Der metallene
Werkzeugkasten schlug immer wieder gegen die Treppenstufen und brach
dabei kleine Ecken aus deren Zement, die hinter den beiden Männern
ins Treppenhaus hinab sprangen. Der Jüngere von den beiden,
sofern das bei ihrem fortgeschrittenen Alter überhaupt noch eine
Rolle spielte, der den schweren Kasten hinter sich her zog fluchte
ohne Unterlass und versuchte vergeblich, asthmatisch schnaubend, ihn
höher zu heben, doch die Kraft fehlte ihm. Als die Alten den
nächsten Treppenabsatz, von welchem aus eine Sicherheitsglastür
zu einem Korridor hinausführte, erreicht hatten und
verschnauften, setzte der eine seinen Werkzeugkasten ab und rückte
seinen Blaumann zurecht. Er fluchte ausgiebig, wurde jedoch
schließlich ruhiger.
„Wissen sie,“, begann
er durch die Zähne und zwischen zwei Atemzüge gepresst.
„Auf diese Wohnung hätten sie doch eigentlich verzichten
können. Steht doch eh' alles leer, da will doch keiner in eine,
in der's nach 'ner Leiche stinkt. Wenn überhaupt!“
Sein Gegenüber, ein
sichtlich alter, kleiner, stämmiger Mann, welcher genau wusste,
wie recht er hatte, brummte nur etwas unverständliches und schob
sich durch die Tür zum Korridor. Der Andere seufzte noch und
folgte ihm mit einiger Verzögerung.
Der Korridor, welchen sie
nun entlang schritten, machte bereits auf den ersten Blick einen sehr
jämmerlichen Eindruck. Die mattgelben Wände waren mit
verwaschenen Flizstiftgraffittis beschmiert, der Fußbodenbelag
fehlte, so dass der fleckige Estrich, auf welchem sich klein
Wasserpfützen gesammelt hatten, darunter frei lag, die Türen
zu beiden Seiten waren ebenso verzogen wie ausgeblichen, nur fahles,
oranges Licht drang durch die gesplitterten Fenster an beiden Enden
des Ganges und von dem beleuchteten Notausgangschild an der
gestockten Decke. Endlich blieben die Beiden vor einer Tür
stehen, wobei der Handwerker in seinem Blau wie ein Eindringling
wirkte, während sich sein Begleiter, grau, unauffällig und
gebeugt, in die graue Szenerie einfügte.
„Na, dann seh'n wir uns
das mal an“, dröhnte die Stimme des Einen durch den Gang, als
er versuchsweise an der Tür, welche sich als verschlossen
herausstellte, rüttelte. Mit einem Ächzen kniete er sich
dann in eine Pfütze um das Schloss mit einem fachmännischen
Blick zu begutachten. „Hm.“meinte er, öffnete seinen
Werkzeugkoffer und förderte nacheinander mehrere, für den
unauffälligen Mann völlig gleich aussehende,
Stahldrahtstücke zu Tage, mit welchen er sich am Schloss zu
schaffen machte.
Nach einigen Minuten
dauerhaftem Klickens, legte er die Drähte zurück, nickte
zufrieden und erhob sich. „Das wär's“
Er drückte die
Klinke, doch erst nach heftigem Dagegenstemmen bewegte sich die Tür
überhaupt und gab den Blick auf das dahinterliegende Chaos frei.
„Uh!“, entfuhr es dem
Schlosser. „Da kommt ja ein hartes Stück Arbeit auf sie zu.
Vielleicht rufen sie da jemanden, der das für sie macht.“
Der Andere versuchte
erfolglos über die breiten Schultern des größeren
Handwerkers durch die Tür zu blicken. „Ich geh' dann mal. Die
Rechnung schick' ich ihnen dann. Wiedersehen.“ Mit diesen Worten
schlurfte er samt seines Kastens in Richtung Treppenhaus und gab so
den Blick in die Wohnung frei.
Der Hausmeister trat
näher und wurde sogleich von einer Wolke süßlich-fauligem
Geruchs empfangen, welche sich aus dem vor ihm auftuenden Chaos
entwand. Die Polizei hatte nicht gelüftet. Und auch sonst nichts
verändert, aber den Schlüssel hatten sie behalten.
