Tobias Resch

Des Menschen Werk

 
 
Ob ihr diese Geschichte für Wahr erachtet oder nicht, sei euch überlassen. Sie soll einzig nur das Leiden eines Individuums aufzeigen, welches sein verbrachtes Leben begleitete.

Angefangen hat es im Kindergartenalter, schüchtern war er, aber sehr beliebt. Freunde hatte er viele und auch schon einige merkwürdige Gefühle. Gemocht hat er so manche, doch keine wie sie so sehr. Es war der letzte Tag im Kindergarten und der letzte Blick und schon vergangen war dieses Glück. Erinnern tat er sich für lange Zeit daran nicht mehr, sondern blickte freudig in die Zukunft. Denn er war ein sehr gut aussehender Junge, zumindest sagte man ihm dieses zu.

In der Schule wurde er schon bald auch zum Beliebtesten und bekam als bald seinen ersten Kuss. Aber schüchtern war er immer noch. Er war glücklich und hatte viele Freunde, tollte und spielte mit ihnen jeden Tag. Welch schöne Zeiten es doch waren. Doch es verging ein Jahr und noch eines, dann war es schon die 3. Klasse und es änderte sich etwas grundlegendes. Seine Schönheit von außen ungebrochen bekam Risse im Inneren, nicht immer Sichtbarem. Die Zähne schief und gelb, anfangs noch leicht doch mit der Zeit immer mehr. Hemmend war dieses vorerst nicht. Seine Freunde waren immer noch bei ihm und würden es noch für einige Zeit bleiben. Doch als er in die 4. Klasse kam, war es geschehen. Er kam in eine Neue, fremde Gesichter und neue Moden. Er war nicht fähig sich dem Stile anzupassen. Und alsbald wurde er gefühlsmäßig isoliert. Doch es erschien in ihm ein Gefühl, welches er noch nicht kannte. Verliebt, würde man heute sagen, war er, in ein Mädchen, so wunderschön. Er versuchte vieles, doch die Schüchternheit siegte und vielleicht war auch sein Aussehen daran schuld, dass daraus nie etwas wurde. Für ihn war es immer eine Vorstellung gewesen, die Wahrheit zu sagen, welche seine Gefühle betraf, doch zögerte er immer, und dann war die Möglichkeit vorbei und er ging auf ein Gymnasium.

Verloren hatte er zu diesem Zeitpunkt alle seine Freunde aus seiner Grundschulzeit, bis auf einen, doch auch hier sollte es sich nicht mehr viel entwickeln. Einen Freund verlor er auf Grund dessen Raffgierigkeit und Hinterhältigkeit, was dieser wohl von seine Mutter gelernt hatte. Einst waren sie beste Freunde, doch jener schob sich mehr und mehr in Vordergrund. Man versuchte miteinander auszukommen, doch solche Hochnäsigkeit gibt es selten. Er ging und sie hatten sich nie wieder gesehen. Der andere Freund, er Lausbub wie er im Buche steht, immer lustig und oft im Hintertreffen. Viele Freunde hatte dieser nicht, so traf er sich mit ihm und sie verbrachten viel Zeit noch miteinander, nach der 6. Klasse doch wurde dies weniger und weniger.

Unmengen unbekannter Menschen traf er auf der neuen Schule, seine Leistungen waren nicht mehr so gut wie damals auf der Grundschule und schon bald hatte er auch keine Lust mehr richtig zu lernen. Er sah die vielen neuen Gesichter, sah die Zeit, die Mode und alles was “In” war an sich vorüberziehen. Und immer noch waren seine Zähne schief und gelb. Eine Spange hat er mal getragen, doch hat ihm dies nicht sehr gelegen und er hat dies abgebrochen. Deswegen waren ihm Zahnarztbesuche mit seiner neuen Klasse immer unangenehm, weil er erklären musste, wann er mal wieder zum Arzt geht und die Zähne sich richten lässt. Immer lies er sich eine Ausrede einfallen und kam damit jedes Jahr durch. Gehänselt wurde er wegen seines Aussehens nie und er fand auch neue Freunde, die seine Interessen teilten, doch mit Mädchen riss der Kontakt völlig ab. Es gab viele gut aussehenden Mädchen in seiner Klasse, doch sie wollten nichts von ihm. Nur eine, doch nach dem sie mit ihm geredet hatte, war es das letzte Mal, dass sie mit ihm geredet hatte. So verging Jahr um Jahr und es war schon bald die 10. Klasse angebrochen. Vieles änderte sich nicht in der Schule, jedoch mehr in seiner Freizeit.

