Ricky Sinclair

Auszug aus meinem Buch...

Das hier ist ein Auszug aus meinem Buch, das ich zurzeit schreibe. Leider traue ich mich nicht, es mal an einen Verlag zu senden. Meine beste Freundin findet die Szene ziemlich heftig, aber sie drückt das aus, was ich fühle...
 
Glory ließ sich nicht beirren und fuhr die erste Straße, dort wo Helga – Rickys Lieblingstante – wohnte, hoch und befahl seiner Frau, in die Seitenstraßen und Hofeinfahrten zu schauen, ob sie die Trikes ausmachen konnte. Doch Glory selbst hatte das Glück auf seiner Seite.

„Hier! Ich hab sie!“ rief er erfreut. Er bremste seinen Wagen und bog nach links ab. Dann setzte der Fahrer seinen Wagen vorsichtig über die gefährliche Stufe der Einfahrt und stellte den Pick-up hinter die beiden Trikes. Kurz darauf stiegen sie langsam aus dem Wagen und drückten die Türen leise zu. Die Vier bewegten sich auf den Eingang des Neubaus zu und stoppten abrupt ihren Gang, als hinter ihnen Lichter aufflammten und ein Motor aufheulte, der kurz darauf erstarb. Sie hörten eine Tür schlagen und Schritte auf sich zukommen.

„Kann ich Ihnen weiterhelfen?“ fragte der junge Mann, der seiner Haut mit dem Sonnenstudio nachgeholfen hatte. So sah es aus. Doch Glory sah genauer hin und stellte fest, dass er naturgebräunt war. Aus dem sonnigen, warmen Süden, schwärmte Glory träumerisch in Gedanken.

„Wir möchten zu Ricky. Wir sind ihre Eltern.“ sagte Charly und sah dem jungen Mann in die strahlend blauen Augen, die im krassen Kontrast zu seinen schwarzen Haaren und dem dunklen Teint[1] standen.

„Komisch, mir hat Ricky erzählt, dass sie keine Eltern mehr habe.“ Der junge Mann zuckte mit den Schultern und ließ es im Raume stehen.

„Was?“ fragte ihre Mutter nach. „Charly, warum erzählt sie denn so was?“ wandte sie sich weinend an ihren Mann, der sie tröstete.

„Hey, ich weiß ja nicht, was hier los ist. Aber ich kann Sie gerne zu Ricky hochbringen.“ bot der junge Mann mitfühlend an. Er schloss die Haustür auf und hielt sie für die zwei Paare auf. Dann drückte er bei dem Fahrstuhl auf den Knopf und hielt auch hier die Tür auf, bis die vier eingestiegen waren. Dann stieg er dazu und betätigte die Taste mit der „1“. Die Türen schlossen sich und der Fahrstuhl stieg geräuschlos in die Höhe. Im ersten Stock rollten die Türflügel wieder auseinander und gaben den Weg frei. Die fünf Personen stiegen aus und standen vor der Tür von Rickys Wohnung. Die zwei Ehepaare suchten vergeblich nach einer Klingel, während der junge Mann den Klopfer betätigte, welcher aus einem beweglichen Totenkopf und einem dahinter festgeschraubten Pentagramm mit dem einzelnen Pfeil nach oben bestand. Also, stand Ricky mehr auf das Gute und nicht unbedingt das Böse. Auch wenn die Ausfüllung ihres Wohnzimmerschranks anderes vermuten ließ: Bücher über Schwarze und Weiße Magie, Zauberutensilien, Totenköpfe, massig Kerzen, Zutaten, Amulette, Töpfchen und vieles mehr.

Flavio betätigte den Klopfer.  Poch! Poch! Poch! …

Ricky sah verstört auf und wandte ihren Kopf der Wohnungstür zu.

„Willst du nicht nachsehen, wer das ist?“ fragte Rene.