Eine Hand auf Mund und
Nase gepresst durchquerte er so schnell es auf diesem unebenen
Terrain ging, das Zimmer und machte sich am Fenster zu schaffen. Bald
schon musste er fest stellen, dass es sich nicht öffnen ließ.
Als er den Griff genauer betrachtete, bemerkte er, dass er von einer
dicken Rostschicht, die beinahe so aussah, als wäre sie vor
nicht all zu langer Zeit einmal flüssig gewesen.
Würgend von dem
abstoßenden Geruch, verließ er das Zimmer wieder und
beschloss die Tür offen stehen zu lassen, um morgen wiederkommen
zu können. Wenigstens brauchte er sich keine Sorgen um
irgendwelche Mieter auf dieser Etage machen, die sich beschweren
hätten können.
Am nächsten Tag,
mache sich der Hausmeister schon früh, bepackt mit Putzeimer,
Lappen, Bürste, Wischmob und Mülltüten, zu der
verwüsteten Wohnung auf. Da sich der Geruch einigermaßen
verzogen zu haben schien, stellte er seine Sachen ab und trat über
die Schwelle in den Vorraum um einen genaueren Blick auf die
Angelegenheit zu werfen.
Das kleine Vorzimmer
hatte zwei Türen, die ein rechter Hand zum Wohnzimmer, links zum
Schlafzimmer und ging nach vorne nahtlos in die kleine Küche
über, deren Fenster er gestern zu öffnen versucht hatte.
Soweit jedenfalls die Theorie der Raumgestaltung. In der Praxis
jedoch, waren die Türen kaum noch von den Wänden zu
unterscheiden zumal sie mit einer Flut von Zetteln,
Zeitungsausschnitten, Fotos und anderen Papieren behängt waren,
allesamt schimmelig, verschmiert und mit einer rötlich-braun
schimmernden, feuchten Substanz bedeckt. Der Boden war mehr als
knöcheltief mit leeren Flaschen, Bierdosen und sonstigem nicht
weiter zu definierendem Müll angefüllt, welcher sich
ebenso, in Form von Tüten und Essensverpackungen, auf den
Ablagen der Küche stapelte. Auch auf diesen vor sich hin
modernden Müllbergen breitete sich eine rote Schicht aus.
Der Hausmeister seufzte
bedrückt, als er sich feste Spülhandschuhe überstreifte
und versuchsweise am Wandbelag kratzte. Mit einem Schmatzen lösten
sich einige der Zettel und fielen als zusammengebackenes
Brett, feucht klatschend, in den Müll. Ein Stück halb
verwester Raufasertapete lag nun dahinter frei. Der Alte betrachtete
das Stück des Belags auf seinem Handschuh. Es war leicht faserig
und hatte Ähnlichkeit mit etwas organischem, Moos vielleicht
oder eher eine Alge. Ja, eine Alge musste es sein, bei der
Feuchtigkeit in dieser Wohnung wäre dies kein Wunder gewesen.
Er wischte den Schleim an
seine Hose und hob das verklebte Papier, welches er abgerissen hatte,
auf. Es stellte sich als viel zu zersetzt und nass heraus um gelesen
werden zu können, also warf er es in seinen Eimer.
Nach kurzem überlegen
verließ er das Zimmer wieder und kam mit einem großen
Karton und einer Schneeschaufel zurück. Damit begann er nun,
ohne genauer darauf zu achten, was sich darin befand, den auf dem
Boden liegenden Müll Schaufel um Schaufel zu entsorgen. Es
dauerte nicht besonders lange, bis er dieses Zimmer einigermaßen
gesäubert hatte, doch fiel ihm ein, dass es besser wäre die
hinteren Räume zu säubern bevor er zu einer Feinreinigung
überging.
Als er nach links die Tür
zum Schlafzimmer öffnete, donnerte ihm erneut eine Wand aus
stickiger, stinkender Luft entgegen. Eine Masse fetter Fliegen surrte
um seinen Kopf. Er schlug sich gegen die Stirn bei dem Gedanken
vergessen zu haben, hier zu lüften. Nun musste es so gehen, auch
wenn es hier noch schlimmer aussah. Die Tür zum Bad stand
gottlob offen und die Polizei hatte das Badewasser abgelassen. Die
Toiletten im ganzen Gebäude waren grün gefliest, doch hier
schimmerten alle sichtbaren Stellen in fluoreszierendem
Rot. Leere Deodorantflaschen, Zahnpastatuben und unfassbare Mengen
von Medikamentenschachteln lagen überall, der Duschvorhang war
heruntergerissen.
