Jörg-Carsten Grimmer

Generationen- Der Versuch eines Trialoges.

Generationen
Der Versuch eines Trialoges.
-Auszüge-
 
Zyklus -Zeitlos-
21.09.2005
 
Handelnde Personen:
Gestern       
Heute          
Morgen       
 
 
 
gestern: Warum weinst Du?
heute:   Ich kann mich nicht erinnern
morgen: Dann betrifft es mich, ich sage dir, warum du verstehen sollst!
heute:   Wem sagst du es, Ihm oder mir?
Gestern: Ich kann mich nicht erinnern.
Morgen: Warum sollst du auch, es liegt noch vor dir. Nicht einmal das Heute kann es wissen.
Heute:   Wovon sprecht ihr?
Gestern: Ich konnte es nicht verhindern und hätte es gemusst.
Heute:   Ich besitze die Gnade der späten Geburt, ich kann nichts dafür.
Morgen: Wofür?
Gestern: Er meint mich. Als ich es sah und endlich begriff, war es zu spät für Veränderung.
Morgen: Was ändern? Das Leben, welches du lebtest oder das, was vor dir liegt?
Heute:   Ich bin ja sonst zufrieden.
Gestern: Du weißt es nicht besser!
Heute:   Willst du mein Gewissen sein?
Morgen: Nein!
Gestern: Das bin ich!
Heute:   Gestern war Gestern und Morgen ist Morgen. Ich fühle mich hin und her gerissen.
Morgen: Ich verstehe, er macht dir Vorwürfe, an die du dich nicht erinnern kannst und hoffst, dass ich sie vergesse.
Gestern: Ich gehöre aber auch zu euch, nur würdet ihrs gern leugnen.
Morgen: Ewig in dir zu sein, lässt mich nicht existieren!
Heute:   Wer fragt mich denn?
Gestern: Was sollen wir dich fragen? Ob es dir recht ist, so zu leben?
Morgen: oder wie es wird?
Heute:   Ich möchte nur verstehen!
         Verstehen, was war und was wird, damit ich sein kann!
 
 
GESTERN
 
Gestern
Zwo, drei, vier
Ja Gestern
Zwo, drei. Vier
Marschierte ich auf
Geraden Straßen
Alles war Anfang
Alles war Befreiung
Endlich waren wir wer
 
Heute
Zwo, drei, vier
Ja heute
Zwo, drei, vier
Marschier ich auf Straßen
Vom Leben leer
Tauch knöcheltief in Blut
Ja Gestern
Da warn wir noch wer!
 
 
Morgen: Was wird, kann ich dir nicht sagen. Es liegt an dir und deinem Gestern.
Gestern: Moment mal. Ich war ja auch mal Heute und Morgen und?
         Was kann ich dafür?
Heute:   Das meine ich nicht.
Morgen: Na du wirst doch eine Meinung haben.
         Oder liegt dein Mut im Schweigen?
Gestern: Es war ja nicht alles schlecht
Morgen: Für wen?
Heute:   Wer bin ich?
Morgen: Du bist ich!
Gestern: Du bist ich!
Heute:   Ich möchte nicht sein, wer ich war und habe Angst, so zu werden, wie ich nicht sein möchte!
Gestern: Ich versuche, mich dir zu erklären.
         Keiner konnte dafür, wir wurden geblendet, wir haben geglaubt, dass es richtig ist, so zu sein. Und denke an die Zeit damals, alles war schwerer als heute.
Morgen: Ich erinnere mich. Morgen war’s genauso.
Heute:   Du meinst, ich soll das Gestern vergessen, um im Heute zu leben? Aber ich erinnere mich, zwar nur verschwommen und kann es nicht verstehen. Ich sehe im Nebel der Zeit soviel Blut und kann es nicht erklären. Und die, die den Blutzoll verlangten, bluten bis heute nicht!
Gestern: Moment mal! Wer sind denn „die“? Wir brauchten doch mal jemand, der uns sagt, was richtig und was falsch ist. Was wussten wir schon von der Welt.
Heute:   Na soviel, dass man darin leben konnte, wenn man wollte.
Gestern: Und warum hast du geschossen?
 
