locker ca. 300- 400,-€ kostet. Im Garten kann ich alles selbst und auch aufs Dach könnte ich wohl klettern wegen des Mooses, aber da mein Vater das immer gewissenhaft gemacht hat, mach ich es jetzt nicht sofort. Vielleicht habe ich das Glück, noch vor dem Tod meiner Mutter von meinem Traumprinzen auf dem weißen Schimmel gerettet zu werden...-) Lieber wachsendes Moos in der Brieftasche als auf dem Dach...-) Aber erst kommt natürlich die Liebe! Immerhin habe ich es geschafft, im Flur und in der Küche zwei Heizungskonsolen zu montieren, sodass ich jeweils zwei schicke ´Marmorplatten drauflegen konnte, die hier noch rumlagen. Dann kann man die als Fensterbänke für Deko nutzten. Das gefällt mir sehr! So, nun hat sich der Zoom während des Schreibens tatsächlich von selbst erhöht.... Echt ein Mysterium die Technik. Wenn man Zeit hat, bringt es Spaß Dinge zu reparieren, wie ich finde, Egbert, aber dazu braucht es oft Kraft und die hat man als Mann eher als als Frau.... Du schaffst das schon perfekt, ich drück die Daumen!

LG von Nina

Egbert Schmitt (27.02.2026):
Liebe Nina, ich musste schmunzeln: Du kämpfst mit dem Zoom, ich mit dem Sitz, wir zwei sind offenbar Versuchskaninchen einer höheren Betriebssystem-Instanz. Vielleicht heißt sie schlicht Leben 3.7 – automatische Schwankungsanpassung. Man glaubt, alles im Griff zu haben, und zack 50 %. Dann wieder 100 %, ohne Zutun. Wenn das keine Metapher ist. Dass du bei 50 % weiterarbeitest, finde ich übrigens bewundernswert. Die meisten von uns würden erst einmal das Gerät beschimpfen oder den Router neu starten. Du schreibst einfach weiter. Das ist schon eine Form von handwerklicher Souveränität, nur eben im Geistigen. Und was deinen Backofen-Rost betrifft: Ich glaube dem Servicemann sofort, dass er einfach mehr Kraft hatte. Kraft ist ja die letzte Bastion männlicher Selbstvergewisserung. Wenn nichts mehr geht, wird gedrückt. Dabei sind viele dieser Konstruktionen eher eine Frage der Hebeltechnik als der Bizepsgröße. Aber ich verstehe dich, wenn man ohnehin schon mit widerspenstiger Materie ringt, möchte man nicht noch als Statistin im eigenen Küchendrama enden. Deine Eltern und der weiße Toilettendeckel, sehr klug. Südsee- Sonnenuntergang ist eine riskante Langzeitinvestition. Geschmack ist flüchtiger als jede Soft-Close-Mechanik. Weiß ist das diplomatische Schweigen unter den Farben. Dein Vater mit den zwei linken Händen, das beruhigt mich ungemein. Es widerlegt diese alte Mär vom geschlechtsgebundenen Schrauben- Gen. Vielleicht ist es wirklich weniger eine Frage von Mann oder Frau als von Lust oder Unlust. Oder von früherer Ermutigung. Wer einmal erlebt hat, dass etwas gelingt, greift wieder zum Werkzeug. Wer einmal hört lass mal, ich mach das, tritt einen Schritt zurück, manchmal für Jahrzehnte. Dass du zwei Heizungskonsolen montiert und Marmorplatten drapiert hast, erwähnst du so beiläufig, als sei das nichts. Das ist mehr als viele kräftige Herren je zustande bringen. Gestaltung ist ja auch eine Form von Reparatur: Man verwandelt Überzähliges in Sinn. Was den tropfenden Wasserhahn angeht, ich verstehe dein Zögern bei dreistelligen Anfahrtskosten. Aber ein Tropfen kann auf Dauer teurer sein als eine Dichtung. Vielleicht ist das die kleine Mutprobe des Jahres: nicht aus Zwang, sondern aus Neugier. Wenn es schiefgeht, darf es schiefgehen. Dilettantische Würde, erinnerst du dich ? Dein Traumprinz auf dem weißen Schimmel, nun ja. Ich würde ihm zumindest vorher einen Dachdecker-Kurs empfehlen, falls er schon durchs Märchen geritten kommt. Moos in der Brieftasche ist poetisch, Moos auf dem Dach irgendwann statisch relevant. Aber ich mag deinen Humor dabei. Erst die Liebe, dann die Dachrinne, eine klare Prioritätenliste. Und was die Kraftfrage betrifft: Ja, Männer haben im Schnitt mehr Muskelmasse. Aber Beharrlichkeit, Improvisation und ästhetisches Empfinden sind keine Testosteron-Domänen. Vielleicht ist die eigentliche Kraft die, sich nicht von einem herunterfallenden Rost oder springenden Zoom entmutigen zu lassen. Dass du sagst: Wenn man Zeit hat, bringt es Spaß Dinge zu reparieren, das trifft den Kern. Zeit ist das eigentliche Werkzeug, das uns fehlt. Nicht Schraubenzieher. Also: Ich verspreche, meinen Toilettendeckel nicht mit Gewalt, sondern mit Jazz zu behandeln. Synkope statt Schraubstock. Wenn er schief sitzt, dann als Mahnmal meiner Lernkurve. Danke für dein Mitdenken, Mitlächeln und Mitzoomen. Vielleicht sind 50 % manchmal die ehrlichere Einstellung. Herzlich, vom Egbert

