Sylvia Sagmeister

Der Kuss

Der Kuss

 
Erschrocken fuhr sie zurück. Seine Lippen hatten ihre berührt. Sie spürte noch den leichten Hauch des Sekttropfens, der eben noch an seinen Lippen geglänzt hatte. Hatte irgendjemand sonst es bemerkt? Da war gerade noch so viel Gedränge gewesen, als sie aufgestanden waren um der Jubilarin zu gratulieren. Sie waren im Tumult aneinander gedrängt worden, als sie wieder auf ihren Platz zurück wollte.
 
Er hatte sie geküsst. Wieso hatte er sie geküsst? Eben war noch alles vertraut gewesen, sie waren gute Freunde, hatten viel zu lachen und konnten über alles plaudern. Aber ein Kuss? Dafür kannten sie sich doch schon viel zu lange. Und sie waren beide nicht allein. Sicher, da war immer eine Spannung zwischen ihnen gewesen, aber keiner hatte je die Grenzen überschritten. Kaum dass sie sich jemals zufällig berührt hatten. Und jetzt der Kuss. Vielleicht war es doch nur eine unabsichtliche Bewegung gewesen und sie hatten sich nur zufällig berührt. Verstohlen ließ sie ihre Augen zu ihm hin schweifen. Und senkte den Blick sofort wieder. Nein, da war kein Zufall in dem Blick, da war eine Frage, da war Verlangen, da war ... Liebe? Nein, nein, das konnte nicht sein. Er liebte doch seine Frau, trug auch immer den Ring an seinem Finger, trug er ihn noch, ja, aber der Kuss? Und jetzt dieser Blick! Mit zitternden Händen zündete sie sich eine Zigarette an, schenkte sich Sekt nach. Dann widmete sie sich wieder den angeregten Diskussionen, die überall im Raum sprudelten.
 
Verunsichert fuhr sie nach Hause. Die Feier hatte noch einige Zeit gedauert, aber sie war Thomas aus dem Weg gegangen. Er hatte sie genauso wenig beachtet. Vielleicht hatte sie sich den Kuss nur eingebildet, vielleicht war er nur Ausdruck einer momentanen Gefühlsaufwallung gewesen, vielleicht nur Zufall oder auch nur ... ja was? Hätte sowieso keinen Sinn, aus einem zufälligen oder auch gewollten Kuss etwas entstehen zu lassen. Er war in festen Händen, genauso wie sie. Und es lief nicht schlecht, sie hatte keinen Grund sich zu beklagen. Besser sie fuhr nach Hause und vergaß den Kuss wieder. Sie konnte ihn ja in ihre sexuellen Phantasien einbauen ... nein, das war auch dumm. Am besten, sie dachte einfach nicht mehr daran.
 
Das Handy klingelte. So spät? Vielleicht ihr Freund ... Mühsam klaubte sie es aus ihrer Tasche. Schon wieder hatte sie vergessen, die Freisprechanlage zu aktivieren. Und heute hatte sie keine Lust gehabt, ihr Heimkommen anzukündigen.
„Hallo?“
„Hallo Verena!“
„Thomas?“
„Musst du schon heim oder hast du noch Zeit auf ein Achterl?“ Seine Stimme klang heiser.
„Ich hab noch Zeit.“
„Unten, in der Gumpendorfer Straße, in der Nähe vom Haus des Meeres, da gibt’s eine nette kleine Bar, kennst du die?“
„Nein, kenn ich nicht.“
„Treffen wir uns vorm Café Ritter. Von dort ist’s nicht weit, okay?“
„Okay, bis gleich.“
„Bis gleich!“
Mit zitternden Händen beendete sie das Gespräch und riskierte einen Blick in den Rückspiegel. Nein, er fuhr nicht hinter ihr her, er war ja in die andere Richtung abgebogen, wie immer. Also war der Kuss doch kein Zufall gewesen. Aber sie hatte sich auch noch auf nichts eingelassen. Ein Achterl war etwas Harmloses. Und sie hatten schon viele gemeinsame Achterl gelehrt in ihrer 8jährigen Bürofreundschaft. Vielleicht wollte er bloß ein bisschen plaudern. War ja nichts dabei.
 
