Tilman Frank (+)

Das letzte Finale ( Star Trek / DS9 )

„Gruß Euch, ihr armen Geschöpfe! Komme ich doch heut, um für immer von euch ach so armen Menschenkindern Abschied zu nehmen!“
Commander Sisko sprang wie von einem cardassianischen Feuerkäfer gestochen aus seinem Sessel hoch und starrte die urplötzlich mitten in der Ops schwebende Gestalt an. Das hatte ihm gerade noch gefehlt an diesem wahrlich arbeitsreichen Tag, daß Q auftauchte und mit seinem manchmal doch recht makaberen Humor für Probleme sorgte.
Auch Jadzia Dax, die neben Odo an den Primärkontrollen des Stationsrechners stand, starrte die schwebende Gestalt an und wagte kaum abzuschätzen, welche Narretei Q diesmal wieder im Sinn haben mochte.
Als Q sicher zu sein schien, die Aufmerksamkeit aller auf der Ops Anwesenden auf sich gezogen zu haben, sank er bedächtig zu Boden, dabei die Hände erhebend, als wolle er sie so in kniender Haltung segnen.
„Oh, Ihr unschuldigen Kinder, auf die das Verderben lauert; oh, Ihr unwissenden Lämmer, die Ihr zur Schlachtbank trottet! Wie werde ich um Euch trauern!” Q wischte sich demonstrativ zwei glitzernde Tränen fort, die einfach aus dem Nichts auf seinen Wangen erschienen waren, dann schlug er mit theatralischer Geste die Hände vors Gesicht und sank wie von Trauer übermannt vollends zu Boden.
„Q, stehen Sie auf, es ist jetzt nicht der Zeitpunkt für Ihre Mätzchen!” Sisko ging bei seinen Worten mit eiligen Schritten auf den zu Boden gesunkenen zu. "Wir haben einen schon fast bedrohlichen Anstieg der Entropie in der Umgebung des Wurmloches und seit nun fast vier Stunden ist der Kontakt zum Starfleet Oberkommando abgebrochen!”
Q erhob sich mit einer einzigen, fließenden Bewegung noch bevor Sisko ihn erreichte. Mit einem gewinnendem Lächeln blickte er in die Runde und ließ sich recht leger auf der nächst besten Kontrollkonsole nieder. Auf seiner Handfläche erschien ein sanft schillernder Parfümflacon und naserümpfend sprühte er dessen Inhalt in die klinisch reine Luft der Ops.
An Sisko’s Schläfe schwoll eine Ader bedrohlich an, und wenn Q nicht in diesem Moment wieder zu reden begonnen hätte, wäre es höchstwahrscheinlich zum Desaster zwischen ihm und Sisko gekommen.
„Meine Lieben, keine Aufregung wegen solcher Lappalien! Es ist doch nur Euer aller Ende, das sich so ankündigt!” Er erhob seinen Blick zur Decke und breitete seine Arme aus, als wolle er die ganze Ops umfassen und sog prüfend die Luft durch die Nase ein. „Nun läßt sich diese Luft  hier besser ertragen. Ach, wo war ich stehen geblieben?“
Als Sisko einen weiteren Schritt in seine Richtung machte, legte Q affektiert die Hand an die Stirn und blickte verzückt, ganz so, als sei ihm wieder eingefallen, was er hatte sagen wollen.
„Oh, blühendes Bajor, weh dir! Ach, so logischer Vulcan, rechne mit dem Unabwendbaren! Und dir, DS9, dir steht Schlimmes bevor! Weh Euch allen! - Doch nun muß ich weiter, muß mich von den anderen verabschieden, die Euer Schicksal teilen! Adieu, nein, nein, bis bald, vielleicht, denn ich werde die letzten Sekunden Eurer Existenz hoffentlich hier mit meinen lieb gewonnen Freunden auf der Ops verbringen!”
Kaum war das letzte Wort Q’s verklungen, als seine in ein Zobelcape mit Hermelinbesatz gehüllte Gestalt an Substanz zu verlieren schien, um sich danach endgültig wie ein Nebelgespinnst in der Morgensonne aufzulösen.
