Auf der Terrasse hantierte Susanne Bloch an den Befestigungsklammern des Tischtuches und wies gleichzeitig ihren Mann ein. Durch einen Stapel Geschirr vor seiner Nase konnte er nicht sehen, wohin er ging. Er erinnerte sich daran, daß irgendeine der Steinplatten lose war und hoffte, nicht gerade auf jene zu treten.
„Mama!“ krähte es in diesem Moment vom Rasen.
„Gleich Schatz!“ rief Susanne über die Schulter, ohne hin zu gucken, was ihr Sohn von ihr wollte.
Ferdinand Bloch fühlte seine Arme schwerer werden. Das mit Kaffeekanne, Saftkaraffe, Tortenplatte und dem Gedeck für fünf Personen beladene Tablett schien wundersamerweise von Sekunde zu Sekunde an Gewicht zu gewinnen. „Kann ich das hier nicht endlich abstellen? Es wiegt wirklich einiges.“
„Ach stell dich doch nicht so an. Das bißchen da.“ Susanne klemmte eine weitere Klammer an den Tisch. „Du willst doch wohl auch, daß alles ordentlich ist, wenn Mutter gleich kommt.“
Oh ja, das wollte er in der Tat, wenngleich dieses Ziel ohnehin nicht zu erreichen war. Seine Schwiegermutter würde garantiert irgendetwas finden, daß ihr Mißfallen erregte. Das war immer so, wenn sie kam, egal ob angemeldet oder überraschend. Er wollte gerade eine Aufforderung sich zu beeilen an seine Frau richten, als erneut lauthals der Ruf „Mama!“ erklang. Diesmal war es jedoch Saskia, die krähte, nicht weniger laut als ihr drei Jahre jüngerer Bruder.
„Was ist denn?“ Susanne klang ungeduldig, lief aber zu ihnen und Ferdinand versuchte zwischen dem Tassenstapel und dem Orangensaft zu erkennen, was so wichtig war.
„Jonas hat meine Barbie in die Regentonne geschmissen.“
„Aber nur, weil du Luke gebadet hast. Und der schwimmt nicht. Da schau, Mama, er liegt auf dem Grund.“
Susanne betrachtete die Actionfigur, die recht gut sichtbar in dem 1.20m tiefen Wasser lag. „Ich hol ihn nachher raus, ja. Jetzt wollen wir doch sowieso erstmal Kaffee trinken.“
„Aber ohne Luke will ich nicht sein.“ Und um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, plärrte Jonas los, mit der ganzen Stimmgewalt eines Siebenjährigen.
Susanne seufzte. Sie trug ein sehr elegantes, apricotfarbenes Kostüm, undenkbar zu riskieren, daß es Chlorwasser ausgesetzt wurde. „Ferdinand, du hast es ja gehört, hol du die Figur mal eben aus dem Pool.“
„Kann ich denn jetzt endlich das Tablett abstellen?“ fragte er.
Verdammt, die Tischdecke, schoß es ihr durch den Kopf und sie flitzte auf die Terrasse zurück. Rasch steckte sie die restlichen Klammern fest. „So, jetzt vorsichtig abstellen, das mir ja das gute Porzellan nicht zu Bruch geht!“
Ferdinand gehorchte, atmete erleichtert auf und schüttelte seine Arme aus. Lange Zeit zum verschnaufen hatte er allerdings nicht, denn schon erscholl ein aufforderndes „Papa!“ von seinem Sohn.
Ferdinand warf einen kurzen Blick in den Pool, schnappte sich dann eine Harke und angelte die Plastikfigur hervor. Überglücklich schloß Jonas den tropfenden Minikrieger in die Arme und lief zur Terrasse.
Saskia zupfte ihren Vater fest am Ärmel. „Und was ist mit Barbie? Soll die etwa in der Regentonne bleiben?“
Nein, sollte sie nicht, obwohl er sie letzte Nacht genau dort hin gewünscht hatte, als er auf dem Gang zur Toilette mit bloßen Füßen auf sie getreten war. Also angelte er auch Barbie, was nicht so schwierig war, da sie obenauf schwamm. Er konnte sie mit der Hand greifen, mußte aber weit herunter langen, da die Regentonne aufgrund der langen Hitzeperiode nur zu knapp einem Viertel gefüllt war.
Als er mit Barbie wieder ins Sonnenlicht kam, empfing ihn fast sofort eine Schimpfkanonade seiner Frau. „Bist du noch bei Trost? Guck dir bloß dein Hemd an. Zieh dir sofort ein anderes an, aber beeil dich.“
Er reichte Saskia im vorbei hasten eine tropfnasse Barbie, die sie mit einem „bäh, ist ja eklig, da sind ja Mückenlarven in Barbies Haaren“, empfing und sprintete dann nach oben ins Schlafzimmer.
Im Spiegel des Kleiderschranks sah er, was Susanne meinte, das Hemd hatte unter der Rettungsaktion ziemlich gelitten und rasch tauschte er es gegen ein sauberes. Im Anziehen war er immer schon recht flink gewesen, er konnte nicht ganz nachvollziehen, wieso Susanne dafür Stunden brauchte. Selbst Saskia fing schon damit an.