Endlich war sie in der Amerlingstraße eingelangt, hatte sogar das Glück, gleich einen Parkplatz zu finden und sah ihn schon auf sich warten. Nervös hob er die Hand zum Gruß. Schweigend führte er sie die Straße entlang. Vor ihnen lag der kleine Park vom Haus des Meeres, gerade zwei Häuserblocks lang, an dessen anderem Ende die verträumte Bar lag, die sie ansteuerten. Niemand hielt sich um diese Zeit darin auf und für verliebte Paare war es noch zu kalt. Plötzlich blieb er stehen. Er nahm sie an den Schultern und drehte sie zu sich. Er hatte sie so fest gepackt, dass es fast schon wehtat, aber sein eindringlicher Blick hinderte sie daran ein Wort zu sagen. Lange starrten sie einander so in die Augen. Dann senkte er seine Lippen auf ihre und küsste sie sanft. Sie schloss die Augen und öffnete erwartungsvoll ihren Mund, aber er schob sie wieder von sich. Fragend sah sie ihn an. Seine Augen fraßen sich in ihren fest, noch immer hielt er ihre Schultern fest im Griff.
„Verena ...“
Seine Lippen bebten, fragend suchten seine Augen die Antwort in ihren Zügen zu lesen. Sie öffnete leicht ihren Mund, lud ihn ein. Jetzt erst presste er seine Lippen fest auf ihre, drängte seine Zunge zwischen ihre Zähne und küsste sie leidenschaftlich. Seine Hände lösten den festen Griff um ihre Schultern und begannen ihren Körper zu liebkosen, fanden Halt in ihren Haaren und fuhren ihren Hals entlang. Langsam suchten sie den Weg unter ihre Bluse, schoben sich unter ihren BH und streichelten zärtlich ihre Brustwarzen, die sie schon längst erwarteten. Immer enger drängten sie sich aneinander, immer fordernder wurden ihre Küsse, endlich schob sich ihre Hand unter den Gürtel seiner Hose und befreite seine Männlichkeit. Verena vergaß all ihre Ängste, vergaß, dass zu Hause ein Mann bereits auf sie wartete und war nur noch Frau.
 
Wie lange sie in diesem Park waren, konnte sie später nicht mehr sagen. Irgendwann waren sie aufgebrochen, hatten diese kleine Bar aufgesucht und das Achterl Rotwein getrunken. Gesprochen hatten sie kaum, den ganzen Abend lang nur ein paar belanglose Worte. Sie hatten einander geküsst, immer wieder, hatten einander nicht los gelassen, hatten sich auf der kleinen Tanzfläche aneinander gedrängt, aber keiner hatte es gewagt, den unwirklichen Zauber durch Fragen zu zerstören.
 
Die nächsten Tage sahen sie einander nicht im Büro. Thomas besuchte ein Seminar in Deutschland, sie selber musste eine Tagung vorbereiten. Er rief nicht an, sie ebenso wenig. War diese Nacht Wirklichkeit gewesen? Sie konnte es kaum glauben. Und außerdem… wie sollte das weiter gehen? Sie waren doch beide gebunden. Gut gebunden. Sie konnte sich nicht vorstellen Tony zu verlassen. Aber tief in ihrem Inneren fühlte sie die Glut von Thomas’ Küssen, spürte noch immer die Heftigkeit seines Verlangens, ihr Körper brannte, wenn sie an ihn dachte. Sein Bild ließ sie nicht mehr los, nicht in der Arbeit, nicht zu Hause, nicht in den Nächten, in denen sie sich schlaflos von einer auf die andere Seite wälzte. Manchmal sah Tony sie fragend an, fast durchdringend. Aber da es immer wieder Zeiten gab, in denen ihre Arbeit den Alltag bestimmte und sie sich zurückzog, Zeiten, in denen Sie ihre Probleme mit sich selber lösen musste und ihr keiner helfen konnte, beließ er es dabei. Bisher war sie immer noch selbst klargekommen. Und er konnte sich darauf verlassen, dass sie zu ihm kam, wenn es ihn betraf. Bisher jedenfalls.
 