 
„He, Sie da, ja, Sie, Sie mit dem komischen Cape! Es ist hier nicht erlaubt, auf die Tische zu steigen! Und erst recht nicht, wenn man noch kein Getränk bestellt hat!”
Quarks kleine Gestalt schien um mehrere Zentimeter zu wachsen, als er auf den besagten Tisch zuging, auf den sich soeben ein besonders unverschämter Gast geschwungen hatte. Diesem Ignoranten würde er es aber zeigen, das kostete den Burschen ein paar Kredits, sich so in Quarks Etablissement zu benehmen.
„Wer wagt es, den Q in dieser schwersten aller Stunden so zu erzürnen?”
Gleich einem Donnergrollen hallte die Stimme durch den Raum. Quark blieb wie angewurzelt stehen, und während jetzt auch die anderen Besucher seines Lokals aufmerksam wurden, drehte sich die seltsame Gestalt auf dem Tisch um.
„Q! Du verfluchtester Händler, der je Ware unter Wert verkaufte! Möge Dir Dein Vermögen die geringsten Zinsen des ganzen Universums erbringen!” Quark war dieser typisch ferengische Fluch einfach so herausgerutscht. Doch schon bereute er ihn zutiefst. Bei Q sollte man schon etwas vorsichtiger sein mit seinen Worten und so ließ er schnell ein fadenscheiniges Lächeln auf seinem Gesicht erblühen. „Ich meine natürlich: Seid mir herzlich willkommen, ehrenwerter Q, gerngesehener Gast aus unendlicher Ferne, in meiner bescheidenen Gaststätte! Es war nur ein kleiner Scherz unter Freunden, sozusagen. . .”
Kopfschüttelnd sprang Q von dem fragilen Tischchen, ging auf den Ferengi zu und legte ihm mit väterlichem Gesichtsausdruck den Arm um die Schulter.
„Auch Du, mein Freund Quark, auch Du wirst das Schicksal der anderen teilen! Komm, handle noch ein wenig, mache Deinen Profit, mache Verluste, es ist egal, die letzte Rechnung bleibt ganz gewißlich offen!”
Quark sah nicht den gewohnten Ausdruck der ironischen Ignoranz ihm gegenüber in Q’s Augen, nein, er glaubte dort für einen Moment etwas ganz anderes zu erkennen, etwas, das ein rechter Händler nie und nimmer durchblicken ließ - Mitleid.
„Beruhige Dich, mein kleiner Freund!” Q schob den verdatterten Ferengi unaufhaltsam in Richtung Theke und hob ihn dort ohne sichtliche Kraftanstrengung einfach am Gürtel seiner Hose hoch. Der offensichtlich sprachlose Quark zappelte mit den Füßen in der Luft herum, bis ihn Q auf der Theke abgesetzt hatte. Wie versteinert stand er dort oben und klappte seinen sonst so geschwätzigen Mund nur lautlos auf und zu.
„Hier, mein Freund, zwanzig Großbarren goldgepresstes Latinum! Eine kleine Belohnung für den großen Spaß, den du mir bereitet hast!” Zu Quarks Füßen erschien ein gläserner Tresorcontainer, in dem die Latinumbarren ihr eigenartiges Gleißen versprühten. „Dafür, mein lieber Freund, erbitte ich mir jedoch auch noch einen Drink aus deiner sorgsam gehüteten Privatreserve von Scotti’s Original Terra Malt Whiskey!“
Quark hatte beim Anblick dieser ungeheuren Menge Latinums schnell seine verlorene Fassung wiedergewonnen. Wenn es um Profit geht, kann einen Ferengi so schnell nichts vom Wege der Vernunft, sprich, des Geldverdienens abbringen.