Unten war Susanne gerade damit fertig die Kuchengabeln neben den Tellern zu plazieren. „Oh nein!“ rief sie plötzlich aus. „Ich habe die Blumen ganz vergessen!“
Obwohl reichlich von den Kindern strapaziert hielten sich dennoch einige blühende Gewächse im Garten der Familie Bloch. Die Vergißmeinnicht richteten sich auch nach mehrmaligem Drübertrampeln immer wieder auf, Löwenmäulchen verziehen das Aufklappen ihrer Blütenblätter und die Rosen blieben dank ihrer Dornen weitestgehend verschont. „Dann schneid doch einfach ein paar Rosen ab und steck irgendwas von den anderen dazwischen“, riet Ferdinand.
„Unmöglich“, befand Susanne. „Du erwartest doch wohl nicht, daß ich für Mutter solch mickrige Blüten auf den Tisch stelle. Nein, nein, das kommt gar nicht in frage. Fahr sofort los und kauf einen Strauß. Aber laß dir nichts halb verwelktes andrehen, er muß eindrucksvoll sein.“
„Ja Liebling, ich weiß.“ Für seine Schwiegermutter hatte Ferdinand schon öfter Blumen kaufen müssen. Daran hatte sie auch immer irgendetwas aus zu setzen, entweder waren die Rosen schon zu verblüht oder noch nicht weit genug geöffnet, das Blattgrün zu blaß und einmal hatte sie beim kritischen Schnuppern an einer Nelke eine Biene aufgeschreckt, die sie daraufhin in die Nase gestochen hatte, die Biene die Schwiegermutter, nicht umgekehrt, was sicher für letztere günstiger gewesen wäre, denn so endete jener Kaffeenachmittag in der Notaufnahme des städtischen Krankenhauses. Im Gegensatz zur Biene überlebte die Schwiegermutter aber.
Ferdinand steckte sein Portemanaie an, nahm die Autoschlüssel und fuhr los. Das Radio ließ er ausgeschaltet und genoß einfach nur die Ruhe. Zwar war es natürlich nicht wirklich ruhig, das war auf einer viel befahrenen Straße nicht möglich, aber es war eben ein anderer Lärm als der kommandierende Ton seiner Frau, das hartnäckige Quengeln der Kinder oder – allein der Gedanke löste ein schaudern aus – die herrische Stimme seiner Schwiegermutter.
Er erinnerte sich daran, daß an der Hauptstraße eine Baustelle war und sich gerade um diese Zeit dort die Autos stauten, also bog er in die kleine und meist kaum befahrene Waldgasse ab. Diese Straße führte in einem leichten Bogen zum Blumenladen, wurde aber, da ihre Einfahrt recht versteckt hinter einer überdimensionalen Plakatwand ( Keine Macht den Drogen und Gib Aids keine Chance ) lag, normalerweise nur von Anwohnern genutzt, die sich gut auskannten.
Tatsächlich schien die Waldgasse auf den ersten Blick ins nirgendwo zu führen. Vor allem führte sie erstmal in den Wald und der war so dunkelgrün und undurchsichtig, daß er sowohl Licht als auch Verkehrslärm schluckte. Obwohl die Stadt regelmäßig dafür sorgte, daß die Äste so weit geschnitten wurden, daß sie nicht die alle 20 Meter aufgestellten Laternen verdeckten oder zu weit auf die Straße hingen, wucherten sie doch so rasch und wild, daß einige besonders tief hängende das Dach von Ferdinands Kombi streiften.
Kein anderes Auto begegnete ihm und Ferdinand genoß die Stille, die hier nun wirklich herrschte. Das leise Rascheln von Blättern und das zarte Zirpen der Vögel war einfach herrlich wohltuend für seine lärmgeplagten Gehörgänge.
Er war auf den letzten 100 Meter, wußte, daß hinter der nächsten Biegung die Tankstelle auftauchen würde, dann ging es auf die Hauptstrasse und damit zum Blumenladen. Lichter kamen ihm entgegen, blitzten im dunklen Grün der Bäume auf und Ferdinand schaltete einen gang runter, drosselte die Geschwindigkeit. Die Strasse war recht eng, man konnte nicht einfach so aneinander vorbei sausen, besonders nicht, wenn eines der Autos ein breiteres Modell war, was er von den Abständen der Lichter her vermutete.
Schnell war es zudem, also fuhr Ferdinand an den Straßenrand, die rechten Reifen rollten über das aufgrund des fehlenden Sonnenlichts nur spärlich wachsende Gras. Er trommelte mit den Fingern leicht auf das Lenkrad und wartete. Nach einer Minute reckte er den Kopf, hatte er sich etwa so getäuscht? Aber das waren eben doch ganz eindeutig Scheinwerfer gewesen, die er gesehen hatte.
Wahrscheinlich hat der sich verfahren und gewendet, dachte Ferdinand und wollte eben wieder Gas geben, da tauchte das Gefährt vor ihm auf. Es war so groß, daß Ferdinand nun froh war, an den Rand gefahren zu sein. Staunend betrachtete er das .... Auto? Nein, wie ein normaler Wagen sah das Vehikel wirklich nicht aus. Er hatte nie zuvor etwas vergleichbares gesehen. Es war groß, nicht ganz so hoch wie ein LKW, eher so wie ein Geländewagen und schick in silber lackiert. Überall waren Lichter angebracht, mußte wohl eine Spezialanfertigung für einen absoluten Freak sein, denn er war sich ganz sicher, daß sich ein derartiges Modell in keinem Autohaus der Welt finden ließ. Dort, wo er die Stoßstange vermutete, waren die meisten lichter, ganz helle klein, so daß Ferdinand die Räder gar nicht sehen konnte. Das verstärkte noch den Eindruck, daß dieses futuristisch anmutende Gefährt in der Luft zu schweben schien.