Sie grübelte gerade über eine verzwickte Formulierung, als sanfte Finger kurz ihren Nacken streiften.
„Hi“
„Hallo“
Thomas legte einen Brief vor sie hin.
„Du solltest das lesen.“
Fragend blickte sie hoch.
„Ist wichtig.“
Er nickte ihr kurz zu und verschwand wieder aus dem Zimmer.
„Was ist denn mit dem los?“, neugierig hatte Wally aufgeblickt.
„Ach nichts. Geht um die ...“, sie sah kurz auf den vertrauten Firmenumschlag, „du weißt schon, den UPC-Vertrag, der nicht so wirklich funktioniert.“
„Die Konferenz von den Japanern?“
„Ja, genau.“
„Soll ich dir’s abnehmen? Du hast eh soviel mit dem neuen Sortiment zu tun.“
„Nein, nein, geht schon. Ich brauch eh ein bisschen Ablenkung davon.“
Vorsichtig zog sie das Schriftstück aus dem Umschlag. Gott sei Dank, er hatte den Vertrag eingesteckt. Sie faltete ihn behutsam auseinander, versteckt hinter dem Computer sah ihre Kollegin nicht so genau, was noch alles drin lag. Ein kleiner weißer Zettel war in der Falte versteckt. Sie schob ihn in die Hosentasche und stand auf.
„Willst du auch Kaffee? Ich mach uns einen.“
„Danke, gerne.“
 
Erst als sie die Klotür hinter sich schloss, traute sie sich, den Zettel wieder hervor zu holen. Eine E-Mail-Adresse: kilroy@gmx.net. Sie zerriss den Zettel in kleine Fetzen und spülte sie sorgfältig ins Klo. Ob ihre alte E-Mail-Adresse noch aktiv war? Aber von wo konnte sie senden? Vom Büro aus? Wally war nicht sehr aufmerksam. Das konnte gehen. Und gmx war unauffällig. Da war sie sehr oft drinnen.
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     hallo
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2005, 12:31
 
hallo du…?
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     RE: hallo
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2005, 12:33
 
kann ich dich sehen??
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: hallo?
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2005, 12:36
 
und was soll aus uns werden?
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     Bitte!
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2005, 12:39
 
ich weiß nicht. ich muss mit dir reden
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: Bitte!
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2005, 12:42
 
das hat doch keine zukunft.
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     RE: Bitte!
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2005, 12:44
 
bitte!
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: Bitte
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2005, 12:46
 
wie stellst du dir das vor?
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     RE: Bitte
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2005, 12:50
 
bitte!!!!
ich weiß nicht mehr weiter!
ich will dich
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     ???
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2005, 12:55
 
was ist mit deiner frau?
und ich bin auch nicht allein.
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     RE: ???
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2005, 12:57
 
bitte! lass uns darüber reden
ich will dich schon so lange...
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: ???
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2005, 13:01
 
besser nicht. ich habe angst.
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     RE: ???
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2005, 13:02
 
bitte!
lass uns wenigsten reden. mit mail geht das nicht…
 
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„Was treibst du da?“, Wally war aufgestanden und kam zu Verena. Schnell klickte sie das Fenster in den Hintergrund.
„Ach nichts.“ Hoffentlich pochte ihr Herz nicht zu laut. „Nur ein paar Mails verschickt.“
„So verbissen? Hast wohl einen Anfall von Arbeitswut!“ Sie riskierte einen Blick auf Verenas Kaffeetasse. „Bist auch schon leer? Ich hol noch einen, okay?“
Verena atmete tief aus. Das war knapp gewesen. Sie musste besser aufpassen. Vielleicht war reden doch besser als mailen...“
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: ???
Datum:      Dienstag, 3. Mai 2004, 13:10
 
okay. morgen, 17:30; in der bar
 
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Sie wachte mit Kopfschmerzen auf. Wetterumschwung? Regel? Schlechtes Gewissen? Wann war sie eigentlich nach Hause gekommen? Neben ihr das Bett war leer. Wo war Tony? Ach ja, der musste heute sehr zeitig raus, musste für drei Tage nach Schweden. War vielleicht besser so. Tony… Konnte sie ihm noch in die Augen sehen? Tony… Sie hatten sich nicht einmal wirklich voneinander verabschiedet.
 
Seufzend ließ sie sich wieder zurück fallen. Thomas. Sie schloss die Augen, spürte wieder seine Hände ihren Körper liebkosen, fühlte seinen warmen Atem auf ihrer entblößten Haut, seine Lippen jeden Zentimeter ihrer Weiblichkeit auskosten…
Thomas…
Gestern Nacht. Sie waren in einem schmuddeligen kleinen Hotel gelandet. Wie vor 20 Jahren als sie noch jung und unerfahren war. Und dann…
Thomas…
Tony…
 
