Amelie Zeuner

Ich werde dir folgen


 
Jetzt sitze ich hier, in einem düstern kleinen Raum, um die kläglichen Überreste meines Selbst nieder zu schreiben. Damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, die Geschichte meiner Liebe zu dir!
Auch wenn es begonnen hat voller Hoffnung, so hat es letzten Endes wohl nicht sein sollen.
An einem sonnigen Herbsttag habe ich dich das erste Mal gesehen, dich mit deinem sehnsüchtigen, traurigen Blick, der in die Ferne schweifte. Du hast mich von Anfang an fasziniert, gefesselt vom Klang deiner Stimme, auch wenn du nicht mit mir sprachst, verzaubert vom Glanz deiner Augen mit dem Wissen, dass ich nicht der Auslöser deines Strahlens war, versteinert von jeder deiner Berührungen, waren sie auch nicht gewollt!!!
Ja, du wurdest mehr und mehr zum Mittelpunkt meines so trostlosen Lebens!!!!!!
 
Doch bis du mich endlich beachtest verging einige Zeit, ich konnte die Gedanken an dich nicht verdrängen, ich wurde schier wahnsinnig. Aber wie sollte ich dich ansprechen, die Angst von dir abgewiesen zu werden war unerträglich.
Und als ich endlich den Mut fand, den ersten Schritt zu machen, hast du mich nur beachtet, weil du einsam warst und Aufmerksamkeit brauchtest, sonst hättest du mich nie bemerkt. Auch wenn ich mir tief im Herzen über diese Tatsache klar war, war ich doch unsagbar, unvorstellbar glücklich. Selbst wenn dein Lächeln nicht echt war und dein Interesse nur gespielt, so wollte ich trotzdem nicht aufgeben, nicht aufgeben bis … bis du erkennen würdest, dass niemand dich je so lieben konnte wie ich.
 
Nach diesem Treffen folgten weitere, allmählich, zaghaft und langsam entwickelte sich etwas zwischen uns, nicht zu vergleichen mit Liebe, nein es war eher eine Art Freundschaft, die ich hegte und pflegte. Schnell wurde mir klar, dass deine Fröhlichkeit nur eine Fassade war, hinter der du deine wahren Gefühle verstecktest. Dein Herz war voller Trauer, voller Sehnsucht, aber nicht nach mir und das würde sich auch nicht ändern. Als mir das bewusst wurde, brach meine Welt für einen  kurzen Augenblick zusammen! Ich hatte alles versucht und trotzdem schlug dein Herz für einen anderen. Wie dumm von mir zu glauben, du könntest mich lieben, mich begehren wie ich dich begehrte, was für ein dummer Traum.
 
Doch die hart erkämpfte Freundschaft, ich mag es so nennen, wollte ich nicht verlieren, sie bedeutete mir alles. Nach und nach erzähltest du mir, was dich bedrückte. Du erzähltest mir, wie sehr du ihn  lieben und vermissen würdest. Ihr hattet geplant zu heiraten, eine Familie zu gründen, sobald er zurückkommen würde. Deine Augen strahlten bei jedem Wort, was deinen Mund verließ, er hatte ohne Zweifel den größten Platz in deinem Herzen. Du würdest solange warten, bis er wieder käme, und sollten es Jahre sein, du nähmst es gern in Kauf, du warst bereit ihm alles zu geben. Täglich hofftest du auf eine Nachricht von ihm, welch eine Ironie des Schicksals, dass eine Nachricht von ihm kam und damit alles zerstörte.
 
Warum wurde ich an diesem entscheiden Tag nur aufgehalten, warum kam ich zu spät? An diesem Tag kam eine Nachricht von ihm in Form eines Briefes, wirklich was für eine Ironie. Als ich endlich dein Zuhause erreicht hatte, fand ich diesen Brief und dich daneben liegen, tot, umrahmt mit einem Rahmen aus dem kostbarsten, was es in meinen Augen gab, deinem Blut!
In diesem Brief teilte er dir mit, dass er jemand neues kennen gelernt habe, zwischen euch habe es ja sowieso nie dieses einzigartige, besondere Gefühl geben, er wünschte dir auch weiterhin alles Gute und das war’s. Aus. Schluss. Konntest du dich so getäuscht habe???
Wegen diesem Kerl hattest du dir die Adern aufgeschnitten, ich konnte es nicht fassen, für einen kurzen Augenblick brach ich in Gelächter aus, ein krankes erzwungenes Lachen, bevor ich neben dir zusammen sackte. Ich rüttelte deinen leblosen Körper, schlang meine Arme um dich, strich mit meiner Hand über dein zierliches Gesicht und schrie. Aus Wut, Verzweiflung, Trauer und Hoffnungslosigkeit, wie lange ich dort saß, ich weiß es nicht. Irgendwann kam jemand, du wurdest mir weggenommen und ich konnte nichts dagegen tun.
 
Es tut mir Leid, ich war als Freund nicht da, als du mich brauchtest, das werde ich mir nie verzeihen! Ich hoffe nur, dort, wo du jetzt bist, wirst du nie wieder verletzt, nie wieder enttäuscht, das wünsch ich dir von ganzem Herzen.
 
Nun habe ich meine letzten Worte aufgeschrieben, und so lächerlich und unglaubwürdig es klingen mag, auch ich begebe mich nun zu meiner letzten Ruhe.
Ich hoffe, du kannst mir verzeihen, denn ich liebe dich noch immer, aber ich bin genauso schwach wie du!
Verzeih mir!!!
 
 

Hi!
Wie kann das sein, 401 mal wurde diese Story aufgerufen und net einmal ein mini Kommentar??
Schreibt mal was^^

LG
Amelie
Amelie Zeuner, Anmerkung zur Geschichte

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Amelie Zeuner).
Der Beitrag wurde von Amelie Zeuner auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.08.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Freudentänze durch die Jahreszeiten von Herta Nettke



Blumenverse aus den vier Jahreszeiten in Prosa und Reimen, sowie 9 Elfchen

14 eigene Farbbilder, hauptsächlich aus meinem Garten.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Liebesgeschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Amelie Zeuner

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Das eigene Ende von Amelie Zeuner (Abschied)
Die Traumfrau von Christiane Mielck-Retzdorff (Liebesgeschichten)
Erinnerungen – „Steter Tropfen höhlt den Stein!" von Franz Bischoff (Erinnerungen)