„Zu gütig, Freund Q!” Quark sprang behände vom Tresen, ergriff eilig den Tresorcontainer und schleppte ihn mit sichtlicher Mühe in die relative Sicherheit der Personalzone, wobei er seinen Bruder, der ihm wohlmeinend nach Ferengiart zur Hand gehen wollte, barsch bei Seite stieß. Dann öffnete er, mit einer Hand seinen neu gewonnenen Schatz dabei festhaltend, seinen privaten Getränkekasten.
„Bitte, bedient Euch, Q, hier ist sie! Es ist die vorletzte Flasche von Scotti’s Original Terra Malt Whiskey, ich gebe sie Euch als meinem Freund gern, obwohl sie mit Latinum eigentlich nicht zu bezahlen ist!”
Q ergriff die Flasche wortlos, blickte prüfend auf das Etikett, öffnete sie und goß den sündhaft teuren Alkohol einfach so in die Luft.
Quark wollte gerade hinzuspringen, um diesen unvorstellbaren Frevel an einem so gewinnträchtigen Handelsgut wie diesem Whisky zu verhindern, als einfach aus dem Nichts heraus ein schweres Whiskyglas materialisierte und die wie stumpfes Gold schimmernde Flüssigkeit aufnahm.
„Ah, zu etwas ist der unzureichende Verstand der Menschen doch gut gewesen!” Q genoß den Inhalt des Glases offensichtlich mit höchster Befriedigung. „Ich habe selbst in den allerbesten Gegenden dieses Universum selten etwas Besseres kredenzt bekommen.”
 
Dr. Julian Bashir, offiziell zuständig für die gesundheitliche Versorgung aller Lebewesen auf DS9, kümmerte sich gerade auf eine recht unmedizinische Weise um eine junge Krankenschwester des vor einigen Tagen angekommenen Hospitalschiffes, als Q im wahrsten Sinne des Wortes mit Blitz und Donner in seinem Quartier erschien. Ein ganz, ganz leichter Schwefelgeruch schien sich in dem nur spärlich erleuchteten Raum auszubreiten und veranlaßte den total überraschten Arzt, bei dem so überraschend erschienen Q nach Anzeichen von Hörnern oder eines Bocksfußes zu suchen.
„Nein, mein lieber Freund, ich bin nicht der Leibhaftige, obwohl er Euch auf seinen Listen bereits im vorderen Drittel eingereiht haben dürfte!” Er machte ein paar Schritte auf die beiden Menschen auf dem breiten Bett zu und lachte spöttisch auf, als die junge Frau recht erfolglos versuchte, ihre Blößen zu verdecken.
„Haltet ruhig ein, schöne Jungfer, wenn ihr ins Nichts geht wird euch weniger bleiben als das, was ihr jetzt noch so freigiebig zu zeigen habt! Und Euch, Arzt und Frauenfreund, euch gilt mein Mitleid ebenso! Gäbe es doch nur noch ein wenig Zeit, welch herrliche Frauen könnt ich Euch zuführen. Bedenket nur, Ihr hattest nie die hohe Gnade, Ivra die Herrin der Leidenschaft zu treffen; ein paar Stunden vielleicht mit den Priesterinnen des Circels von Ijote zu verbringen; die frivole Gunst der Flammenden von Tehn zu genießen ......”
Julian gelang es nun endlich, sich aus dieser seltsamen Erstarrung zu befreien, die ihn seit dem Erscheinen Q’s befallen zu haben schien. Wie aus einem tiefen Schlaf erwachend blickte er sich im Raum um und versuchte Anzeichen zu entdecken, die ihm signalisieren könnten, daß er nur einen irrealen Traum durchlebte. Doch dem schien nicht so zu sein.
Alles war so normal, wie es nur sein konnte; nur Q, der jetzt mit spöttischem Grinsen an das Bett herangetreten war und gedankenverloren begann, der jungen Frau, die immer noch wie versteinert schien, über das lange, sanft um ihre entblößten Schultern fallende Haar zu streicheln, gehörte hier einfach nicht hin.
Doch bevor Julian sich soweit gefangen hatte, um sich verbal empören zu können, hatte Q bereits wieder begonnen, seinen Monolog fortzuführen.
