Maximilian Gaik

Oh Du armer Roland

Roland Du bist so reich
Ein Mann von Welt
Und doch hast Du nichts
 
Dein ganzes Leben war ein langer Arbeitstag
Jetzt hast du Feierabend
Und ruhst dich aus
Ausgiebig
 
Du verbringst Deine Zeit auf vielen Inseln
Lernst jeden Tag neue Frauen kennen
Die Dich lieben
Körperlich
 
Du machst eine Weltreise von dem Geld dem vielen
Jetzt hast du Zeit es auszugeben
Mit 78
 
Du hast Kraft für die Frauen
Mit der blauen Pille
 
Macht Dich das glücklich?
Oder soll es Dich nur ablenken
Dich entzücken, Dein armes Herz verstummen lassen
Wenigstens für heute
 
Denn morgen wird es umso ungehaltener aufbegehren,
Wehklagen und doch wirst du wegschauen
Auf Denise, Lola oder Chantalle
Auf den F50, deine 10.000 PS starke Yacht
Mit Marmorbad und Goldwaschbecken
Oder auf dein französisches Himmelbett
In dem Du nie geschlafen hast
 
Roland, es bleibt nicht mehr viel Zeit
Dein Herz ist unausgefüllt
Du stehst mit einem Bein im Grab
Und stirbst einsam wenn Du nichts unternimmst
Wie bitter ist der Preis den Du zahlen musstest
Um nie wieder auf irgendeinen Preis zu achten?
 
Jetzt fragst Du Dich
War es das wert?
Oder hätte ich sie damals lieber heiraten sollen?
 
Dein Herz weiß die Antwort
Du weißt sie auch
Nur sie auszusprechen würde Dich ruinieren
Dein Lebenswerk zunichte machen
 
Deine Ziele hast du stets erreicht
Weil Du bereit warst Dich für sie aufzuopfern
Nie bist Du in Dich gegangen und hast der Stimme gelauscht
Die immer lauter wurde
Die heute bis zum Himmel schreit
Die Du dennoch unterdrückst
Ja Roland es ist die Stimme deines Herzens
Dein armes Herz stirbt jeden Tag aufs Neue
Nie hast Du Dir Gedanken gemacht über das wahre Leben
Du wolltest den totalen Erfolg
Durch Deinen unbeugsamen Willen hast Du es nun geschafft
Du bist der reichste Mann der Welt
Und doch der ärmste
Nie hast du deinem Herzen erlaubt zu lieben
Warum Roland?
Warum musste es soweit kommen?
Seit Du Sie verlassen hast
Die einzige die du je liebtest
Ist dein Blick leer geworden
Dein Wille hat dein Herz besiegt
Wie konntest Du das nur zulassen?
Was bist Du für ein Mensch?
Roland, Du bist nichts
Du bist niemand
Lediglich die Geißel deines Geldes
Befreie Dich lass los bevor Du einsam stirbst
Suche Sie noch einmal auf
Lass Herz laut aufschreien vor ihr
Du weißt es muss sein
Du willst es
Mit einem Mal bedeutet Dir das Geld nichts mehr
Dein Wille ist gebeugt
Von Deinem Herzen aus dringt etwas durch
Durchfährt Dich vollkommen
Du hast es lange nicht mehr gespürt
Du bist berauscht, erquickt und voller Drang
Zu Eva
Wie alt mag sie wohl sein?
Es spielt keine Rolle
Du hast Sie immer geliebt
Es lange nicht mehr zugelassen
Bis heute
Jetzt machst Du Dir Vorwürfe und leidest
Es ist gut zu leiden
Man spürt, dass man lebt
Wer leidet kann auch lieben
Wer lieben kann ist in seinem Herzen ausgefüllt
Wird Diese Liebe erwidert, so gibt es nichts Stärkeres
Roland ist unterwegs zu ihr
Die Zeit dehnt sich ins Unendliche zum ersten Mal seit langem
Er fühlt wieder Feuer ins sich auflodern
Sturm und Drang erfüllen ihn
Die alte Ungestümtheit ergreift vollständig Besitz
Er ist unterwegs in der Luft und hat gerade seinen Kurs geändert
Zu seiner einzig wahren Liebe zieht es ihn jetzt
Die er so lange Zeit verschmäht hat
Vergessen sind die letzten 50 Jahre
Gottlose, Herzlose Jahre
Sein Herz kam nicht zu Wort
Er war kein Mensch
Er war ein Schatten, ein Geist
Doch jetzt ist er wieder der alte Roland
Und alles soll wieder so werden wie es war
Nicht mehr lange und ihm wird Eva vorgeführt
Seine Eva
Die Eva in die er sich mit 17 verliebte
Und 11 Jahre lang liebte
Und von der er sich heute noch Liebe erhofft
Ihre Blicke treffen sich
50 Jahre gingen auch an Eva nicht spurlos vorbei
Man sieht es ihr an
Auch sieht man ihr an, dass sie voller Scheusal und Ekel auf Roland darniederblickt
Roland zögert
Er hat es sich bedeutsam einfacher vorgestellt
Er nimmt ihre Hand, lächelt, bringt aber kein Wort heraus
Es überwältigt Ihn zu sehr
Sein Herz ist ein Vulkan und schleudert glühendes Magma
Das jedoch spielt sich in seinem Innern ab
Eva merkt davon nichts
Sie fühlt sich unbehaglich
Hat ihr Herz schon vor langer Zeit ihrem Clemens geschenkt
Er hatte nicht den unbeugsamen Willen
Er brauchte ihn auch nicht
Was er brauchte das hatte er
Und das war Eva
Leider ist Clemens tot
Roland lebt
Doch kommt es Eva so vor als wäre Clemens lebendiger als Roland
Der schon 50 Jahre lang tot ist.
Roland fühlt sich elend
Er merkt etwas stimmt nicht mit Eva
Er merkt sie ist nicht bereit
Sie will nicht wie er
Es peitschen die wütendsten Worte aus ihrem Mund
All ihr Hass entlädt sich in einem Sturm entsetzlicher Ausdrücke gegen Roland
Sie fängt ein zu weinen
Roland versteht nichts
Er ist stumm und will nicht wahrhaben, was gerade passiert ist
Dann blickt sie ihn an, schaut ihm tief in die toten Augen
Ihr Blick ist resigniert
Man sieht sie hat ihn schon vor langer Zeit aufgegeben
Roland ist getroffen, sein Herz blutet
Er regt sich nicht
Er starrt sie nur an
Sein angespannter Körper befindet sich im Todeskampf
Er drückt fester ihre Hand
Er spürt der Moment ist gekommen
Und er will nicht einsam sterben
Es ertönt ein angestrengtes Stöhnen aus seinem Mund
Vergebens
Eva reißt sich los
Sieht mit Genugtuung wie sich Rolands alter Körper dem Boden Entgegensenkt und der letzte Lebenshauch aus seinen Lungen entweicht
 
Oh Du armer Roland
Du bist so reich
Ein Mann von Welt
Und doch stirbst du allein
 
 
 
 
 
Maximilian Gaik
 
 

Der Roland könnte fast ich sein wenn ich nen scheuklappenblick hätte ;-)Maximilian Gaik, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.01.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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