Klaus-D. Heid

Wie Du mir,...

 
„Du weißt schon, dass ich Morgen, in aller Herrgottsfrühe, meine Sachen packe und Dich verlasse, oder...?“
 
Sabine lächelte mich nur an, nickte und sagte kein Wort.
 
„Und Du weißt auch, dass es kein Zurück gibt? Ich werde nicht wieder bei Dir einziehen, werde niemals mehr mit Dir schlafen und werde auch auf keinen Fall irgendeinen Deiner Briefe beantworten, die Du mir garantiert schreiben wirst?“
 
Sie lächelte noch immer und schien nicht im Geringsten verärgert, betroffen oder gar beleidigt zu sein.
 
„Diese eine letzte Nacht werde ich noch in Deinem Bett schlafen – und ab Morgen gehen wir entgültig getrennte Wege, Sabine. Es wird dann keinen Kontakt mehr zwischen uns geben. Ich werde Dir meine neue Telefonnummer und auch meine neue Adresse nicht mitteilen, falls Du versuchen solltest, mich zu erreichen. Das ist Dir doch klar, oder, Sabine?“
 
Jetzt endlich sagte sie etwas:
 
„Ich weiß, Liebling. Und nun komm ins Bett, mach’s Licht aus und entspann Dich. Die Nacht ist kurz – und Morgen hast Du ja sicher unendlich viel zu tun. Du solltest jetzt schlafen, Liebling!“
 
Konnte es sein, dass sie tatsächlich so gelassen mit der Tatsache umging, dass ich sie verlassen würde? Um ganz sicher zu gehen, sagte ich noch:
 
„Ich werde Dich jetzt nicht berühren, falls Du darauf spekuliert hast! Ich werde auch keinerlei Annäherungsversuch von Dir dulden, wenn Du versuchen solltest, mich irgendwie sexuell stimulieren zu wollen, damit ich doch noch bei Dir bleibe. Wir werden ganz artig nebeneinander liegen und schlafen. Bis morgen früh. Keine Aktivitäten in den nächsten Sunden, ist das klar, Sabine?“
 
Sabine nickte wieder nur mit jenem freundlichen Lächeln, das ich kein bisschen nachvollziehen konnte – und das mich sogar langsam, aber sicher, in Rage brachte.
 
„Du führst doch irgendetwas im Schilde, oder?“ wollte ich von ihr wissen. „Du hast doch irgendeinen Plan ausgeheckt, um mich doch noch umzustimmen! So ist’s doch, oder? Sabine? Habe ich Recht? Nun sag schon endlich, was jetzt in Deinem verdammten Kopf vor sich geht! Du kannst doch unmöglich so locker akzeptieren, dass ich Dich wegen einer anderen Frau verlasse! Das ist einfach unnormal, Sabine!“
 
„Sie das doch alles nicht so eng, Liebling!“ antwortete sie. „Ich hab’s schon begriffen, dass Du mich verlässt. Ich bin ja nicht ganz so blöd, wie Du’s manchmal hinstellst. Du verlässt mich wegen dieser Frau, die fast fünfzehn Jahre jünger als ich ist. Das ist okay, Schatz! Wirklich. Das ist absolut okay. Können wir jetzt schlafen? Ich bin wirklich ein bisschen müde und habe Morgen auch ein paar wichtige Erledigungen zu machen. Schlaf gut, Liebling – und weck mich nicht, falls Du vor mir wach werden solltest. Du weißt ja, wo Du alles findest, was Du mitnehmen möchtest. Gute Nacht, Schatz!“
 
Sagte es, drehte sich zur anderen Seite – und gab keinen Mucks mehr von sich.
 
Irgendwann, Stunden später, bin ich plötzlich von einem lauten Stöhnen aufgewacht. Zuerst, noch verschlafen und dösig, dachte ich daran, dass Sabine vielleicht Atemprobleme hatte, weil sie meine Nachricht doch sehr mitgenommen hatte – aber dann sah ich sehr deutlich, dass das Stöhnen kein bisschen mit ihrer eingeschränkten Lungenfunktion zu tun hatte...
 
Sabine saß, splitternackt und hemmungslos stöhnend, auf dem ebenfalls nackten Körper eines Mannes, den ich nicht kannte!
 
Ich war innerhalb weniger Sekunden hellwach!
 
„WAS SOLL DAS DENN? SABINE? WER IST DIESER KERL?“ schrie ich sie an, während ich aus dem Bett sprang, das Licht anknipste und schnell in meine Hose schlüpfte.
 
Sabine jedoch schien sich an meiner Aufgeregtheit nicht zu stören. Stattdessen ritt sie munter und vergnügt auf dem beeindruckenden Penis ihres mir unbekannten Bettgenossen und stöhnte mir nur mit zittriger Stimme entgegen:
 
„Das ist... Alexander..., der mich... herrlich durchbumst..., Liebling! Das macht... Dir doch nichts... aus, oder...?“
 
Ihre prachtvollen Brüste hüpften derweil vergnügt im Rhythmus ihrer Auf- und Ab Bewegungen.
 
„Nicht aufhören,... Alex...!“ stöhnte sie noch, während ich nur vollkommen perplex auf meine ehemalige Freundin starrte, die keinen Gedanken an meine Gegenwart verschwendete.
 
„HÖRT SOFORT AUF! ICH VERLANGE, DASS IHR SOFORT AUFHÖRT! AUF DER STELLE!“
 
Mein Brüllen half jedoch nicht. Sabine trieb es weiter, ohne sich um mich zu kümmern, so, als gäbe es mich gar nicht.
 
