Marina Juric

By your side

Eine Schneeflocke landete direkt neben seinem linken Nasenflügel, genau in dem Moment, als er die Augen aufschlug.
Sie zerschmolz auf seiner Haut und bildete eine winzige Pfütze, während weitere weiche Schneeflocken auf sein Gesicht fielen.
Er hob ein wenig den Kopf und versuchte zu erkennen, wo er sich befand, aber seine Sicht war seltsam verschleiert, so als ob durch eine ölverschmierte Brille schauen würde.
Der Schnee ist rot, dachte er ein wenig verwundert und ließ den Kopf wieder in das kalte Kissen sinken, während seine Augen die rote Fläche betrachteten.
 
Es war sein Blut, das den Schnee gefärbt hatte, aber er wusste es nicht.
Ebensowenig wie er wusste, dass sein Körper  inmitten der Massen von Schnee lag, während die eisige Kälte unaufhaltsam in seine Knochen kroch.
Er spürte es nicht.
Alles was er fühlte war die Müdigkeit, die wie eine unsichtbare Decke auf seinem Körper ausgebreitet war und ihn dazu einlud, schlafen zu wollen.
Er schloss die Augen.
 
„Nick, wach auf, ich bitte dich! Nick…“
Wie durch eine dicke Mauer hindurch hörte er die Stimme, die immer wieder die Worte wiederholte.
Er versuchte sie zu ignorieren, aber wie eine hartnäckige Fliege, die sich nicht verscheuchen ließ, drang sie immer wieder zu ihm durch.
Er öffnete die Augen und blinzelte, versuchte herauszufinden, woher die Stimme kam, aber schloss sie dann wieder, als es ihm nicht gelang.
„Nick, mach die Augen auf! Du darfst nicht einschlafen, hörst du mich?“
 
Seine Lider begannen zu flackern, als er die Stimme erkannte.
Er wollte ihr antworten, dass sie ihn liegen lassen sollte, aber etwas an der verzweifelten Art, wie sie es sagte, trieb ihn dazu, seine Augen offen zu lassen.
Hanna.
Er war sich nicht sicher, ob er ihren Namen wirklich gesagt hatte oder ob das Wort immer noch zwischen seinen Lippen gefangen war, also konzentrierte er sich mit aller Kraft darauf, es noch einmal zu sagen.
„Hanna.“
 
„Ich bin hier, Nick… Du darfst nicht einschlafen! Du wirst erfrieren, verstehst du mich? Du musst aufstehen und zurück in den Wagen gehen.“
Er blinzelte einige Male, und ganz langsam verschwand der Nebel vor seinen Augen und das Bild der Frau, die sich über ihn gebeugt hatte, wurde klarer und deutlicher.
In ihren dunklen Haaren hatten sich weiße Flocken verfangen, ihr Gesicht war blass und in den Augen… in den wunderschönen, braunen Augen, die er so liebte, war nackte Angst zu sehen.
Nick wollte die Hand nach ihr ausstrecken und ihr Gesicht berühren, aber er konnte es einfach nicht.
 
„Steh auf, Nick, bitte!“ Eindringlich redete Hanna auf ihn ein, immer wieder, und er wünschte sich verzweifelt, ihrer Bitte nachkommen zu können, aber er hatte keine Kraft dazu.
„So…müde“  schaffte er zu sagen.
„Ich weiß du bist müde…. Aber du darfst nicht einschlafen, nicht hier! Du musst zurück in das Auto gehen bis Hilfe kommt.“
 
Nick wusste, er konnte es nicht, er würde sie enttäuschen und er stellte sich vor, wie die Verzweiflung in den braunen Augen der Frau, die ihm alles bedeutete, sich in Traurigkeit wandeln würde und plötzlich wusste er, dass er es nicht zulassen durfte.
Er durfte seine Augen jetzt nicht schließen, er durfte nicht einschlafen, auch wenn sein Körper mehr als alles andere danach verlangte.
„So ist es gut, ich weiß, du schaffst es! Bis zum Auto sind es nur ein paar Schritte, und ich bin da, ich helfe dir. Beweg deine Arme, stütz dich ab!“
Hanna hörte nicht auf, ihn zu ermutigen, ihre Worte suchten und fanden immer wieder einen Weg in Nicks Bewusstsein und ganz langsam, wie ein Kind, das das Laufen lernt, stand er auf, ignorierte den brennenden Schmerz in seinem Schädel und stolperte einige Schritte durch den Schnee, bis er das Auto sah.
 
