Ingrid Grote

LOve-StOry Teil 3

Und wieder erinnerte er sich:  
Es mussten zwei Monate vergehen, bis sie sich wiedersahen. Er hatte sie nicht vergessen können, beziehungsweise nicht den Groll vergessen können, der ihn überkam, wenn er an sie dachte – und er musst oft an sie denken. Einmal wählte er ihre Telefonnummer, sie stand tatsächlich im Telefonbuch unter dem Namen, den er an ihrer Klingel gesehen hatte, und den er sich aus unbekannten Gründen gemerkt hatte.
„Ich will dich ficken“, sagte er. Herrgott, was sollte das? Warum sagte er so etwas?
„Na klar! Fick dich doch selber!“ Damit knallte sie den Hörer auf die Gabel, so hörte es sich jedenfalls an.
Zwei Monate später allerdings informierte Clem ihn darüber, dass er sie getroffen hatte. Sie gab eine Party und hatte Clem eingeladen. Clem hatte sie gefragt, ob er, Hardy, auch kommen könnte, und nach kurzem Zögern hatte sie gesagt: „Klar, warum nicht.“
Die Gelegenheit, ihr das heimzuzahlen, was sie verdiente, war endlich gekommen.
Sie hatten sich den ganzen Abend nicht mit dem Arsch angeguckt, zumindest hatten sie so getan, obwohl sie sich immer im Auge behielten. Hardy checkte ab, ob irgendeiner der anwesenden Typen ihr nahestand, klar da war einer, der unzweifelhaft in sie verliebt war, und Irma, diese blöde Nuss, die merkte das gar nicht. Nach kurzer Zeit war er sich hundertprozentig sicher, dass sie mit keinem der Männer was hatte. Das war gut so...

Er blieb so lange, bis auch der letzte Besucher verschwunden war, der letzte Besucher war übrigens sein Freund Clem, der ihn und Irma misstrauisch beäugte, denn Clem wusste absolut nicht, was zwischen ihnen beiden vorging.
Nachdem Clem weg war, fragte er Irma, ob er bei ihr übernachten könnte. Er würde sich seinen Schlafsack aus dem Auto holen...
„Du kannst auch in meinem Bett schlafen“, sagt sie, und damit war für ihn alles klar.
Als sie nach endlosem Aufräumen und Spülen des schmutzigen Geschirrs ins Bett kam – na klar sie hatte Schiss irgendwie – da hatte er... jetzt tat es ihm leid, aber damals hatte er nur auf seinem sogenannten Recht bestanden, sie zu haben, und ihre Reaktion hatte ihn bestätigt. Erstens hatte sie sich nicht gewehrt und zweitens hatte sie reagiert. Heftig reagiert. Und das alles war
ohne Anfassen passiert, keine zärtlichen Berührungen und keine Küsse. Er wollte es nicht anders, er wollte nur das Gefühl, sie sich zu unterwerfen.
Am Morgen schliefen sie ein zweites Mal miteinander, und da verspürte er seltsamerweise das Bedürfnis, sie zu liebkosen, aber sie schien es nicht zu wünschen, also ließ er es sein.
Sie war ziemlich fertig, sah auch nicht besonders gut aus, aber sie unterhielt sich tapfer mit ihm, allerdings ohne jede körperliche geschweige denn seelische Vertrautheit. Warum kuschelte sie sich nicht an ihn und erzählte ihm etwas über ihre Probleme. Nein, sie war so cool und amüsant, dass er sauer darüber wurde und sie nach dem Frühstück in der Gegend herumschleifte. Und in der Gegend, beziehungsweise in einem Wäldchen unterhielten sie sich über Douglas Adams und über ‚per Anhalter durch die Galaxis’ Sie kannte sich recht gut darin aus, was ihn wunderte, denn bis jetzt hatte er noch keine Frau getroffen, die sich für so etwas interessierte.