„Ich will also, wie gesagt, nicht weiter stören, will nur Abschied nehmen und dir einen letzten Genuß in dieser, deiner armseligen Existenz vergönnen. Oder willst du etwa nur mit dieser, zugegeben nicht ganz unattraktiven Maid gemeinsam Deine Existenz beenden?”
Q’s Blick streifte bei seinen Worten geringschätzig die eigentlich recht hübsche Frau neben Julian.
Ohne auf eine Antwort zu warten faßte er ihre Hände, zog sie vom Bett hoch, versetzte ihr einen recht derben Schlag aufs Gesäß und wies mit eleganter Geste auf einen der Sessel, die im Raum verteilt waren.
„Teuerste, nehmen sie Platz, und erleben sie Q’s Wunder der letzten Stunden!”
Ein unwirkliches Licht umspielte seine Gestalt, plötzlich stand er in ein blutrotes Cape gehüllt da und neben ihm erschien aus dem Nichts heraus eine der schönsten Frauen, die Julian je gesehen hatte.
„Darf ich vorstellen; Ivra, die Leidenschaftliche, Buhlpriesterin von Seron IV, Königin aller Seronbewohner!”
Während die Frau sich mit lasziver Bewegung auf dem nächsten Sessel niederließ, konnte Julian seinen Blick nicht von ihr wenden. Goldfarbene Augen strahlten aus einem ovalen Gesicht, blutrote Lippen schienen all die Sünden dieses Universums zu versprechen und ein Schimmer wie von blauem Sternenlicht lag auf der Haut ihres makellosen Körpers, der von den ihn umwehenden Schleiern mehr entblößt als verhüllt wurde. Schon erschienen drei neue Gestalten und wieder stellte Q sie formvollendet vor.
„Und dies sind sie, die drei wahrhaft lüsternen Priesterinnen des Circels von Ijote, hier und jetzt nur dazu da, dir unvergeßliche Freuden zu bereiten! Und in wenigen Sekunden wird sie erscheinen, die Flammende von Tehn, sie, für deren geringste Gunstbeweise nicht wenige Männer ihr Leben gaben! Nimm sie, nimm sie alle, sie gehören allesamt Dir, Julian Frauenfreund, nimm sie, denn auch sie wollen dich!”
Julians Gedanken wirbelten in einem irrsinnigen Reigen durch seinen Kopf und ließen ihm keine Chance, die Situation auch nur annähernd unter Kontrolle zu bekommen.
Er starrte nur noch diese begehrenswerten Frauen an, die seine, bis vor wenigen Minuten noch einzige momentane Liebschaft auf DS9, einfach in ihre Mitte genommen hatten und sich ihm nun gemeinsam näherten.
Wie gelähmt saß er da, als Ivra ihre Schleier wie unabsichtlich zu Boden fallen ließ und sich als erste neben ihm niederließ.
„Nun denn, Julian Frauenfreund, genieße, genieße bis zum ach so süßen, bitteren Ende, ja, bis zum Ende ......!”
Mit diesen Worten verschwand Q ebenso bombastisch, wie er erschienen war und ließ einen sprachlosen Julian Bashir im Kreise seiner neuen und alten Gespielinnen zurück.
 
“Mister LaForge, ich wünsche dringend eine Erklärung für die seltsamen Vorgänge während der gerade beendeten Flugphase!” Captain Picards Stimme hatte jenen seltenen offiziellen Unterton, der allen Besatzungsmitgliedern ganz unzweifelhaft signalisierte, wie dringlich nun seine Anfrage war.
“Wir haben ab Koordinatenpunkt Dinol für exakt 7,274 Sekunden keine Verbindung mehr zur Basis Dinol gehabt. Während dieser Zeit wurde die Enterprise von einem nicht näher zu identifizierenden Energiefeld durchdrungen, daß im Warpaggregat zu einer temporären, nicht genau meßbaren, jedoch erheblichen Änderung der universellen Liberationskonstante führte. Schäden sind dabei offensichtlich jedoch keine entstanden:”
Geordis Hände manipulierten während seiner Worte unablässig mit den Abfragesensoren seines Steuerpultes, mit dessen Hilfe er jederzeit vollste Information über den technischen Zustand des Schiffes erlangen konnte.
