Sofia Allende

Liebe dort wo Hoffnung stirbt II - Im Paradies?

Lena erwachte, es roch nach Kaffee und Brötchen, alles war stockfinster, aber gemütlich warm. Sie brauchte eine Zeit bis sie wieder wusste was geschehen war und vor allem wo sie war. Mit einem ausgeschlafenen Gähnen richtete sie sich auf. Sie blickte sich suchend um in der Hoffnung Marc zu entdecken denn das war das letzte woran sie sich erinnern konnte. Das Bett neben ihr war zerwühlt und noch etwas warm, er musste also hier geschlafen haben, obwohl er ihr doch eigentlich versprochen hatte auf der Couch zu übernachten. ‘Na ja vielleicht war er zu müde gewesen, um sich daran zu erinnern!’
Plötzlich ging die Tür auf, ein schmaler Lichtkegel fiel ins Zimmer und der Geruch von Kaffee verstärkte sich. Marc, der ein voll beladenes Tablett in den Händen hielt, trat ein.
“Hab ich dich aufgeweckt?” fragte er besorgt.
“Nein, nein ich hab ausgeschlafen.”
“Gut! Dann jetzt wie versprochen ein ausgiebiges Frühstück.”
Er stellte das Tablett vor Lena, die jetzt im Schneidersitz saß, ab und setzte sich zu ihr.
“Ich wusste nun nicht ob du Kaffee, Kakao oder Tee trinkst. Oder ob du lieber was deftiges magst. Wenn was fehlt muss du’s sagen.”
“Danke!”
“Wo für?”
“Für alles. Das Frühstück, die Sachen, das ich duschen durfte, ...”
“Dafür brauchst du dich nicht zu bedanken. Das bekomme ich doch auch umsonst. Und auch, wenn nicht, wäre das jawohl das mindeste.”
“Trotzdem Danke!”
“OK, OK. Aber jetzt iss’ erst mal was! Kaffee?”
“Ja gerne.”
Als sie sich nach vorn beugte um vorsichtig am heißen Kaffee zu nippen, versuchte Marc auf umständliche Weise an den Brötchenkorb, der auf Lenas Seite stand, zu gelangen, indem er den Arm um ihre Schultern legen musste.
Doch zum großen erstaunen von ihm sowie von Lena selbst, ließ sie sich das gefallen.
Jedoch hielt das nicht lange, denn irgendwie kam es Marc etwas blöd vor, die ganze Zeit den Korb hoch zu halten nur um sie berühren zu können.
“Wie hast du eigentlich geschlafen? Als ich mich hingelegt hab lagst du nur so halb auf dem Bettdeck. Ich hab dich dann richtig zugedeckt. Das war doch in Ordnung, oder?”
“Ja ist schon gut. Außerdem hab ich ganz gut geschlafen.”
“Ach ja das ich heut Nacht hier geschlafen habe und nicht auf der Couch wie ich es dir versprochen hatte tut mir leid ich hab heut morgen erst dran gedacht! Tut mir leid!”
“Ist schon in Ordnung. Du warst ja ziemlich müde, nicht war?”
“Ich war Tod!”
Zwei Brötchen, belegt mit den feinsten Sachen später ließ er sich geschafft nach hinten fallen.
“So ich bin heut schon ziemlich früh aufgestanden und hab schon alles für heut fertig gemacht, so das ich den ganzen Tag für dich da bin! Was willst du denn so machen?”
“Abhauen!”
“Davon mal abgesehen!”
“Gar nichts!”
“Von mir aus. Das hatte ich mir schon öfter vorgenommen, aber nie richtig verwirklicht.”
Er richtete sich auf, nahm Lena die, schon fast leere Kaffeetasse aus der Hand und drückte sie sanft nach hinten, so das er über ihr lag.
“Wie genau sieht bei dir gar nichts aus, mhmm?”
“Ich weiß nicht schlagen Sie was vor!”
“Oh wir sind heut früh noch gereizt” Er ließ von ihr ab und beobachtete sie von seiner Seite aus. Sie stand auf und nahm den Bademantel vom Stuhl.
“Kann ich noch mal duschen?”
“Ich weiß nicht ob du es kannst, aber ich konnte dir ja helfen!”
“Sie können ja sowieso alles mit mir machen was sie wollen!” gab sie böse funkelnd zurück. Woher ihr Mut plötzlich kam wusste sie selbst nicht, aber er war da.
“Na wenn das so ist!” Amüsiert und herausfordernd beobachtete er sie, doch sie hielt seinen Blicken stand.
Nach einer Weile riss er sich dann doch zusammen.
“In Ordnung las gut sein! Aber wir müssen hier noch einiges klären wie z.B.: das, so lange wie du hier wohnst bzw. hier unten bist du alles benutzen kannst ohne mich zu fragen! Ausgeschlossen davon ist nur mein Arbeitszimmer. 2. Du brauchst nicht zu denken das ich hier alles mit dir machen darf! Na ja, dürfen schon aber ich werde nicht! Ich hab dir doch schon mal gesagt das du etwa sagen sollst wenn die was stört! 3. Wenn du mich unbedingt siezten willst, dann beruht das auf Gegenseitigkeit. Obwohl ich es blöd finden würde, aber wenn Sie es wünschen! Und 4. Das mit dem Helfen beim Duschen war natürlich nicht ernst gemeint, falls es ihnen nicht aufgefallen ist.