Das seltsame Auto ( Ferdinand beschloß es so zu nennen, denn schließlich fuhr es ja auf einer Straße ) war nun zum Stillstand gekommen, keine zwei Meter vor seinem eigenen Wagen. Die Tür öffnete sich nach oben, ebenfalls selten, aber nicht merkwürdig, das gab es bei verschiedenen Autotypen.
Ferdinand vermutete, daß der Fahrer sich verfahren hatte und ihn nun nach dem Weg fragen wollte, daher stieg er ebenfalls aus und wartete, die Hände lässig in den Hüften und einen Fuß leicht vorgestellt.
Im Lichtkegel der vielen Lampen erschien ein Kopf, weiß mit spitzer Nase und vergleichsweise großen runden Augen. Ein Jack Russel Terrier, erkannte Ferdinand und wartete, daß der Besitzer erschien.
Doch statt dessen schob sich ein zweiter Hund neben den ersten, dann ein dritter. Alle betrachteten sie Ferdinand mit zuckenden Nasenspitzen.
Ferdinand mochte Hunde sehr gern und jetzt, wo die Kinder etwas älter waren, wollte er einen für sie kaufen. Einen Golden Retriver vielleicht, die waren freundlich und nicht zu groß. Jonas und Saskia wünschten sich schon lange einen Hund, allerdings sollte er so aussehen, wie die Hunde ihrer bevorzugten Helden, ein ziemlich unerfüllbarer Wunsch, denn Ferdinand hatte in keinem der Rassebücher ein Tier gefunden, daß entsprechend groß und zottelig oder weiß und seidenhaarig war, jedenfalls nicht so, wie die Minifiguren, die ihm die Kinder unter die Nase gehalten hatten.
Die drei Jack Russel sahen aber auch sehr niedlich aus, fand Ferdinand und wartete, daß endlich der Besitzer auftauchte. Oder suchte der etwa hinter der von außen nicht durchsichtigen Frontscheibe gerade auf der Karte auf welcher Straße er sich befand? „Hallo?“ rief Ferdinand.
Klicken erklang, wie von einem arbeitenden Computer, dann kam die Antwort aus dem Auto: „Er kann sprechen, dann ist er wohl das richtige Exemplar.“
Unsicher lachte Ferdinand, nun noch neugieriger, den Freak kennen zu lernen. Denn wer so ein Auto fuhr und ihn so dreist begrüßte, mußte wirklich ziemlich schräg sein. „Ja natürlich kann ich sprechen. Ich vermute, Sie haben sich verfahren. Also bevor Sie weiter suchen, Sie sind hier auf der Waldgasse. Wo möchten Sie denn hin?“
Zwei der Terrier sprangen von dem Auto runter und liefen zu ihm. Ferdinand ging in die Knie und hielt ihnen die Hand zum Schnuppern hin. „Ihr seid ja süß. Wie heißt ihr denn?“
„Kiro. Und das ist Timtam. Die im Schiff ist Riva.“
Ferdinand erstarrte für einen Moment. Es hatte ihm fast so geschienen, daß der Terrier, der gerade so gründlich an seinem Hosenbein schnupperte, ihn angesprochen hatte. Aber das war natürlich unmöglich. „Wo ist denn euer Herrchen, mag es nicht mal eben aus dem Auto kommen? Oder habt ihr ein Frauchen?“
„Ich verstehe nicht.“ Diesmal war es der andere Hund, von dem die Stimme kam, der Timtam hieß und kleine braune Flecken an seinem ganzen Körper hatte.
Für einen Moment wurde es Ferdinand nun doch etwas unheimlich. Dann fielen ihm die Halsbänder auf. An ihnen waren kleine schwarze Sender angebracht, vermutlich winzige Lautsprecher. Ja ja, die moderne Technik, er staunte ja zu hause schon immer, wie virtuos seine Kinder mit der Tastatur des PC umgingen. Da hatte ihn der Typ, dem diese Hunde gehörten ja um ein Haar gehabt! Aber der Gag war gut, das mußte er ihm lassen. „Okay, genug davon, leider habe ich es nämlich eilig.“ Mit Schrecken dachte er an seine Schwiegermutter, weit schlimmer als gar keine Blumen war zu spät kommen.
„Bist du ein durchschnittlicher Erdenbürger?“
Ferdinand überlegte. „Tja, das würde ich schon meinen. Ich bin 38 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, angestellt als Sachbearbeiter im Sozialamt, mittleres Einkommen. Aber he, Augenblick mal, wir kennen uns doch gar nicht, wieso sollte ich mit Ihnen über mein Gehalt sprechen? Darüber rede ich noch nicht mal mit Freunden und schon gar nicht mit Fremden.“
Es klickte und klackte in schneller Folge an den Halsbändern und Ferdinand begann sich immer unbehaglicher zu fühlen. Was, wenn dieser seltsame Typ von seinem Chef geschickt worden war, um ihn auszuhorchen? Hatte er etwa die falsche Antwort gegeben?
