Christa Eva Walter

Vera Letzter Teil!

 

                                                   Vera
 
Aber auch diese Zeit näherte sich dem Ende zu und ich wusste nicht ob mir zum Lachen oder Weinen war, wir waren alle ein bisschen zusammen gerückt, hatten uns näher kennen gelernt, jeder wusste vom anderen und seinen Zielen, die man so gern verwirklichen wollte. Schade dachte ich,... dass man sich im Leben immer von etwas trennen musste, wir hatten uns alle
durchgebissen, gekämpft,...  jeder für sich... 
und doch in einer Gemeinschaft, der Abschied fiel uns allen schwer, und über
unseren Wünschen für die Zukunft, hing ein Hauch Melancholie.
Stolz mit meinem Zeugnis in der Hand, besuchte ich meine Lehrerin in der Grundschule, aufgeregt verfolgte ich, wie sie meine Benotungen las,... ich kam mir vor wie ein Schulkind, nach
einer Weile sagte sie wie selbstverständlich,... ich hatte
nichts anderes erwartet und lächelte mich an,... aber es lag etwas in ihrem Blick, dass mich fühlen ließ,... sie freute sich mit mir.  Ich bin froh, sagte ich, ihnen begegnet zu sein ... und verließ das Schulgebäude,... halten sie mich auf dem Laufenden rief sie mir beim Weggehen noch nach. Ich machte wieder meine
Spaziergänge durch den Abend, viele Gedanken gingen mir durch den Kopf, ich musste mich neu orientieren und ich musste
mich beruflich verändern.

Ich blieb vor dem Schaufenster stehen, mein Abendkleid in das ich mich verguckt hatte, war längst ausgetauscht und wurde ergänzt durch ein chices lilafarbendes Kostüm,... was mir ebenfalls sehr gut gefiel. Ich schlenderte die Straßen entlang, leichtfüßig,... stolz mein Blick,... die Lichter der Stadt umspielten
mein Gemüt, sie kamen mir vor wie glänzende Sterne,... und in
dem Trudel der Gefühle,... bemerkte ich, wie mir ein etwas älterer netter Mann etwas sagen wollte, er schaute mich an, als wenn
er in meinem Gesicht etwas suchen wollte, sind sie
nicht,... ja doch wir kennen uns,... sie sind Marie,... ich erkenne sie an ihren wunderschönen blauen Augen.  Mir blieb der Atem stehen,... was wollte dieser Mann von mir, nur das mit den wunderschönen Augen tat mir richtig gut, das hatte mir schon lange keiner mehr gesagt. Die kleine Marie aus der Hauptschule, die immer so tolpatschig sein konnte und mit ihren Späßen die Lehrer zum Wahnsinn trieb.


Hm... wollte ich einräumen, das konnte nicht sein, aber er hielt sich daran,... ich hörte ihm zu, immer dabei bedacht, zu sagen,
das ist alles ein Irrtum guter Mann und lassen sie mich in Ruhe. 
Aus welchen Gründen auch immer, ich ließ mich einladen zu
einer Tasse Kaffee in der City!...  
Am nächsten Morgen gestand ich ihm, dass das ganze ein Irrtum ist, und ich die falsche Frau,... verdutzt schaute er mich an, ich schämte mich auf so ein Spiel eingegangen zu sein,... aber ich sehnte mich auch nach einer Umarmung,... nach diesem Gefühl, eine Traumfrau gewesen zu sein.  Die Tür schloß sich, und es tat weh,... Vera hörte ich mich sagen, hattest du das nötig!  Meine Arbeit zerstreute mir die Gedanken, immer wieder versuchte ich diese ganze Geschichte zu vergessen,... ich schaffte es nicht,... warum konnte ich nicht die richtige Frau sein? So verging einige Zeit und ich widmete
mich meinem eigentlichen Ziel zu.  Ich blätterte in den Zeitungen und suchte nach Stellenangeboten. Schrieb unermüdlich Bewerbungen ... und konnte nicht vergessen,... unter anderem schaute ich auch gern auf die Seite mit den 

"Guten Tag Anzeigen" einfach nur so ... und traute meinen Augen nicht. 


