Franziska Tittel

Geld gewonnen -Alles andere verloren!

  Oje! Was war bloß aus mir geworden? Wie ich hier alleine saß und auf mein unverhofftes, wahrscheinlich längst vergangenes Glück hoffte...-Es war einfach erbärmlich. Vielleicht wollte ich ja nur aus meinem Alltag raus finden, der sich jeden Tag aufs Neue wiederholte. Aber ich glaube nicht das ich ihm entfliehe, wenn ich jeden Tag hierher komme. Hier in diesen Park, auf meiner Parkbank mit massig Geld in der Tasche und ohne Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch an jenem Tag war etwas anders. Eine Ausländerin, eine Andershäutige, setzte sich neben mich! Sie trug seltsame Klamotten, dessen Farben sich stachen.
 
Eine Weile war Stille doch dann sprach sie mit sehr ruhiger Stimme: „Hallo! Ich habe dich hier schon öfter gesehen.“ Sie sprach sehr gutes Deutsch. „Entschuldigung!“, sagte ich. „Ich kann leider nicht bleiben. Ich muss noch zu meiner Frau!“
 
„Du lügst! Du hast keine Frau. Und du weißt warum. Ich kenne deine Vergangenheit, Alex.“
 
Woher wusste sie das? Woher konnte sie über meine Vergangenheit Bescheid wissen? Etwas stimmte nicht mit dieser Frau, das wusste ich genau.
 
„Bitte Spende für die armen, hungernden Kinder in fremden Ländern! Ich werde dir auch als Gegenleistung in deinen Problemen helfen!“, sagte die Fremde. Nun gut was sollte ich tun! Ich habe mich bis damals nie getraut irgendjemanden von meinen Problemen zu erzählen und auf Hilfe zu hoffen. Gerade wegen meiner Vergangenheit. Was ich damals getan habe, ist für mich heute noch viel zu peinlich. Ich rang mit mir. Sollte ich das Angebot annehmen? Schließlich gab ich mir einen Ruck. Es war immerhin für bedürftige Kinder, also gab ich ihr 10 Euro und begann mit meiner Geschichte: „Na ja... Damals war ich noch wesentlich jünger als das passierte. Meine Eltern haben mich mit den Werten aufgezogen, die sie für richtig hielten und das waren Geld und Ruhm. Dann, an meinen glücklichsten Tag, erfuhr ich von meinem Lottogewinn. Es war Traumhaft. Ich habe tatsächlich eine halbe Millionen Mark gewonnen. Dafür bin ich in die Karibik gefahren. Natürlich nicht nur für zwei Wochen, nein! Ich war da, solange ich wollte. Viele deutsche Mädchen, die dort auch Urlaub machten, wollten meine Nummer. Die schönsten Tänzerinnen tanzten, nur für mich. Mein Paradies schien perfekt. Doch dann tauchte sie auf. Das Mädchen das alles veränderte. Sie öffnete mir die Augen, vor einer Realität, die ich damals nicht wahr haben wollte. Sie war wahrscheinlich Amerikanerin.“
 
„Und was haben sie mit der Frau gemacht“, fragte die Fremde ganz vorsichtig. Ich schaute sie an und lächelte sanft ehe ich weitersprach: „Ich habe ihr die Feindschaft erklärt. Habe zu ihr gesagt, dass alle Ausländer aus Deutschland raus sollen. Alle Andershäutigen sollten in ihr Land zurück. Sie hätten es nicht verdient in unser Land einzureisen. All diese Sachen habe ich ihr an den Kopf geworfen. Ich hatte nicht mal ein schlechtes Gewissen. Doch mit der Zeit, ging auch der Luxus. Das Geld wurde weniger, genau wie meine Freunde. Sie verschwanden, wie mein Geld. Um anderen zu beiweisen, dass ich reich bin wurden meine Schulden in die Höhe gezogen. Und das schlimmste, ich habe noch immer das Gesicht von diesem Mädchen im Kopf, wie sie weinend weg rannte. Verstehen sie mich nicht falsch. Ich bin nicht rassistisch, aber damals wollte ich Freunde, die mir Honig ums Maul schmierten. Aber dann wurden mir hart die Augen geöffnet. Mir wurde klar, dass ich nur lebe um irgendwann zu sterben. Was ich dazwischen mache, liegt dabei an mir. Als ich eines Morgens aufwachte, hatte ich gar nichts mehr. Garnichts. Ich war komplett Mittellos und mein Rausch verflog langsam. Meine Eltern verstießen mich, weil sie diese Peinlichkeit nicht mit ihrem Namen in Beziehung bringen wollten.
 