Kiro setzte sich vor ihn auf die Hinterbeine und legte den Kopf leicht schräg. „Ja, ich denke du bist ideal als Studienobjekt.“
„Studienobjekt?“ wiederholte Ferdinand verwirrt.
„Was ist daran zu mißverstehen? Wir wollen einen Erdenbürger kennen lernen. So was wie dich gibt es nämlich auf unserem Planeten nicht. Zuerst hatten wir versucht mit Vierbeinigen zu sprechen, die uns ähnlich sehen, doch sie verstanden uns nicht. Auch unser Computer konnte ihre Sprache nicht übersetzen.“
„Aha“, sagte Ferdinand nur. Wo war er hier bloß rein geraten? Der Typ, der im Auto saß und über die Hundehalsbänder mit ihm sprach, mußte völlig ausgeflippt sein. Davon hatte er schon gehört, im Fernsehen liefen ja oft genug schwachsinnige Talkshows mit Ufo-Gläubigen oder gelangweilten Hausfrauen, die angebliche Entführungsopfer waren. Scheinbar zählte der hier zu diesen Spinnern.
„Wir kommen von Tandor, einem Planeten im Pferdekopfnebel“, erklärte Timtam.
Ferdinand beschloß, daß es wohl das beste war, das Spiel mit zu spielen. Eigentlich konnte er recht gut mit Menschen umgehen, auch mit schwierigen, ängstlichen oder eben komplett durchgeknallten. „Und was macht ihr so den ganzen Tag auf Tandor?“
„Wir sind Forscher, die meisten Angehörigen unseres Volkes sind in der Wissenschaft tätig. Wir drei reisen oft zusammen durch die Galaxis. Letzte Woche waren wir auf dem Pluto. Aber dort ist es langweilig, die Bevölkerung – so man sie denn so nennen kann – besteht aus Einzellern.“
„Ist Tandor ein schöner Planet?“ fragte Ferdinand und überlegte, ob der Verrückte wohl gefährlich war. Dummerweise hatte er in der Eile vorhin sein Handy ganz vergessen, es steckte noch in seinem Jackett, das an der Garderobe hing. Er konnte nur hoffen, daß früher oder später ( und zwar besser früher! ) ein anderer Autofahrer hier vorbei kam und er ihm irgendwie ein Zeichen geben konnte, daß er Hilfe brauchte.
„Das will ich doch meinen.“ Diesmal war es die Hündin, die sprach. Ihre Stimme klang wirklich weiblich, nun ja, mit dem Computer Stimmen zu verändern war nicht gar so kompliziert. „Du solltest ihn dir ansehen. Na, wie wär´s mit einer kleinen Spritztour durchs All?“
Ferdinand zögerte. Wenn er in den anderen Wagen stieß, konnte er vielleicht besser Einfluß auf den Mann nehmen, der hinter den Stimmen steckte. Wenn er handgreiflich wurde, hatte er allerdings kaum Chancen, Ferdinand war 1.75m groß und wog 70kg. Er war kein Fitness-Studio gestählter Muskelprotz, fuhr allenfalls mit den Kindern Rad und spielte hobbymäßig mit ein paar Arbeitskollegen Fußball. Im Nahkampf hatte er null Erfahrung.
„Na was ist nun, kommst du?`“ fragte Riva von der geöffneten Tür aus.
Mit möglichst ruhigen schritten und gerader Haltung legte Ferdinand das kurze Stück zurück. So nah vor dem anderen Wagen konnte er die Details noch besser erkennen. An ein Auto erinnerte wirklich nichts mehr, stattdessen sah die Stromlinienform ohne Ecken und Kanten mehr nach Raumschiff aus. Nicht die Art Rakete, die die NASA verwendete, sondern mehr die schicken Dinger, die man aus Filmen und Serien kannte.
„Los, steig endlich ein“, forderte Riva. Kiro und Timtam waren bereits flink hoch gesprungen und in die Luke gehüpft. „Übrigens, wie heißt du?“
„Ferdinand Bloch.“ Er schaute sich nach einem Haltegriff um, an dem er sich hoch ziehen konnte, fand aber keinen. Also griff er mit ausgestreckten Armen nach der Tür, trat mit einem Fuß an die Seite und rutschte ab. Nun hing er halb an dem spiegelglatten lack, trat nun mit beiden Füßen und schaffte es unter Ächzen und Keuchen schließlich sich hoch zu ziehen. Nun war er allerdings mit dem Kopf zuerst an der Tür und da die Hunde einfach seine Kleidung an Schulter und Ellenbogen packten und zogen, landete er äußerst unelegant im Inneren.
„Sind alle deines Volkes so unsportlich und wenig gelenkig wie du?“ fragte Riva.
„Nein, sicher nicht“, versicherte Ferdinand und rieb sich den Hinterkopf und den Rücken, die beide unsanft Bekanntschaft mit dem harten Boden gemacht hatten. Ein leiser Pfiff entfuhr ihm, auch das Innere war ganz im Raumschiffstil gehalten. Statt eines Lenkrads gab es ein Kontrollbord mit unzähligen Knöpfen. An den Wänden waren rundum Monitore, die allerdings ausgeschaltet waren. Möglicherweise waren es nur Attrappen, es mußte so schon ein Vermögen gekostet haben, diese ganzen Umbauten zu bewerkstelligen. Ob das wohl alles TÜV zugelassen war?