Hanna war an seiner Seite, unaufhörlich redete sie auf ihn ein, spornte ihn an, trieb ihn dazu, alles an Kraft aus sich herauszuholen, um den Wagen zu erreichen.
Und wie durch ein Wunder schaffte er es, in das Innere des Autos zu klettern.
„Hanna…?“
Er wollte ihe zeigen, dass er es geschafft hatte, dass er alles aus sich herausgeholt hatte und gegen die Müdigkeit angekämpft hatte. Aber mehr als alles andere wollte er sehen, dass diese verzweifelte Angst aus den Augen seiner Geliebten verschwunden war.
 
Hanna schenkte ihm ein schiefes Lächeln und sagte:
„Versuch, ob du das Auto starten kannst, du musst die Heizung anmachen“.
Es dauerte eine Weile bis er begriff, was sie von ihm wollte.
Sein Schädel verursachte bei jeder Drehung, bei jeder winzigen Bewegung einen so scharfen Schmerz, dass ihm schwarz vor Augen wurde, aber als er die Hand hob, um seine Schläfe zu berühren, hielt Hanna ihn davon ab.
„Nicht anfassen… die Heizung, Nick. Du musst sie anmachen. Komm schon, dreh den Schlüssel herum“ erinnerte sie ihn immer wieder und er tastete unterhalb des Lenkrads nach dem Schlüssel.
 
Tatsächlich fand seine Hand ihn auch und er drehte ihn herum, aber das Auto gab nur ein kurzes Wimmern von sich, ehe es wieder verstummte
„Du musst es wieder versuchen!“ der Ton in Hannas Stimme veränderte sich bei jedem fehlgeschlagenen Versuch und wurde eindringlicher, panischer.
 
Endlich ließ der Motor ein schwaches Röcheln hören, stotterte, ratterte, hustete, und dann  erfüllte ein lautes, kraftvolles Brummen die Stille der Abenddämmerung.
Hanna gab ein Seufzen der Erleichterung von sich als er es schaffte, die Heizung auf die höchste Stufe zu stellen.
 
Sie sah, wie Nicks Körper vor Kälte bebte und streckte die Hand nach ihm aus, als ob sie ihn berühren wollte, während eine einzelne Träne langsam ihre Wange herablief.
Was… ist passiert?“ murmelte Nick und lehnte sich langsam in den Sitz zurück.
 
„Wir hatten einen Unfall. Wir wollten die Autobahn meiden wegen dem Stau und haben statt dessen diese Landstraße, die kaum genutzt wird, genommen, erinnerst du dich?“
 
Bilder flackerten vor seinem innerem Auge auf.
Er sah sich selbst, wie er die Sachen für den Urlaub in dem Auto verstaute, während Hanna die Route ausgedruckt hatte.
 
„Im Radio wurde gemeldet, dass die Landstraße noch nicht gestreut wurde… aber ich bestand trotzdem darauf, die Autobahn zu meiden. Es ist alles meine Schuld.“ Hannas Stimme war so leise wie ein Windhauch, während sie sprach.
„Auf einem vereisten Stück sind wir dann ins Schleudern geraten und haben die Kontrolle verloren. Wir sind von der Straße abgekommen.. haben uns einmal überschlagen… dabei ist der Tür aufgegangen und du bist rausgeschleudert worden. Du warst nicht angeschnallt.“
 
Er hörte ihre Worte, sie drangen zu ihm durch, aber er schaffte es nicht, das Gehörte in Verstehen umzuwandeln, ebensowenig wie er es schaffte, die Erinnerung an den Unfall wieder herzustellen.
 
„Du…?“ war alles, was er zu fragen schaffte.
Sie verstand.
In so vielen Jahren, in denen sie sich kannten, in denen sie ihre Liebe zueinander aufgebaut hatten wie ein Haus, das jetzt stabil und sicher allen äußeren Einflüssen trotzte, verstand sie es, jede kleine Geste, jedes Wort ihres Freundes zu deuten.
 