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Lieber Egbert,
ich habe noch den Werbeslogan im Ohr: "Respekt wärs selber macht!" Genauso ehrfürchtig stehe ich dann vor einer lückenlos verfliesten Kachelwand oder einem sauber eingebauten Wankelmotor in einen dieser Oldtimer, mit der mulmigen Feststellung, dass dies zum Glück keiner von mir verlangt hat. Leider habe ich einige handwerklich gefestigte Dinge seit gefühlten vierzig Jahren nicht mehr praktiziert und dann wird man wohl unsicher. Zusätzlich gaukelt uns die moderne Medienwelt Perfektionismus vor. Influencer sind mir sowieso irgendwie suspekt. Besonders, wenn die Vorgeführte Methode zur mentalen Geduldsprobe wird...
An dieser Stelle will ich es nicht, wie meine Vorgänger, zur Kurzgeschichte ausufern lassen und versichere dir, dass du mit deiner humorvollen Geschichte genau den Zeitgeist getroffen und dein handwerkliches Talent fürs Schreiben, auf Neue, unter Beweis gestellt hast.

LG und ein schönes Wochenende wünscht dir Uwe

Egbert Schmitt (02.03.2026):
Hallo Uwe, „Respekt wer’s selber macht“ hat bei mir sofort ein leises Kopfnicken ausgelöst. Dies halb ehrfürchtige, halb erleichterte. Ehrfürchtig vor der lückenlosen Kachelwand, erleichtert darüber, dass niemand von uns verlangt, morgen einen Wankelmotor zu reanimieren. Vielleicht liegt genau darin der kleine Irrtum unserer Zeit: Wir glauben, alles müsse auf Anhieb aussehen wie aus dem Katalog. Dabei sind vierzig Jahre Pause ja kein Makel, sondern gelebtes Leben. Die Hände vergessen weniger, als wir denken, sie brauchen nur wieder einen Anlass. Die Medienwelt spielt uns Perfektion vor. Das macht uns vorsichtig. Fast schüchtern. Trotz alledem steckt in mir noch der Achtjährige mit dem Hammer, der nicht weiß, ob der Nagel schiefgeht und es trotzdem versucht. Sollten wir uns wirklich wieder etwas zumuten ? Nichts Heroisches. Kein Oldtimer, keine Kathedrale aus Fliesen. Vielleicht nur eine tropfende Dichtung oder ein schiefer Deckel. Und wenn es am Ende nicht aussieht wie im Werbeprospekt, umso besser. Dann gehört es uns. Danke dir für deine wertschätzenden Worte. Sie sind wie ein gut gesetzter Nagel: halten mehr, als man denkt. LG Egbert

