Brigitte Frey

DER SIEGELRING - Schmunzelgeschichte

Nach einer wahren Begebenheit
 
Nur eine leichte Wand und ein Vorhang aus Samt trennte die Goldschmiedewerkstatt vom Juweliergeschäft. Dahinter saßen der Meister, ein lustiger Typ, immer zu irgendwelchen Späßen aufgelegt, zwei Gesellinnen und ein Lehrjunge rund um einen Goldschmiedetisch.
Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass wenn jemand das Geschäft betrat, in der Werkstatt weder gesprochen, oder ganz und gar gelacht wurde.
Die Frau des Meisters bediente meist im Laden, kam aber immer erst im Laufe des Vormittages in das Geschäft.
So ging auch an diesem Morgen, als die Ladenglocke erschallte, der Meister selbst in den Laden, um den eingetretenen Kunden zu bedienen. Der Kunde war ein Herr mittleren Alters in einem langen schwarzen Wintermantel. Er machte einen sehr seriösen Eindruck. Es schien ein Geschäftsmann zu sein. Er präsentierte dem Meister einen Siegelring, den er wünschte, geweitet zu bekommen. Er wäre aber nur auf der Durchreise und brauchte ihn deshalb noch heute zurück.
Der Meister beschriftete das Tütchen für die Reparatur nicht. Er meinte wohl, diesen Namen könne man sich gut merken. Der Kunde hieß Puff!
Als die Frau des Meisters in das Geschäft kam, informierte er sie über den Kunden und den inzwischen fertig gestellten Siegelring. Dann kam der Spaßvogel zum Einsatz: „Du, Traudel, weißt du wie der Herr heißt? -Er heißt Bordell.“ konnte er noch sagen. Die Ladenglocke ging in diesem Moment und eine Kundschaft brachte die beiden von dem Thema ab. Es wurde auch nicht mehr darüber gesprochen.
Als der Kunde mit dem Siegelring das Geschäft betrat, wollte die Chefin, wie immer, sehr freundlich erscheinen und meinte: „Ach ja, ich weiß Bescheid! Sie sind der Herr Bordell, nicht war?!“
In der Werkstatt schraken in diesem Moment alle zusammen. Der Chef saß vor seinem Schurzfell und presste seinen Mund zusammen. Die Augen traten hervor und für die übrigen Anwesenden, war sein Anblick alles andere, als geeignet, ernst zu bleiben. Alle saßen jetzt um den Tisch und pressten die Hand auf den Mund, als es aus dem Laden ertönte: „Puff! Mein Name ist Puff!“
Die Frau des Meisters, die den fast kindlichen Übermut  ihres Mannes kannte, schaltete sofort und in ihrer Verlegenheit setzte sie dann noch einen drauf: „Ach entschuldigen sie vielmals, aber ich hatte mir nur gemerkt, dass es etwas mit Freudenhaus’ war!“
Da nützten auch dem Meister die beiden vor den Mund gepressten Hände nichts mehr. Er prustete laut los und rannte mit Tränen in den Augen und hochrotem Kopf in Richtung Hintertür. Das  war auch das Verderben für die beiden Gesellinnen und den Lehrling. Sie platzten fast vor Lachen und alle guten Vorsätze waren vergessen! Das verschlimmerte natürlich noch die Situation im Laden für die Chefin und den armen Herrn Puff. Dieser verließ ziemlich empört das Geschäft.
Die Chefin stürzte in die Werkstatt: „Wo ist mein Mann?“ schrie sie mit immer noch ziemlich geröteten Kopf. Die drei anderen sahen nur in Richtung der Hintertür und nahmen dann das ganze Donnerwetter entgegen.
Der Meister ward an diesem Tag nicht mehr gesehen!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.01.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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