Rita Bremm-Heffels

Rasenmäher oder Der Beste ist gerade gut genug

Das Gras wuchs so schnell, daß man zusehen konnte. Von meinem übergroßen Verantwortungsgefühl getrieben blieb daher nur eine Konsequenz:
Ein Rasenmäher mußte her.
Nicht so ein pofeliges kleines Knatterding wie das meines Nachbar, bei dem man unentwegt das Klack-Klack der Schrauben hörte.
Und danach sein Fluchen und das Knacken des Bierflaschen Verschlusses.
Nein mit so was wollte ich mich erst gar nicht abgeben.
Mein Kontostand war zwar mehr als angespannt aber bei Dingen des alltäglichen Dauergebrauchs sollte man eben nicht auf den Pfennig schauen.
Das zahlte sich nachher aus.

Wie das bei mir öfter so ist, ließ ich mir nach dem Entschluß auch nicht mehr allzu lange Zeit den Kaufplan in die Tat umzusetzen.
Ich klapperte etliche Läden ab. Supermärkte sowie Einzelhandelsgeschäfte.

Die Aussagen waren von enormem Unterschied.
Der Berater im Baumarkt pries mir seine Mäher, in großer Auswahl und recht preisgünstig vorhanden, mit den besten Worten an. Garantie, gute Leistung und super günstig.
Aber was sollte er schon anderes sagen. Kannte man doch.
Spätestens wenn nachher mal was dran kaputt war fingen die Scherereien an.
Und nach einen paar Monaten war so ein Ding sicher im Eimer.

Im Einzelhandel umgarnten mich die diversen Ladenbesitzer noch mehr. Die Preise waren zwar gepfeffert, aber dafür prophezeite man mir hier deutsche Qualitätsware. Nicht so ein Baumarkt Gelumpe, das nach ein paar mal Mähen den Geist aufgibt. Und keiner da der
repariert. Hatte ich doch auch gesagt.
„ Hier, „ der ältere, gesetzte Mann tippte mit den Fingerspitzen auf einen Mäher für
DM 900,--, „ so was, das ist was für’s Leben. Den kriegen sie nicht kaputt.“
„ Tja, aber 900,--DM sind ganz schön.....
„ Na, wenn sie ihn selber mitnehmen und ich ihn nicht zu bringen brauche kann ich noch einen Fuffi nachlassen.“

Schmuck sah er ja aus. Rot, leuchtend rot mit schwarzer Schrift.
Ich sah mich schon im Wettstreit mit Nachbars Knatterkiste.
Butterweich sollte er mähen, 500 qm in höchsten 2 Stunden.

Ich kannte mich nur zu gut. In dem Stadium der Verhandlungen hatte es keinen Sinn mehr auf eine billigere Alternative zurück zu greifen. Es rumorte schon und der Mäher schrie plötzlich : „Nimm mich, nimm mich. Ich diene dir auch zuverlässig.“

Ja das war es. Zuverlässigkeit brauchte ich. Hatte schon mein Vater immer Wert drauf gelegt und war gut damit gefahren. Da durfte man einfach nicht auf ein paar Mark gucken.
Der letzte schwache Versuch vielleicht mich selbst und den Verkäufer zu überlisten war zu sagen: „ Aber ich müßte dann doch noch erst zur Bank. So viel.....“
„ Aber, in der heutigen Zeit nehmen wir doch auch Schecks. Gar kein Problem.“
Freundlich lächelnd hielt er mir die Hand hin. Ich schlug ein.
Damit war die Entscheidung getroffen.
Für mich ein klein wenig mit dem Gefühl verbunden, ja nicht ganz alleine für den Kauf verantwortlich zu sein. Höhere Gewalt und so.
Der rote Mäher und mein blauer Scheck, beide mit schwarzer Schrift versehen, wechselten den Besitzer.
*
Er mähte wirklich wunderbar. Ein Gedicht, ruhig und wie versprochen war in Windes Eile mein Rasen gestutzt..
Schwitzend lugte Nachbar über den Zaun: „ Oho, ein neuer Mäher. Vom Baumarkt?
Da waren sie ja im Angebot diese Woche, 300 Mark, 3 Jahre Garantie.“

„ So einen Schrott kaufe ich nicht. Das hier ist ein Marken Mäher der Firma SARGO.“
Und um dem Ganzen auch Nachdruck zu verleihen und den Wert so richtig hervorzuheben:
„ Hat 900 Mark gekostet.“
„ Was? 900? Das ist doch total bescheuert. 900,-- Mark für so’nen ollen Mäher. Ne, da wüßte ich was besseres mit meinem Geld an zu fangen.“
Ja, dachte ich, Bier kaufen. „ Und denken sie bloß nicht daß die teueren besser sind,“ rief er noch hinterher.
Ich drehte mich gar nicht mehr um . Was hatte der schon für eine Ahnung von Qualität.
Kaufte doch immer alles im Sonderangebot.
Ich reinigte meinen Kleinen nach getaner Arbeit wie ein Baby. Zupfte jeden Grashalm
aus Motor und Messer. Wischte alles mit einem feuchten Tuch ab und rieb ihn danach auch noch blank.
Zufrieden schob ich mein derzeit bestes Stück in die Garage.
Da ruhte er sich aus. Bis vor 10 Tagen.