„Ist ja schon gut.“ knurrte Ricky gereizt. Als sie aufstand, folgten ihr der Tscheche und der Pharao. Angel und Anubis rieben sich an ihren Beinen, als es Ricky zu dumm wurde, fast von ihren Hunden umgeworfen zu werden, erbarmte sie sich ihrer und begrüßte sie endlich. Zuerst der „tierische“ Rudelführer Angel und dann Anubis. Denn noch stand Angel an der Spitze – nach ihr wohlgemerkt. Und um Reibereien im Rudel zu vermeiden, hielt sie sich an deren Rangordnung. Als Spike das Begrüßungsritual bemerkte, sauste er sofort zu ihr hin und ließ sich ebenfalls von ihr knuddeln. Als das Ritual von ihr beendet war, erhob sich Ricky wieder und ging auf die Tür zu.

„Schon unterwegs!“ rief sie, um ein weiteres Klopfen zu vermeiden.

Spike, der Basenji, und Anubis, der Pharaohund, verzogen sich wieder ins Wohnzimmer zu Junior und den beiden Spaniern, die sie ebenfalls begrüßten. Nur Angel, der Tscheche, blieb an ihrer Seite und folgte ihr bis zur Tür. Sie öffnete die Sicherheitskette der Tür und zog sie ein Stück auf. Angel hockte im Rahmen der Verbindungstür zwischen Wohnzimmer und Diele. Ricky fiel vor Schreck aus allen Wolken und das sah man.

„Flavio …  Was soll das?“ fragte sie mehr sauer als erstaunt.

„Die Beiden hier behaupten, sie seien deine Eltern…“ Bei diesen Worten deutete Flavio auf Charly und Thea. „Ich dachte, du hättest keine Eltern mehr.“ Er sah von seiner Nachbarin auf die mitgebrachten Leute.

„Hab ich auch nicht!“ brüllte sie ihm entgegen. „Angel! Fass!“ erteilte sie dem Tschechen den Befehl, der sofort reagierte und sich knurrend wie auch zähnefletschend an die vier Leute vor der Tür heranpirschte. Den Kopf hatte er tief nach unten und vor die Vorderpfoten gedrückt. Die Nackenhaare hatten sich gestellt und er schlich mit lauerndem Blick näher.

Flavio wurde von dem Wolfshund nicht beachtet.

Gut, dass Ricky den Tschechen unter Kontrolle hatte, ansonsten wäre er die perfekte Waffe. Was Ricky manchmal wunderte, war, dass ihre Vierbeiner, vor allen anderen Angel, ihre Worte zu verstehen schien.

„Gehen Sie! Ich will Sie nicht mehr sehen. Ich will auch nichts mit Ihnen zu tun haben! Los, hauen Sie endlich ab!“ schrie Ricky.

„Weißt du noch, wie du dich immer gewundert hast, als du noch in Rheinbach gearbeitet hast? Natascha hat ihre Eltern immer gesiezt und du bist fast wahnsinnig geworden! Erinnerst du dich? Jetzt machst du es genauso wie sie.“ gab ihre Mutter sanft zu bedenken.

„Ich sieze Fremde grundsätzlich!“ widersprach Ricky gereizt. Als der Hund nahe genug an den vier Personen dran war, stoppte Ricky ihn mit einem „Pass auf!“. Angel hielt den Kopf schräg gesenkt und der Körper war in Angriffsstellung. Aus seinen Augen leuchtete das Weiße. Ein Kommando von dem Mädchen und er würde seinen Körper hoch wuchten und seine Zähne in die Körper der vier Leute schlagen.

„Ricky! Stop! Hast du sie noch alle?“ hörte sie da Rene rufen, der sich mit Mark hinter sie gestellt hatte und sie an der Schulter herumriss.

Auch die restlichen Vierbeiner waren mittlerweile bei ihr. Als Anubis und Spike Angels Angriffsstellung sahen, reagierten sie sofort und begaben sich in die gleiche Position. Ein Knurren erfüllte das ganze Haus.

