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„... über den Wert des geprüften Lebens !“ von Egbert Schmitt


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Verehrter Egbert,
eine philosophisch witzige Betrachtung, weil umfänglich nicht beurteilt werden kann, wessen Lauf nicht abgeschlossen ist. So hätte der Amerikaner gerne den Friedens Nobel Preis und sein Freund, der andere Despot im Osten, sehr gerne die Liebe seines Volkes. Beider Wünsche bleiben unerfüllt, weil noch nicht beendet, was zur deren Beurteilung unerlässlich wäre, das Leben. Und so führst du es schon richtig aus. Ein Ergebnis gibts erst danach! Da will einer den Nachweis, um zu zeigen, welch grandioser Mensch er sei. 50 Jahre später schon kennt ihn die Generation der grad Geborenen nicht mehr.
Was nützt dir also die Plakette, wenn vergessen ist, dass du dereinst überhaupt gelebt hast. Bleibt das Unnütze von dir jedoch erhalten, hätt‘s auch der Lebens-TÜV nicht verhindert.
Pfiad di lieber Zeitgenosse
Hans





Egbert Schmitt (06.09.2026):
Hallo Hans, du triffst damit, glaube ich, noch einen viel tieferen Punkt meines kleinen Lebens-TÜVs: die Nachwelt als eigentlich völlig unzuverlässige Prüfbehörde. Menschen möchten ja zu Lebzeiten möglichst schon wissen, welchen Platz wir später einmal in der Geschichte bekommen. Der eine sammelt Preise, der andere Orden, der nächste lässt sich Denkmäler bauen, und mancher hält sich bereits selbst für eine historische Persönlichkeit, obwohl die Tinte auf seinem Wikipedia- Eintrag noch nicht einmal trocken ist. Dann kommt die Nachwelt. Sie ist gnadenlos. Sie prüft nicht nach unseren eigenen Kriterien, sondern nach ihren. Und was wir heute für epochal halten, kann morgen schon unter - ferner liefen - abgeheftet sein. Was oder wem nützt die Plakette, wenn keiner mehr weiß, an welchem Fahrzeug sie einmal klebte ? Ist das sogar die groteskeste Pointe des menschlichen Strebens nach Bedeutung !? Unbedingt einen Nachweis dafür hinterlassen, dass wir bedeutend waren - und übersehen dabei, dass auch der Nachweis irgendwann bedeutungslos wird. Der große Friedensstifter, der Despot, der gefeierte Künstler, der geniale Denker und der ganz normale Hans oder Egbert aus der Nachbarschaft: Irgendwann sitzen sie, bildlich gesprochen, alle im selben Wartezimmer der Erinnerung. Bleibt von einem Menschen am Ende überhaupt nicht das erhalten, was er selbst für sein Vermächtnis hielt, sondern etwas viel Kleineres: ein Satz, den jemand behalten hat ? Eine Geste, ein Lachen, eine Hilfe zur richtigen Zeit oder einfach die Erinnerung eines anderen Menschen daran, dass es gut war, dass er da gewesen ist Ist nicht genau das die einzige Nachwelt, die wirklich zählt. Nicht die große historische Nachwelt, die in Lexika urteilt, sondern die kleine menschliche Nachwelt, die sagt: „Den habe ich gekannt. Mit dem konnte man lachen. Der hat mir einmal geholfen. Der war manchmal ein ziemlicher Depp - aber ich mochte ihn.“ Mehr dürfte von unserem Lebens-TÜV eigentlich gar nicht verlangt werden. Selbst wenn irgendwann niemand mehr weiß, dass wir überhaupt existiert haben, macht das unser Leben ja nicht nachträglich wertlos. Ein Sonnenuntergang wird schließlich auch nicht dadurch schlechter, dass keiner mehr darüber spricht. Wir müssen gar nicht in die Nachwelt eingehen. Es reicht, wenn wir während unserer eigenen Zeit nicht völlig spurlos aneinander vorbeigefahren sind, wenn am Ende doch noch jemand nach der Plakette fragt: „Dann hat man wenigstens keinen schlechten Eindruck von mir gehabt“ Danke für diese Nachprüfung, hab' dich wohl. Gruß Egbert

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Einfach genial, Egbert...-) ! Allein schon das Wort 'Verkehrstauglichkeit'...-)

LG von Nina

Egbert Schmitt (06.09.2026):
Liebe Nina, danke dir, und ja, die „Verkehrstauglichkeit“ hat sich beim Schreiben irgendwie verselbständigt …-) Wobei ich inzwischen gar nicht mehr sicher bin, ob das eigentliche Problem beim Lebens-TÜV wirklich die Verkehrstauglichkeit des Menschen ist oder vielmehr der zunehmende Verkehr auf der menschlichen Fahrbahn. Manche fahren schließlich seit Jahrzehnten mit eingeschaltetem Fernlicht durch die Gegend, andere kennen nur den Rückwärtsgang, und wieder andere halten den Blinker für eine demokratische Abstimmung. Dann gibt es noch jene, bei denen der TÜV-Prüfer nach der Probefahrt nur noch ins Klemmbrett schreibt: „Verkehrstauglich – aber bitte nicht unbeaufsichtigt auf die Menschheit loslassen.“ …-) Liebe Grüße Egbert

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