Albrecht Kuhn

Die Fee vom Märchenwald

 
             Als morgens die Sonne durch die Baumwipfel blinzelte,
             reckte sich Grimmi, die kleine süße Tochter der Hexe
             Grimmelzahn in ihrem Bett und versuchte noch einmal
             ein paar Minuten zu schlafen.
             Aber es ging einfach nicht mehr. Es zuckte am Ohr und
             juckte in den Zehen, kribbelte und krabbelte überall
             am ganzen Körper.
             " Ich werde mich wohl damit abfinden müssen, daß ich
             aufgewacht bin. Warum bin ich heute denn nur so müde?"
             Da fiel ihr wieder der Brief ein, den sie beim Herum-
             streunen im Wald gefunden hatte.
             Seinetwegen war sie doch nicht eingeschlafen.
             Sie hatte ihn bestimmt hundertmal gelesen.
             Schnell bevor die Mutter kam, hatte sie sich schlafend
             gestellt und ihn, nachdem die Luft rein war, immer und
             immer wieder angeschaut.
             Ach er war einfach herrlich!
             "--An die Fee vom Märchenwald--"
             Das stand auf dem Briefumschlag.
             ---------
             "--Fee--"
             ---------
             Wie gerne sie doch eine Fee wäre. Und da kommt jemand
             und schreibt ihr diese Zeilen. Ihr, der Tochter der Hexe
             Grimmelzahn.
             Es stand zwar nicht Grimmi drauf und auch nicht ihre
             Adresse:
 
                      Aloisia Grimmelzahn
                     
                      Märchenwald 17
 
                      beim Brunnen
 
             " Aloisia "
             " Hi,Hi,Hi."
             Immer wenn sie ihre Mutter beim Vornamen nannte, wurde
             diese immer furchtbar wütend.
             Beim letzten Mal war sie so sauer, daß sie vor lauter
             Wut, Mauli, die kleine Hauskatze in eine Maus verwandelte
             und danach den Zauberspruch vergaß, um sie wieder zurück-
             zu verwandeln. Die arme Mauli miaute doch tatsächlich
             zwei Tage lang als Maus herum. Die anderen Mäuse rasten
             immer ganz entsetzt davon.
                    
             -------
 
             Also diese paar Zeilen gingen ihr einfach nicht aus
             dem Kopf. Wer hatte ihr da geschrieben ? Ihr der schönsten
             Frau vom Märchenwald!
             Sie mußte einfach kichern, weil, eine Frau war sie nun
             doch noch nicht. Aber andererseits, ab wann ist man 
             eigentlich eine Frau, und kein Mädchen mehr ?---
             " Na ja, ist ja auch egal."---" Vorerst mal, später werden
             wir dann ja weitersehen."
             Aber die Schönste war sie auf jeden Fall, das wußte
             sie ganz bestimmt.
             Gerade als sie darüber nachdachte, knackte es draußen
             zwischen den Zweigen der Bäume. Es näherte sich Jemand
             dem Haus. Das konnte nur Mammi sein, zurück vom Garten,
             den sie etwas weiter weg angelegt hatten.
             Sie sprang gerade auf die Lichtung zu, von der aus die
             Geräusche näher kamen, da sah sie einen Jungen und ein
             Mädchen, Hand in Hand, daherkommen. Sie trug ein süßes
             Kleid und hatte schöne schwarze Haare, gerade wie sie
             selbst.
             Der Junge war lang und schlaksig und seine Hände waren
             viel zu groß.
             Ja das konnte man sehen.
             Was die wohl hier suchten?
             Es kam selten jemand hier her und schon gar nicht bis
             zur Hütte.
             Sie hielt es jetzt einfach nicht mehr aus. Man mußte
             doch einfach hören, was die Zwei miteinander sprachen.
             Grimmi wußte zwar, das gehört sich nicht, aber wie sollte
             sie sonst erfahren, was da vor sich ging?
             Und da hörte sie den Jungen gerade sagen:" Meine süße
             kleine Fee, ich liebe dich!"
           
             -------
 
             Hätte sie nur nicht gelauscht.
             Jetzt war ihr Traum geplatzt.
             Das war also die Fee und sie war wieder einmal nur
             die kleine Hexe.
             Schade, wo doch die Verse so schön waren.
            
             Träumen ist doch das Aller Schönste!
             Und diese Zeilen, Sie war noch immer ganz vernarrt in
             sie.
 
 
 
             ------- An meine Fee
 
                              
                     Ach du schwarze
                     Schönheit.
                     Das Verlangen nach
                     Deiner Seele, das Wissen
                     Um dich verbrennt
                     Mein Inneres.
                     Die Begegnungen mit dir,
                     Sind furchtbar    
                     Und herrlich
                     Zugleich.
                     Aber unsere Schatten
                     Werden nie eins.
                     Dafür sorgen
                     Unwissenheit, Vernunft
                     Und Schweigen.
 
                  
              " Würde meine kleine Fee jetzt aufstehen? "
              Hörte sie eine bekannte Stimme von ganz weit weg rufen.
              " Oder ist sie heute mal wieder eine kleine Hexe und
              will mir gar nicht helfen, das Frühstück zu machen? "
             
              -------
 
              Frühstücken zusammen ist etwas ganz Tolles. Wenn man
              nur nicht vorher aufstehen müßte.
 
              -------
 
              Als große Frau, werde ich mir mal das Frühstück ans
              Bett bringen lassen, das weiß ich ganz bestimmt.
 
              -------
 
              " Biggi! "
              " Komm doch!"
     
              Also Mammi konnte schon ganz schön nervig sein. Ich
              werde ihr wohl helfen müssen.
 
              " Ade Fee "
              " Ade, kleine Hexe Grimmi."
 
              -------
 
              " Aloisia."
              " Hi,hi,hi."
 
              Wie gut, daß die Mammi nichts davon wußte.
              Später als Frau, werde ich es ihr mal erzählen.
 
              " Raus jetzt! "
 
              -------
 
              " Ja, ja ich komm` ja schon. "
              
 
 
                          8.5.91 Malcesine
              
                                    der Kunni hat damals probiert eine Geschichte zu schreiben,
                                    es ist bis jetzt seine Einzige geblieben.
                                   
                                    Heute habe ich sie beim Durchstöbern von alten Texten
                                    wiedergefunden.
                                    Bin mal gespannt, was ihr dazu sagt.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.02.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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