Kurz warf der Hausmeister
einen Blick zurück ins Schlafzimmer, doch die aufgequollenen,
mürben Möbel und die zu einer schleimigen Masse verrottete
Bettdecke, die auf dem Fußboden lag, nahmen im jegliche Lust
dort aufzuräumen, weshalb er beschloss erst das Bad gründlich
zu säubern. Sogleich begann er wie schon zuvor den Müll
hinauszuschaufeln, wobei er seinen letzten Müllsack verbrauchte
und so auch den Pappkarton verwenden musste. Den schlammartigen
Schmutz vom Boden aufzuwischen bereitete ihm viel Mühe: ständig
musste er den Mop absetzten um etwas aus den Fugen zu kratzen. Der
Schweiß rann ihm von der Stirn und immer wieder setzte sich
eine der dicken Fleischfliegen auf die selbe Stelle auf seiner
rechten Wange. Er hätte sie gerne verscheucht, doch wusste er,
wie aussichtslos diese Unterfangen gewesen wäre. Seine Arme
waren bis zu den Ellbogen beschmiert, sein Hemd ruiniert. Den
Einrichtungen, wie Toilette, Badewanne und Waschbecken wurde er nur
Herr indem er alles großräumig mit Essigreiniger unter
Wasser setzte.
Als er mit den Wänden
beginnen wollte, bemerkte er, dass unter der Dreckkruste des Spiegels
etwas mit weiß, vermutlich Zahnpasta, geschrieben stand. Er
nahm den Lappen zur Hand und wischte vorsichtig die obere Schicht um
die Buchstaben herum fort, bis eine krakelige Handschrift lesbar
wurde:
„Sterben soll das
Stinktier! Der Fuchs muss fallen! Die Herrschaft der Hyäne
erwache!“
Über diesen
offensichtlichen Unsinn musste der Hausmeister kurz schmunzeln,
zuckte dann aber mit den Schultern und wischte es weg. Ein seltsamer
Mensch musste dieser Mieter gewesen sein, da gab es keinen Zweifel,
schon allein wegen des Zustandes der Wohnung. Aber sonst war er doch
recht unauffällig gewesen, wenn man so an ihn zurückdachte...
Nein, war er das überhaupt gewesen? Meinte er nicht doch den
jungen Mann aus dem zweiten Stock? Sicher war er sich nicht, denn er
glaubte nun, sich überhaupt nicht mehr an diesen Bewohner
erinnern zu können. Es kam ihm so vor, als wäre er ihm
niemals bei seinem Treppenhausreinigungsdienst oder auf dem Weg zum
Einkaufen unter die Augen gekommen. Eine Arbeit hatte er sicher nicht
gehabt, das hätte er mitbekommen. Normalerweise begrüßte
er jeden neuen Mieter persönlich und lud ihn auf einen Kaffee
ein. Das war eben der Vorteil daran, dass hier kaum noch irgendjemand
wohnen wollte: Man konnte ein viel persönlicheres Verhältnis
zu den Leuten pflegen.
Aber an ihn konnte er
sich beim besten Willen nicht entsinnen. Fast schien es so, als wäre
dieser Mann mit einem Jahresvorrat an Konserven hier eingezogen und
hatte dann bis zu seinem Tod –sogar zwei Wochen darüber
hinaus, nahm man es genau- die Mietswohnung nicht mehr verlassen.
Betrachtete man den ganzen Müll, war es nicht einmal all zu
abwegig. Auf jeden Fall konnte er sicher sein, dass keine Person im
Haus etwas von diesem Mann wusste, wenn er sich nicht einmal mehr an
sein Gesicht erinnern konnte.
Natürlich, er war
vor drei Tagen mit der Polizei durch die damals noch offen stehende
Tür gekommen, weil sich die alte Frau Schmittke, die einzige
Berwohnerin des darüber liegenden Stockes, über den
penetranten Sauerkrautgeruch beschwert hatte, aber nachdem man ihn
gefunden hatte, hatte sich der Hausmeister, durch seinen Magen ins
Freie gezwungen, nicht mehr lange genug dort aufgehalten, als dass er
seinem Gedächtnis wieder auf die Sprünge helfen hätte
können.
