Simone Dengler

Schluss

Ich liege
hier, alleine ! was soll ich tun? Alles ist belanglos geworden! Wieso? Ich
weiß es nicht. Ich schaue um mich. Mein Leben ist grau, tagein, tagaus immer
das gleiche !weshalb? ich sehe mich, doch ich erkenne mich nicht. Ich könnte
genauso gut ein andrer sein. Ich sehe Menschen, hunderte von Menschen, jeden
Tag, ich sehe die Konturen ihres Körpers, sehe ihre Kleider, ihre Haarfarbe,
und doch sehe ich sie nicht. Genauso wenig wie sie mich sehen können, sehen
wollen. Nichts als eine graue Masse lebend in dem gleichen öden Alltag aus dem
alle ausbrechen wollen, obwohl sie sich verzweifelt daran festklammern, wie ein
Erkälteter der sich nichts sehnlicher wünscht als gesund zu werden, und doch
läuft er nackt durch den Schnee! Das Leben ergibt keinen Sinn. Die Menschen
wollen Frieden und doch erschießen sie einander, sie lieben erst, dann hassen
sie. Erst wird zerstört, dann nachgedacht! Ist die Welt zu kompliziert, oder
bin ich es? kann ich diese Gefühle, diese Gedanken nicht einfach verjagen! Sie verwirren
mich immer mehr, schwirren in mir, um mich, zerquetschen mich von innen. Wieso
ich ? wo ist das Licht, das diese schattenhaften Geister vertreibt? So alleine,
ohne Halt. Zu schwach um mich zu wehren. Sehe Lachen, doch ich kann mich nicht
freuen. Lache mit, ohne Grund, ohne Wärme, kalt, verständnislos! wozu? um
dazuzugehören. gehe mit ohne zu verstehen wieso! Ich will es nicht, doch ich
will auch nicht allein sein. Doch ich bin es sowieso! Die Leute sagen ich soll
mein Schneckenhaus verlassen, doch sie können nicht sehen dass sie es sind, die
innen sind! Ich will es ihnen sagen, sie anschreien, doch kein Ton verlässt
meine Lippen. Es hätte sowieso keiner verstanden. Nach außen , fröhlich, hell,
gut gelaunt! Theater! Dunkel, kalt, allein, so bin ich, fühle ich mich. Höre
den Problemen anderer zu , versuche zu helfen, zu lernen, doch ich ersticke an
mir. So grausam, chaotisch, zerreiße es, schreien, immer lauter, doch ich
verstehe sie nicht. Ich mache was sie wollen, doch es ist immer falsch. Ich bin
falsch. Wehre mich! Es tut weh diese Blicke! Ich bin anders, deshalb auch so
allein. Will nicht mehr allein sein, und doch schicke ich jeden weg der sich
mir nähern möchte; wieso ? Alles ist dunkel. Die Kälte umschließt mich, besitzt
mich, ist ich. Sie merken es. Ich sage ich bin krank. Skeptische Blicke, doch
da ich immer schon seltsam war ist es ok .In mir Angst, Zweifel, bin ich
falsch, ein Fehler, nichts als eine Enttäuschung? Ich gebe meine Erwartungen
auf, da ich auch keine erfülle. Verliere auch das letzte bisschen Hoffnung, als
das letzte Stück Herz in mir zu Stein wird. Allein, hart, kalt. Alles ist egal.
Was bin ich? Ich bin nicht tot, doch leben ist anders! Ich fühle nichts, weder
Freude noch Trauer! Eine Leinwand alles gespielt. Ohne Aussicht! Zu viele
Fragen, zu viele Erwartungen. Zu viel Leben! Das Leben schadet mir. Es
schmerzt, doch niemand darf es wissen! Theater, sonst stecken sie mich weg!
Krank, sie muss in Behandlung! Von wegen! Medikamente, noch mehr Theater,
entlassen, schief angeschaut, ewiges Geflüster, ohne Zweck. Alles dreht sich.
Ich schließe die Augen, doch es bleibt. Ich will weglaufen, doch um mich herum
ist nur ein dunkler Abgrund oder der graue Alltag. Ich stehe hier und schaue in
den Abgrund, dieses dunkle Loch, das ich immer vermeiden wollte, doch das immer
bei mir war. Dieser Abgrund der mir Angst macht. Auch ich halte mich fest, will
nicht loslassen, doch merke ich wie meine Finger abrutschen. Ich werde nicht
schreien. Dieses eine Loch ist meine einzige Hoffnung auf Leben, auch wenn ich
tot bin. Mein Leben war Abscheu, Gleichgültigkeit, Einsamkeit, und es geht ins
Nichts. Ich habe keine Angst mehr. Ich öffne die Augen. Sehe die Menschen alle
unzufrieden. Ich muss lächeln. Sie werde es nicht verstehen, doch sie haben
mich nie verstanden, nie verstehen wollen. Es ist nicht schlimm. Es wird diesen
alltäglich Schwachsinn durcheinanderbringen; wenigstens ein einziges Mal. Ich
sage nicht auf Wiedersehen, da ich sie nicht wiedersehen möchte, diese Menschen
die mich leiden ließen, ohne es zu wollen, ohne es zu merken. Keine Ahnung was
mich erwartet, doch es ist sicher besser als das alles hier. Ich lasse los. Ich
falle, er Wind bläst mir durchs Haar. Endlich frei. ich bin allein, doch
glücklich darüber. Schaue ein letztes mal nach oben. Sehe sie kopfschüttelnd,
sie geben sich die Schuld. Es ist mir egal. Ich habe nie dazugehört, und glaube
auch, dass es besser so war. Sie bringen Blumen; die armen Pflanzen mussten
wegen mir ihr Leben lassen. Sie weinen. Die Tränen erreichen mich, doch nur
wenige sind salzig. Ich muss lachen. Voller Freude. Solche Idioten. Mein Leben
lang wollten sie mich zerstören , den Menschen ändern, der ich war, niemand
wollte mich so wie ich war, und nun steht überall jeder würde mich in guter
Erinnerung behalten, doch niemand kannte mich. wie absurd! All diese Blicke,
Schreie die mich jahrelang verfolgt haben kehren nun zu ihrem Ursprung zurück.
Ich will sie nie wiedersehen. Mein Blick wandert nach unten als ich die Mauer
durchbreche. Diese Mauer, so gefährlich, doch unvermeidbar. Ich habe keine
Angst mehr, denn ich habe nichts zu verlieren. Niemand mochte mich, also wird
auch niemand mich vermissen. Nur nach außen wird jeder die Fassade aufrecht
erhalten. Arme Irre. Ich bin froh diese unnatürliche Welt zu verlassen in de
ich nie gepasst habe. Jede Bequemlichkeit macht abhängiger, und ich hoffe eines
Tages wird jemand meine Tat verstehen und mir verzeihen. Vielleicht die Person
die ich am meisten gebraucht habe, ohne dass sie mich auch nur beachtet hat!
Endlich nicht mehr gefangen in diesem endlosen Chaos von Gefühlen und Gedanken!
Ich fühle diese sanfte Brise die mich vergessen lässt! Und ich lächle, als
alles an mir vorbeizieht über die Dummheit der Welt und meine erste vernünftige
Entscheidung.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.07.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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