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Servus Egbert,
die Stunde hat geschlagen! Wenngleich es schon sehr zu beachten ist, was deine werte Frau Gattin dir des morgens um 2:37 Ortszeit zukommen lässt. Marginalfehler, sagst du, was deiner Frau den Balken ins Auge treibt. Sie haben ein feineres Gespür oder was es sonst ist. Es gipfelt darin, wenn eine Dame nach Sichtung einiger YouTube Tutorials über das zielgenaue Einschlagen von Nägeln, ihr iPhone 18 nimmt und dieses, Bildschirm nach oben, millimetergenau auf das Ziel am Balken legt, zum Hammer greift, ausholt und …!
Ja, lieber Egbert, schuld bist du, ich, jeder Mann, denn…, ohne Begründung, wir immer schuld sind. „Hättes es halt selber g‘macht…, aber du hast ja nie Zeit…, für mich“ oder so ähnlich. Kannst du nie gewinnen, mein Freund! Hierin mag einer der Gründe nur liegen, warum die Kultur des handwerklichen Machens so drastisch rückläufig ist. @Des hat mir nie oana zoagt, ein anderer. Daten- und Artenschutz sowie das hohe Risiko von Verletzungen geringer Art, haben entsprechende Unterrichtsgänge aus dem Schulalltag verbannt! Wenn er oder sie scho net rechnen und lesen lernt und nach der vierten Klasse mangels dieser Fähigkeiten aufs Gymnasium wechselt, dann brauchts auch sonst nix!
Kaufst halt was Neues! Kannst jetzt ja 2000 steuerfrei dazuverdienen, bloß weiß Datev, stand bei Linkedin, und du daselbst Spezialist bist, nicht, wie dieser kleine Umstand zu verarbeiten ist. Weils no koane Durchführungsbestimmungen gibt, darf vermutet werden.
Ich wünsche dir einen schönen Abend
Hans

Egbert Schmitt (27.02.2026):
Hans, die Stunde hat nicht geschlagen. Ich fürchte eher, sie hat geschnarrt, wie ein nicht ganz sauber montierter Spülkastenschwimmer bei Nacht. Ich brauche für solch' ausformulierte Texte immer einen dreiviertel Tag, zum restliche werktechnische Aufgabenspektrum eines DATEV- Rentners, der eine weitaus jüngere Frau in Arbeit und Vollkornbrot (Das Bäuerliche) hat und sie mit die Schuld zuweist, weil Sie noch ewig arbeiten soll. Die These vom kollektiven männlichen Schuldbekenntnis ist charmant, sie riecht nach Stammtisch-Nostalgie im Sonntagshemd. Was wir verklären, ist nicht das Können, sondern die Selbstverständlichkeit des Scheiterns. Heute googelt man vor dem ersten Hammerschlag. Früher schlug man daneben und nannte es Erfahrungswert. Wir sind immer schuld, ist keine anthropologische Konstante. Es ist eine bequeme Erzählung, wenn man keine Lust hat, über Rollenmuster nachzudenken, die wir selbst jahrzehntelang kultiviert haben. Wer hat denn gepredigt, dass Technik Männersache sei ? Wer hat sich definieren wollen über Ich mach das schonb ? Wer wundert sich jetzt, dass er gerufen wird, wenn etwas zu machen ist? Das ist kein Schicksal, es ist Arbeitsteilung mit Traditionsbonus. Ich sehe eher eine Verschiebung der Mutproben, denn früher konntest du dir beim Hobeln in den Finger schneiden. Heute ruinierst du dir mit einem falschen Klick die Cloud. Bluten tut beides, nur anders. Es war oder wäre noch nie so leicht, sich Wissen anzueignen. Dass viele es nicht tun, liegt nicht am System, sondern am fehlenden Willen, sich blamabel an Neues heranzutasten. Das Problem ist nicht, dass niemand mehr Nägel einschlagen kann, sondern dass keiner mehr dabei schlecht aussehen will. Sehe eher eine Generation, die auf Vorschriften wartet, statt Verantwortung zu üben. Nicht nur im Finanzamt. Auch im Wohnzimmer. Vielleicht sind wir Männer manchmal die offiziellen Endgegner jeder Montageanleitung. Wenn also künftig um 2:37 Uhr eine Nachricht eintrifft, dann ist das kein Tribunal. Das ist eine Erinnerung, denn wer Kompetenz beansprucht oder zugewiesen bekommt, bekommt auch Aufgaben. Deine Bemerkung zu Gymnasium ohne Rechnen und Lesen überlasse ich seit gestern Alfred Dorfer (GLEICH) mit dessen kabarettistischen Freiheit, als mein Highlight Ich bleibe beim tropfenden Hahn. Der tropft nicht aus Bildungsnot, sondern aus einer verschlissenen Dichtung und gelegentlicher Aufschieberitis. Am Ende bleibt doch: Wir sind keine aussterbende Spezies, wir sind lediglich Männer zwischen Dübel und Digitalisierung,z wischen „Hättst halt g’macht“ und „Ich hab dir eh a Video geschickt“. Falls wieder etwas schief sitzt, sei es Toilettendeckel oder Weltanschauung, ziehen wir die Schrauben eben einen halben Millimeter nach. Nicht wirklich, sondern nur bewusster. Gruß vom du dou dey Handwech, Masdder.

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