Nein! So konnte es nicht weitergehen! Sie konnte nicht Tony so hintergehen, und sie konnte nicht mit Thomas so weitermachen. Sie musste eine Entscheidung treffen! Heute noch! Entschlossen sprang sie auf, schlüpfte in ihre Jeans, Katzenwäsche musste reichen, in zwanzig Minuten sollte sie im Büro sein. Heute würde sie mit Thomas sprechen. Ganz sicher. Und mit ihm Schluss machen, bevor es noch richtig angefangen hatte.
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Donnerstag, 5. Mai 2005, 10:14
 
ich muss mit dir reden. am besten heute noch. hast du zeit?
verena
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     Sehnsucht
Datum:      Donnerstag, 5. Mai 2005, 10:20
 
für dich hab ich immer zeit…
probleme?
tom
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Donnerstag, 5. Mai 2005, 10:20
 
ja, mit dir
lass uns irgendwo hingehen, wo wir reden können.
nicht in die bar. und auch nicht ins hotel
okay?
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     Sehnsucht
Datum:      Donnerstag, 5. Mai 2005, 10:22
 
kein hotel?
nicht mal nachher?
ich will dich spüren…
tom
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Donnerstag, 5. Mai 2005, 10:23
 
hör auf!
ich mein’s ernst.
wir müssen reden. so kann ich nicht weitermachen.
und ganz sicher kein hotel, kein park oder was dir sonst dazu einfällt.
wir müssen REDEN!
verena
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     Sehnsucht
Datum:      Donnerstag, 5. Mai 2005, 10:25
 
okay, ganz wie du willst. wir werden nur reden.
wo?
mach du einen vorschlag, wo’s für dich am besten ist.
tom
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Donnerstag, 5. Mai 2005, 10:30
 
danke! treffen wir uns im café ritter. passt dir 18:00 uhr?
verena
 
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Verzweifelt presste sie ihre heiße Stirn gegen die kühle Mauer in der Garage. Drei Uhr! Morgens! Kein Hotel, kein Park, nein, im Auto! Am Parkplatz vorm  Café! Was war nur in sie gefahren! Und diesmal hatte sie angefangen. Sie ganz allein! Vier Stunden waren sie gesessen und hatten geredet, alle Für und Wider abgewogen, alle Aspekte durchgekaut. Drei Stunden lang ohne zu einem wirklichen Ergebnis zu kommen und die ganze Zeit hatte sie gewusst, dass es ein Ende haben müsse. Sie war seinen Augen ausgewichen, hatte die meiste Zeit krampfhaft in ihr Glas gestarrt um nicht seine so wundervoll sinnlichen Lippen ansehen zu müssen und hatte doch seine Nähe gespürt, als wäre er der einzige Mann für sie. Warum war sie nur zu ihm ins Auto gestiegen? Warum war sie nicht, wie sie ursprünglich vorgehabt hatte, zur U-Bahn marschiert und heimgefahren?
 
Und dann… sie saß neben ihm, sah ihn an, sah seinen traurigen Blick, weil sie das Ende wollte, seine Hand lag schon am Zündschlüssel, er setzte gerade an, etwas zu sagen, da strich sie ihm mit dem Finger zärtlich über die Lippen, beugte sich vor und küsste ihn. Küsste ihn immer leidenschaftlicher und inniger, als suchte sie noch ein letztes Mal alles von ihm zu erhalten, was sie von ihm brauchte. Sie konnte sich nicht von ihm lösen, riss ihm förmlich das Gewand vom Leibe, um sich so nah es ging an ihn zu drängen…
 
Nein, sie konnte, wollte nicht von ihm lassen. Wie immer es weitergehen würde, sie wollte nicht auf Tom verzichten. Vielleicht verblasste diese Leidenschaft eh irgendwann. Sie hatte einmal gelesen, so was dauere nicht mehr als zwei oder drei Monate. Tony musste nichts davon erfahren. Er hatte sowieso viel Arbeit in der Firma, musste außerdem immer wieder mal ins Ausland. So zwei drei Monate konnten doch ihrer Partnerschaft nicht wirklich schaden. Oder? So was sollte doch angeblich sogar eingeschlafene Gefühle beleben…
 
Verena löste sich von der kalten Mauer. Heute war sie alleine zu Hause, morgen auch. Alles eine Frage des Timings. Hinterging man einen Menschen, wenn man sich ein bisschen Sex wo anders holte? Oder war es nicht genauso schlimm, wenn nicht schlimmer, wenn man immer davon träumte und es nie zuließ? Ob sie Tony von Tom erzählen sollte? Nein, nein, das könnte schief gehen. Oh, Thomas, Tom! Wie gerne wäre sie jetzt wieder bei ihm und spürte seinen Atem auf ihrer Haut…
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2005, 7:56
 
ich will dich spüren
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2005, 7:59
 
du bist weit weg...
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2005, 8:02
 
viel zu weit…
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2005, 8:04
 
wann kommst du wieder?
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2004, 8:05
 