Sie verabschiedeten sich am frühen Nachmittag ziemlich kühl voneinander, und sie wünschte ihm einen schönen Urlaub, Er wollte nämlich am nächsten Tag nach Mallorca fliegen, ganz alleine.
„Ich ruf dich an“, sagte er bei diesem kühlen Abschied, ohne es wirklich so zu meinen. Aber seltsamerweise war es auf Mallorca nicht so toll, wie er es sich vorgestellt hatte. Es gab dort keine interessanten Frauen, nicht eine davon war auch nur annähernd so interessant wie Irma, und als er schließlich mit einer wunderbar aussehenden Frau schlafen wollte, endete das in einer Katrastophe... Er erkannte, dass er mit Irma immer noch nicht fertig war und rief sie an, eine Woche nachdem er wieder zu Hause war. Und damit begann ihre Affäre, anders konnte er dieses Verhältnis nicht nennen.
Drei Monate später hatte sich immer noch nichts in ihrem Verhalten geändert. Sie hatten fantastischen Sex miteinander, aber gefühlsmäßig lief da nichts ab,
zumindest nicht von ihrer Seite, und er hatte Angst davor, ihr seine Gefühle zu zeigen, weil er sich sehr unsicher fühlte.
Bis ihm dann eines Tages der Kragen platzte. Denn das Mädel hatte es ein wenig zu weit getrieben...

 
Irma saß eine Etage höher auf dem Sofa des Wohnzimmers und starrte vor sich hin. Es war kalt, die Heizkörper waren gerade einmal lauwarm, wahrscheinlich durch die Nachtabsenkung, und sie fühlte sich schrecklich.
Es war alles so schnell gekommen, sie hatte sich nie ein Kind gewünscht, nein, sie wollte immer unabhängig sein. Und dann ausgerechnet von Hardy. Als ob es nicht schon schlimm genug war, ihn zu lieben, das Kind würde sie noch abhängiger von ihm machen. Und das war nicht gut.
Ich hab Angst, das war alles, was sie dachte. Angst, Angst, Angst, immer nur Angst. Sie wollte keine Angst mehr haben. Was aber wollte sie? Sie wusste es nicht.
Vor ein paar Monaten hatte sie in einem anderem Bett hier die Nacht verbracht, ganz allein, und sie hatte sich nach Hardy gesehnt, hatte sich nach seinem harten Körper gesehnt und sich vorgestellt, wie es wäre, wenn sie sich an ihn schmiegen könnte. Und sie hatte festgestellt, dass sie dann glücklich wäre und endlich das gefunden hätte, wonach sie sich immer gesehnt hatte. Ausgerechnet nach Hardy! Das war absurd, aber es war richtig.
Aber wovor hatte sie Angst? Sie saß auf dem Sofa im Wohnzimmer ihrer Eltern ganz im Dunklen, hatte die Knie fest an sich gezogen und mit ihren Armen umschlungen, und sie wiegte sich selber in eine Trance hinein, um besser nachdenken zu können.
Ihre Mutter war wohl der Schlüsselpunkt. Wie hatte es angefangen? Wann hatten sie begonnen, sich zu hassen. Irma wusste nur, dass sie irgendwann ihr Herz verhärtet hatte, um nicht von ihrer Mutter verletzt werden zu können. Um von niemanden verletzt werden zu können. Und sie hatte nie wirkliche Gefühle für ihre Männer gehabt, sie hatte immer nur die genommen, die schwer in sie verliebt waren. Und dann hatte sie durch ihre Lieblosigkeit und durch ihr Verhalten diese Liebe zerstört. Es war immer das gleiche gewesen.
Bruchstücke von früheren Erlebnissen zogen durch ihre Gedanken:
Ein zerrissenes Kleid und die damit verbundene Angst, von der Mutter erwischt zu werden, dann der Triumph darüber, ihre Mutter hinters Licht geführt zu haben, ein Schlag ins Gesicht für etwas, wovon sie nicht wusste, dass sie es getan hatte, mitleidige Blicke ihrer Tante, Getuschel unter anderen Tanten.
Du verstocktes Luder!
Du bringst mich nicht zum Weinen!
Verhärtet, versteinert, nur auf Sicherheit bedacht, nur kein Risiko. Wie kann mich jemand lieben? Meine eigene Mutter hasst mich. Wie kann ich mich selber lieben? Meine eigene Mutter hasst mich.
Sie liebte diesen verdammten Kerl, und dass machte ihr Angst, denn Liebe macht verletzlich, und das wiederum verschafft einem Angst. Sie hatte Angst vor ihren Gefühlen, denn Gefühle machen verletzlich, und das wiederum verschafft einem Angst. Angst, immer wieder Angst. Und mit einem Kind würde sie ihre letzte Unabhängigkeit aufgeben, nämlich ihren Job, denn es kam nicht in Frage, dass sie das Kind von jemand anderem aufziehen lassen würde. Aber dann wäre sie nicht nur gefühlsmäßig von Hardy abhängig, sondern auch noch finanziell. Bei jedem anderen Mann wäre ihr das egal gewesen, denn alle Männer vor ihm waren ihr ja auch egal...
 