„Captain, soeben sehe ich, daß es doch eine nicht unerhebliche Auswirkung gegeben hat! Wir haben durch diese Manipulation unseres Warpaggregates eine weitaus größere Strecke als es geplant war zurückgelegt!”
Picard starrte ungläubig auf die Werteskala, die ihm jetzt von Geordi auf den Hauptschirm projiziert wurde. Die letzte Etappe ihres Fluges hatte eigentlich die  Starbase 163 zum Ziel. Dort sollte die Enterprise ihre Energie- und Dilithiumvorräte bis zum alleräußersten Maximum auffüllen, um dann anschließend in den extragalaktischen Leerraum vorzudringen.
Dort, weit draußen in der Einöde zwischen den Galaxien hatte eine Gruppe von freien Trillwissenschaftlern ein Objekt geortet, dessen Struktur völlig unbekannt zu sein schien.
Jetzt sah es so aus, als habe die Enterprise ohne merklichen Energieverbrauch die gesamte Strecke bis zu dieser Struktur tief im extragalaktischen Leerraum zurückgelegt, die selbst für die schnellsten Kurierschiffe eine mehrwöchige Reise mit Warpgeschwindigkeit bedeutet hätte.
Der Hauptschirm zeigte neben den von Geordi ermittelten Kurswerten und Geschwindigkeitswerten ein sich langsam stabilisierendes Bild von noch nie gesehener Fremdartigkeit. Um eine riesige, in etwa einem Kristall ähnelnde Struktur kreisten in absurdesten Bahnen pulsierende Körper, deren genaue Form und Beschaffenheit selbst von den hochqualifizierten Ortungsgeräten der Enterprise nicht ermittelt und dargestellt werden konnten.
Der Kristall selbst strahlte ein Licht aus, dessen richtige Farbe weder von den Instrumenten noch von menschlichen Augen genau definiert werden konnte. Eine ganz seltsame Ruhe durchströmte Jean-Luc Picard, ein Gefühl der Wärme und Zufriedenheit erfüllte ihn so übermächtig, daß ihm unwillkürlich die Tränen kamen.
In diesem Moment trat aus dem Nichts heraus eine gebeugte Gestalt an seine Seite. Q, in ein zerschlissenes tibetisches Mönchsgewand gekleidet, hatte sich offensichtlich wohl mal wieder die Freiheit genommen, die Enterprise mit seinem Besuch zu beehren.
„Wundervoll, Jean-Luc, nicht wahr? Es ist von einer solch erhabenen Schönheit, daß ich es Euch einfach nicht antun konnte, von dieser Weltbühne abtreten zu müssen, ohne daß Ihr seinen Anblick genossen habt!”
Mit tränennassen Wangen wandte Picard sich dem unerwarteten Besucher zu, ergriff gerührt und voller Dankbarkeit dessen rechte Hand mit beiden Händen.
„Es ..... es ist  ....... wirklich wundervoll! Danke, danke, daß wir seine Schönheit noch erleben dürfen! Das dort draußen ist die Erfüllung unseres Lebens!”
„Ja, mein Freund, wie wahr ihr sprecht! Euch hätte das Schicksal noch auf der Starbase ereilt. Ohne den Trost dieses Anblicks hättet ihr ins Nichts gehen müssen!”
In diesem Moment trat der zweite Offizier zu der etwas seltsam anmutenden Zweiergruppe, die Jean-Luc Picard und Q bildeten.
„Verzeihen sie meine Einmischung, aber wir werden soeben von den Vorläufern einer Gravitationsschockwellenfront erreicht, die uns in genau in 6 Stunden, 7 Minuten und jetzt genau 11 Sekunden erreichen wird. Diese Schockwellenfront wird nach exakt 22 Sekunden die Schirme der Enterprise überwinden und zur Zerstörung des Schiffes führen!”