„Halt dich fest, wir starten“, sagte Riva und ihre Pfoten drückten verschiedene Knöpfe.
Mehr automatisch griff Ferdinand nach einer Strebe an der Wand. Wo zum Teufel saß denn der Urheber? Es schien, als wäre er mit den drei Hunden völlig allein. Bevor er dazu kam, weiter darüber nachzudenken, wackelte der Boden und die Nase des seltsamen Gefährtes stieg empor, wodurch Ferdinand nach hinten rutschte.
Rivas Pfoten drückten weitere Knöpfe. Sie hatte Ferdinand den Rücken zugewandt und es war ein absolut groteskes Bild. Da saß wirklich ein Jack Russel Terrier und bediente ein Schaltpult! Wenn er es nicht mit eigenen Augen sehen würde, könnte er es nicht glauben. Wobei er auch so Schwierigkeiten hatte, die Realität zu akzeptieren, besonders, als Kiro ihn nach etwa einer Minute aufforderte aus dem Fenster zu gucken.
Der Boden war nun ruhig, er spürte zwar, daß sich das Gefährt mit ziemlicher Geschwindigkeit bewegte, doch er konnte problemlos aufstehen und das Gleichgewicht halten. Aus dem Fenster sah er die rasend schnell kleiner werdende Stadt. Anders als bei dem Flugzeug, das ihn und seine Familie letzten Sommer nach Gran Canaria geflogen hatte schien hier alles im Zeitraffer zu geschehen. Natürlich, das war es! Er schaute gar nicht aus dem Fenster sondern stattdessen auf einen Fernseher, an den ein Recorder angeschlossen war, der im zeitraffer ein Video abspielte. Es gab doch dieses berühmte Buch Zehn hoch, was auch im Wohnzimmerschrank der Familie Bloch stand, dazu war sicher irgendwann auch mal eine Cassette erschienen und die ließ der geheimnisvolle Freak nun ablaufen.
„Sollen wir über die Venus fliegen oder willst du lieber den Mars sehen?“ fragte Riva.
Vom Mars war zur zeit in jeder Nachrichtensendung viel zu sehen, da Wissenschaftler dort Wasser nachgewiesen hatten. Sich davon Bildmaterial zu besorgen war mit dem internet ganz leicht. Bei der Venus sah es anders aus, die war so weit entfernt, daß es von ihr nur winzig kleine Abbildungen eines hellen Sterns gab. „Wenn ich die Wahl habe, würde ich lieber die Venus sehen.“ Ha, jetzt hatte er ihn, freute Ferdinand sich. Sicher war der Freak davon ausgegangen, daß er sich für den Mars entscheiden würde, war ja momentan überall das Hauptthema.
„In Ordnung.“ Wieder tippten die schlanken weißen Pfoten auf dem Kontrollpult herum. „So, in zehn Sekunden passieren wir die Venus, ich fliege ein bißchen langsamer, damit du auch richtig was sehen kannst.“
Angestrengt starrte Ferdinand aus dem Fenster, bisher war die Weltraumsimulation perfekt, qualitativ absolut hochwertig. Dagegen sah selbst dieses neue Computerspiel, das Jonas mit solcher Begeisterung spielte, blaß aus. In schimmerndem rot tauchte die Venus auf, wurde rasch größer und ließ die Unebenheiten auf ihrer Oberfläche erkennen. Wenn er es nicht besser wüßte, könnte er wirklich glauben sie zu sehen. Aber dazu war Ferdinand natürlich zu realistisch – oder phantasielos? Nun bedauerte er fast ein wenig, sich nie näher mit All, Aliens und Science Fiction beschäftigt zu haben. Die Faszination, die die Fans davon spürten konnte er jetzt jedenfalls nachvollziehen. Sobald seine Schwiegermutter abgefahren war, würde er sich im internet die Bilder der Marssonde ansehen, das Programm des Planetariums anfordern und morgen nach der Arbeit im Buchladen vorbei schauen, was es interessantes an Büchern gab, möglichst für Laien verständlich.
„Soll ich nun direkt Tandor ansteuern oder möchtest du vielleicht noch einen Abstecher zum Merkur?“ fragte Riva.
Liebend gern hätte Ferdinand der Simulation weiter zu gesehen, doch er dachte an seine Schwiegermutter und die Blumen. Außerdem war es wohl besser aus diesem verrückten Auto heraus zu kommen. Wer wußte schon, welch abstruse Ideen diesem Freak noch kommen würden? Womöglich gab es irgendeine Vorrichtung, die die Luft absog oder die Schwerelosigkeit beeinflußte. „Leider habe ich keine Zeit, meine Familie wartet auf mich.“
Wieder wurden Tasten gedrückt und einmal mehr staunte Ferdinand, wie gut die Hündin dressiert war. Man konnte fast den Eindruck gewinnen, daß sie genau wußte, was sie tat. Die Befehle bekam sie jedenfalls über das Halsband, denn von dort klickte es fast unablässig. „Halt dich fest, die Landung ist ein wenig holprig.“
Das merkte Ferdinand, diesmal neigte das Gefährt sich nach vorn, doch er hielt das Gleichgewicht. Sicherheitshalber wartete er aber, bis sich nichts mehr bemerkte. „Kann ich nun loslassen?“
„Ja, wir sind da.“ Kiro sprang zu einem Schalter an der Wand und gleich darauf öffnete sich die Ausstiegstür.