Plötzlich hat sie das Gefühl, jemand sitzt neben ihr, wie ein déjà vue kommt es ihr vor. Wie früher vor vielen Jahren, als sie auf den ausgewaschenen Waldwegen in der Abenddämmerung spazieren ging. Auch damals hat sie das Gefühl gehabt, jemand wäre neben ihr. Aber es war immer eine Täuschung.
Aber diesmal ist jemand da, es ist ein schemenhaft aussehendes Kind mit hellblonden fast weißen Haaren, vielleicht sechs Jahre alt. Eine seltsame Vision. Ein Spuk. Ich fange an zu spinnen, denkt Irma bitter und ignoriert die schemenhafte Gestalt. Jetzt hat sie auch noch Wahnvorstellungen!
 
Sie denkt wieder an den Traum, diesen Alptraum von den Türen, die sich in Wände verwandeln. Aber ist ihr normales Leben nicht schon ein Alptraum gewesen? Sie hat alles blockiert, was Gefühle und die damit verbundenen Verletzungen zuließ, sie hat jede Tür missachtet, die ihr offen stand. Sie hat jahrelang mit einem Mann zusammengelebt und sich von ihm quälen lassen. Warum hat sie sich das gefallen lassen? Weil er ihr egal war. Er konnte ihr in Wirklichkeit nichts anhaben, weil sie absolut nichts für ihn empfand. Ja, so sind die Tatsachen eben, Irma sitzt auf dem Sofa ihrer Eltern, übermüdet, ihr ist kalt, und sie schaukelt sich weiter in eine Trance hinein.
 
Der Traum fängt an:  Der Traum von dem Hochhaus, wo sich alle Türen in Wände verwandeln, wenn sie auf sie zugeht und sie in schließlich diesem Gebäude hoffnungslos herumirrt, denn sie ist dort gefangen.
Bis sie dann plötzlich am Ende des Korridors ein schwarzes Loch sieht.
Beim Näherkommen erkennt sie, dass es sich bei diesem schwarzen Loch um eine Öffnung nach draußen handelt. Die ist neu.
Sie geht darauf zu und steht plötzlich auf einer großen balkonartigen Plattform. Draußen ist es dunkel. Die Großstadt liegt unter ihr. Am Himmel strahlt Orion, der Jäger. Sie kann sein Schwertgehänge ganz deutlich erkennen.
Die Plattform liegt mindestens im achtzehnten Stock, also ganz oben, das weiß sie genau. Und hat kein Geländer...
Kein Geländer! Grauenhaft. Sie will weg von hier. Sie hat Angst vor der Höhe.
Sie will wieder zurückgehen in das Gebäude, aber die Öffnung hat sich mittlerweile verwandelt. In was? Na klar, in eine nackte Wand. Sie kann nicht mehr zurück.
Sie wirft sich auf die Plattform, so weit wie möglich von ihrem äußeren Rand entfernt und versucht, sich mit den Händen im Beton festzukrallen.
Es geht nicht, sie wird immer leichter, steigt nach oben, sinkt herab und steigt wieder nach oben. Jedes Mal höher, jedes Mal schneller...
Irgendwann wird sie beim Hinuntersinken die Plattform verfehlen. Und dann wird sie abstürzen.

