Michael Waldow aus Deutschland

1960 wurde ich geboren, sah die Welt und beschloss erst einmal nicht zu sprechen. Das hielt ich bis zu meinem fünften Lebensjahr durch. Meine Mutter meinte, dass sei ein Fehler der Natur, einige Ärzte meinten auch. Stattdessen schleppte ich allerlei Getier nach Hause: Bienen, Ameisen, Hummeln, Frösche, Spinnen und vieles mehr. Angst hatte ich nicht, Sprache auch nicht. Man wollte mein Einschulung aussetzen, also beschloss ich mit Sprechen anzufangen. In der ersten Klasse war ich der beste Vorleser und ich las gerne. Bisweilen auch exzessiv, sodass meine Mutter mir das Schreiben verbieten musste. Zumindest, wenn ich die Straßen überquerte. Die Jahre vergingen und im letzten Abiturjahr rebellierte ich gegen die Welt, besser gesagt gegen meine Mutter und wollte mich 25 Jahre bei der Armee verpflichten. Meine Mutter verhinderte dies, weil sie im Wehrkreiskommando als Aushilfe arbeitete und mich als kranken Menschen beschrieb. Ich danke ihr heute noch dafür, weil ich nicht dauernd meine Biografie verteidigen muss. Ich lernte eine blondes Mädchen kennen, verliebte mich und es kam zum Üblichen. Nun las ich nicht nur exzessiv, sondern schrieb auch wie ein Verrückter, Tagebücher, Kurzgeschichten, Gedichte. Das brachte mich zu  einem Poetenseminar. Die Junge Welt hatte mich eingeladen, immerhin schrieb ich für die Gedichtecke und Heinz Kahlau rezensierte meine "Werke". Nicht immer zu meinem Wohlwollen. Einige Zeilen empfand er als Nonsens. Beim Poetenseminar las ich Anna Seghers vor und wohnte mit Steffen Mensching, der nach der Wende einen viel beachteten Film drehte, auf einem Zimmer. Er kam ins "Poesiealbum 146", ich zur Armee für eineinhalb Jahre, dafür reichten meine Krankheiten noch aus.


Dann setzte ich meinen Fuß nach Halle, zum Lehrerstudium. Ich kam, sah und wollte nach Hause. Die alte Diva war heruntergekommen. Ich sehnte mich nach meinem Halberstadt, wo ich als Kind im Dom herumstreunte, ohne Gott jemals zu begegnen. Aber die Geschichte der Stadt, der Kirchen faszinierte mich. Die Jahre gingen ins Land und als Lehrer baute ich in Halle-Neustadt an meiner Schule einen Minizoo, einen Schulclub und einen Garten mit Teichen auf. Nach der Wende wehte ein frischer Wind und der wehte auch den Minizoo und den Schulclub aus meiner Biografie. Beides wurde nicht mehr gebraucht, man musste die westliche Lebensweise erkunden und dazu gehörten keine Arbeitsgemeinschaften. Der Garten wurde mutwillig von nun alleingelassenen Jugendlichen zerstört.  2004 wurde aus dem Bio/Chemie Lehrer ein Lehrer für eine besondere Klasse. Schüler, die keiner mehr wollte, kamen ins sogenannte Produktive Lernen und ich übernahm eine Klasse. 3 Tage gehen die Schüler zur Arbeit, zwei Tage Schule, zwei Lehrer für alle Fächer (Ma, Deu, Kommunikation, Englisch, Gesellschaftswissenschaften, Lernbereich). Jeder Schüler hat einen speziellen, individuellen Lernplan. Da fühle ich mich wohl und habe keine Probleme, eher haben die Schüler mit den dicken Akten Probleme.

Irgendwie verliebte ich mich im Laufe der Zeit in die alte Diva, die mir nach und nach ihre Geschichte offenbarte. Ich fing an, sie als mein Model zu begreifen und alles zu ihrer Geschichte an Büchern zu sammeln. Inzwischen war ich auch in einer Theatergruppe und mimte einen Bischof in Mittelalterstücken. 2009 wurde ich eines der Gründungsmitglieder des Hallischen Hansevereins, bin bis heute im Vorstand und habe eine eigene Theatergruppe, für die ich schreibe und inszeniere. 

2019 später gründete ich mit meiner besten Freundin (nein, nicht die blonde Freundin von damals, die heiratete ich 1981) den MSW-Welten Verlag, weil ich durch Zufall 1000 ISBN Nummern bekam. Nun hatte ich einen Kleinstverlag und wir füllten ihn mit Leben, respektive mit Publikationen. Bücher (Märchenbuch, historische Fotogeschichten, Kalender mit eigenen Fotografien). In MSW stecken unsere Namensbuchstaben. Sandy, so heißt die beste Freundin, hat 3 Shire Horses, die größte Pferderasse der Welt, wobei eine Stute, Tori, mein Kuscheltier und Model ist (oft genug auch mit Diamant dessen Mutter Anouk). Über 900 kg bringen die zierlichen Tierchen auf die Waage, mit einem Widerrist über 1,76 m.

Die Pferde sind mir ans Herz gewachsen, die Diva Halle auch. Heute mache ich ab und an einen Stadtrundgang und ich fühle den Herzschlag der Zeit in dieser Stadt. Ab und an mache ich einen Stadtrundgang, fotografiere für Fotogeschichten aus dem Mittelalter, schreibe Geschichten rund um einen Hansekaufmann für unser Hansetheater,
und lebe intensiv, aber meist etwas unzufrieden über das Wenig, was ich meiner Meinung,  schaffte. Viel Zeit bis zum Horizont des Lebens bleibt nicht mehr und ich habe noch so viel zu tun.



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Der Hamster25.12.2019Skurriles
Der kleine Junge06.04.2020Leben mit Kindern
Die Berthels und der Weihnachtsbaum25.12.2019Sonstige
Die Pflicht der Mutter16.04.2020Drama
Die rote Couch16.08.2020Horror
Ich bin da07.04.2020Tiergeschichten
Reise nach Schladming17.04.2020Reiseberichte
Titel:Datum:Kategorie
21.03.201129.08.2011Alltag
Alter(n)29.12.2019Alltag
Ansage07.04.2020Besinnliches
Ansicht31.08.2011Allgemein
Bootsfahrt16.04.2020Nachdenkliches
Der alte Mann17.04.2020Erotische Gedichte
Der alte Mann16.12.2019Abschied
Fotografie in zwei Teilen23.04.2020Erfahrungen
Für meinen besten Freund18.04.2020Trauriges
Halle - Neustadt25.12.2019Alltag
Tori08.05.2020Gefühle
Vertrauen22.04.2020Beziehungen

Erste Veröffentlichung auf e-Stories.de am 28.08.2011

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