Er wischte sich den
Schweiß von der Stirn und seufzte. Es wurde wircklich immer
stickiger in der engen Nasszelle. Lange konnte er hier nicht mehr
arbeiten, denn er spürte schon, wie sein Kopf dröhnte, ihm
schwindelig wurde von der feuchten Hitze. Er war nun wahrlich nicht
mehr der Jüngste und sich darüber im Klaren, dass er sehr
auf sich acht geben musste. Die Wand, welche er sich vorgenommen
hatte, war jedoch schon fast fertig und so harrte er aus.
Merkwürdig, wie
einfach so ein Mensch vergessen werden konnte. War die Wohnung erst
einmal gereinigt, würde nichts mehr an ihn erinnern, ein neuer
Mieter würde einziehen... Nein! Das sicher nicht. Das Gebäude
würde wahrscheinlich irgendwann demnächst sowieso
abgerissen werden, bei nicht mehr als fünfundzwanzig Prozent
Belegung tat man das doch, oder nicht? Nun, auf jeden Fall würde
es keinen Nachmieter mehr geben.
Das Bad war nun sauber,
bis auf die Decke, welche er nicht erreichen konnte und sich aber zu
schwach fühlte um eine Staffelei zu hohlen. So verließ er
die Wohnung und überblickte die sich auftürmenden
Müllberge, welche er in den Gang geschafft hatte. Er machte sich
keine großen Hoffnungen, versuchte aber trotzdem die große
Pappkiste anzuheben. Mit zusammengebissenen Zähnen und
hervortretenden Armsehnen, gelang es ihm sie gegen seine Oberschenkel
zu stemmen. Für einen Moment war er sich des großen
Fehlers, welchen er begangen hatte, bewusst, bevor seine Knie
nachgaben und er nach vorne kippte.
Der scharfe Schlag des
Aufpralls auf die Kiste presste ihm die Luft aus den Lungen, sein
Kopf und die Knie schlugen hart auf den Boden. Der Inhalt der des
Karton verteilte sich um ihn herum.
Einige Minuten lag er
ganz still als die Schmerzen dumpf und fast taub durch seinen Körper
zuckten. Er traute es sich nicht, sich zu bewegen, aus Angst, er
könnte es nicht mehr, seine Muskeln würden ihm nicht mehr
gehorchen. Wenn er hier liegen blieb, dann dauerte es sicher Tage,
bis man auch nur auf die Idee kam hier nach ihm zu suchen, denn
sicher erinnerte sich schon niemand an das Zimmer, in welchem er
Ordnung schaffen wollte. Hier, in dieser Etage, wohnte niemand mehr,
darum betrat sie auch keiner. Er würde warten müssen, bis
Frau Schmittke wieder etwas roch.
Dann hob er vorsichtig
seine Rechte und setzte sie langsam neben einigen Glasscherben auf
den Estrich. Diesen Vorgang wiederholte er mit der linken Hand und
stemmte sich dann, keuchend mit rotem Kopf, auf seine pochenden Knie.
Nachdem er tief durchgeatmet hatte, gelang es ihm wieder auf die
Beine zu kommen. So sollte es also doch nicht kommen.
Schwankend mit einer Hand
gegen die Wand gelehnt stand er nun da und blickte verdrossen und
müde auf den Berg aus ausgeschüttetem Müll, vor ihm.
Niemand würde jemals
etwas bemerken, wenn er dies einfach so liegen lassen würde. Man
hätte es schon morgen vergessen wie den verstorbenen Mieter.
Plötzlich fiel ihm
etwas in diesem Wust von Badezimmerabfällen auf, das so aussah,
als würde es nicht dazu gehören. Es handelte sich um ein
etwa dreißig Zentimeter langes und zehn Zentimeter breites,
zylindrisches Bündel, eingeschlagen in sonderbar trockenes
Packpapier. Ohne auch nur zu zögern hob er es auf und riss das
Papier herunter. Zum Vorschein kam eine mit Bindfaden
zusammengehaltene Rolle aus sehr dickem, an der sichtbaren
Aussenseite grauschwarzem, Stoff zum Vorschein. Verwundert versuchte
er die Schnur zu lösen, doch er fand keinen Knoten, zumal sie
aus einem, fest um das Bündel geschlungenden Stück bestand.