Sie überlegte eine mögliche Antwort und entschied sich für ein schlichtes:
„Mir geht es gut, Nick.“
Sie schloss die Augen, teils, um ihre Tränen zu verdrängen, teils, um ihn daran zu hindern, die Wahrheit in ihnen zu erkennen.
 
„Jemand wird kommen und dir helfen. Du.. musst nur durchhalten. Deine Wunde am Kopf muss behandelt werden. Versprich mir, dass du durchhältst, ok?“
„Ja“ antwortete er matt, während seine Augen allmählich zufielen und ihre Worte undeutlicher wurden, als wäre sie in einem anderen Raum, der weit weg war.
 
Er lehnte sich an sie, zwang sich, seine Augen zu öffnen und die Lippen seiner Geliebten zu küssen, ehe er sich an ihre Schulter kuschelte.
Sein Kopf schmerzte, als würde ein schwerer Zug in Sekundenintervallen darüber hinweg rasen, aber Hannas Geruch und ihr vertrauter Körper machten den Schmerz erträglicher, weicher, so als würde ihre bloße Anwesenheit ihn verdrängen.
 
„Ich liebe dich…“ flüsterte sie mit zittriger Stimme.
„Liebe… dich auch“ murmelte Nick und ergriff ihre Hand.
 
„Du wirst aushalten, du hast es mir versprochen. Bald wird Hilfe kommen… Ich liebe dich, vergiss das nicht… Ich.. wollte dir noch etwas geben. Es sollte eine Überraschung sein, ich wollte es dir schenken, wenn wir in Aspen angekommen sind. Es ist im Handschuhfach, ok?“
 
Er wollte antworten, aber aus seinem geöffneten Mund kam kein einziger Laut, also drückte er nur leicht ihre Hand um ihr zu signalisieren, dass er verstanden hatte.
Es hatte aufgehört zu schneien und die Scheiben im Inneren des Autos beschlugen durch den Atem, ebenso wie sein Blick wieder undeutlich und neblig wurde.
 
So viele Fragen strömen auf ihn ein, alles wirkte so seltsam unwirklich, als würde er es träumen, aber sein Kopf war so schwer, und die Gedanken in ihm konnten nicht kreisen.
 
„Es tut mir so leid, Nick…“ wisperte sie,  während sie den Tränen erlaubte, ihre Augen zu verlassen und auf sein weiches Haar zu fallen.
Sie wiederholte die Worte immer wieder, aber Nick hörte sie nicht mehr.
 
 
******
 
 
Ein lautes Klopfen an der Fensterscheibe weckte Nick und er hob den Kopf, nur ihm in sofort wieder an Hannas Schulter sinken zu lassen, als ihm der Schmerz den Schädel zu spalten drohte.
Eine Taschenlampe leuchtete ins Innere des Wagens und eine dröhnende Männerstimme rief:
„Sir, sind Sie verletzt?“
 
„Hanna… sie sind da! Jemand ist gekommen…“ rief er und drückte ihre steife, kalte Hand, erhielt aber keine Antwort.
 
Die Fahrertür wurde aufgerissen und ein Mann leuchtete ihm direkt ins Gesicht.
„Ja… ich… mein Kopf“  begann er. Er wollte dem Mann genau erklären, was passiert war, aber er konnte es nicht. Offenbar verstand dieser ihn aber auch ohne Worte, nachdem er seine Wunde betrachtet hatte.
Er rief jemandem, den Nick nicht sehen konnte, etwas über die Schulter zu.
 
Sofort waren mehrere Hände da, die ihm aus dem Wagen helfen wollten.
„Sir, sie müssen loslassen“ Einer der Männer deutete auf seine Hand, die immer noch mit Hannas  verschränkt war, aber Nick schüttelte den Kopf.
 
Er musste seine Finger jedoch von denen seiner Geliebten lösen, als er aus dem Wagen getragen wurde.
„Hanna…“ rief er und versuchte, ihre Schulter zu berühren, aber die Sanitäter trugen ihn aus dem Auto, während er verzweifelt die Arme nach ihr ausstreckte und immer wieder ihren Namen rief.
 
Er erwartete, dass Hanna ihm jeden Moment ihr Gesicht zuwenden würde und ihm ein beruhigendes Lächeln schenken würde, aber die sitzende Gestalt auf dem Beifahrersitz blieb regungslos.
 