Suche die Frau mit den wunderschönen blauen Augen,  die ich irrtümlich Marie nannte,... ich möchte sie wiedersehen.  
Bin jeden Abend in dem gleichen Cafe!... 
Immer wieder las ich diese Zeilen. Mein Herz sprang über vor Freude. Ich wusste,
heute Abend bin ich nicht allein. 
Ich betrat dieses Cafe und zitterte am ganzen Körper, noch immer unwohl in meiner Haut,
etwas Falsches vorgegeben zu haben. Mein Blick erhaschte eine gemütliche Ecke und ein gut angezogener, nicht mehr ganz junggebliebener Mann
zeigte mir ein hinreißenden Lächeln. Aber auch ich, strahlte zurück. In einem chicen lilafarbigen
Kostüm, stand ich nun vor ihm  und ich glaube an diesem Abend glänzten auch meine Augen wieder,... nach langer,
langer Zeit!  
Ich hatte mich schon bei der ersten Begegnung in ihn verliebt, vielleicht auch, weil ich ihm so passiv gegenüber
stand und seiner Stimme lauschte, die so angenehm und ruhig herüber kam, wenngleich auch ich mit seinen Erzählungen
nichts anfangen konnte und er zufrieden schien, wenn ich nickte. Geschickt setzte ich auf andere Themen und konnte
zuhören, ohne viel sagen zu müssen. 
Wer immer sie auch sind,... ich konnte sie nicht vergessen. Ich heiße Vera stammelte
ich kleinlaut daher ... und begann von mir zu erzählen ... und mit viel Geduld hörte mir endlich mal ein Mann zu!...


Dieser Abend war die Entscheidung für mein weiteres Leben. Ich sitze heute in einem Büro, erledige sämtlichen Papierkram
und Telefonate, und vergesse manchmal vor Glück, den Computer auszuschalten,... allerdings wenn ich Papierkörbe sehe,
sorge ich immer dafür, dass kein Papier daneben fällt ... und mein Schreibtisch
aufgeräumt ist. Ich habe nicht vergessen,
wie hart Arbeit sein kann, und wie schwer ein Lächeln. Kein Tag ist nun mehr der Gleiche, kein Abend für mich mehr einsam
und über das Älterwerden, mache ich mir schon lange keine Gedanken mehr. Es hatte sich gelohnt mein Leben zu ändern ...
und ich gebe zu, dies brauchte auch viel Mut,... aber oft genug bekommt man einen Wink ... und man muss ihm nur folgen.
Ich habe gelernt, dass jeder Abschnitt im Leben eine  Herausforderung ist und positives Denken mich weiter bringt. Nur
eines habe ich nie verloren, aus dem Fenster zu sehen, mir Zeit zu nehmen,... für ein paar Träume, jetzt konnte ich sie mir
leisten, denn ich hatte sie mir erfüllt.

Manchmal gehe ich zu Vorlesungen ... und sitze in einem Hörsaal. Wie sagte ich es einmal,... wenn ich diese Schule schaffe,
schaffe ich alles in meinem Leben. 
Vera,... rief mir eine vertraute Stimme zu, hast du es endlich gefunden? Ich wühlte in den Schubladen herum und konnte mein Stammbuch nicht finden,... verdammt dachte ich, ich hätte es mir nie träumen lassen,
dass ich es überhaupt noch brauche, aber ich musste es finden. 

An einem sonnigen Freitagmorgen, in einem lilafarbigen Kostüm, betrat ich mit meinem angehenden Mann das Standesamt ...
und war aufgeregt wie ein Teenager. 
Ich freute mich auf ein gemeinsames neues Leben,... an der Seite eines wunderbaren
Mannes. Was immer dieser Irrtum einmal auch bedeutete, es hatte mir Glück gebracht. 
Das kleine Cafe in der City,... wo alles begann, war geschmückt mit herrlichen Blumengebinden und auf dem Tisch stand eine reich verzierte Hochzeitstorte, die
mein Herz zum Überlaufen brachte. Die Menschen, die mir lieb geworden waren, teilten mit mir mein Glück und so gehörte
auch meine Lehrerin dazu,... ich hatte nichts anderes erwartet,  äußerte sie sich so ganz nebenbei und genoß sichtlich ein
großes Stück Torte. Sie war kein Freund großer Worte ... und teilte lieber Noten aus.  Noch mitten im Kampf um ein nächstes
Stück Kuchen, dass meinen gesamten Diätplan sprengte, wurde mir ein Paket gereicht,... nein dachte ich und wurde ganz
verlegen, denn ich hatte heute das wertvollste Geschenk schon erhalten.

Mein Mann wurde plötzlich nervös und konnte es kaum erwarten, dass ich es öffnete. Zuerst sah ich diesen Umschlag,...
vorsichtig machte ich ihn auf,...
es waren zwei Schiffskarten für einen Urlaub in die Karibik,... ich hielt sie in meinen Händen
und konnte vor Freude garnichts sagen,... dann sah ich etwas schwarzes seidiges, was nicht gleich zu erkennen
war und
hob es vorsichtig aus dem Karton heraus...

... Es war ein Abendkleid!...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.01.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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