Wo hatte er das nur
gefunden und zum Müll gelegt? Im Waschbecken? Möglich
Letztendlich beschloss er
die Rolle mit in seine Wohnung zu nehmen um sie dort genauer zu
betrachten. Ein Blick aus dem Fenster am Ende des Flures verriet ihm,
dass es bereits Abend geworden war.
Nach dem Abendbrot hätte
er seinen Fund schon glatt wieder vergessen, wäre er nicht, als
er zur Toilette wollte, beinahe darüber gestolpert und ein
weiteres Mal gefallen.
So räumte er die
Essensreste vom Tisch auf den Boden um Platz für das Bündel
zu schaffen. Mit dem Buttermesser schnitt er vorsichtig, um nicht
doch in den Stoff zu schneiden, die Endlosschnur durch und rollte das
seltsame Objekt aus. Was er zu sehen bekam, verwunderte ihn auf den
ersten Blick nicht sonderlich: Vor ihm lag ein winziger, in dunklen
Rottönen gemusterter Perserteppich. Einen ähnlichen hatte
er als Fußmatte in seinem Wagen.
Mit einem runzeligen
Zeigefinger strich der alte Mann über das Gewebe. Es fühlte
sich fast an, als wäre es ein Fell und kein Stoff, so fein war
es gearbeitet. Außerdem schienen die geometrischen,
gegenstandslosen Muster trotz ihrer geringen Farbvarianz auf eine
eigentümliche Art zu glühen. Nein, dies war nicht so ein
billiger Teppich, wie in seinem Auto. Dieser hier schien alt zu sein
und zeugte, soweit sich der Hausmeister fähig fühlte so
etwas zu beurteilen, von großer Handwerkskunst. Eine
maschinelle Anfertigung schloss er jedenfalls allein aufgrund der
sorgsamen Art der Verpackung aus.
Sicher war er eine Menge
wert. Aber wie war er dann zu dem Mieter gekommen? Er wusste nicht,
ob er viel Geld gehabt hatte, doch reiche Leute zogen nicht hier her
und lebten auch nicht in ihrem eigenen Dreck. Vielleicht hatte er ihn
geerbt. Und ihn dann nicht verkauft, weil er einen ideellen Wert
hatte, der den Tatsächlichen bei weitem überstieg. Oder er
war Sammler gewesen und hatte seine ganze Sammulng bis auf dieses
Stück verkauft. Aus Geldproblemen, oder um diesen zu kaufen.
Sicher war es ein besonderer Teppich. Vielleicht war er... gestohlen?
Dann hatte er ihn nicht verkaufen können, weil Sammler selten
Diebesgut erwerben. Das hieß es doch immer in den Krimis: Sie
wollten doch damit angeben und es herzeigen. Das passte. Es musste so
gewesen sein. Der Mieter hatte sicher versucht sich so aus seiner
Finanzkrise zu retten, immerhin hatte er auch nie die Miete bezahlt.
Oder doch? Nein, daran erinnerte er sich nicht.
Wieder blickte er auf den
Teppich und folgte einer Linie mit dem Finger. Er würde die
Polizei rufen müssen. Vielleicht gab es ja einen Finderlohn.
Neuer Tatendrang
erwachten in seinen alten Knochen als er sich inmitten einer
spannenden Geschichte zu befinden glaubte. Er erhob sich schwungvoll
um zum Telefon zu gehen. Dabei trat er auf den eben zu Boden
gestellten Teller, strauchelte, konnte sich nicht mehr fangen und
fiel rittlings um. Brennende Schmerzen ergossen sich wie flüssiges
Zinn durch seine linke Körperhälfte, eine jähe Panik
stieg in ihm auf und blieb.
Einige Zeit später
fand ihn die Polizei als sie die Tür aufbrachen. Einige der
Mieter hatten sich über einen schrecklichen Sauerkrautgeruch
beschweren wollen, jedoch nahm niemand in der Hausmeisterwohnung das
Telefon ab, keiner reagierte auf das Klopfen Ein verständigter
Bestatter, von nicht ganz redlicher Natur, nahm den Teppich an sich,
als er die Leiche das alten Mannes fortschaffte. Was aus diesem
Unternehmer und dem Perser wurde, weiß man nicht.
Oder es wurde vergessen.