Lena war die ganze Sache ziemlich peinlich, deshalb drehte sie sich einfach um und ging.
Marc schaute ihr traurig hinterher. ‘Es hatte doch alles so schön angefangen und jetzt zickt sie wieder rum!’
Er räumte das Frühstück zusammen, brachte es in die Küche und schickte es wieder weg. Gedankenverloren kehrte er ins Schlafzimmer zurück und machte sogar die Betten als wenn er ganz woanders wäre.
Auf einmal stand Lena wieder nur im Bademantel gekleidet hinter ihm und sah ihm schuldbewusst an.
“Es tut mir leid!”
“Äh? Was tut dir leid?”
“Alles was ich gesagt habe. Ich hab’s nicht so gemeint!” sagte sie mit kleinlauter Stimme.
“Is schon gut!” Er drehte sich einfach um und konzentrierte sich wieder auf die Betten. Nachdem er fertig war drehte er sich mit neuem Optimismus wieder ihr zu.
“So! Du brauchst noch neue Sachen, stimmt‘s?”
“Mhmm.”
“Und deine Alten müssen ausgewaschen werden?”
“Mhmm.”
“Hey Kopf hoch! Also pass, auf alle schmutzigen Sachen kommen hier in solchen Wäschesäcke rein.”
Er zeigte auf einen Stapel Stoffsäcke auf denen die Nummer 6579 drauf gedruckt war. Diese lagen neben den Podest mit dem roten Vorhang.
“Die Reinigungskräfte nehmen das dann mit und spätestens in zwei Tagen hast du es ordentlich zusammengelegt, falls nötig auch gebügelt wieder. Und dafür musst du es noch nicht mal sortieren!”
“OK” sie ging zurück ins Schlafzimmer, holte ihre alten Sachen und stopfte sie in den Sack.
Marc hatte sich inzwischen auf der Couch niedergelassen und blättert gelangweilt in den Zeitschriften herum, als er jedoch bemerkte das sie fertig war sprang er auf und ging gut gelaunt auf sie zu.
“Und Madame was darf es heute sein?” wie ein Butler hielt er ihr den Vorhang auf und deutete mit einer Handbewegung seine Untergebenheit an.
Etwas peinlich berührt trat sie ein, Marc folgte ihr in einem kleinen Abstand und sah sich amüsiert das Schauspiel von neuem an.
Plötzlich klopfte, eher hämmerte es an der Tür. Lena fuhr wie vom Blitz getroffen zusammen, er jedoch drehte sich seufzend um.
“Bin gleich wieder da.” meinte er niedergeschlagen als er den Schrank verließ.
“Hey Marc du bist ja angezogen! Wo ist den die Kleine?” hörte Lena John sagen.
“Ich wünsche dir auch einen guten Morgen. Du wolltest mir bestimmt bloß irgendwelche Akten bringen die ich erst morgen bearbeiten werde, weil du ja weißt das ich heut frei habe und eigentlich keinen Besuch wünsche! Oder?”
“Labere nicht so viel, sag mir lieber wie sie so drauf ist!”
“Wenn du wissen möchtest wie sie so drauf ist, dann solltest du dich mal wie ein zivilisierter Mensch mit ihr unterhalten.”
“Oh Mann! Ich könnte wetten du hast die ganze Nacht auf der Couch verbracht. Hat sie dich nicht rann gelassen? Du musst lernen dich durchzusetzen!”
“OK! Danke für die Akten. Und noch einen schönen Tag.” Er öffnete die Tür und warf damit seinen Partner schon zum zweiten Mal in 24 Stunden raus.
“Hast du ein Glück das ich noch ein Date habe, sonst wärst du mich nicht so schnell losgeworden.” brummelte er noch beim raus gehen darauf erwiderte Marc nur ein gelangweiltes:
“Aber klar doch.”
Sichtlich erleichtert betrat er wieder den begehbaren Kleiderschrank in dem sich Lena noch eben völlig unbeschwert umgesehen hatte, nun aber verschwunden war.
“Lena? Hey wo bist du denn?”
In einer Ecke bewegte sich ein langes Kleid obwohl natürlich kein Lüftchen wehte. Instinktiv ging er darauf zu setzte sich in die Hocke und schob es langsam zur Seite. Er war jedoch nicht überrascht das er dahinter eine verängstigte Lena vorfand.
“Hey keine Angst, er ist doch schon wieder weg. Na komm.” Er streckte ihr seine Hände entgegen und half ihr hoch.
“Na schon was gefunden?”
“Nein.” sagte sie traurig und in Gedanken immer noch bei John.
“Na gut denn such ich dir jetzt was aus.” Er nahm sie in den Arm und ging mit ihr wie bei einem Einkaufsbummel durch den Raum und suchte Sachen für sie aus.
Lena die von Johns plötzlichen Besuch immer noch ziemlich mitgenommen war legte ihren Kopf erschöpft an seine Schulter und sah sich die meist grässlich aussehenden Oberteile und Hosen an die Marc ihr unter die Nase hielt.
“Hey jetzt hab ich’s, das ist doch echt perfekt!”
“Das ist kitschig mit diesen ganzen Bändern die überall herunter hängen. Höchstens das daneben.”
“Das? Ich weiß nicht das würde ich nicht anziehen!”
“Das wäre ja auch noch schöner.”
“Ach du weißt doch wie ich das meine, oder?”
“Ja klar!”