„Mister Data, stören sie bitte nicht unsere Ruhe. Ich weiß, daß sie es nicht nachempfinden können, welche Gefühle ein Menschen haben kann.”
„Aber Captain, dieses Ereignis wird die physische Existenz sowohl dieses Schiffes, als auch die seiner Besatzung unabwendbar beenden! Ich arbeite jedoch bereits an einer Strategie, um diesen Umstand abwenden zu können.”
„Ich bitte Sie, Mister Data, belästigen Sie mich nicht mit solchen Nichtigkeiten! Tun Sie, was Sie für richtig halten und lassen Sie mich in Ruhe!”
Souverän lächelnd befreite Q seine Hand aus Picard’s herzlicher Umklammerung, legte seinen Arm um Data’s Schulter und führte ihn von dem bereits wieder in den Anblick des Hauptschirmes versunkenen Captain weg.
„Mein treuer Androide, ihr versteht es nicht, Euch richtig zu verhalten. Schockwellenfront, pah, was soll das denn! 6 Stunden, 7 Minuten und ......”
„Jetzt nur noch 6 Stunden, 4 Minuten und ....”
„Egal, in weniger als 5 Minuten bereits ist Euer ganzes Kontinuum Vergangenheit, vergessen und von dieser Weltbühne verschwunden, als hätte es nie existiert! Doch wartet, da fällt mir etwas ein, auch Euch kann über diesen Umstand hinweg geholfen werden! Seht her, ich dies Kleinod soll Euch die Erfüllung sein!”
Eine schnelle Drehung von Q’s freier Hand, ein kurzes Aufglühen blauen Feuers und in ihr erschien ein vielflächiger, ganz seltsam verschlungener Körper, dessen Flächen und Kanten in sich selbst zurück zu laufen schienen.
„Was soll......, oh, ich erkenne es! Es ist wohl der Versuch einen so genannten Multi - Dimens -Körper darzustellen, ein n-dimensionales Gebilde, dessen korrekte theoretische Beschreibung selbst dem Physiker Puras niemals gelungen ist.”
Data fing den seltsamen Körper auf, der nun aus Q’s Hand einfach so in seine Richtung schwebte. Seine Finger erkundeten ihn sehr gründlich und ganz plötzlich erschien das erste Glied seines Zeigefingers, daß er der Krümmung einer Seitenfläche folgend hinein ins Innere des Gebildes gesteckt hatte in einem absurden Winkel wieder aus einer anderen Öffnung.
„Aber Sir, dies ist nicht ein Versuch, nein, es ist wirklich ein echter Puraskörper. Ein eigentlich unmöglicher Fakt, einen solchen Körper in unserer Dimension zu stabilisieren! Bitte, verzeihen Sie mir, Q, aber ich muß mich jetzt einfach intensiver damit befassen, wie nur dieses Phänomen existieren kann!”
Q sah ihm sanft lächelnd nach, wie er in die Ergründung seines neuen n-dimensionalen Schatzes vertieft davon ging.
„Hört Freunde, das absolute Ende ist nun da! Ich werde Euch begleiten als der multiple Q, der ich bin, die Idee des Universums Eurer Art schlechthin! Nun denn, so sei meine wahre Anwesenheit hier und überall! Das letzte Finale kann nun beginnen, denn seht, der Vorhang ist bereit zu fallen!”
Q’s Gestalt schien sich jetzt in mehrere Schattenbilder seiner selbst zu teilen, die sich in alle Richtungen verflüchtigten. Eine seltsames Zittern schien zuerst die Enterprise und dann auch das gesamte Universum zu erfassen, die Konturen der in den Anblick der vor dem Schiff schwebenden Struktur versunkenen Offiziere schienen zu verschwimmen und während Q nun laut eine uralte indische Mantra zitierend Picard, Riker und Troi in einem wilden Reigen umtanzte, löste sich alles in Nichts auf ........