 
 
*******
 
 
 
Sie kümmerten sich um seine Wunden und redeten beruhigend auf ihn ein.
Jemand befragte ihn, wie es zu dem Unfall gekommen war, aber er antwortete nur unzusammenhängend und versuchte immer wieder, den Kopf zu heben, um Hanna zu sehen, aber der Sanitäter, der vorhin ins Auto geleuchtet hatte, drückte ihn jedes Mal in die Liege zurück.
 
„Ich möchte meine Freundin sehen“ rief er und sah den Mann bittend an, der seinem Blick immer wieder auswich.
Nick packte sein Handgelenk und wiederholte seine Bitte mit mehr Nachdruck. Ein seltsam beunruhigendes Gefühl bildete einen schweren Klumpen in seinem Magen, während er sich fragte, was die verstohlenen Blicke der Sanitäter zu bedeutet hatten, die sie sich zuwarfen.
 
„Sir…“ begann der Jüngere der beiden und legte eine Hand auf seine Schulter.
Es war eine Geste, die irgendwie hilflos wirkte und Nick fühlte, wie sich der unförmige Klumpen in seinem Magen auflöste zu einem eisigen See, der seinen Körper in eine nie gekannte Kälte tauchte.
 
Er hörte die Worte, die seine Ohren nicht hören wollten, er sah einen Ausdruck auf den Gesichtern, den seine Augen nicht sehen wollten und er schloss seine Lider, als ob er dadurch den Sätzen, die gesprochen wurden, entkommen konnte, aber sie kamen unbarmherzig, gnadenlos:
 
„Sir… ihre Freundin ist tot. Sie ist gestorben, als das Auto sich überschlagen hat. Ihr Genick..“
 
Die Schmerzen ignorierend, schüttelte er heftig den Kopf: „Nein, Sie lügen! Sie ist nicht tot, sie hat mir geholfen, als ich aus dem Auto geschleudert wurde! Sie stand neben mir, sie hat auf mich eingeredet, sie hat…“
 
„Sir…“ die Stimme war leise, beruhigend, aber bestimmt.
„Das kann nicht sein… Ihre Freundin ist…“
 
„Nein!“ unterbrach Nick ihn mit einer fremden, schrillen Stimme.
„Sie irren sich, sie ist nicht tot! Sie ist aus dem Wagen gestiegen, um mir zu helfen, wie hätte sie das machen können, wenn sie tot ist? Wie? Wie?? Sagen Sie´s mir! Ich will sie sehen… bitte!“
 
Sie drückten ihn mit Gewalt auf die Liege zurück und warfen sich irritierte Blicke zu, während sie versuchten, den blonden Mann zu beruhigen, der sie mit einem Ausdruck reinsten Entsetzens anstarrte.
 
Einer von ihnen verließ den Krankenwagen und kehrte nur wenige Augenblicke später, um leise zu sagen:
„Man sieht deutlich die Stelle, wo sie aufgeschlagen sind, als Sie aus dem Wage geschleudert wurden. Man kann auch ihre Schritte im Schnee sehen, die Sie hinterlassen haben, als Sie zum Wagen zurückgegangen sind.. Aber… man sieht nur Ihre Schritte. Wenn Ihnen Ihre Freundin geholfen haben soll… dann wären da auch ihre Spuren zu sehen… Sir, Sie müssen sich…“
 
Er verstummte als er sah, dass sich die Augen des Mannes mit Tränen füllten, während er kaum hörbar flüsterte:
„Sie hat gesagt, ich muss aufstehen. Sie hat gesagt, ich werde erfrieren… sie hat… er… oh bitte…es kann nicht sein..“ Die Tränen liefen über seine blassen Wangen, während er immer wieder nur ein einziges Wort wiederholte:
 
„Hanna…“
 
 
 
*******
 
 
 
Es war dunkel im Zimmer und ein intensiver Geruch nach Desinfektionsmittel stieg ihm in die Nase, während er blicklos durch das Fenster in die Nacht hinaus starrte.
 
Er hatte keine Tränen mehr, die er weinen konnte, ebenso wenig wie er wusste, wie es weitergehen sollte, wie es weitergehen konnte.
Er fühlte sich leer und kalt, als wäre seine ganze Energie, alles, was ihn ausgemacht hatte, alles, was er einmal gewesen war, mit seinen Tränen aus ihm geflossen.
Zurückgeblieben war nur eine Hülle, die nichts fühlte, nichts wahrnahm.
 