Er hing das T-Shirt wieder weg und suchte weiter, dabei lehnte er seinen Kopf an ihren und küsste ihre Stirn.
“Hey werd’ nicht frech!” meinte sie mit neu gewonnener Energie und knuffte ihm in die Seite.
Darauf meinte er lachen und vor angeblicher Schmerzen krümmend:
“OK,OK! Grenze erkannt! Aber was hält‘s du hier von?”
“ Wie hast du dann das geschafft?! Das gefällt mir sogar mal richtig gut.”
“Na siehst du ich versteh doch was von Mode!”
In diesem Moment klopft es hektisch an der Tür und Lena schreckt sofort zusammen, doch sie wird von Marc beruhigt:
“Hey keine Sorge so nett würde John nach der Abfuhr bestimmt nicht klopfen! Außerdem würde ich nicht zulassen das er dir was tut!”
Er nutzte ihre Verwirrung aus und küsste sie ein weiteres Mal auf die Stirn. Als er dann den Schrank verließ um die Tür zu öffnen drehte er sich noch einmal um und grinste ihr siegreich zu.
Als er außer Sichtweite war musste sie schmunzeln. Dann war sie aber gleich wieder darauf konzentriert wer da gekommen war.
“Hey Marcy-Boy, hier ist deine Post und ein Kuchen. Du, ich brauch unbedingt dieses schöne grüne Kleid, das ich mir letztes mal ausgeliehen habe. Das bekomme ich doch noch mal, oder?” Diese Frau hatte dies alles so schnell und ohne Luft zu holen gesagt das sie wohl ein außergewöhnliches Temperament haben musste. Von der Begrüßung her musste sie ebenfalls eine gute Bekannte oder Verwandte sein. Lenas Atem stockte: ‘Vielleicht seine Frau?’
“Komm erst mal rein und beruhig dich. Danke für den angeblich selbst gebackenen Kuchen und ...”
“Ich habe nie behauptet das er selbst gebacken ist.” unterbrach sie ihm.
“Und für die Post, aber das mit dem Kleid ist etwas Problematisch!”
“Ach ich soll dich noch von den Kindern grüßen. Maja wollte unbedingt mitkommen, aber das habe ich ihr dann doch noch ausgeredet. Wieso Problematisch?”
Lenas Vermutung erhärtete sich. ‘,Die Kinder’ Dieses A...! Ich hoffe die arme Frau weiß worauf sie sich da eingelassen hat! Dieses A...!’
“Ähm... Weist du die Lichter im Schrank sind kaputt!”
“Das ist nicht so schlimm ich weiß genau wo es hängt.” Mit diesen Worten bewegte sie sich zielstrebig auf das Podest zu und hatte es auch sofort erreicht.
“Laura warte” rief er ihr noch nach, doch mit der Torte auf dem Arm konnte er sie nicht hindern den Vorhang zu öffnen.
Deshalb stellt er den Karton auf den Sessel ab und rannte ihr hinterher.
“Die Lichter sind doch gar nicht kaputt!” rief Laura ihm verwirrt zu, doch dann entdeckte sie Lena.
“Huch! Wer sind sie denn?” Lena sah sie hilflos an, dann Marc der den Raum gerade betrat.
Als er die Situation erkannte senkte erschöpft jedoch den Kopf denn er wusste was jetzt kommt. Lena munterte diese Geste wenig auf.
“Na das ist ja mal wieder eine schöne Überraschung! Ich denke wir erzählen uns immer alles und lassen dabei nicht irgendwas aus wie zum Beispiel eine neue Liebe oder so was, nicht war? Wenn ich mich nicht recht erinnere hast du mir das letztes mal diese Predigt gehalten, jedoch ungekürzt!” sagte sie wütend und in einer Schnelligkeit das nur geschulte Zuhörer verstanden was sie meinte.
“Also 1....”
“Verschon mich mit deinem 1.2.3... Denn darauf hab ich jetzt kein Bock. Genauso wie auf deine Regeln die du dann selbst brichst.”
Lena stand nur hilflos daneben und hatte Angst davor ins Visier dieser Frau zu kommen, denn sie machte Marc ordentlich zur Schnecke.
“Ich als deine große Schwester hab jawohl ein Recht darauf zu erfahren mit wem du grade zusammen bist. Vor allem weil du nicht der Typ bist der jeden Tag ne’ Neue hat. Denn könnte ich das nämlich verstehen, das wäre zu umständlich, aber...”
“Nun halt mal die Luft an. Lena ist erst seit gestern Abend hier. Und wie ich sie einschätze hat sie sowieso nicht vor mit mir zusammen zu kommen. Das wäre ja auch eine Verschwendung. Außerdem hast du kein recht darauf zu erfahren mit wem ich zusammen bin. Immerhin musst du ja auch nicht auf meine Kinder aufpassen!”
“Na das ging ja schnell! Gestern Abend erst?”
“Oh Mann! Ich bin im Arbeitszimmer!”
“Das ist wohl sein Lieblingssatz, nicht war?!” wendete sie sich an Lena die verkrampft nickte.
“Hey keine Sorge ich tue keinem was!”
“Obwohl man es kaum für möglich hält.” rief Marc aus Richtung Arbeitszimmer.
“Hey zeig mal was hast du denn da? Das sieht ja geil aus!”
Sie ging auf die immer noch nur im Bademantel bekleidete Lena zu.
“Weißt du, dazu wurde gut eine enge Jeans passen. Oh Gott, bin ich unhöflich! Als ich bin Laura, Marcs ältere Schwester und Beschützerin. Hallo!” sie winkte ihr freundlich zu.