 
Julian kniete vor der Buhlpriesterin Ivra und bot ihr von den echten irdischen Trauben an, die er für eine Unsumme Latinum bei Quark erstanden hatte, als Q ihm wieder erschien und sich respektlos von dem edlen Obst bediente.
„Ahh, ein Kenner wählte diese Gabe! Fürwahr, Julian Frauenfreund, ihr seid der geborene Diener einer schönen Frau, katzbuckelnd werbt ihr um die Gunst der Maid, scheut nicht die Erniedrigung und seid sogar bereit auf die Knie zu sinken für ein dankendes, wenn auch nur geringschätziges Lächeln.”
Julian sah erschrocken auf als Q ihn ansprach.
„Was sucht ihr schon wieder hier, ihr Heuchler! Erst halst ihr mir diese Weiber auf, die nur befehlen und fordern können und dann macht ihr euch noch lustig über mich! Macht dem Spuk ein Ende, und zwar sofort!”
„Aber gern! Ihr habt eh nur noch ein paar Sekunden in diesem Universum!” Q hob die Hand und die von ihm herbeigebrachten Frauen erstarrten mitten in ihren Bewegungen. „Nun denn, genug des Possenspiels. Ein letzter Kuß für den Helden und der Vorhang fällt!”
Ungestüm warf sich Ivra Julian in dessen unwillkürlich geöffnete Arme und küsste ihn, als gelte es, zu beweisen, daß sie die Frau aller Frauen sei. In diesem Moment schien sich ein Nebel über die Szene zu legen. Die Konturen verschwammen und Julian löste sich nebst seiner Gespielinnen und der gesamten Kabine in Nichts auf ......
 
„Einhunderteinundvierzig Barren, einhundertzweiundvierzig Barren, einhun ....”
„Oh, Quark, ihr seid noch nicht fertig mit dem Zählen Eures neuen Schatzes? Das ist sehr schade, denn die Zeit des süßen Handels ist nun um, die große Rechnung ist geschrieben, nun gehts ans begleichen!”
Quark starrte Q aus gierigen Augen an und umklammerte dabei seinen Besitz mit festem Griff.
„Was wollt ihr noch, ihr habt Euer Getränk bekommen! Nun denn, das nächste Glas will ich Euch, aber nur um unserer alten Freundschaft willen, für nur 150 Großbarren goldgepressten Latinums lassen! Doch nun stört mich nicht, ich habe zu tun!”
„Wohl denn, kleiner Händler mit dem großen Herzen für alle seine Kunden, viel Glück auf der Reise ins Nichts .... und gute Geschäfte!”
Quarks Hände, die fest auf seinen Latinumbarren lagen, verschwammen vor seinen Augen. Alles wurde seltsam durchsichtig und mit einem allerletzten Gedanken an Profit lösten sich sowohl die Barren als auch ihr habgieriger Besitzer in das auf, was ein richtiger Ferengi wohl am meisten haßt; in Nichts .......
 
Voller Unbehagen und doch fasziniert von dem bedrohlichen Anblick starrte die Besatzung der Ops auf das Bild des Wurmlochs. Seit langen Minuten schon wirbelte dieser Mahlstrom unbegreiflicher Energien heftiger als je zuvor.
Eine unwirkliche Schwärze, scheinbar dunkler noch als das Nichts des Leerraums erfüllte den inneren Bereich des Wirbels und lange Finger aus ebendieser Schwärze schienen nach der so winzigen Raumstation zu greifen.
„Da bin ich nun zurück, geliebte Gefährten des allerletzten Moments! Es ist soweit, das Ende, es ist da; das Spiel gespielt, der letzte Akt harrt nur noch der Vollendung! Nun denn, auf ihr Gefährten des letzten Weges, seid nicht gram dem Q, der Euch um Geringes nur Voraus! Kaum das ihr gegangen seid ins Nicht, auch meine Existenz verweht!”
Q schwang sich behände auf das Pult vor dem großen Sichtschirm, hob beschwörend beide Arme und ein unirdisches Leuchten erfüllte die Ops.