 
Zwei Augenblicke
 
Hörst du
Sie rattern nicht mehr
Hörst du es
Hörst du es auch
Alles still
Tödliche Ruhe
Komm sei mutig
Schau heraus
Aus dem Schützengraben
Den des Lebens
 
Eng gepresst
Unsere Leiber verborgen
An dem kühlen Schmutz
Des Grabens
Der uns schützt
Vor blicken
Vor tödlichen Boten
 
Kaum zwei Augenblicke entfernt
Liegt er, unser Feind
Hat man gesagt
Hat man befohlen
Eng presst er seinen Leib
An den kühlenden Schmutz
Aus Angst vor
Unseren Leben
 
Doch die
Die uns sandten
Wo sind sie jetzt
In der Mitte
Sollten sie stehen
Sollten auffangen
Mit ihren
Schmutzigen Leibern
Die Blicke,
tödliche Boten
das Leben
 
 
heute:   Ich schieße nicht mehr! Aber du hast doch geschossen.
Gestern: Bin ich nicht auch du?
Morgen: Getötet wird immer, sonst gibt es keine Gerechtigkeit und keinen Frieden!
Heute:   Wie war das, als du deinen ersten Menschen getötet hast?
Gestern: Ich habe nur auf Feinde geschossen.
Heute:   Wer war dein Feind?
Gestern:          Na die anderen! Und überhaupt, wir mussten uns doch wehren.
         Ein Volk ohne Raum, geht das denn?
Morgen: Ich verstehe, was du meinst.
Heute:   Wer waren die Anderen?
Gestern: Lass mich doch in Ruhe! Ich kann mich nicht mehr erinnern.
Heute:   Wer denn sonst, wenn nicht du, erkläre es mir!
Morgen: Ich kann’s versuchen.
Heute:   NEIN
         So lange du das Gestern nicht begreifst.
 
 
HEUTE
 
Heute
Zwo, drei, vier
Ja heute
Zwo, drei, vier
Hör ich noch der Stiefel Hall
Seh, wie sie sich formieren
Geblendet durch den alten Geist
Falschen Idealen
Hin zu folgen
Nur um ihrem Heute zu entfliehn
Heute
Zwo, drei, vier
Ja heute
Da sind wir wieder wer!
 
 
Gestern: Ja damals, ich sag’s dir, da gab es Arbeit für alle. Wir hatten wieder Stolz. Na und die Anderen, die hatten endlich wieder Respekt vor uns.
         Ja, eigentlich wollten wir nur Arbeit und Respekt.
Heute:   … und Österreich!
Gestern: Na ja.
Heute:   … und Polen
Gestern: Hat das nicht mal uns gehört?
Morgen. Ich seh es schon vor mir!
Heute:   Und die Arbeit, wie sah die aus?
Gestern. Na ja, wie Arbeit eben so ist. Man hatte ja auch Wünsche, einen Volksempfänger, Stolz und Ehre.
Heute:   Nein, das meine ich nicht. Ich meine welche Arbeit gab es, die es vorher nicht gab?
Gestern: Na zum Beispiel bauten wir jetzt Autobahnen und in der Stahlindustrie ging es jetzt auch wieder besser. Wir brauchten doch alles neu und unser Führer gab es uns.
Heute:   Du meinst Hitler, das Schwein?
Gestern. Na, na, na. Es war ja nicht alles schlecht, bis auf die…
Heute:   Sag’s nur, sprich dich aus.
Gestern: Wir haben ja überhaupt nichts gewusst und außerdem haben wir nur unsere Pflicht getan, auch dann im Krieg.
Morgen: Ich seh es schon vor mir?
Heute:   Ihr könnt doch nicht alle so dumm, so blind gewesen sein?
Gestern: Was sollte ich denn machen, Befehl ist Befehl.
Heute:   Ich möchte nicht, dass du in mir bist und doch muss ich dich ertragen.
        
 
 
 

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