“Ich kann mir vorstellen das wir gute Freundinnen werden können, wenn sie vor haben Marc zu heiraten.”
“Ich bin Lena Stiehl!” sagte sie ziemlich verunsichert.
Plötzlich stürmte Marc ins Zimmer, fasste seine Schwester an die Hand, zog sie unsanft zu einem Kleiderstander und drückte ihr das gewünschte Kleid in die Hand.
“Lena ich befreie dich mal von dieser Person.” Sagte er schmunzelnd und verdrehte dabei die Augen.
“Was hast du denn?” Laura wusste gar nicht wie ihr geschah.
“Beschützerin, Heiraten du spinnst jawohl!” flüsterte er ihr zu.
“Hey vielleicht ist sie ja nur hinter deinem Geld her! Nichts für ungut Lena, ja!”
“Dann würdest du wohl ernsthafte Konkurrenz bekommen, nicht wahr?”
“Was? Ich bitte dich. Ich will dich doch nur warnen!”
“Oh wäre es doch bloß John gewesen!” stöhnte Marc.
“Seit wann freust du dich mehr über einen Besuch von diesem Ekel als über mich?”
“Seitdem du Drogen nimmst!” sagte er so trocken das es schon wieder lächerlich klang.
“Welch Drogen?”
“Du kannst mir doch nicht erzählen dass, das ein natürlicher Zustand ist!”
“Blödmann!”
“Danke für den Kuchen und Tschüs!” Er hielt ihr die Tür auf.
“Warum bist du heut nur so unfreundlich?”
“Weil ich frei habe!”
“Danke für das Kleid, Brüderchen!” und nach eine Umarmung, beider sie ihm leise: “Viel Spaß noch!” ins Ohr flüsterte, ging sie dann auch endlich.
Er kehrte, zu der immer noch wie angewurzelten Lena zurück.
“Du darfst nicht glauben das ich alle meine Besucher rauswerfe, aber die haben echt genervt.”
Er nahm Lena wieder in den Arm.
“So das war also meine Schwester! Ich hoffe das es dich etwas beruhigt das ich nicht viel Ähnlichkeit mit ihr habe. Was sollst! Was hat sie noch mal gesagt: eine enge Jeans?”
Er war schon wieder in Lena und ihre Sachen vertieft, als er plötzlich bemerkte das er etwas vergessen hatte.
“Oh Mist! Der Kuchen! Hast du Hunger?”
“Wir haben doch gerade erst gefrühstückt!”
“Du hältst dich ziemlich gut! Nach den meisten Besuchen dieser Art falle ich ja sogar in ein zwei tägiges Koma.
Nun musste Lena das erste Mal vor ihm grinsen, was er jedoch auch gleich bemerkte.
“Was war das denn?! Du kannst wirklich lachen?”
“Die hier wurde mir gefallen.” Sie zog, wie empfohlen eine Jeans aus einem Regal und hielt sie Marc unter die Nase, um von ihren Lächeln abzulenken.
“Na dann!”
Sie verließen den Raum, Lena ging ins Bad um sich umzuziehen und Marc kümmerte sich indessen um die Torte. Doch zu allem Übel stellte er fest das der Kühlschrank erst eingeschaltet und programmiert werden musste, bevor er wirklich kühlte.
Als dies vollbracht war hatte, sah er das sich der Kuchen auch etwas verändert hatte, trotzdem schaute er zufrieden auf sein Werk und bemerkte erst nach einigen Augenblicken dass, Lena lächelnd in der Tür stand und ihm beobachtete.
“Wow..! Du siehst ja toll aus!” staunend betrachtete er sie von allen Seiten.
“Äh... ich meine du sahst vorher auch schon toll aus, aber jetzt!”
“Schon gut! Sonst bekomme ich noch ein schlechtes Gewissen bei so vielen Lügen.”
Er zog sie an sich und hielt sie an ihrer Talje fest und schaute ihr tief in die Augen, die ihm frech angrinsten.
“Wenn du wirklich denkst ich könnte ein so wunderschönes Geschöpf, wie du es bist, anlügen, dann irrst du dich gewaltig!” Er grinste zurück und kam ihr dabei immer näher.
Mit einer geschickten Drehung befreite sie sich von seinen Annäherungsversuchen, ging zielstrebig auf die Couch im Flur zu und nahm sich mit gespielter Langeweile ein Magazin um darin blättern zu können.
Marc, der wie von ihr verzaubert war, folgte ihr wie in Trance. Blieb jedoch in einiger Entfernung stehen und beobachtet sie fasziniert.
Sie sah verblüfft auf, als sie seine Blicke bemerkte.
“Ist was?!”
Er war bei ihrem Anblick ins Träumen geraten und wachte erst bei dieser Bemerkung wieder auf.
“Äh... ich hab bloß gerade darüber nachgedacht was wir heut noch so machen könnten. Und ich hab da schon so eine Idee!” Er ging wieder in sein Zimmer und setzte sich vor den Laptop, Lena folgte ihm interessiert, blieb aber vor dem ersten Papierstapel stehen.
‘Hoffentlich ist es nicht irgend so ein Computerspiel.’ dachte sie enttäuscht.