Doch heute... Heute sitze ich hier, allein, hab keine Familie, keine Liebe und das restliche Geld, das ich besitze, trage ich immer mit mir rum. Das ist nun seit 20 Jahren so. Vor 20 Jahren fing mein Leben an, wie ich es jetzt führe. Doch auf seine Freunde, kann man sich hier draußen wirklich verlassen. Weil es allen so geht wie mir. Die Leute hier draußen sind aufrichtig.“ Als ich mein kleines Referat beendete, versuchte ich mir ein Lächeln aufzuzwingen. Man sah dieser Ausländerin an, dass sie von meiner Geschichte gerührt war, aber warum wusste ich nicht. Doch sie sollte es mir kurze Zeit später erklären.
 
„Sie suchen vergeblich nach dem Liebe. Das ist falsch. Sie haben versucht sich hinter Geld zu verstecken. Das war falsch. Es ist falsch, hier zu sitzen und auf sein Glück zu hoffen. Aber es war richtig mir deine Geschichte zu erzählen. Du darfst die Liebe und das Glück nicht finden. Es muss dich finden. Bitte achte auf diesen Hinweis!“ Sie stand auf. Ihre schwarzen Haare fielen ihr ins Gesicht. Zum ersten mal schaute ich sie mir genau an. Sie war wirklich wunderschön und sie war noch nicht außer Reichweite. Ich packte ihr Handgelenk und zog sie sanft zurück. „Wer sind sie?“, fragte ich. „Sie sagten vorhin, dass sie meine Vergangenheit kennen. Aber woher nur?“ Ich geb es zu. Vielleicht war ich schon ein bisschen alt um zu flirten. Doch mir gingen ihre Ratschläge und ihre Stimme nicht mehr aus dem Kopf. Ich wusste irgendwoher kannte ich sie. Doch warum kam sie mir so bekannt vor.
 
Schüchtern drehte sie sich zu mir um und guckte mir in die Augen. „Ich bin...“, begann sie. „Ich bin das Mädchen, das dir vor 20 Jahren gesagt hast, dass du vom vielen Geld blind geworden bist. Die, die du sosehr gehasst hast, dass du ihr die Feindschaft erklärtest.“ Eine Träne lief ihr über die Wange. Ich stand auf. Jetzt wusste ich woher ich sie kannte. Sie war diese Person, die mir schon seit 20 Jahren nicht mehr aus den Kopf geht. Dessen herzzerreißendes Gesicht ich immer noch vor Augen hatte. Und sie war wieder da. Sie hat mich gefunden. Nicht ich sie. Doch dann, mit gesenktem Blick, gab sie mir meine 10 Euro wieder und sagte: „Ich wollte nur wissen, ob du Ausländer wirklich so sehr hasst, wie du es mir gesagt hast. Doch jetzt weiß ich, dass dem nicht so ist. Ich habe dich sofort wiedererkannt und dich lange beobachtet um dir heute zu sagen, dass ich mich...“
 
Ausreden ließ ich sie an dem Zeitpunkt nicht. Ich ließ ihr Handgelenk nicht los, als ich sie sachte zu mir heranzog und zärtlich küsste...
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.12.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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