Seine Gedanken kreisten immer wieder um das, was geschehen war, nachdem er aus dem Auto geschleudert worden war.
 
Hanna war tot und er würde nie wieder ihr Gesicht sehen, die Augen, die er mehr als alles auf dieser Welt liebte, die Lippen, die so weich und sinnlich waren, und die er unzählige Male geküsst hatte.
Er erinnerte sich an ihren ersten Kuss… ihre Lippen waren so sanft gewesen und hatten ein wenig nach lieblichem Wein geschmeckt, so dass er sich von ihren Küssen ein wenig betrunken gefühlt hatte.
Dunkles, dickes Haar, das er nie mehr verspielt durch seine Finger gleiten lassen konnte.
Er würde nie wieder ihre Arme spüren, nie wieder ihre Umarmung fühlen.
Aus ihrem Mund würde kein „ich liebe dich“ gekommen, ihre Hände würden ihn niemals wieder berühren.
 
Die Fragen, warum Hanna ihn nicht gestützt hatte und warum sie nicht selber den Motor gestartet und die Heizung aufgedreht hatte, wurden beantwortet.
 
Sie war schon tot gewesen, als er im Schnee gelandet war… und doch hatte sie ihren Geliebten gerettet, hatte dafür gesorgt, dass er aus der todbringenden Kälte in die schützende Wärme des Autos geklettert war.
Niemals würde er erfahren, wieso das möglich gewesen war, aber er wusste, er hatte sich nichts eingebildet, wie ihm die Ärzte hatte versichern wollen.
Hanna war da gewesen, als er im Schnee gelegen hatte, er hatte sie gesehen, hatte ihre Worte gehört.
 
Sie hatte ihn davor bewahrt, in der eisigen Kälte zu erfrieren.
 
Alles wurde plötzlich klar.
 
Und dennoch ergab nichts einen Sinn.
 
 
 
 
*********
 
 
 
 
Eine der Krankenschwestern hatte ihm den Gefallen getan, um den er sie gebeten hatte und sie überreichte ihm das Päckchen mit den Worten:
„Ich hoffe, es ist das, was Sie wollten… Zumindest war es das einzige, was im Handschuhfach lag.“
 
Er bedanke sich mit tonloser Stimme bei ihr und drehte das kleine Paket in seinen Händen hin und her, ehe er es wagte, es zu öffnen.
Rücksichtsvoll verließ die Schwester das Zimmer und schloss leise die Tür hinter sich.
 
 
Als das Papier entfernt war, kam eine Schachtel zum Vorschein.
Mit zitternden Fingern öffnete Nick sie und sah einen schlichen, silbernen Ring im Inneren.
 
Er nahm ihn heraus, legte ihn vorsichtig in seine Handfläche und schloss seine Finger um ihn.
 
Er fühlte sich seltsam warm in seiner Hand an, so als wäre er eben gerade noch getragen worden und er spürte, wie sich etwas in ihm regte.
Zum ersten Mal, seit er in dieses Krankenhaus gebracht worden war, fühlte er wieder etwas in sich.
Die Leere in seinem Herzen füllte sich mit einem warmen Gefühl und erstreckte sich auf seine ganze Haut, erfasste sein ganzes Inneres.
 
Ein Zettel lag zusammengefaltet in der Schachtel und als er ihn las, spürte er, wie sich seine Augen mit Tränen füllten.
 
Nick,
ich gehöre zu dir, ebenso wie du zu mir gehörst. Ich werde immer für dich da sein, immer an deiner Seite sein, so wie du an meiner bist.
Du bist der fehlende Teil, der meine Seele ergänzt.
Ich liebe dich.
Hanna
 
 
 
Er öffnete die Faust und besah sich den Schriftzug, der im Inneren des Ringes eingraviert war:
Always By Your Side
 
Es tat so unendlich weh und gleichzeitig hatte sich nichts jemals so wundervoll angefühlt.
 
Und er wusste, er würde es schaffen, er würde weiterleben.
 
Weil Hanna es gewollt hatte.
 
Und weil sie wieder vereint sein würden.
 
Irgendwann.
 
Eines Tages.
 
 
 
 
ENDE
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.01.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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