Das Gras war wieder gewachsen und wartete auf den Barbier in Rot.
Der zweite Schnitt sollte etwas kürzer werden als der erste.
Ich packte den Drehgriff zur Höhenverstellung, drehte - und hatte den Griff in der Hand.
Eine kleine Metallscheibe sprang scheppernd heraus und hüpfte über die Steinplatten vor der Verandatür. Eindeutig abgebrochen. Verdammt.
Ich kochte. Vor drei Wochen gekauft und schon flogen mir die Teile um die Ohren.
Wie hatte der gesagt: Den kriegen sie im Leben nicht kaputt?
Mußte ich nun auch um mein Leben bangen. Bei der Prognose.
Ich guckte immer wieder auf den Mäher, so als könne ich nach mehrmaligem Hinschauen feststellen, daß er ja intakt war.
Aber - sinnlos. Die Scheibe lag immer noch dumm rum, der Drehgriff daneben.
Die Telefonnummer des Händlers hing noch an der Pinnwand in der Küche. Wieso eigentlich?
Hatte ich’s im Unterbewußtsein geahnt?
Mit gehetzter Stimme meldete er sich am Telefon. „ Ich habe vor drei Wochen den Mäher
von SARGO bei ihnen gekauft. Erinnern sie sich? Der ist schon kaputt.“
„ Ach ja, kommt schon mal vor. Was ist denn dran?“
„ Was heißt hier, kommt schon mal vor? Sie haben gesagt...“
„ Naja, gesagt. Aber da steckt man halt nicht drin.“( Welch blöder Satz)
„ Sie sollen nicht drin stecken, ich will meinen Mäher in Ordnung gebracht haben. Und zwar schnell. Mein Gras wächst.“
„Aber gute Frau,( oh wie ich den Ausdruck hasse) überall wächst jetzt das Gras. Es ist Saison. Und hier stehen die Leute Schlange.“
„ Wieso stehen die Leute Schlange wenn ihre Mähre Qualitätsarbeit sind und ein Leben lang halten?"
Die Antwort blieb er mir schuldig. Genauso wie einen Termin für die Reparatur.
„ Bringen sie ihn mal her“, war das einzige wozu er sich herabließ.
Wutentbrannt wuchtete das Unglücksgerät erneut in mein Auto und brachte es zurück zum Händler.
„ Stellen sie’n mal dahin. Mal sehn wann der Vertreter kommt. Das Teil muß bestellt werden,“ sagte er nach kurzen Blick
„ Und was ist mit einem Ersatzmäher, oder einem Umtausch? „
„ Wo denken sie hin. Da könnte ich ja meinen Laden dicht machen.“

Die Wut und die Enttäuschung hatten mich dermaßen erschöpft daß ich widerspruchslos in mein Auto stieg und nach Hause fuhr.
Die Sonne schien als ich die Veranda betrat.
Da lockte aufgeklappt der Liegestuhl. Nach dem Tag und der Mäh-Verpflichtung zwangs- enthoben legte ich einfach die Beine hoch. Ruhe. Nicht mehr dran denken.
Wenigsten heute nicht.
Deutsche Wertarbeit. Und dann so ein dämlicher Kundendienst.

Ich mußte etwas eingedöst sein doch plötzlich saß ich kerzengerade.
Es knatterte, klack-klack, Rummmm, klack-klack – Ruhe.

Über dem Zaun lachte mich das runde Gesicht des Nachbarn an:
„ Hallo hab‘ gesehen daß sie den Mäher ins Auto geladen haben.
Ist etwa schon was kaputt?“ fragte er scheinheilig.


Ich warte übrigens immer noch.

Liebe Mitschreiber und - Leser
kurz vor Ende hat sich noch ein Tippfehler eingeschlichen. Da steht statt Mäher Mähre, aber manchmal stellt man ja auch fest das ein Dreher, gerade in diesem speziellen Fall, noch aussagekräftig sein kann.
Außerdem hat die Geschichte scheinbar telepatische Wirkung. Heute, genau heute bei Erscheinen, wurde mir
zusammen mit einem kleinen, rot-schwarzen " Anti-Streß" Smart aus Knautschgummi( was immer und wofür das sein soll ) mein Mäher aus der Mäher-Klinik zurückgebracht.
Rita Bremm-Heffels, Anmerkung zur Geschichte

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