Sebastian Müller

Tagträume

 
Eine Bank an der Klippe. Das Meer rauscht an diesen und trägt den salzigen Geruch der offenen See mit sich. Der Wind singt ein Lied, dass eine Geschichte erzählt, die schon längst vergangen ist. Die Sterne leuchten am Firmament und der Mond breitet sein Scheinen über die Landschaft. Mysteriöse und wunderschöne Schatten zugleich entstehen. Einsam sitzt ein Junge auf der Bank. Seine Haare sind schwarz wie die Nacht und zu einer eigenartigen Frisur geschnitten. Die Hände hat er unter den Mantel vergraben, der ihm bis zu den Knöcheln geht. Seine Füße sind von schweren Stiefeln geschützt. Wäre nicht der Mond, der die Bank und somit auch den Jungen beschien, so könnte man ihn nicht sehen, denn seine Kleidung war komplett schwarz.
Ein Seufzen kam über seine Lippen und man konnte seine Schultern zittern sehen. Schon lange saß er hier und dachte einfach nur nach. Er dachte an die Zukunft, an die Vergangenheit und an ein Mädchen, dass er interessant fand und für das er Liebe empfand, die ihm schon fasst das Herz zerfraß. Sehen konnte er sie nicht, denn es waren Ferien und er wusste nichts von ihr.
Mit einem Zettel in der Hand kam seine Hand unter dem Mantel hervor. Geschickt entfaltete er diesen und las ihn. Die Buchstaben waren klar, denn sie waren mit dem Computer getippt und doch war dieser Brief so persönlich, dass man es schon spüren konnte. Nur das untere Ende wurde von seiner Schrift geziert. Ein Name war es und eine Zahlenabfolge, die eine Handynummer war. Mit einem verträumten Lächeln ließ er den Brief verschwinden und blickte dann zum Mond hinauf.
Eine Gestalt, die so zierlich war, dass das Mondlicht sie nicht zu berühren schien, näherte sich von hinten. Vorsichtig blickte sie zu der Bank und erkannte dort den Jungen. Ihr blondes Haar, das zu einem Pferdeschwanz gebunden war, leuchtete golden im Mondlicht. Die zierliche Gestalt wurde nur von einem schwarzen Pullover und einer Hose geschützt, die nicht dick schien und doch Wärme gab. Langsam näherte sie sich der Bank und folgte dem Blick des Jungen. Ihre Augen schienen leer und trotzdem schien man bis zu ihrer Seele hindurch sehen zu können.
Erschrocken fuhr der Junge zusammen und sprang auf, als er die Anwesenheit einer anderen Person spürte. Gut einen Kopf größer war er. Seine Augen sahen die Gestalt erschrocken an und doch konnte man keine Angst in ihnen sehen, denn er schien noch immer in seinen Träumen gefangen zu sein.
"Arlina?" Fragte er überrascht und glaubte, noch immer zu träumen. Der Wind griff in seinen Mantel und ließ ihn wehen, sodass es erschien, als wenn er Flügel besäße und mit diesen gleich in die Lüfte steigen wollte. Das Mädchen sah hinauf und ihm in die Augen.
"Ja?" Gab sie zur Antwort und ihre Blicke trafen sich, wie schon so oft in der Schule. Auch in diesem Moment musste der Junge vorsichtig sein, sich nicht in den traurigen Augen zu verlieren die so groß und wunderschön waren.
"Was suchst du zu dieser späten Stunde noch hier?"
"Ich mache nur meinen Abendspaziergang." Gab sie barsch zur Antwort, denn sie schien den Jungen noch nicht erkannt zu haben und war deshalb etwas abweisend. Plötzlich kam ihr in den Sinn, wer da vor ihr stand.
"Sian." Hauchte sie leise und ein leichtes, erfreutes Lächeln trat auf ihre Lippen. Sian erwiderte dieses Lächeln, denn wie lange hatte er schon davon geträumt, sie in den Ferien allein zu treffen. Wieder einmal stieg Schüchternheit in ihm auf und er wusste nicht, was er sagen sollte.
„Ich hätte dich nicht hier erwartet.“ Sagte der Junge und man konnte die Wahrheit aus den Worten hören. Arlina sah ihn an und das Lächeln wurde mehr.