“Ich brauche noch einen Moment. Du kannst dich ruhig noch etwas diesen hoch interessanten Zeitschriften widmen.” meinte er grinsend aber auf den Bildschirm starrend. Als er jedoch Lenas wütende Blicke spürte, sah er kurz hoch und meinte, immer noch grinsend:
“1:1! Unentschieden!”
Sie drehte sich ohne ein weiteres Wort um und ging zurück in den Flur damit Marc nicht sah wie sehr sie sich das Lachen verkneifen musste.
Ihm ging er ähnlich.
Nach etwa einer halben Stunde stand er dann erschöpft von seinen Sessel wieder auf und ging zu Lena.
“Das hat jetzt doch etwas länger gedauert als ich gedacht hätte, aber was soll’s?!”
Als er den Flur betrat, sah er sie wie sie gerade dabei war erschrocken ihre Tränen weg zu wischen und sich ein Lächeln abzwang.
“Was ist denn los?” fragte er besorgt als er sich neben sie setzte.
“Nichts ist schon gut!” sagte sie darauf tapfer.
Er strich ihr eine Haarsträhne dem Gesicht und lächelte ihr aufmunternd zu.
“Wenn du mir nicht sagt was du hast, kann ich dir nicht helfen! Ist es weil du Heimweh hast oder vermiest du jemanden?”
“Ich bin bloß mit der Gesamtsituation unzufrieden.”
Sie versuchte wieder zu lächeln, brach dann aber in Tränen aus. Marc nahm sie in den Arm und streichelte sie liebevoll.
Abrupt beruhigte sie sich.
“Entschuldigung.” Ihr war dieser Tränenausbruch peinlich und sie schämte sich.
“Und das ist im einzelnen?”
“Hier ist es immer so dunkel, ich brauche Sonne, natürliches Licht, außerdem hab ich schreckliche Platzangst hier, ich glaube manchmal das ich keine Luft mehr bekomme. Ich weiß nicht so richtig wo ich hier bin noch aus welchen Grund ich eine Spionin oder so was sein sollte, mir geht das ständige Warten auf irgendwelche nichtigen Ereignisse auf die Nerven und ich muss ständig vor diesem John angst haben. Ich fühle mich wie in einem Horrorfilm!”
“Puh! Ich hab mich noch nie in dich so rein versetzt. Das tut mir leid! Aber gegen das Licht und die Luft kann man was unternehmen bzw. ich hab gerade was unternommen.” Er war echt überrascht und bestürzt, nicht nur von ihren Gefühlen sondern auch das er es nicht mitbekommen hatte.
“Na komm, ich führe dich an einen Ort, der dir gefallen wird.”
Er zog sie hoch, nahm sie in den Arm und ging das erste mal mit ihr aus der Tür hinaus.
Das erste mal wurde sie von John diesen Gang lang gestoßen und jetzt lehnte sie teilweise zufrieden an der Schulter seines Freundes.
‘Es ist schon eine seltsame Welt!’ dachte sie noch als sie in den Fahrstuhl einstiegen, doch dann war wieder die Angst vor der Luftknappheit, einen Absturz oder das aufeinander zu bewegen der Wände die sie zerquetschen könnten, im Vordergrund. Marc hielt sie zwar fest im Arm, doch gegen so was könnte er auch nichts machen.
Sie war die ganze Zeit so angespannte das es ihr wie ein Ewigkeit vor kam bis sich die Türen wieder öffneten und den Blick auf eine, wie sollte es anders sein, Betontreppe, die nach oben führte, frei gab.
Als sie fast die letzen Stufen der Treppe, die an einer doppelten Metalltür endete, erklommen hatten, öffneten sich diese wie von Zauberhand und warmes Sonnenlicht blendete sie.
Dieses wurde jedoch gleich von einem Sonnenschirm abgefangen.
“Einen guten Tag, Sirr! Darf ich fragen wie lange sie vor haben im Botanikum zu bleiben?” fragte ein kleiner hagerer Mann im Butler-Look, der den Schirm hielt.
Lena deren Augen immer noch zum Himmel gerichtet waren, in der Hoffnung durch einen Spalt im Schirm die Sonne doch noch zu sehen. Erst bei den Wort: Botanikum blickte sie nach vorn.
Sie gingen genau auf eine riesige, halbe Glaskugel zu, in der frisches, grünes Dickicht wuchs.
“Das werden sie dann merken!” sagte Marc mit kalt, gereizter Stimme.
Lena hörte da alles nicht sie freute sich über die Sonne und Wärme und die grünen Pflanzen, die sie zwar nur durch die Scheibe sah, aber sie sah sie. Das sie auf einer asphaltierten Straße lang gingen interessierte sie da auch nicht mehr.
Zwei Männer standen vor der gläsernen Eingangstür, die dann aber gleich für sie geöffnet wurde.
“Einen angenehmen Aufenthalt wünsche ich ihnen!” rief der Butler noch hinterher und schon schlossen sich die Türen wieder.
Sie schloss die Augen und spürte tiefe Freude. Sie hörte die Vögel singen, das rascheln der Blätter, spürte das Sonnenlicht auf ihrer Haut.
Marc, der sich zwar auch freute, aber längst nicht so begeistert wie Lena von dieser Flora war.
“Na komm, wenn ich richtig informiert bin, mussten wir hier irgendwo auf etwas vorbereitetes stoßen.” Er nahm sie an die Hand und führte sie durch den Wald, immer entlang eines kleinen Bächleins.
Nach ein paar Minuten erreichen sie die Lichtung auf der, der Bach entsprang und auch gleichzeitig der Mittelpunkt der Oase war.