„Du wirst ja wohl noch deine Mutter und deinen Vater erkennen?!?“ fragte Mark sie ungläubig und stand urplötzlich neben ihr. Junior bekam von Rene den Befehl, sich vor die vier Personen im Flur zu stellen, welchen er auch sofort in die Tat umsetzte. Der Wolf trabte vor die ihm fremden Menschen, sträubte sein Fell und fletschte die Zähne – allerdings in Richtung der Hunde. Er hielt die drei Rüden immer im Auge. Knurrlaute drangen tief aus seiner Kehle, die den Hunden Respekt einflößten.

Anubis und Spike zogen sich mit eingezogener Rute und angelegten Ohren hinter Ricky zurück, nur der Tscheche blieb am Ball und grollte Junior entgegen. Angel ließ die Menschen nicht aus den Augen, doch da war ja noch der Wolf. Dieser stand jetzt unmittelbar vor ihm und knurrte ihm entgegen. Da der Tscheche selbst noch zu großem Teil „aus Wolf bestand“, hatte er die gleich starken Instinkte wie Junior und ließ sich nicht so leicht von seinem Ziel abbringen. Er hatte nach wie vor die Menschen im Visier.

Junior behielt den Tschechen im Auge.

Rene stand neben Mark und sah sich die Szene genauer an.

„Ricky, warum reagierst du so?“ fragte Mark bei ihr nach.

„Ich habe keine Eltern und damit basta! Die Leute sollen aufhören, mich zu belästigen!“ beharrte Ricky und wandte sich ab. Sie ging ins Wohnzimmer zurück und hatte auch gleich die Gesellschaft von Spike und Anubis.

Flavio drückte sich derweil sowohl an den knurrenden Vierbeinern im Flur als auch an den beiden Jungs vorbei und ging zu Ricky ins Wohnzimmer. Er ließ sich auf der Couch nieder, wo zuvor noch Rene und Mark gesessen hatten.

Ricky saß mal wieder auf dem Boden, neben ihr lagen Spike und Anubis.

Der junge Sizilianer warf ihr über den Tisch einige besorgte Blicke zu und sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an.

„Ricky! Sind das da draußen wirklich nicht deine Eltern?“ fragte er.

„Vielleicht sind es meine Erzeuger, aber Eltern habe ich keine mehr.“ Ricky schaltete mal wieder auf stur – wie so oft. Typisch Widder!

„Aha, da kommen wir der Spur ja schon einen Schritt näher. Gut, es sind also deine „Erzeuger“, aber nicht deine Eltern. Wer sind dann deine Eltern?“ forschte er vorsichtig nach, um Licht ins Dunkel zu bringen.

„Ich hatte bis zu der Zeit, als ich 11 wurde und bei mir Asthma festgestellt worden ist, Eltern. Aber dann haben die ‘s vergeigt und seitdem sind sie für mich gestorben.“ erklärte Ricky.

„Was haben sie vergeigt?“ fragte Flavio weiter.

„Ich war krank. Sie haben mir alles genommen, was mir wichtig war.“

„Das ist nicht wahr! Aber dich fast alle 3 Monate für 3, 4 Wochen im künstlichen Koma liegen zu sehen, war auch für deine Mutter und mich nicht leicht. Wir haben dir nichts weggenommen, aber auch rein gar nichts. Du bist abgehauen – und nicht wir!“ schrie ihr Vater aufgebracht in den Raum hinein. Er stand nach wie vor im Flur neben seiner Frau und starrte auf den Wolf und den Tschechen, die sich unerlässlich[2] anknurrten.

„Ihr habt mir die Hoffnung, die ich noch gehabt hatte, genommen, aber andererseits habt ihr mir auch nie Hoffnung gemacht, dass ich die Krankheiten besiegen könnte. Ihr habt immer allen anderen, vor allem den Ärzten, Recht gegeben und mich und meine Gefühle vergessen und außer Acht gelassen. Vielleicht erinnert ihr euch noch an die Wunden in meinen Armen? Die hab ich mir selbst zugefügt! Das nennt man in der Fachsprache „Ritzen“ und deutet auf seelische Probleme hin. Die Probleme hatten sogar Namen: meine Familie, meine angeblich beste Freundin, die mich schmählich im Stich gelassen hatte, Asthma und Allergien!“ brüllte Ricky sauer zurück und stand ruckartig auf. Sie lief geradezu zurück in den Flur und stellte sich hinter Angel, der immer noch das Duell mit Junior ausfocht.