Nein! HILFE! Sie glaubt, dass sie schreit.
Sie spürt eine hauchzarte Berührung an ihrer Hand und schaut verschreckt neben sich. Es ist ein Kind, es hat sie an der Hand berührt, und sie weiß auf einmal, das Kind ist ihr jüngeres ICH, eines von vielen Tausenden und wahrscheinlich eines, das noch nicht viel Böses erfahren hat. Es sieht unschuldig und glücklich aus. Irma werden die Augen feucht. sie denkt daran, was das Kind alles erleben und wie es sich dadurch verändern wird.
Du musst durch das Loch, sagt das Kind, und Irma wundert sich schwer darüber. Woher will so ein kleines Kind wissen, was ein Schwarzes Loch ist? Irma wundert sich auch darüber, dass es sich bei dem Loch selbstverständlich um ein Schwarzes Loch handelt.
Lass es zu, lass es zu!
Was denn, ja was denn?
Wenn du da durch gehst,
dann kommst du dahin,
wo es besser für dich ist.
Du weißt doch, Schwarze
Löcher führen irgendwohin.
Und dieses führt in ein Weißes
Loch und in ein anderes Universum.

Wie bei Star Trek, denkt Irma, aber es hat was. Und  es kann nicht viel schaden,  sie schließt die Augen, lässt sich fallen, nein, ein Fallen ist es nicht, es ist eher, als würde sie sanft emporgehoben...
 
...Aber mit Hardy war es etwas anderes. Sie hatte Gefühle für ihn, und ergo konnte er ihr etwas antun. Aber... just an dieser Stelle fühlte Irma, wie kalt ihre Füße geworden waren, sie schüttelte den Kopf und machte sich auf, um zu Hardy zu gehen, und sie beeilte sich, die Treppe hinunterzulaufen. Wieso war sie so gemein zu ihm gewesen? Hardy würde ihr nichts antun, das war ihr auf einmal so klar, dass sie erstaunt den Kopf schüttelte. A les war auf einmal so klar. Sie wollte nicht mehr tot sein. Sie wollte leben. Und sie konnte zwar ohne ihn leben, aber es würde erbärmlich und leer sein, dieses sogenannte Leben.
 