übermorgen. hast du zeit?
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2004, 8:06
 
kann ich dir nicht sagen. muss ich erst schauen. zu hause...
ich will dich sehen...
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2004, 8:10
 
mach die augen zu. dann bin ich bei dir.
 
spürst du meine hände? meine finger gleiten über deine wangen, gleiten zärtlich am rand deines gesichtes entlang, hinuter  bis zum hals… ich beuge mich zu dir… du hältst mir dein gesicht entgegen, öffnest deinen mund… spürst du meine lippen? ganz sanft senke ich meinen mund auf deine wundervollen lippen… ich wandere deinen hals entlang, meine finger finden die knöpfe deiner bluse, öffnen sie für meine lippen, suchen deine knospen…mmh ... du schmeckst gut... ich zieh dich ganz nah an mich, ich will mehr von dir spüren, will deinen busen an meiner haut fühlen, dich an meinem nackten körper spüren, deine hände fahren unter meinen pulli, du presst dich an mich, unser lippen finden sich wieder und ich spüre dich ganz tief in mir…
 
ich will bei dir sein…
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2004, 8:13
 
ich fühle dich, fühle dein verlangen nach mir, lass mich dich kosten ... lass uns diese störende kleidung vom leib reißen, lass uns ganz ganz nah zueinander kommen, so tief, dass es nicht tiefer geht, lass mich dich mit haut und haar verschlingen...
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2004, 8:15
 
ich liebe dich...
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2004, 8:16
 
du...
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2004, 8:16
 
ich komme morgen. gleich vom flughafen. ich glaub, ich hab was im büro vergessen…
 
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Von:           vary@gmx.net
An:             kilroy@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2004, 8:17
 
ich hab sicher noch was zu erledigen für den kongress
 
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Von:           kilroy@gmx.net
An:             vary@gmx.net
Betreff:     RE: Sehnsucht
Datum:      Dienstag, 10. Mai 2004, 8:19
 
ich freu mich auf morgen...
 
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Lange stand er vor seinem PC und starrte den Bildschirm an. Das Auto war vollgestopft, Peter wartete in der Wohnung. Endlich druckte er auf den Knopf „Senden“ und schaltete mit einem Seufzer den Computer aus. Das Leben ging weiter. Irgendwie.
 
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Von:           a.kramer@telcom.at
An:             v.gellert@bonavia.com
Betreff:     Es tut mir Leid
Datum:      Montag, 30. Mai 2004, 12:19
 
Liebe Verena!
 
Leider krieg ich dich in letzter Zeit kaum zu sehen. Und wenn du da bist, befindest du dich in Gedanken so weit weg, dass ich nicht zu dir vordringen kann.
 
Vor ein paar Tagen habe ich bei dir eine Nachricht von „Tom“ gefunden. Tut mir Leid, ich habe nicht danach gesucht, ich wollte nur einen Kugelschreiber, da fiel mir der Zettel in die Hände.
 
Ich kann mir vorstellen, dass du im Moment lieber bei diesem „Tom“ bist. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich hab die ganze letzte Woche darüber nachgedacht. Ohne dich, denn du warst fast nie zu Hause.
 
Wundere dich nicht, ab heut bin ich auch nicht mehr zu Hause. Ich habe ein kleines Zimmer von einem guten Freund, wo ich die nächste Zeit logieren werde.
 
Nein, ich sage nicht Lebwohl, ich sage immer noch auf Wiedersehen. Du hast meine Handy-Nummer, du hast meine eMail-Adresse. Es wird auch noch etwas dauern, bis ich dir meinen Schlüssel gebe, ich hab noch einige Sachen bei dir, die heute nicht mehr ins Auto gepasst haben.
 
Vielleicht gibt es wieder einmal auch für uns eine gemeinsame Strecke. Aber ich bin nicht bereit, dich mit jemand anderem zu teilen. Nicht mit „Tom“ oder sonst wem.
 
Es tut mir sehr Leid um uns. Ich habe dich geliebt wie sonst niemanden zuvor. Und ich liebe dich noch immer. Aber so kann ich nicht leben.
 
Mach’s gut!
Tony
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.11.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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