Völlig überwältigt von dieser Schönheit, auch wenn sie künstlich errichtet wurde, stand sie nur staunend da und schaute sich um.
Marc, der hier schon öfter gewesen war, hatte nur Augen für Lena. Er fühlte sich so frei bei ihr, so unbeschwert, seine Sorgen und alles was ihm, bevor er sie kannte, beschäftigt hatte, vergessen, wenn er nur bei ihr war.
‘Sie war nicht so oberflächlich, so gleichgültig wichtigen dingen gegenüber. Sie steht fest im Leben und will alles unter einer gewissen Kontrolle haben, deshalb ist es für sie hier auch so schrecklich. Aber davon werde ich sie befreien, ich weiß bloß noch nicht wie! Meine nächste Versetzung, beider ich sie einfach in einen Flieger nach Deutschland setzten könnte, ist frühestens in zwei Monaten. Aber so lange wird sie das nicht durchhalten. Ich muss es früher schaffen!’
Er legte seine Hände von hinten um ihre Taille und seinen Kopf auf ihre Schultern. Er wüste nicht ob er sich das nur einbildete, aber er hatte das Gefühl das es ihr gefiel.
“Schau mal dahinten, neben der Quelle.”
“Was ist denn das? Ein Picknickkorb?”
“Mhmm” meinte er zustimmend.
Um diesen hohlen zu können musste er sie jedoch loslassen, was ihm natürlich gar nicht gefiel.
Lena, die immer noch hin und weg war, setzte sich ins Gras und spielte wie ein keines Kind mit den Händen im Wasser. Marc stellte den Korb in der Nähe von ihr ab und gesellte sich zu ihr.
“Was ist das denn da unter?” fragte er sie verwirrt und deutete auf eine leere Stelle im Wasser.
“Wo?”
“Na da, das kleine da!” Er beute sich über sie und zeigte ins Nichts.
Lena beugte sich weiter nach vorn, um besser sehen zu können, was er meinte.
“Ich sehe nichts!”
Als sie dicht über der Oberfläche war, spritzte Marc ihr, mit seiner ausgestreckten Hand, einen großen Schwung Wasser ins Gesicht.
Sie wich überrascht zurück und zwar genau in seine Arme, die sie gleich umklammerten. Wütend stieß sie ihm mit ihren Ellenbogen in die Seite und stürzte sich, rächend, auf ihm. Hielt dann aber inne, als sie seine faszinierten Augen sah.
“Is was?”
“Was sollte dann sein?” Sie ließ von ihm ab und rollte sich zur Seite. Marc setzte sich auf und beobachtete die nur so da liegende Lena, die wahrscheinlich gerade dabei war sich herrlich zu entspannen.
“Weiß nicht! Aber du hast doch immer was zu meckern!” sagte er im scherzenden Ton.
“Na wenn das so ist, sag ich am besten gar nichts mehr!” meinte sie eingeschnappt.
“Oh nein! Bitte nicht! Das darfst du mir nicht antun!” flehte er sie an.
“Puh!” meinte sie hochnäsig und drehte sich zur anderen Seite.
Marc fing an im Korb nach etwas bestimmten zu suchen. Bis er eine große Traube die mit vielen Weintrauben besetzt war, stolz heraus zog. Diese hielt er dann Lena unter die Nase und zog sie wieder weg wenn sie danach greifen wollte.
“Dann nicht!” Sie drehte sich wieder auf die Seite.
“Och! Na wenn das so ist.” Er hielt sie ihr vor die Nase, doch Lena reagierte nicht.
“Soll ich dich jetzt auch noch füttern, oder was?”
“Nein! Dann mach ich’s lieber selbst.” Sagte sie stur und nahm ihm die Trauben ab.
“Dreh dich mal wieder andersherum, ich kann dich ja gar nicht sehen!”
Sie folgte seiner Aufforderung, blinzelte nachdenklich in die Sonne und aß ihre Weintrauben. Marc tat es ihr im sitzen gleich und beobachtete den Fluss, dabei überlegte er angestrengt wie er sie hier frühzeitig raus bekommen würde.
Plötzlich fing sie an laut zu lachen, verschluckte sich fast, setzte sich auf, konnte aber nicht aufhören zu lachen.
Marc sah sie schockiert an.
“Was ist denn mit dir los?” Seine Stimme klang nicht besorgt, sondern schon selber mit lachend.
“Ich hab eben bloß über das alles mal so nach gedacht und, tut mir leid, aber das ist doch alles ziemlich lächerlich, wenn ich das mit meinen bisherigen Leben so vergleiche.”
“Wie sah denn dein bisheriges Leben aus?”
“Na ja, ich weiß nicht. Nicht so belastend, einfacher, kontrollierter. Ich wusste was ich wollte und das hab ich auch durchgesetzt. Und falls mir doch mal jemand dazwischen gefunkt hat, dann war das entweder nicht so schlimm, oder ich hab’s schon vorher geahnt gehabt. Und vor allem war es nicht so gefährlich, so heimtückisch und dann wieder so schön!” Sie schaute nach oben und blinzelte in die Sonne.
Marc nickte nachdenklich, er hatte recht gehabt mit seiner Vermutung.
“Was machst du eigentlich beruflich?” fragte er lächelnd. Über so was hatten sie überhaupt noch nicht gesprochen.
“Was machst du denn so beruflich, das würde mir nämlich vieles erklären!”
