Albrecht Rietsch

Warnung vor JoAnn

"Du musst verrückt sein, wenn du dieser Schlampe auch nur ein Wort glaubst!" Tom Wyler, Vorarbeiter auf der Longhorn Ranch, meinte nicht recht zu hören, als sein Freund eine wahre Hymne auf eine gewisse JoAnn aus der Stadt losließ. Gut, Charles war schon die längste Zeit solo, er nannte sich selbst "ausgehungert", aber das alles war doch noch lange kein Grund, um gerade auf dieses Girl reinzufallen. Zugegeben, JoAnn hatte viel von all dem, wovon andere Frauen nur träumen. Eine Figur, die auf Anhieb ihr Ziel erreichte: auffallen. Eine Ausstrahlung, die den ersten Eindruck voll und ganz bestätigte und eine Routine im frechen Verführen, der selbst ein sechsfacher Familienvater und Zeuge Jehovas kaum etwas entgegensetzen hätte können. (Naja, dem Yeti im fernen Himalaja wäre sie völlig wurscht gewesen.)
Tom war selbst mal gewaltig auf JoAnn abgefahren. Doch das versuchte er seit damals ohne jeden  Erfolg zu vergessen. Es war vor einem Dreiviertel Jahr, als die beiden sich in irgend so einem Aufriss-Schuppen mit muskelprotzigem Türsteher begegneten. JoAnn saß an der Bar, hatte ihren viel zu engen Rock unnötig weit hochgezogen und schaute Tom ein bisschen zu lange von unten her an, als er lässig den nietenbeschlagenen Hocker mit gepolsteter Rindsleder-Sitzfläche neben ihr konfiszierte und seine neuen Bullman-Stiefel gekonnt in Szene setzte. "Sie haben doch nichts dagegen, Lady?" JoAnn antwortete mit einem desinteressierten Achselzucken. "Ich habe nur einen Arsch. Was sollte ich also auch noch mit deinem Hocker, Cowboy?" Tom schluckte. Diese Meldung war unerwartet heftig ausgefallen. Er musste sich selbst eingestehen, dass das nicht unbedingt der beste Start war für ein schnelles Abenteuer.
Während er seinen internen Speicher nach einer neuen Strategie durchsuchte, spürte er ganz deutlich Naomi Campbell in seine markante Nase steigen. Natürlich war sie's nicht selber, aber was solls, ihr Duft genügte. Zuletzt hatte er so was Aufregendes vor 10 Jahren gerochen und kurz danach geheiratet. Schnee von gestern. JoAnn hatte sich zu ihm rübergedreht und ihm ins Ohr gehaucht: "Fang dich wieder, old Boy, kratz dein bisschen Charme zusammen und verpass mir einen ordentlichen Versöhnungsdrink." Sie knabberte - verdammt noch mal - an seinem Ohrläppchen. "Ich nenn' dich heute nur 'Darling' und fahr mit dir gleich in den Himmel, wenn du willst auch in die Hölle." Tom glaubte einen Moment lang zu träumen, da griff  sie ihm mit zwei Fingern ganz real ins halboffene Hemd. Er machte unwillkürlich eine Abwehrbewegung. "Na, na, na - also bitte, nicht so flink."
Dann vergaß er aber seine gute Kinderstube, und alles ging ganz schnell. "Nimm dein Glas, Baby, lass uns weiter nach hinten übersiedeln, da können wir uns ganz ungeniert näherkommen. "Nein, nicht  hier, ganz hinten, wo sie nicht nur zum Stromsparen 5-Watt-Glühlampen reindreh'n." Tom folgte nur den Befehlen seines Bodys, und diese Körpersprache schien ihr mächtig zu gefallen. "Darling, lass nie wieder die Hände von mir oder zumindest das, womit du mich gerade eben zum Himmel geigst!" Der DJ musste schnell die Anlage lauter drehen, um für ausreichend Diskretion zu sorgen... Ein gellender Schrei machte der Szene ein Ende. Es war Tom, der mit weit aufgerissenen Augen und ebensolchem Hosenschlitz das Entsetzliche nicht fassen konnte. Scheinwerfer waren aufgeflammt und hatten den Ort des Geschehens in grelles Licht getaucht! "JoAnn, du hast es wieder mal geschafft", grölte die Menge, "du hast die Wette gewonnen, du hast dem erstbesten Provinzarsch, der bei der Tür reinkommt, klar gemacht, dass er besser daheim bei seinen Kühen geblieben wäre!"
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.11.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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