Wilhelm Fink

- - mit Übernachtung in Regensburg

 
Auf der Welt zu sein, zum Beispiel - - mit Übernachtung in Regensburg

Auf der Welt zu sein z.B. mit Übernachtung in Regensburg, in der Hemdtasche ein gefalteter Zettel, die Daten der Rückfahrt. Wie das Leinen knallt, als das Laken auf die Couch schlägt, weiß die gestärkte Fläche, eine Frische, auf die man sich erst aus-, dann einrollt, die Beine anziehen, Wärme suchen und sich selbst, -  in der Fremde. Seinen ersten Schrei tun, zum Beispiel mit Havel-Blick, und keiner weiß, woher man kam, die Elstern drücken sich ans Fenster, um die Goldhaube auf dem Mädchen zu sehen, oder ist es kein Sonntagskind, spöttische Vogelblicke, immer diese Zufallshüte der Menschen, die in die Welt fallen wie aus der Lotterietrommel oder hier ins Haus Carl-Maria von Weber-Straße Nr. 8, guten Morgen, Herr Doktor! Keine Diele knarrt, aber draußen die Reichsstadt macht ein ganz altes Gesicht.  Hölderlin war hier! Das Oktoberlicht gibt den Rissen der Mauern einen Schimmer. Da zieht Leuchten ins Herz. Du bist mit einem Bein im Erwachsenenleben, innen ganz unpoliert, Wildreis. Eein Rohr, das im Wasser wurzelt und oben dem Wechsel des Lichts folgt. Angestrahlt werden, wer möchte das nicht?  Sonnen- und Menschenleuchten beim Stadtgang, wenn die Schattenstunden und die Gesichter länger werden. Abschied legt sich zwischen euch, die Hand folgt der Fuge des Steines, kalt, -  du selbst eine Lücke. Löcher der Welt, der man abhanden kommen kann, wenn man sich selbst verläßt und der Freundin erst das Ohr leiht und dann den Mund hinhält, weil der Zug einfährt, der das Liebste fortbringt. Immer wieder werden die Felder geerntet, immer wieder gehen wir abends unter den Himmel, der als dunkle Decke näher kommt. Ach, Puck! Laß dir doch eine neue Haut aufziehen, nesselfrei, im Duft knirschfrischer Wäsche. So biegst du, hemdgestärkt, eine nesselfreie Undine, der Rand kniffglatt, um die Ecke! Dein Auge blitzt, du schwenkst deine Aufmerksamkeit in die Runde, - sie haben dir den Tisch gedeckt und das Lager bereitet, dir zur Liebe, die letzte Nacht. Altes böhmisches Leinen, die Ausstattungstruhe stand an der Moldau im schrägen Haus, wo unten im Fluß am Grunde die Steine mitwandern, sie  zeigen, was Beweglichkeit ist unter erschwerten Bedingungen, - eine jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, und wenn du nun das Feld betrittst, wo du noch nie gewesen bist, erstaunt dich die schwingende Resonanz des Bodens, der dich trägt, der dir Antwort gibt,  du voran und hinüber aufs Ziel zu, wach im Glück zu sein, wer dich drüben umschließt.
Wilhelm Fink

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.10.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Die Autorin versteht es, mit Worten Stimmungsbilder zu malen und den Leser an der eigenen Begeisterung am Land zwischen Meer und Bodden teilhaben zu lassen. In ihren mit liebevoller Hand niedergeschriebenen Gedichten und Geschichten kommen auch Ahrenshooper Impressionen nicht zu kurz. Bereits nach wenigen Seiten glaubt man, den kühlen Seewind selbst wahrzunehmen, das Rauschen der Wellen zu hören, Salzkristalle auf der Zunge zu schmecken und den feuchten Sand unter den Füßen zu spüren. Visuell laden auch die Fotografien der Autorin zu einer Fantasiereise ein, wecken Sehnsucht nach einem Urlaub am Meer oder lassen voller Wehmut an vergangene Urlaubstage zurückdenken.

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