Er hörte in seinem qualvollen Halbschlaf, wie sich die Tür öffnete, und er ahnte mehr als er sah, dass sie an der Tür stehen geblieben war. Na endlich! Aber sie zögerte immer noch. Na gut...
Er erhob sich also aus dem Bett, trat auf sie zu und umarmte sie. Sie fühlte sich kalt an, und instinktiv hob er sie auf seine Arme und legte sie auf sein Bett. Tatsächlich hatte sie eiskalte Füße. Wieder einmal. Hardy musste lächeln, immer in Krisensituationen hatte sie eiskalte Füße, genau wie vor vier Monaten, als sie in der Stadt herumgerannt war im Regen und er sie schließlich klatschnass im Kaleidoskop gefunden hatte. Er hatte gedacht, damals hätte eine neue bessere Zeit für sie begonnen, aber sie war wohl immer noch nicht bereit dafür gewesen.
„Himmel, verdammt noch mal, du wirst dir den Tod holen.“ Er legte sich neben sie, breitete das üppige Federbett über sie aus und versuchte, ihren Körper zu erwärmen.
Sie sagte nichts.
„Wieso hast du eigentlich immer kalte Füße, wenn sich irgendwas bei dir tut?“
„Weiß nicht“, sagte sie ziemlich kleinlaut. Sie verhielt sich sehr ruhig, sehr passiv, und er hatte keinen blassen Schimmer, was los war, aber sie würde es ihm vielleicht sagen.
„Hardy...“
„Was ist denn, Süße?“
„Wieso treibst du mich immer so weit?“
„Tue ich das?“
„Ja das tust du, immer wieder. Ich habe kalte Füße...“
„Das fühle ich“, sagte Hardy, griff sich einen von ihren Füßen und wärmte ihn in seiner Hand.
„Nicht nur körperlich... Vor allem hab ich kalte Füße, wenn ich an die Zukunft denke.
„Du brauchst keine kalten Füße haben.“
„Ja, ich weiß... Aber ich weiß nicht, was mit mir los ist.“
„Süße, du weißt doch, du kannst mir alles sagen.“
„Klar doch, du bist ja der große Problemfresser.“ Irmas Stimme klang ein wenig säuerlich, denn sie war immer noch empört über die Vorstellung, Hardy im Bett zu sehen mit irgendeiner Tussi, um die er den Arm gelegt hatte nach dem Beischlaf und so weiter. Aber das war vorbei. Endgültig vorbei.
„Aber kannst du es auch verstehen?“ meinte sie zögernd.
„Ich werde mich bemühen“, sagte Hardy und küsste sie auf die Stirn. Früher hatte er alle Frauen auf die Stirn geküsst, es war eine gute und billige Anmache von ihm gewesen, und sie waren reihenweise darauf hineingefallen. Und dann hatte es ihn selber erwischt. Und es war gut. Besser als er es sich jemals hatte vorstellen können.
„Weißt du, dass du mich wachgemacht hast?“
„Äääh ja?“
„Ich meine, seitdem ich dich kenne, lebe ich. Vorher war ich tot, ich bin nie ein Risiko eingegangen, habe immer nur Männer genommen, die vorgaben mich zu lieben. Und dann habe ich alles selber zerstört.“
„Warum hast du das?“
„Es war wie ein Muster, eine Schablone. Ich bin nichts wert, also kann mich keiner lieben, und wer mich liebt, der hat selber Schuld.
„Aber warum, Irma?“
„Weiß nicht. Aber es kommt bestimmt von meiner Mutter. Die hat mich immer gehasst, warum weiß ich auch nicht. Ach Scheiße!!!“
„Komm her Süße.“ Hardy zog sie noch enger an sich.
„Aber bei dir war es anders.“
„Warum?“
„Ich glaube, du hast mich wachgeküsst“, Irma streichelte seine Hand, „so wie Dornröschen wachgeküsst wurde“, sie musste leise kichern, „obwohl, wachgeküsst ist nicht der richtige Ausdruck...“
„Dann sag mir doch den richtigen Ausdruck.“
„Durch dich habe ich irgendwie richtig zu leben begonnen. Du hast mir die Lust beigebracht, und du hast mir die Gefühle verschafft. Ich weiß immer noch nicht, wie du das gemacht hast.“
„Es ist eben so“, sagte Hardy zärtlich, „und wenn mir einer erzählt hätte, dass du die Liebe meines Lebens sein würdest, dann hätte ich ihn ausgelacht.“
„Ist das wahr?“
„Klar hätte ich ihn ausgelacht!“ Hardy nahm ihre Hand und küsste sie.
„Oh Gott! Ich habe so ein großes Glück! Ich wollte dich verlassen, aber ich konnte es nicht, sag Hardy, haben wir nicht großes Glück?“
„Das haben wir, Süße.“ Hardy zog sie noch enger an sich und wärmte auch ihren letzten kalten Körperteil. Es war ihr Hintern.
„Ich will nach Hause, Hardy...“
„Wir fahren gleich nach dem Frühstück, Süße.“
„Aber eigentlich bin ich zu Hause“, murmelte sie, während sie sich seinen wärmenden Händen überließ und ein Entzücken empfand, das unbeschreiblich war. Er wärmte sie auf bis in die letzten Fasern ihres Körpers.
„Was meinst du, Süße?“
„Home is where my heart is…” Irma war so eingehüllt von seiner Wärme und seiner Liebe, dass sie langsam aber unaufhaltsam in einen befriedigenden Schlaf glitt.