„Benji, sei nicht traurig, alles muß einmal enden, auch du, Odo, vergeh mit einem Lächeln auf deinem falschen Gesicht. Und ihr, Jadzia Dax, seid mutig, auch wenn ihr nun beide vergeht!”
Fassungslos starrten alle Anwesenden auf Q, der nun plötzlich draußen im Weltall zu schweben schien und durch dessen weites Cape man deutlich die farbigen Protuberanzen des Wurmlochs sehen konnte.
„Dieser Irre!” Ben Sisko schüttelte verwirrt den Kopf und wollte sich schon wieder den Kontrollen zuwenden, als das Wurmloch zu explodieren schien. Eine unbegreifliche Schwärze erfüllte in Sekundenbruchteilen den ganzen Sichtschirm, auf dem jetzt nur noch Q’s imposante Gestalt zu sehen war:
„Das Spiel, es ist nun aus, der Vorhang, der letzte wohlgemerkt, er fällt,
dunkel wird jetzt dieses Haus, der Spaß ist von nun an uns vergällt!
Wohlan, für mich wird’s langsam Zeit von Euch zu gehen,
ich hoff, ihr konntet meinen Beweggrund wohl verstehen!”
Mit dem Donnerhall von Q’s Worten durchdrang die Schwärze des Nichts die ganze Ops und löschte alle Existenz für immer aus. Das Universum selbst verging in diesem Nichts, allein nur eine einsame Gestalt, sie schwebte noch in der Unendlichkeit.
„Nun denn, höret her! Ich war der Q, ich hab mein Werk getan und hoffe nun, ....
 
„..... daß ich den Patienten von seiner Manie befreien konnte. Sie wissen, werte Kollegen, dieser junge Mann war der letzte der so genannten STARTREK Fans in unserer zivilisierten Welt. Mit Fug und Recht glaube ich nun aber sagen zu können, daß er endlich geheilt ist.”
Beifälliger Applaus kam von den anwesenden Ärzten im Behandlungsraum. Alle scharrten sich um Dr. Brinkhoff und seinen Patienten. Lange schon hatten sie auf diesen Durchbruch gehofft, um die infektiöse STARTREK Manie ein für alle Male auszurotten.
„Lieber Kollege Brinkhoff, mit ihrer Theorie No.1 ist es Ihnen gelungen, Millionen von Eltern von einem schier unerträglichen Joch zu befreien! Im Namen der anwesenden Kollegen, ja der ganzen medizinischen Fachwelt, wenn nicht sogar der ganzen Weltbevölkerung spreche ich Ihnen Dank aus. Und, lieber Kollege, ich gehe davon aus, daß Ihnen der nächste Nobelpreis sicher ist!”
Dr. Brinkhoff verbeugte sich dankend vor den Anwesenden und wandte sich dann wieder seinem Patienten zu, der mit glückseligem Lächeln auf der Couch lag.
Niemand bemerkte das Blitzen in Dr. Brinkhoffs Augen, als er mit den Fingern schnippte und unhörbar dazu murmelte: “Aufgepaßt, STARWARSler, jetzt seid ihr dran .......!” 
 
ENDE .... ? 

Diese Geschichte ist eine von vier Kurzgeschichten um die Figur des "Q" im StarTrek-Universum, die eventuell auch einmal als "Q hoch 4" in Buchform erscheinen sollen.
Sie ist eine etwas abstruse "Endzeitgeschichte" mit einem für Star Trek Storys doch recht ungewöhnlichem Ende.

Eine Kurzgeschichte um spezielle Computeranwender von Tilman Frank erscheint am 21.November 2005 in
"DIE DÜMMSTEN ANWENDER DEUTSCHLANDS"
Lerato-Verlag / Herausgeber: Gärtner/Auer/Mothe
Illustrationen: Tobias Thies / www.tobiasthies.de
Paperback - ca.170 Seiten - ca. 25 Illustrationen
ISBN: 3-938882-04-02
Preis: 9,95 Euro
Tilman Frank (+), Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.10.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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