Ferdinand sah lavendelfarbenen Himmel und ging zögernd die wenigen Schritte zur Luke. Die Hunde waren bereits an ihm vorbei nach draußen gesprungen. Er suchte nach etwas zum hoch klettern und hoffte, daß er nicht versehentlich einen Alarm oder irgendeine Funktion auslöste, während er sich mit den Füßen strampelnd die Wand hochzog.
Das Gefährt stand auf einer Wiese, so viel war klar, allerdings war er noch nie hier gewesen. Die vereinzelt stehenden Bäume kannte er gar nicht, mußte wohl irgendeine japanische Züchtung sein, so eigenartig geformt wuchsen sie. Auch das ins türkis gehende Blattgrün fand sich in keinem Wald in seiner Umgebung. Das brachte ihn auf die nächste Frage: Wo war er? Und vor allem, wie kam er zurück in die Waldgasse, wo sein Auto stand.
„Willkommen auf Tandor“, sagte Riva. „Fremde sind uns immer willkommen. Wir haben oft Gäste, besonders die Castorianer besuchen uns sehr gern.“
Ferdinand drehte sich langsam einmal um die eigene Achse. Weit und breit war nichts außer den paar Bäumen zu sehen. Er hatte auf eine Telefonzelle gehofft, nun ja, schätzungsweise hatte die Fahrt nicht mehr als fünf Minuten gedauert. Selbst mit einem sehr schnellen Auto konnte man in dieser Zeit höchstens zehn Kilometer zurück legen. Er mußte also nur loswandern und würde früher oder später auf die nächste Straße kommen.
„He, wo willst du hin?“ Timtam hüpfte an seine Seite.
„Ich muß nach hause.“ Ferdinand spürte nun leichten Ärger in sich. Vor allem aber auf sich selbst. Wie hatte er bloß so dumm sein können einfach in ein fremdes Auto einzusteigen? Derartig leichtsinnig war er doch sonst nicht, er, der immer die Haustür zweimal abschloß, doppelt kontrollierte, daß der Herd ausgeschaltet war und noch nie seine Autoschlüssel im Wagen gelassen hatte.
„Willst du denn gar nichts von unserem schönen Planeten sehen?“ fragte Riva mit erstaunt klingender Stimme.
„Doch, natürlich. Würdet ihr mir die nächste Stadt zeigen?“ So kam er am schnellsten zum nächsten Telefon, konnte ein Taxi rufen und sich in die Waldgasse zurück bringen lassen.
„Gerne.“ Kiro lief voraus, die beiden anderen sprangen ihm lustig um die Füße. Sie waren wirklich niedlich mit ihrem weißen Fell und den braunen Flecken. Die unterschiedliche Zeichnung machte es leicht, sie voneinander zu unterscheiden.
Nach etwa zehn Minuten erreichten sie die ersten Häuser, die nicht weniger seltsam als die Bäume aussahen. Die Eingangstüren waren so niedrig, daß selbst Jonas seinen Kopf hätte einziehen müssen. Über die meisten der Dächer konnte Ferdinand drüber gucken. Meist waren sie weiß angestrichen, ohne Schnörkel an den scheibenlosen Fenstern. Ein bißchen erinnerten sie an Spielzeughäuser, wie sie aus buntem Plastik in jedem größeren Baumarkt zu haben waren. Spielzeug? Moment, das war es, er war in einem Freizeitpark! Das war die Erklärung und ihm fiel ein, daß ganz in der Nähe bald ein neuer Park öffnen sollte. Ein super modernes Ding, mit zig Attraktionen.
Aus einem der Häuser kam ein Jack Russel und Ferdinands drei Hundebegleiter liefen zu ihm. Der fremde trug kein Halsband und warf einen vorsichtigen Blick in Ferdinands Richtung.
Ferdinand ging in die Hocke und lockte den fremden Hund. Er streckte ihm die Hand entgegen und ließ ihn schnuppern. Als er ihm jedoch über den Kopf streicheln wollte, zeigte er kleine scharf aussehende Zähne und sofort zog Ferdinand seine Hand zurück. „Na du bist mir ja einer.“
Riva lief zu dem anderen Hund und drehte sich dann zu Ferdinand um. „Entschuldige bitte Rovos Verhalten. Er hat noch nie einen Erdenbürger gesehen. Ich soll dir von ihm sagen, daß er nicht vor hatte, dich zu beißen. Leider trägt er keinen Übersetzungscomputer, deswegen kannst du ihn nicht verstehen. Er dich übrigens auch nicht.“
Ferdinand lächelte nachsichtig. „Dann sag Rovo, daß ich ihm nicht böse bin. Es war mein Fehler, ich weiß ja eigentlich, daß man fremde Hunde nicht einfach so streicheln soll.“
Sie hielt Zwiesprache mit dem Rüden und wandte sich dann wieder an Ferdinand. „Komm, du wolltest doch die Stadt sehen, also schau dich um.“
Das tat er und staunte nicht wenig. Mehrere Dutzend Häuser standen zwischen Bäumen und Sträuchern und ab und zu tauchte mal ein Jack Russel auf. Wer auch immer diesen Park gebaut hatte, mußte eine Schwäche für diese Rasse haben. Einen öffentlichen Fernsprecher konnte er allerdings nirgends entdecken. „Wo ist denn das nächste Telefon?“
„Telefon?“ wiederholte Riva.