Viel Zeit verbrachte er nicht mehr draußen, sondern immer mehr vor dem Computer. Spielte und Chattete, kam mit vielen Menschen in Kontakt, mehr als in seinem ganzem Leben davor. Er knüpfte Freundschaften, aber diese wurden nie im wahrem Leben bekannt. Und mit der Zeit versuchte er eine Freundin zu finden. Doch es wollte ihm nicht wirklich gelingen. Bis er eine im Chat traf. Sie hatte ihm ein Bild von sich geschickt und er fand sie attraktiv und sie redeten eine lange Zeit miteinander, doch es wurden nie etwas daraus. Irgendwann kam sie in den Chat und sagte ihm, dass sie jemanden kennen gelernt hatte und sie sich treffen. Sein Herz war das erste Mal gerochen und er verzog sich in sein kleines Zimmer. Er dachte, dass es schon vorübergehen würde, aber das tat es nicht. Er war gekränkt. Und mit der Zeit wurde jener Chat immer seltener von ihm besucht bis der Kontakt zu allen seinen “Freunden” abbrach. Es war eine schöne Zeit für ihn, doch es war klar für ihn, dass es nicht für immer sein hätte können.

In seinem richtigem Leben traf er nach langem seinen alten Grundschulfreund wieder, dieser hatte sich zu einem stattlichen Mann entwickelt. Dieser erzählte ihm soviel von Frauen, dass er nur neidisch werden konnte und wurde mit der Zeit depressiver. Er fragte sich, wieso er nicht auch eine Freundin haben könnte, es war alles was er sich wünschte. Er hatte zu viele Filme gesehen, mit zu vielen Happy Ends, er dachte, ihm würde das auch eines Tages mal passieren. Doch mit der Zeit wusste er, dass dies nur Fiktion ist. Seine Mutter bescheinigte ihm immer ein gutes Aussehen, wenn da nicht der eine Punkt wäre. Er versuchte vergeblich daran etwas zu ändern, den mit der Zeit war sein Selbstvertrauen soweit gesunken, dass er sich nicht einmal mehr aufraffen konnte, einen Arzt auch nur anzusprechen. So verkroch er sich immer weiter in seinen PC hinein. Wenn er manchmal mit seinen Freunden wegging und er abends alleine nach Hause gehen musste, dachte er viel über sein Leben nach, dass es doch keinen Sinn machen würde und macht. So versuchte er sein Glück wieder am PC, in der Gewissheit, dass er im wirklichen Leben nie eine Chance haben würde.

Und es war alsbald geschehen, einem Monat nachdem er 18 geworden war, traf er durch einen Freund im Internet ein Mädchen im Chat, sie unterhielten sich und verstanden sich sehr gut, doch sie war in jemand anderem verliebt, deshalb gab er seine Chance schnell auf und fokussierte sein Blick auf eine andere. Er empfand ein starken Drang zu ihr und gestand ihr auch, dass er in sie verliebt sei und sie versuchten es zusammen, vorerst über den Chat. Doch es sollte sich herausstellen, dass sie nur mit ihm spielte. Sie sagte, dass sie ihn liebt, doch für ihn da war sie selten. Er versuchte etwas zu unternehmen, anrufen und dergleichen, doch sie blockte in dem sie selten mit ihm sprach und so geschah es auch, dass ihm seine wirklich erste große Liebe, aus seiner Sicht betrachtet, verloren ging. Er versuchte es einige Zeit später noch mal mit ihr, doch sie hatte sich in keinster Weise geändert. Er hätte für sie die Sterne vom Himmel geholt, aber alles vergebens. Es war ihm sogar egal wie sie aussieht, denn zuvor hat er immer sehr stark auf das Aussehen geachtet gehabt. Es mag daran liegen, dass er sich selbst als hässlich empfindet und nach einem gegensätzlichem Mensch gesucht hat. Doch diesmal wäre es ihm egal gewesen. Seine Gefühle waren so sehr verletzt, dass er keine Liebe mehr empfinden konnte, keine “Schmetterlinge im Bauch” haben könnte. Das einzigste was er fühlen konnte waren Trauer und das Gefühl, etwas verloren zu haben. Er versuchte dies mit Gedichten auszudrücken, doch fanden diese keine Anerkennung, da er Angst hatte, dass sie schlecht seien könnten. Schlecht wie er. Es dauerte noch einige Zeit und irgendwann traf er wieder auf das Mädchen, was er durch seinen Freund kennen gelernt hatte. Sie hatte ihren Freund, den sie auch über das Internet kennen gelernt hat getroffen und mit ihm geschlafen, doch sie wurde von ihm nur benutzt.