“Ist zu kompliziert.” sagte er abwesend ins Nichts starrend.
“Ist bei mir genauso.” Meinte sie verärgert.
“Hey, so war das nicht gemeint, aber schau mal: Du wurdest hier gefangen genommen weil du etwas gesehen hast was du wahrscheinlich selbst nicht mal, wenn ich dir jetzt erzählen würde was ich und die anderen hier machen und sie das raus bekommen würden, weiß ich nicht was sie denn mit dir machen würden. Und das ist zu gefährlich, OK?”
“Mhmm” meinte sie enttäuscht. “Aber dann kannst du mir ja wenigstens erklären was ich gesehen habe, denn selbst das verstehe ich nicht.”
“Du warst bei einem Angriff dabei, oder?”
“Ich glaub schon. Ganz genau weiß ich nur, das ich als ich diesem Tal angekommen bin, dort ein riesiges Zeltlager aufgebaut war und die Leute mich weggeschickt haben. Ich bin dann weiter nach oben gegangen und hab mich unter einem Busch gesetzt und mich ausgeruht. Dann hörte ich plötzlich Schreie vom Tal her und sah wie viele Männer in schwarzen Uniformen das Lager stürmten. Und dann hatte ich auch schon einen ekelhaft stinkenden Lappen im Gesicht und bin in diesem Verhörraum aufgewacht, wo mich dieser John wohl seelisch umbringen wollte.”
“Also primitiv erklärt musst du dir das wie ein Bandenkrieg mit modernsten Mitteln und wahnsinniger Ausdehnung vorstellen, in den du zufällig hinein geraten bist.”
“Also war ich nur zur falschen Zeit am falschen Ort, oder was?”
“Ja so könnte man das sagen!”
“Na toll!”
“Enttäuscht?” fragte er schmunzelnd.
“Nein, aber so weit war ich auch schon! Warum ist die Frage.”
“Unterschiedliche Ansichten, Macht- und Gebietsansprüche? Geld? Wer weiß das schon?” Er seufzte, es schien als würde er bei diesem Thema immer nachdenklicher und trauriger werden.
“So jetzt bist du aber dran!”
“Womit?”
“Wer bist du?”
“Ich bin die Leiterin einer kleinen Hotelkette und für das Management zuständig.”
“Und?”
“Was und?”
“Macht es dir Spaß?”
“Ja eigentlich schon ...”
“Aber?”
“Aber ich hab keine Anforderungen. Ich bin Leiterin und das war’s. Ich kann mich nicht qualifizieren oder mehr anstreben. Es ist ausgeschöpft und dabei musste ich nicht viel dafür tun. Das ist irgendwie enttäuschend!”
Marc war mehr als je zuvor von ihr beeindruckt und fasziniert.
Der Rest des Tages gestalteten weitere Gespräche, das Mittagessen in Picknickform, Albereien und eine kleine Wasserschlacht.
Am Abend saß Lena an Marc gekuschelt auf seinem Schoß und beobachteten die untergehende Sonne. Lena fühlte sich wohl, obwohl ihr bald kalt wurde. Doch lieber wollte sie frieren, als wieder in den Bunker zurück zu müssen. Marc bemerkte es jedoch.
“Ist dir kalt?”
“Nein.”
“Dir ist kalt, das merk ich doch!”
“Nein mir ist warm!” bestritt sie vergeblich.
“Los komm wir gehen wieder zurück, sonst wirst du noch krank!”
“Noch nicht.” stöhnte sie müde.
“Na du bist gut!” Er hielt mit einem Arm ihren Oberkörper und mit der Anderen ihre Beine und trug sie so raus.
“Lass mich runter!” meckerte sie und strampelte mit den Füßen.
“Vergiss es!” meinte er lachend.
“Das hältst du sowieso nicht durch!”
“Wollen wir wetten?”
“Um was?”
“Einen Kuss!”
Lena wurde still und zappelte nicht mehr.
“OK, dann nicht!” fügte Marc enttäuscht hinzu.
“Ich gehöre dir doch sowieso.” flüsterte sie mehr zu sich selbst, doch noch im gleichen Moment bereute sie es aber gleich wieder so etwas gesagt zu haben.
Marc ließ sie unverzüglich runter und ging schweigend mit ihr zum Fahrstuhl zurück. Erst als sich dieser in Bewegung setzte, fragte er mit enttäuschter Stimme:
“Warum sagst du immer wieder so was?”
“Es tut mir leid!”
“Es muss dir nicht leid tun, wenn du das so siehst, ich verstehe bloß nicht warum.”
Ich wollte das nicht sagen und ich hab’s auch nicht so gemeint wie ich es gesagt habe.”
“Ist in Ordnung. Weiß du, ich will bloß nicht das du dich in irgend einer Art bedrängt fühlst, OK?”
Sie nickte schweigend und senkte ihren Kopf. Sie schämte sich so. Warum hatte sie das gesagt? Warum nur?
‘Er war doch die ganze Zeit so gut zu mir und nur weil ich, dumme Kuh, meinen Mund nicht halten kann, ist er jetzt auf mich böse! Oh man Verdammt!’
“Hey was hast du denn?” Er beugte sich etwas herunter um ihr in die Augen sehen zu können. Lena schien diesmal keinerlei Angst zu haben, obwohl sie ca. einen Meter von ihm entfernt in einer Ecke stand und Löcher in die Luft starte.
“Es tut mir leid!”