„Oh du meinst diese Fernsprechgeräte, die per Satellit funktionieren“, schaltete sich Timtam ein.
„Genau.“ Ferdinand schöpfte neue Hoffnung.
„So was haben wir hier nicht. Mit unseren Computern halten wir Verbindung, wenn es nötig ist. Tandor ist ja nicht so groß.“
„Könnte ich mit euren Computern dann vielleicht meine Frau anrufen? Ich muß ihr sagen, daß ich aufgehalten wurde und es später wird.“
„Tut mir leid, aber bis zur erde reichen die Leitungen wirklich nicht. Bisher hatten wir auch noch keinen Grund mit einem Erdbewohner sprechen zu wollen, wir haben lediglich auf unserer Hinreise ein paar der Satelliten angezapft, damit unser Computer die Sprache übersetzen kann“, erklärte Riva.
Ferdinand ließ sich auf einen Stein sinken und stützte die Unterarme auf die Knie. Was sollte er denn jetzt bloß machen? Kein Handy bei sich und weit und breit kein Telefon. Aber halt, so riesig konnte der Freizeitpark ja nicht sein, früher oder später mußte er an einen Ausgang kommen oder wenigstens auf irgendeine andere Person treffen. Ein Handy hatte heutzutage doch praktisch jeder.
„Möchtest du etwas zu trinken oder vielleicht einen kleinen Snack?“ bot Timtam ihm an. „Aber ich weiß nicht, ob dein Verdauungssystem unsere Nahrung verträgt, die Kaskadaner hatten letztens nach einem gemeinsamen Essen ziemlich mit Blähungen zu kämpfen.“
„Nein danke, ich möchte nichts“, lehnte Ferdinand ab. Kaffee und Kuchen wartete zu hause auf ihn, außerdem war er wirklich nicht wild darauf, an trockenen Hundekuchen herum zu knabbern.
„Gefällt dir Tandor?“ fragte Riva.
„Ja, es sieht sehr schön hier aus“, sagte Ferdinand. Das entsprach sogar der Wahrheit, die weißen Häuschen paßten gut zu den Lavendeltönen des Himmels und den eigentümlich gefärbten Bäumen.
Rica blickte ihn mit einem Ausdruck an, den man fast als Lächeln deuten konnte. „Doch es ist zu klein für dich, das habe ich mir schon gedacht. Aber Tandorianer sind eben nicht sehr groß, aber in der nächsten Siedlung stehen auch einige größere Häuser, die benutzen dann Gäste von Planeten mit größerer Bevölkerung.“
Was nutzten ihm größere Häuser wenn es dort kein Telefon gab. Außerdem wurde er sich langsam der Tatsache bewußt, daß er sich wirklich mit Jack Russel Terriern unterhielt – oder jedenfalls Wesen, die so aussahen. Denn die hier waren alles andere als normale Hunde, so gut dressiert konnte einfach kein Hund sein. „Bin ich etwa wirklich auf einem Planeten im All, weit entfernt von der Erde?“
„So weit ist die gar nicht entfernt, nur 7,5 Lichtjahre“, informierte Riva ihn. Sie legte den Kopf leicht schief und musterte ihn. „Freust du dich nicht? Bisher waren alle Völker, mit denen wir Kontakt aufnahmen, sehr angetan von uns und unserem Planeten.“
„Ich glaube, das ist alles ein wenig zu viel auf einmal.“ Raumschiff, Reise durchs All, Vorbeiflug an der Venus und dann Landung auf einem fremden Planeten, den nie ein mensch zuvor betreten hatte – kein Wunder, daß es Ferdinand nun ganz schwindelig wurde.
„Kulturschock“, stellte Kiro fachmännisch fest. „Aber das gibt sich, wenn du erst länger hier bist.“
So interessant diese Erfahrung auch sein mochte, Ferdinand verspürte plötzliche heftige Sehnsucht nach der Erde und seiner Familie. Seine Frau kommandierte ihn herum, die Kinder waren Nervensägen und die mehrmals pro Woche zu Besuch kommende Schwiegermutter alles zusammen in konzentrierter Form, doch er liebte sie und vermißte sie alle. „Ich will zur Erde zurück, nach hause.“
Er hatte leise gesprochen, doch Rivas gutes Gehör hatte jedes Wort vernommen und auch die Traurigkeit in seiner Stimme. Sie legte ihm eine Pfote aufs Knie. „Vielleicht war es doch keine so gute Idee, dich mit zu nehmen, möglicherweise sind die Erdenbürger noch nicht so weit für einen Kontakt mit uns.“
Er hob schwach die Schultern. „Ich kann nur für mich sprechen. Ihr seid nett und sicher ist Tandor ein schöner Planet, doch ich gehöre nunmal auf die Erde. Ich wollte nur Blumen kaufen fahren und meine Familie sorgt sich sicher schon um mich.“ Oder verfluchte ihn, weil er ohne anzurufen weg blieb. Er hatte nicht auf seine Uhr geschaut, aber sicher war er schon weit länger als eine stunde weg.