Rene schätzte die Situation richtig ein und deutete Mark an, Angel am Nackenfell festzuhalten. Sekunden später gab Ricky Angel den Befehl „Fass!“ zum Angriff und der Tscheche wuchtete sich in die Höhe. Mark hielt ihn eisern fest. Doch der Wolfshund hatte Bärenkräfte und Mark rief Junior auf den Plan. „Junior! Hilf mir! Halt ihn auf!“

Das ließ sich der Wolf nicht zweimal sagen und sprang dem Tschechen sozusagen in die Pfoten. Junior war in der richtigen Position und warf den Tschechen um, dann verbiss er sich locker, aber dennoch so fest, dass Angel nicht mehr aufstehen konnte, in dessen Kehle. Mark ließ während des Umwerfens erschöpft das Nackenfell des Wolfshundes los.

Dieser lag auf der Seite und knurrte den Wolf an. Er strampelte mit seinen Pfoten und trat nach dem Wolf. Junior stand jedoch so günstig, dass er nicht getroffen werden konnte.

 

Ricky beobachtete grübelnd den Kampf, der schon einem Machtkampf gleich kam, zwischen Junior und Angel.

„Angel! Aus!“ ertönte da ihr Befehl an ihren Vierbeiner gerichtet.

„Junior! Lass ihn los!“ kam es danach auch von Rene. Junior ließ auch prompt den Wolfshund los, welcher sich sofort aufrappelte, aber weiterhin knurrte. „Angel! Aus!“ erklang erneut der Befehl von dem Mädchen, diesmal etwas schärfer als vorher. Ricky sank neben Angel in die Hocke, streichelte und beruhigte ihn. Dann nahm sie ihn am Nackenfell und ging ins Wohnzimmer zurück, wo nach wie vor Anubis, Spike und Flavio saßen.

„Ihr wisst genau, wo ich die letzten 5 Jahre verbracht habe. Ihr wisst auch, dass ich keine einzige Krankheit mehr habe und ich das nicht euch zu verdanken habe. Und ich bin die ganze Scheiße nicht wegen eurer Hilfe und Unterstützung losgeworden. Und da ihr mich so toll unterstützt habt, breche ich den Kontakt zu euch für immer ab. Ich möchte NICHTS mehr mit euch zu tun haben!“ rief Ricky ihren „Erzeugern“ zu und hatte somit das Thema für sich selbst abgehakt.

Diese gingen gestützt von Glory und dessen Frau die Treppen runter. Sie gaben auf. Dieses Familienband war für immer zerbrochen, oder?


[1] Teint = Hautfarbe
[2] unerlässlich = ohne Pause, ohne Unterlaß
 
Ende des Auszugs aus meinem Buch. Ich würde mich über Meinungen freuen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.11.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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halbwertzeit der liebe von Ditar Kalaja



In meinen Gedichten, schreibe ich mir meine eigene Realität, meine Träume auch wenn sie oft surreal, meistens abstakt wirken. Schreiben bedingt auch meine Sprache, meine Denkmechanismen mein Gefühl für das Jetzt der Zeit.

Ich vernehme mich selbst, ich höre tief in mich rein, bin bei mir, hier und jetzt. Die Sprache ist dabei meine Helfershelferin und Komplizin, wenn es darum geht, mir die Wirklichkeit vom Leib zu halten. Wenn ich mein erzähltes Ich beschreibe, beeinflusse, beschneide, möchte ich begreifen, wissen, welche Ursachen Einflüsse bestimmte Dinge und Menschen auf mein Inneres auf meine Handlung nehmen, wie sie sich integrieren bzw. verworfen werden um mich dennoch im Gleichgewicht halten können.

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