 

LOve STOry Epilog----------->

Der Besuch war vorbei. Endlich!
Irma saß im Auto, und sie war begierig darauf, endlich von hier weg zu kommen. Sie hatte sich in gewohnt kühler Art von ihrer Mutter verabschiedet, und sie hatte festgestellt, dass ihre Mutter unsicher war. Warum war sie wohl unsicher? Irma beschlich ein seltsames Gefühl, ein Gefühl des Bedauerns, ein vages Gefühl, aber sie wollte über dieses Gefühl nachdenken. Wann hatte es eigentlich angefangen mit diesem gegenseitigen Hass? Oder war es gar kein Hass, sondern alles nur ein Missverständnis? Sie würde darüber nachdenken müssen. Ja.
Sie sah, wie Hardy mit ihrem Vater sprach; ihr Vater fing an zu grinsen, und Hardy stieg endlich ins Auto. Was zum Teufel hatte Hardy mit ihrem Vater zu schaffen? Diese Allianz unter Männern war ihr nicht ganz geheuer, aber es war ihr im Grunde egal, was Hardy mit ihrem Vater ausheckte, sie freute sich auf ihr Leben, sie freute sich auf ihr Kind, und sie freute sich... eigentlich über alles im Augenblick. Es war so ein wundervoller Moment, sie wollte ihn genießen, denn es würden bestimmt schlechtere Momente kommen.
Sie musste es jedenfalls versuchen, sie würde Hardy lieben, und vielleicht war sie seiner Liebe ja wert, trotz ihrer Unzulänglichkeiten. Ein Leben ohne Liebe war nichts. Klar, sie war von vielen Männer geliebt worden, aber sie hatte ihnen nie etwas zurückgeben können. Aber dieses Mal war sie so randvoll mit Liebe, mit uneigennütziger Liebe, denn sie wollte Hardy glücklich machen, ihr Kind natürlich auch, und vor allem wollte sie sich selber glücklich machen. Zumindest manchmal, denn Irma war sich sehr wohl bewusst, dass Glück kein permanenter Zustand ist.
Endlich fuhren sie los. Nach dem üblichen Winken und als ihre Eltern nicht mehr zu sehen waren, seufzte Irma tief auf. Sie zog sich die Schuhe aus, legte die Füße auf das Armaturenbrett und wollte ein bisschen schlafen, denn sie war immer noch total erledigt von der letzten eher schlafarmen Nacht.
„Irma?“
„Was ist denn, Hardy?“
„Sag mal Süße, bist du mir eigentlich böse wegen damals, weißt du, als wir das erstemal...“ Irgendwie konnte er nicht weiterreden.
„Böse weswegen?“ Irma war vollkommen ahnungslos.
„Na ja, ich hab dich nicht gefragt, ob du...“ wieder konnte er nicht weiterreden.
„Ach das!“ Irma hatte endlich kapiert, und sie freute sich darüber, dass er sich Sorgen um diesen Teil ihrer Beziehung machte, der lange schon vorbei war.
„Wenn ich einen Kerl in mein Bett bitte“, sagte sie und lächelte ein wenig gemein, so kam es ihm jedenfalls vor, „dann erwarte ich etwas von ihm.“
„Ach! Und was?“
„Na, du weißt schon. Ich bin eben keine anständige Frau, die einen Kerl in ihr Bett einlädt, sich dann fast nackt neben ihn legt und die dann empört ist, wenn er Gefühle kriegt.“ Irma fing an zu kichern.