„Sollen wir dich dann jetzt zurück fliegen?“ fragte Riva.
„Würdet ihr das wirklich tun?“ Sein Gesicht hellte sich auf.
„Natürlich.“
„Und ihr wärt nicht böse, weil ich eure Gastfreundschaft nicht annehme, um länger zu bleiben?“
„Nein, das verstehen wir schon. Tandorianer sind sehr intelligent.“
„Davon bin ich überzeugt“, lächelte Ferdinand.
„Möchtest du ein paar Blumen von Tandor mitnehmen? Dann mußt du auf der Erde keine kaufen.“ Timtam sprang zu ihm, einen Strauß in der weißen Schnauze.
„Danke.“ Ferdinand bückte sich, um ihm den Strauß ab zu nehmen. Die Blumen waren in zarten Fliedertönen mit glockenartigen Blüten und ein ganz dezenter Duft entströmte ihnen, mit nichts vergleichbar, das er je gesehen und gerochen hatte.
Kiro rannte voraus und wenig später hielt das Raumschiff neben ihnen. Vom Stein aus fiel Ferdinand das Einsteigen viel leichter. In einer Hand die Blumen und sich mit der anderen festhaltend, sah er zu, wie Riva die Kontrollen bediente.
„Ich fliege auf direktem Kurs zur Erde“, informierte sie ihn.
Ferdinand schaute aus dem Fenster, in dem Zehn hoch nun live rückwärts vor ihm ablief. „Meine Familie wird sich schon fragen, wo ich bin. Ich bin schon seit...“ Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr und stellte fest, daß sie stehen geblieben war. Die Batterie war erst letzten Monat erneuert worden, das hätte eigentlich nicht passieren dürfen.
Riva landete das Schiff und drückte den Öffnungsknopf. „Du machst dir Gedanken um die Zeit? Das ist nicht nötig, auf Tandor vergeht sie viel langsamer als auf der Erde. Nach deiner Zeitrechnung sind nicht mehr als zwei Minuten seit unserem Start vergangen.“
Mit den Blumen in der Hand kletterte Ferdinand aus dem Schiff und sah erleichtert, daß sie genau vor seinem Auto standen. Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr, deren Sekundenanzeige nun wieder lief. „Ich danke euch herzlich.“
„Wir danken dir, es war interessant, mal mit einem Erdenbürger zu sprechen.“ Riva schaute neben den beiden anderen Hunden aus der Luke. Alle drei hoben kurz die Pfoten, dann schloß sich die Luke und das Raumschiff hob ab, verschwand innerhalb von Sekundenbruchteilen.
Einen Moment starrte Ferdinand noch auf die Stelle, an der es gestanden hatte, dann stieg er in seinen Wagen, wendete und fuhr nach hause.
„Na endlich“, empfing ihn seine Frau und nahm ihm den Strauß ab. Sie musterte die Blumen. „Was ist das denn für eine Sorte, die kenn ich ja gar nicht? Sehen ja ziemlich teuer aus.“
„Das waren sie aber gar nicht“, versicherte Ferdinand ihr und holte eine Vase.
„Ich bin da!“ erklang es in diesem Moment von der Haustür. Natürlich hatte seine Schwiegermutter einen Schlüssel. Das fand sie praktischer für ihre oft unangemeldeten Besuche.
Ferdinand rief die Kinder, hielt Susanne die Teller nacheinander hin und aß die selbst gebackene Erdbeertorte. Der Kuchen schmeckte himmlisch, der Kaffee ebenso und Susanne war die schönste und bezauberndste Frau der Welt.
Seine Schwiegermutter schnupperte an den Blumen. „Orchideen, wie ich sehe, wenngleich ich zugeben muß, daß ich mit dieser Art nicht ganz vertraut bin. Aber schöne Blüten, wirklich, diesmal hast du dich mal nicht mit halb verwelktem Zeug abspeisen lassen. Du lernst, mein Junge, weiter so.“
Ferdinand strahlte sie glücklich an. „Danke. Und übrigens, schön, daß du da bist.“
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.08.2005.
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gmx.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)Maren Frank als Lieblingsautorin markieren

Das Geheimnis der Insel
von Maren Frank
Der in vielen Wissenschaften gelehrte Zauberer Arktikus
unternimmt mit seiner ebenfalls zauberkundigen jungen
Assistentin Sina eine Reise aufs Meer. Doch schon bald geraten
sie in ein schlimmes Unwetter und ihr Boot kentert. Eine Gruppe
Delfine bringt sie zu einer Insel, doch der Anführer der Delfine
warnt sie, dass auf dieser Insel nicht alles so paradiesisch ist,
wie es auf den ersten Blick scheint.
Bei den Schwestern Ajana und Izzy finden Arktikus und Sina
Unterschlupf. Sie lernen Drachen, Meermenschen und Hexen
kennen, schwimmen mit Delfinen, helfen einem Riesen und
entdecken, dass auf der Insel vieles ganz anders ist, als es auf
den ersten Blick scheint. Es gilt das Rätsel der Insel zu lösen.
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