„Ich dich auch nicht.“ Gab sie zu. Nervös spielte Sian mit dem Zettel, den er in der Innentasche seines Mantels trug. Dieser Brief war für sie bestimmt, doch wusste er nicht, ob er ihn ihr geben sollte oder nicht und wenn, dann wusste er nicht wann. Ihre Reaktion konnte er nicht voraus sehen und zögerte deshalb, doch sagte er sich dann, dass dies der passende Moment war und holte dennoch zaghaft den Brief aus der Tasche.
„Das ist für dich.“ Stotterte er und hielt ihr das Stück Papier hin, das schon einige Knicke aufwies. Mit abschätzendem Blick sah sie das Papier an und nahm es dann in die Hand.
„Was ist das?“ Fragte sie unsicher und schaute auf zu ihm, doch er gab ihr keine Antwort. Vorsichtig entfaltete sie den Brief und hielt ihn gegen das Mondlicht, sodass sie die Schrift lesen konnte. Ihr Gesicht sagte nichts aus, nur ihre Augen verrieten, dass sie den Brief auch las. Ihre Hand begann leicht zu zittern und Sian schien es so, als wenn er etwas glitzern sehen konnte in ihren Augen.
„Ist dir kalt?“ Fragte er besorgt, auch wenn er wusste, woher das Zittern kam, doch konnte er es nicht glauben. Keine Antwort gab sie. Ihre Augen bewegten sich und fassten die Buchstaben auf, die diese Wörter bildeten, die ihr ganz tief in das Herz gingen. Etwas tropfte auf das Papier und hinterließ einen nassen Fleck. Sian schaute sie an und konnte den Blick nicht abwenden. Langsam schaute sie auf. Den Brief hielt sie fest in der Hand und ihre Augen wiesen noch mehr des Glitzerns auf.
„Das … das kommt von deiner Hand? Es ist … wunderschön. Solche Wort habe ich noch nie gelesen.“ Sagte sie schluchzend und der Brief entglitt ihrer Hand. Langsam tanze er in dem Wind davon. Einige Sekunden schauten sie sich an. Tränen liefen Arlina über das Gesicht. Sanft und doch zaghaft berührte Sian ihre Wange und strich die Tränen hinfort. Ohne ein Zucken sah sie ihn an und ließ sich die zärtliche Berührung gefallen.
„Du … du …“ Ihre Stimme war nur noch ein Krächzen. Noch immer sah sie ihn an. Das Zittern ging auf ihren Körper über. Sian nahm den Mantel von den Schultern und legte ihr diesen um. Ein Lächeln lag auf seinen Lippen, dass man noch nie vorher von ihm gesehen hatte. Als seine Hände auf ihre Schultern lagen, trat sie einen Schritt nach vorn und schmiegten sich an ihn. Verdutzt sah er sie an, ließ sie jedoch gewähren. Sie schien immer noch zu weinen, denn er konnte etwas Nasses spüren, das auf Höhe ihrer Augen lag. Die Hand legte er auf ihren Kopf.
„Ist schon gut.“ Sagte er sanft und beruhigend. Seine Stimme war zärtlich und liebevoll. Ein Traum wurde für ihn wahr. Sie bewegte ihren Kopf und sah auf zu ihm. In ihren Augen lag Glück und doch weinte sie. Ihr Mund war von einem Lächeln geziert, dass nicht zu der Arlina passte, die Sian kannte und doch fand er dieses wunderschön, denn es war das, was er wollte.
„Ich liebe dich auch.“ Hauchte sie und schmiegte sich noch enger an ihn. Ihre Wärme genoss er, denn es war etwas, dass er sich schon lange erhoffte. Ihr Kinn lag auf seiner Brust und sie schaute auf zu ihm. Sein Herz schlug hart gegen diese, sodass er Angst hatte, sie könnte dies spüren, doch war es nicht das, was das verliebt sein ausmachte? Langsam beugte er sich hinunter und eine Hand umfasste ihre Wange, deren Haut zart und warm war. Ihre Lippen kamen sich näher und berührten sich dann kurz. Es war das erste Mal für ihn, dass er ein Mädchen küsste. Wieder berührten sie sich und hielten diesmal in diesem stand. Die Sekunden schienen ewig und er genoss alles an ihr. Sein Traum war nun endlich Wirklichkeit!

Das Tagträume bezieht sich nicht auf die Geschichte, sondern auf mich und meine Tagträume.Sebastian Müller, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.10.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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