„Da bin ich aber froh.“ Hardys Stimme klang erleichtert, und er griff nach ihrer Hand und führte sie an seine Lippen. Sie sah ihm dabei zu wie ein hypnotisiertes Kaninchen, er bemerkte, dass sie tatsächlich ein wenig rot im Gesicht wurde, und er spürte auch, dass sie ihm ihre Hand entziehen wollte. Aber er hielt sie fest, diese Hand.
„Du hättest aber ruhig ein bisschen netter zu mir sein können.“ Bei diesen Worten sah sie irgendwie scheu aus, wie er mit einem kurzen Blick zur Seite feststellte.
„Ja, ich weiß.“ Hardy zog wieder ihre Hand an seine Lippen, aber nach ein paar Sekunden gab er sie frei, denn er musste sich wohl oder übel auf die Straße konzentrieren.
Eine Weile herrschte Schweigen zwischen ihnen, und Irma lehnte sich wieder entspannt zurück, um ein wenig zu schlafen, wurde aber wieder von Hardys Stimme aus dem Fastschlummer geholt.
„Sag mal, Süße, warum wolltest du übrigens dieses Spitzenkleid nicht tragen?“
Sie stutzte und starrte ihn an. Er erinnerte sich an das Spitzenkleid? Dann lächelte sie.
„Ach weißt du, ich hatte dieses Kleid schon einmal an. Als ich mit einem Mann zusammen war. Er war ziemlich verliebt in mich.“ Sie schaute Hardy an, als wollte sie ihn dafür um Verzeihung bitten, dass dieser Mann ziemlich verliebt in sie gewesen war, bevor sie fortfuhr: „Ich aber nicht in ihn, ich hab dieses Kleid extra angezogen, um ihn fertig zu machen. Irgendwie... Oh Gott war ich gemein damals.“ Sie senkte verlegen den Blick.
„Ach... Aber...“
„Ich wollte dich nicht manipulieren. Nicht mit diesem Kleid.“
„Aha... Aber ich glaub nicht, dass es an dem Kleid liegt, wenn du mich manipulierst.“
„Ich schmeiß es weg und kauf mir ein neues.“
„Aber was ähnliches.“ Hardy machte ein gewollt lüsternes Gesicht.
„Wenn ich was ähnliches kriege.“ Irma überlegte ein bisschen und musste dann lachen. „Es sieht bestimmt toll aus, wenn mein Bauch... Nein Hilfe!“
„Ach was, dir steht alles“, sagte Hardy und grinste sie auf seine unnachahmliche Art an.
„Wenn du das sagst...“ Irma beschloss, ihm diese Worte zu glauben und machte es sich wieder bequem
„Irma?“
„Was zum Geier...“
„Ich blick’ hier nicht durch. Auf welche Autobahn müssen wir denn?“
Irma seufzte auf. „Okay okay, ich kenn’ den Weg besser als du. Also werde ich auch fahren!“
Als Hardy endlich irgendwo anhalten konnte, stiegen sie aus dem Auto, trafen sich und schauten sich wortlos an. Irma wollte ihn unbedingt berühren, und sie tat es auch. Sie schlang die Arme um seinen Hals und drückte ihren Körper an den seinen.
Hardy schob sie ein wenig zurück, er lächelte auf die ihm eigene Art, und sie liebte diese ihm eigene Art.
„Was meinst du, Süße? Hier und jetzt sofort?“
„Oh nein, nicht jetzt.“ Ihre Stimme klang bedauernd und zugleich verheißungsvoll. „Aber wir sind ja bald zu Hause...“
Sie fuhren los, und schließlich war es Hardy, der bald darauf sanft entschlummerte.
Irma schaute kurz liebevoll zu ihm hin und dachte: „Männer!“


ENDE

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.09.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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