“Das muss es wirklich nicht!” Er ging lächelt auf sie zu, nahm sie in den Arm und drückte sie freundschaftlich. Zu seinem Erstaunen erwiderte sie die Umarmung und kuschelte sich an ihm.
Plötzlich öffnete sich die Tür neben ihnen und sie mussten aussteigen. Als sie das Zimmer wieder betraten, ließ Marc sich auf einen Sessel fallen und zog Lena hinterher, die völlig ahnungslos auf ihn rauf fiel und sogleich von ihm gekitzelt wurde.
“So und was machen wir jetzt?”
Als sie sich von ihm befreit hatte, stellte sie sich vor ihm hin und staubte provokativ ihre Sachen ab, als sei sie in etwas schmutziges gefallen.
Wir machen jetzt gar nichts!” meinte sie rechthaberisch.
Ich gehe jetzt ins Bad.”
“Na ja, also wenn du duschen willst wäre das ja irgendwie Wasserverschwendung,” Er sprang auf und legte seine Arme um sie. “ich will nämlich auch noch! Außerdem wurde ich dich gern mal im Bikini sehen und die Dusche ist ja ziemlich groß und ...”
“Und was?”
“Na ja nur wenn du Lust hättest, meine ich.” Mit bettelnden Blicken versuchte er sie zu überzeugen.
“Warum nicht.” sagte sie mit gleichgültiger Stimme.
“Wie bitte?” Er konnte sein Glück kaum fassen.
“Na von mir aus können wir auch zusammen duschen.”
“Meinst du das im Ernst?”
“Ja klar!”
Lena drehte sich um und verschwand im Schrank. Marc sah ihr verwirrt hinterher, aber bevor sie es sich anders überlegte rannte er ins Schlafzimmer und zog sich um.
Lena hatte in dessen etwas passendes gefunden und war bereits im Bad. Als sie fertig vorm Spiegel stand und sich nachdenklich betrachtete, überlegte sie erst, zu was sie da zugestimmt hatte. ‘Ich dusche mit einem fremden Mann? Oh Gott, was ist mit mir los? Auf so was hat er doch nur gewartet!’ Sie sah an sich herunter und plötzlich lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. Sie sah sich hilflos um und entdeckte in einer Ecke ihren Bademantel, den sie sich sofort überlegte und fest zuschnürte. In diesem Moment klopfte es an der Badtür. Langsam öffnete Lena sie und sah dahinter einen nur in Badehose bekleideten Marc, der sie freundlich angrinste. Als er jedoch ihre ängstlichen Blicke bemerkte wurde er wieder ernst.
“Was hast du denn?”
“Nichts, ist alles in Ordnung!” Lena riss sich zusammen und lächelte ihm an.
“Ist schon OK.” Er lächelte zwar zurück doch wollte er das Bad auch schon wieder verlassen.
Lena ergriff seine Hand und hielt ihn zurück.
“Willst du kneifen?” Wie schon so oft wusste sie auch diesmal nicht so genau warum sie so was sagte. Sie wusste nur eins und zwar, das Marc der netteste, attraktivste und süßeste Typ war den sie je kennen gelernt hatte und was war schon dabei mit so jemanden zu duschen?!
“Nur wenn du es wirklich willst!” Er drückte ihre Hand ein wenig.
“Denkst du ich habe mich umsonst in dieses enge Ding gequält?” Sie öffnete demonstrativ ihren Mantel.
Marc zog die Augenbraun hoch und konnte seine Blicke nicht von ihren Körper lassen.
“Wow!” war das einzige was er beeindruckt herausbrachte, dabei trat er einen Schritt zurück und stieß sich an der Wand.
Lena musste lachen, er verhielt sich richtig tollpatschig, aber süß.
“Hey, ich hab auch Augen!”
“Oh ... ja klar.” Er wusste nicht wie er sich verhalten sollte. Sie sah so wunderschön aus, so bezaubernd und doch so klar. Marc war sich sicher, dass das nicht am Bikini liegen würde. Er hatte sie vorher nur noch nicht so betrachtet, aus Angst das sie sich von ihm belästigt fühlen könnte.
Er schloss die Tür wieder und wendete sich der Dusche zu. Als er die richtige Temperatur gefunden hatte, fragte er ganz gentlemanlike:
“Angenehm so?”
“Ganz so wie Sie wollen.”
“Oh bitte nicht schon wieder dieses SIE!”
“OK, OK!” Sie legte ihren Bademantel ab und stieg in die Dusche, Marc folgte ihr.
Nach dem sie die Tür der Dusche geschlossen hatten, wurde es ziemlich eng und vor allem rutschig. Was Lena gleich am eigenen Leib zu spüren bekam, als sie nämlich ausrutschte. Marc fing sie zwar auf, fiel aber auch zu Boden. So lag Lena nun über ihn und der Strahl der Brause prasselte auf sie herab. Plötzlich fingen beide gleichzeitig an herzhaft zu lachen. Lena erhob sich etwas und setzte sich gegenüber von Marc. Auch er setzte sich auf und strich ihr sanft die nassen Haare aus dem Gesicht, dabei kam er ihr immer näher, ihre Lippen berührten sich und ein scheinbar unaufhörlicher Kuss folgte.
Sie schafften es gerade noch die Dusche auszumachen, bevor sie im Schlafzimmer verschwanden und eine schöne Nacht miteinander verbrachten...
Ende des 2.Kapitels.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.05.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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