Als beide sich wieder trafen war sie in den USA als Austausch. Sie hatte Angst schwanger zu sein und er hat sie immer beruhigt, so kamen sie sich immer näher. Er in Deutschland und sie in den USA. Sie hatte ihm sogar mal ein Foto von sich geschickt und sie sah nicht einmal schlecht aus. Nach einigen Monaten waren sie sich so nahe gekommen, dass sie sich schon einige zweideutige Sachen schrieben und irgendwann war es dann soweit, dass sie sich gegenseitig ihr Liebe gestanden. Doch wurde auch hier wieder sein Herz schwer in Mitleidenschaft gezogen, als sie ihm beichtete, dass sie noch Gefühle für jemand anderen gehabt hätte. Aber diese Krise war schnell überstanden und beide waren noch glücklich zusammen. Als die Zeit immer näher rückte, dass sie nach Deutschland zurück kommen würde, bat er sie, ihm ein neues Foto zu schicken, doch sie tat es nicht. Er dachte sich nichts weiter dabei, auch wenn seine Freunde ihm gesagt hatte, dass das Bild, welches er mal von ihr bekommen hatte, aussieht, wie eine Montage. Er war glücklich mit ihr und konnte sich nicht vorstellen, dass sie ihn angelogen haben soll. So verging die Zeit und er schaffte derweil sein Abitur.
In der Schule kamen und gingen immer schöne Mädchen und er stellte sich weiterhin eine gewisse Romantik vor. Doch als der Abi-Ball dann beendet war und er abermals alleine nach Hause ging, wusste er, dass er wohl niemals jemanden aus seine ganzen Schulzeit, bis auf die Freunde, die zu ihm gehalten haben, ganze zwei Personen, nie wieder sehen würde.

Es war ein einsames Leben für ihn, und nur der PC erhellte sein Dasein.
Als seine Freundin dann aus den USA wieder in Deutschland war, freute er sich, sie besuchen zu können, insbesondre, da sie bald ihren Geburtstag haben würde. Doch dem war nicht so. Aus einem für ihm nicht erklärbarem Grund wollte sie nicht von ihm besucht werden und es stiegen Zweifel in ihm hoch. Wurde er dieses Mal schon wieder ausgenutzt? Er fragte des Öfteren nach und irgendwann erhielt er die Antwort, die er nie erhalten wollte. Sie hat ihm nie die Wahrheit über sich selbst gesagt gehabt. Trotz mehrfachen Beteuerns seinerseits, dass er sie liebt, wollte sie ihm nicht sagen, warum sie ihm ein falsches Foto geschickt hat. Er hatte ihr immer alle Wünsche erfüllt und sie wusste auch seine Geheimnisse und wie er aussieht, aber sie wollte ihm einfach nicht die Wahrheit sagen.

Eine weitere Enttäuschung hat er nicht mehr aushalten können, so entschied er sich zu gehen, in einen Traum, wo sein Leben besser verläuft, und er endlich die wahre Liebe für das “Leben” finden kann.

 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Tobias Resch).
Der Beitrag wurde von Tobias Resch auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.07.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Tobias Resch als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Bringt mir den Dolch von Germaine Adelt



Was haben eine Hebamme, ein Englischstudent, eine Bürokauffrau, ein Übersetzer, eine Technische Zeichnerin, ein Gymnasiast, eine Reiseverkehrskauffrau, ein Müller, eine Sozialpädagogikstudentin, ein Kfz-Meister, ein Schulleiter i.R., ein Geographiestudent und ein Student der Geschichtswissenschaften gemeinsam?

Sie alle schreiben Lyrik und die schönsten Balladen sind in dieser Anthologie zusammengefasst.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Trauriges / Verzweiflung" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Tobias Resch

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

13 Meter von Tobias Resch (Trauriges / Verzweiflung)
Die Erlösung von Michael Reißig (Trauriges / Verzweiflung)
"Strg+Alt+Entf" von Johannes Schlögl (Science-Fiction)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen