Kommentare unserer Leserinnen und Leser zur Kurzgeschichte

„Gudrun und Stephan“ von Mark Michaelis

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Heike Riedel (eMail senden) 24.02.2005

Hallo Mark,

fast traue ich mich nicht, diesen Kommentar zu schreiben.
Ich fange am besten erst mal mit dem "Honig" an:

Du hast es geschafft, die Personen lebendig wirken zu lassen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen - so hat der Leser immer noch Raum, sich seinen eigenen Teil zu denken. Ich finde das besser, als die Figuren von Kopf bis Fuss in ein starres Bild zu zwängen.

Auch die Einleitung, der erste Absatz ist Dir gut gelungen - das ist genau der richtige Sprachstil des Mittelalters.
Und da taucht dann auch schon das erste Problem auf. Gleich nach dem ersten Absatz verfällst Du in die normale heutige Umgangssprache. Ein Chronist am königlichen Hof hätte nie so geschrieben. Auch einige wörtliche Reden, z.B. "Gudrun, hättest du Lust ab heute als Stallbursche für Heinrich zu arbeiten? Ich würde Dir 60 Heller pro Tag bezahlen." Welcher König hätte eine Bedienstete gefragt, ob sie "Lust" hat? Außerdem soll sie 60 Heller pro Tag bekommen. Was ist ein Heller? Wieviel ist er wert? In Deiner Auflistung der Kosten des Hofes (die ich übrigens für sehr gelungen halte) spricht Du nur von Talern und Groschen. Hier kann ich mir durch die Mengenangaben der Lebensmittel, etc. vorstellen, was wieviel wert ist. Da stellt sich dann auch die Frage, welches Land seine Währung in drei Sparten unterteilt? Üblicherweise sind es zwei: Euro und Cent, Mark und Pfennig, usw.

Gudrun bekommt ständig Dinge von Baldur geschenkt, warum? Welcher König hätte das für eine einfache Bedienstete getan?
Beim lesen bekam ich den Eindruck, Gudrun müßte seine uneheliche Tochter oder sogar seine Geliebte sein!
Ich empfinde diese Geschenke einfach als unstimmig und übertrieben.

Gudrun und Birgit lernten sich in der Schule kennen? Im Mittelalter?
Sie sind a) Mädchen und b) von niederem Stande - sie wären nie zur Schule gegangen. Selbst Töchtern aus adeligen Hause wurde es meist verwehrt sich zu bilden, das blieb den Männern vorbehalten.

Wenn Du eine Geschichte im Mittelalter spielen läßt, mußt Du Dich auch mit den Gepflogenheiten der Zeit befassen und Dich auch danach richten.

Abschließend möchte ich Dir noch sagen, daß Gudrun für meinen Geschmack ein paar Talente zuviel hat. Es gibt anscheinend nichts, was sie nicht nahezu perfekt kann - sie ist Pferdeflüsterin, Ringreierin, Schwertkämpferin, Buchhalterin und Heilkundige. Das sind nur die Talente, die mir spontan einfallen.
Wenn Du sie als eine solche "Superwoman" zeichnen möchtest, solltest Du das schon in der Einleitung andeuten, damit ihr Allroundtalent im laufe der Geschichte nicht überzogen wikt.

Sorry Mark, daß meine Kritik doch recht negativ ausgefallen ist, aber ich dachte, ich sollte Dir schon meine ehrliche Meinung sagen.

VG
Heike

 

Antwort von Mark Michaelis (24.02.2005)

Hallo Heike, ganz vielen lieben Dank für die Kritik. Jetzt kann ich Dir ja auch verraten, welchen Anlass diese Geschichte hatte. Sie ist die ins Mittelalter transferierte und reichlich ausgeschmückte Geschichte eines Hochzeitspaares. Und diese Geschichte war mein Geschenk an sie. Vielleicht erklärt dies die "strahlende Heldin" (obgleich es interessant ist, da ich sie nicht bewusst so dargestellt habe). Dies ist übrigens die erste Geschichte von mir, wo ich so richtig viel recherchiert habe. Z. B. das mit dem Ringreiten, wobei ich letztendlich zu wenig Informationen fand und außerdem Lust hatte, das ganze noch durch meine eigenen Regeln zu würzen. Auch bzgl. des Geldes habe ich lange gesucht. Mein Eindruck war, dass es im Mittelalter ein ziemliches Chaos gab. Siehe etwa http://www.bingo-ev.de/~ks451/numismat/mz-bayer.htm. Im 19. Jahrhundert hatte Bayern übrigens 4 Münzen: Heller, Kreuzer, Pfennig, Silbermünzen. Dann gab es sogar noch Halbgulden, Gulden, Vereinstaler und Doppeltaler... Ein weiterer guter Link war http://www.jfritz.net/mas.htm bzgl. der Kaufkraft im Mittelalter. Leider ist die Seite (wie auf http://www.jfritz.net/) zu sehen, derzeit (Februar 2005) wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Den Kommentar mit der Schule fand ich witzig. Gerade gestern machte ich einen ähnlichen Kommentar. Ich habe darüber lange nachgedacht. Zum einen haben die reale Gudrun und die reale Birgit sich in der Schule kennengelernt. Zum anderen, und damit kommen wir zum Herrscher, wollte ich in der ganzen Geschichte betonen, dass Baldur kein "normaler" König ist. Er ist kumpelig, mag seine Angestellten und kümmert sich etwa um Abwasser-Kanäle im Dorf. Und genau dieser König kann natürlich auch bestimmen, dass Mädchen in die Schule dürfen. Hui, langer Kommentar. Aber Du hast Dir auch viel Mühe gegeben. Aber im Gegensatz zu "Die Hexen" sehe ich hier noch keinen Anlass einzugreifen. Übrigens fällt mir dabei ein: Man könnte eigentlich mal eine solche Linksammlung von Buchrecherchen zur Verfügung stellen. Ob e-stories dafür geeignet ist? Ansonsten vielleicht doch mal schaun, ob man die Wikipedia erweitert. Liebe Grüße Mark


justadream (justadreamgmx.de) 14.02.2005

Hey, das ist eine ganz tolle Geschichte. Die wenigsten Leute werden sich die Zeit nehmen sie zu lesen (sie lesen immer nur die ganz kurzen Texte), denn sie vermögen es anscheinend nicht sich länger zu konzentrieren. Diese Geschichte ist toll, und ich hoffe Du schreibst weiter. Ich werde wohl auch Deine andere Geschichte lesen, doch heute habe ich keine Zeit mehr (wie sich das anhört...). Pascal Baltzer

 

Antwort von Mark Michaelis (17.02.2005)

Well, I'll do my very best...


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