Ich war, verdammt noch mal, eifersüchtig! Ich war eifersüchtig, obwohl ich gedanklich längst mit Anja, meiner neuen Freundin, zusammen lebte und mit Sabine völlig abgeschlossen hatte.
 
Ich war eifersüchtig, brodelte innerlich wie ein Vulkan und brauchte nahezu eine Viertelstunde, bis ich mich imstande sah, dem Treiben ein Ende zu machen.
 
Diesen, mir unbekannten Alexander, packte ich am Handgelenk und zerrte ihn unter meiner heftig stöhnenden Ex-Freundin weg. Ich schleuderte den nächtlichen Besucher quer durchs Zimmer, verpasste ihm einen Tritt in seinen nackten Arsch und jagte ihn, lauthals brüllend, aus dem Zimmer. Dann, Sabine zugewandt, schrie ich:
 
„Keine Ahnung, was Du bezweckst, Sabine! Und wenn Du meinst, dass ich jetzt klein bei gebe, weil ich es nicht ertragen kann, dass Du’s mit einem anderen Kerl treibst, während ich daneben liege, hast Du Dich verdammt getäuscht! Ich werde auf der Stelle Deine Wohnung verlassen – und Du kannst ja weiterbumsen, wenn ich erst einmal weg bin, Du bist eine miese kleine Schlampe...!“
 
Und Sabine?
 
Sabine grinste.
 
Sie machte keine Anstalten, sich anzuziehen, während sie mir dabei zusah, wie ich zornbebend meine Klamotten zusammen suchte. Sie grinste wie ein Honigkuchenpferd von einem Ohr zum anderen und amüsierte sich königlich über meinen Wutausbruch.
 
Plötzlich, noch immer mit diesem mir so unbekannten Lustgrinsen im Gesicht, sagte sie zu mir:
 
„Weißt Du, wer Alexander ist, Liebling...?“
 
„WOHER SOLL ICH DENN DEINE LIEBHABER KENNEN, HM?“ antwortete ich schroff.
 
„Nun, Liebling, dieser Alexander, das ist ein wirklich potentes Kerlchen, oder? Er ist dieser Typ Mann, der nie mit nur einer Frau zufrieden ist.“
 
Ich wollte gar nicht hören, was sie mir von den Wundertaten dieses Penners berichtete, aber Sabine fuhr fort, mich aufzuklären:
 
„Es war kein bisschen schwer, ihn in mein Bett zu bekommen, Liebling. Und, obwohl er ein wirklich guter Liebhaber ist, der jetzt wahrscheinlich längst wieder bei einer anderen Frau im Bett liegt, um sich von Deinen lächerlichen Attacken zu erholen, solltest Du etwas von ihm wissen, mein Schatz!“
 
Irgendetwas in mir sagte, dass ich nun zuhören sollte.
 
„Dieser Alexander, der Typ, mit dem ich’s gerade getrieben habe und der so phantastisch gut gebaut ist, mein Liebling, ist auch der Lover Deiner jungen, bestimmt sehr süßen Freundin, wegen der Du mich verlassen möchtest. Er ist eben sehr flexibel, was uns Frauen angeht, Liebling!“
 
„DU LÜGST!“ donnerte ich ihr entgegen.
 
„Ich kann’s beweisen...!“ säuselte sie zurück.
 
„MISTSTÜCK...!“ kreischte ich nun fast.
 
„Wer? Sie –oder ich...?“ konterte Sabine.
 
Es folgte eine Minute des Schweigens, in der ich nachdachte.
Konnte es tatsächlich sein, dass Sabine so ausgefuchst war, dass sie mich mit einer, für mich äußerst unangenehmen Wahrheit konfrontierte?
 
„Dann beweise es, Sabine!“ sagte ich nun weitaus friedlicher als zuvor.
 
Und Sabine bewies es. Sie bewies es mit einem Dutzend eindeutiger Fotos, auf dem ich meine neue Freundin mit dem Kerlchen bewundern konnte, das noch vor ein paar Minuten Sabine bestiegen hatte. Sie bewies es mit Kopien von Briefen, die meine neue Freundin, offenbar äußerst angetan von Alexanders Liebeskünsten, an ihn geschrieben hatte. Diese Briefe waren übrigens allesamt neueren Datum, passten also ihn die Zeit, in der ich bereits mit ihr liiert war. Als letztes präsentierte mir Sabine eine Kassette, die sie, noch immer bestens gelaunt, in den Kassettenrecorder steckte.
 
„...natürlich werden wir uns auch weitersehen, Alexander! Der Idiot, mit dem ich jetzt zusammen bin, würde doch nicht mal merken, wenn ich’s direkt neben ihm mit Dir triebe. Ich liebe Dich, Alexander...!“
 
Nun, angesichts dieser eindeutigen Beweise, sackte ich wie ein Häufchen Elend zusammen.
 
„Warum kommst Du nicht wieder ins Bett, Schatz?“ wollte Sabine von mir wissen. „Es ist erst 05.30 Uhr – und Du könntest noch ein bisschen Schlaf gebrauchen, oder?“
 
Wir verloren nie wieder ein Wort über das, was geschehen war.
 
Erst viel später, Jahre später, als unser Sohn, Alexander, eingeschult wurde, sprach Sabine mich auf damals an. Übrigens hatte sie darauf bestanden, dass unser Sohn Alexander heißen sollte. Sabine hatte schon immer einen sehr obskuren Sinn für Humor.
 
„Ich habe vor kurzem Alexander, Du weißt schon, welchen Alexander ich meine, wiedergesehen! Ganz zufällig, Liebling. Er ist jetzt mit einem gewissen ‚Jürgen’ zusammen. Na ja, das kann uns ja völlig egal sein, oder...?“

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.09.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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