Marianne Reepen

Aus der Zeit nach dem letzten Krieg

 
Eine Seniorin erinnert sich…
 
 
Großes Malheur
 
In der Nachkriegszeit hatten wir weder genügend Wohnraum, noch genug zu essen.
Wenn jemand einen Garten hatte, war er „fein dran.“  Eine alte Bekannte  hatte das große Glück,
einen solchen zu besitzen. Er war nicht sehr groß, jedoch es stand in ihm ein Pflaumenbaum.
 
So veranstalteten die Webers ein Ernte-Back- und Pflaumenkuchenfest, zu dem jeder eine
Lebensmittel-Zutat mitzubringen hatte. Jeder gab etwas von seinen geringen Beständen ab,
der eine etwas Mehl, der andere etwas Zucker, der nächste Magermilch oder etwas Butterschmalz,
und sogar Eier waren da, von garantiert freilaufenden  Hühnern . Leute aus dem „Kohlenpott „
brachten Kohle und Briketts.
 
Der Ofen wurde angeheizt, während alle um den großen Tisch herum saßen und plaudernd 
die Pflaumen entsteinten und sie dann auf den zuvor bereiteten Teig auf das Backbrett legten.
So gelangten zwei Bleche nacheinander in den glühenden Ofen.
 
In der wohlig-warmen Stube duftete es immer mehr, und langsam  lief den Anwesenden 
das Wasser  im Munde zusammen.
 
Nachdem auch das zweite Blech aus dem Ofen war,  gab es  Zeit, den Tisch zu decken.
Da jeder auch ein paar Kaffeebohnen von „seiner Ration" gestiftet hatte, mischte sich
der köstliche Pflaumenkuchen-geruch bald mit dem des guten Kaffees.
 
Die hocherfreuten Gäste setzten sich um denn großen Tisch, und es begannen nach dem ersten
Probieren, die Lobreden auf die gute Hausfrau., deren Augen nun über das vom Backen rötlich
gewordene  Angesicht erstrahlten.
 
Schnell waren beim fröhlichen Plaudern die Stücke des zuerst aufgeteilten Blechkuchens in den
Mägen der Anwesenden verschwunden, und das zweite Blech mit dem Kuchen war fällig.
Alle freuten sich, und die Hausfrau erhob sich, um den Kuchen zu schneiden. Aber wohin  hatte
sie das Blech  gestellt? Sie suchte und suchte und wurde immer aufgeregter. Schließlich suchten
alle mit, sogar im Schlafzimmer,  jedoch es blieb unauffindbar. –
Sie sollten auch nicht mehr zu dem  Genuss kommen. – Ratlos geworden,  fand man sich mit diesem
Schicksal ab, und nur die Hausfrau konnte sich nicht recht beruhigen.
 
Nach langen Erzählen verabschiedeten sich am Abend die Gäste mit dankenden Worten.
 
Da stand auch mal der Opa auf, der da lange still gesessen hatte …und…ein heller Aufschrei!
Da! … Der Kuchen! …
Die halbe  schöne „Prumetat“ klebte an Opas Hosenboden, die andere Hälfte lag neben der dicken
Delle im Blech auf dem Stuhl,  auf dem Opa gesessen hatte.
 
Was ein Glück für Opa… dem  Alleinesser!
 
© Marianne Reepen

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.11.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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