Stefanie P.

Das Spiel 1.

 

Der Wind trug feine Sandkörnchen unerbittlich wie Schleifpapier in das Gesicht des jungen Mannes. Er folgte dem schwarzgewandten Mann nun schon seit Tagen und doch schien er ihm nicht einen Meter näher zu kommen. Dennoch wusste er, das nur dieser Mann die Antworten auf all seine Fragen hatte. Wäre es nicht so unvorstellbar würde er sich denken, das der Fremde mit ihm spielte. Sein Esel der die Wasserschläuche trug kam ins Straucheln und seine sowieso schon trüben Augen wurden blind. War das das Ende? Er dachte gar nicht daran aufzugeben. Er würde Antworten bekommen. Koste es was es wolle. Er beugte sich nieder und schulterte sich selbst die schweren Wasserschläuche. Wasser war seine einzige Überlebenschance da er nicht wusste, wie groß die Wüste noch war. Er schirmte seine Augen mit der Hand ab und sah sich um. Nichts gab ihm einen Anhaltspunkt darüber in welche Richtung er ging, aber der schwarz gekleidete Fremde hinterließ immer dann Hinweise wohin er sich gewandt hatte, als der Verfolger schon aufgeben wollte. Das Schlimmste war, das er keine Ahnung hatte wie er jeh hätte zurückkommen sollen. Es war ihm aber egal. Er würde seine Antworten bekommen! Er musterte kurz und nachdenklich die Leiche seines Esels. Sein Fleisch könnte nützlich sein, doch es konnte auch sehr leicht bei dieser Hitze verderben. Er schüttelte den Kopf und stapfte die nächste Sanddüne hinauf. Vor ihm erstreckte sich eine weitere weite sandige Ebene mit vielen weiteren gelben Hügeln. Er hätte das Zeichen beinahe übersehen. Er bemerkte es gerade noch rechtzeitig. Gleich hinter der nächsten Düne hatte er etwas schwarzes ausmachen können. Sein Gang beschleunigte sich. Konnte es etwa sein, das er nach so vielen Tagen des Reisens durch diese endlos erscheinende unwirtliche Sandwüste endlich auf den Mann in Schwarz treffen würde? Er lief die Düne hinunter. Doch das einzigste was er fand war eine kleine schwarze Tasche. Der Fremde verlor selten etwas ohne Grund. Ja er hinterliess noch nicht einmal Feuerspuren. Es war als würde der Mann in Schwarz nie stillstehen oder gar ruhen. Der Verfolger öffnete die schwarze Ledertasche vorsichtig und fand einen zerknautschten Papierfetzen darin. Vorsichtig um ihn nicht zu beschädigen entfaltete er das morsche Papier. Es stand nicht viel darauf. Es war eine Karte. Es zeigte anscheinend eine Siedlung die mitten in der Wüste war. Doch wo? Der junge Mann kramte weiter in der kleinen Tasche und fand einen Kompass. Es war bei weitem das Wertvollste, das Wasser einmal ausgenommen, was er sich im Moment hätte vorstellen können. Vielleicht würde er dort den Mann finden und er würde endlich erfahren was geschehen war. Wo er war. Wo all die anderen waren und warum die ganze Welt nur noch aus Wüsten bestehen zu schien. Er beugte sich über die Karte und lächelte. Er ging genau in die richtige Richtung. Der Fremde musste auch zu dieser Stadt wollen. Gerade als er losgehen wollte stockte er. Was war wenn er in die Irre geführt wurde. Was war wenn der Fremde ihn in eine falsche Richtung lotste nur um ihn loszuwerden. Er schüttelte zu sich selber den Kopf. Er hatte keine andere Chance. Entweder er ging zu diesem Dorf oder er irrte weiter in der Wüste umher und seine Wasservorräte wurden allmählich knapp. Er seufzte und setzte seinen Marsch durch die Endlosen Weiten der Wüste fort.

Der Mann in schwarz saß an der Bar des kleinen Dorfes welches kaum diese Benennung verdiente. Es bestand vielleicht aus fünfzehn Häusern. Doch hier gab es Wasser und Fleisch. Fleisch war sehr teuer, denn es gab so gut wie keine Tiere und wenn es welche gab hatten sie zwei Köpfe und drei Schwänze. Er zog seine schwarze Kapuze tiefer in sein Gesicht und bedeutete der Bedienung ihm ein Bier zu bringen. Bier war ebenfalls etwas was sehr selten geworden war. "Zuerst möchte ich Ihr Geld sehen." Meinte die Frau mit einer Stimme die in seinen empfindlichen Ohren wehtat. Sie mochte einmal schön gewesen sein, doch jetzt entstellte eine seltsame Hautkrankheit ihr Gesicht. Der schwarzgewandte Mann zog einen Goldklumpen hervor und warf ihn auf den Tresen. "Ich kann aber nicht wechseln" meinte die Frau misstrauisch. "Ich habe nicht nach Wechselgeld gefragt." Entgegnete der verhüllte Mann. Seine Stimme war dunkel und irgendwie betörend einlullend. Sie hob misstrauisch eine Augenbraue und lies das Gold in ihrer schmutzigen Schürze verschwinden. Der Mann in Schwarz sah sich um. In der Kneipe befanden sich vielleicht zehn Menschen und keiner von ihnen schien vollkommen gesund zu sein. Es war kein Wunder. Die meisten der Dorfbewohner kauten das Teufelsgras um das Leben in der Abgeschiedenheit des zerstörten Teils der Welt auszuhalten. Wahrscheinlich wussten sie noch nicht einmal das es noch eine unangetastete Welt jenseits der Wüste gab. Sie war klein, doch es gab auch nicht mehr viele Menschen die dort hätten wohnen können. Keiner der Bewohner dieses Teiles der Welt wusste was mit ihnen geschehen war. Er lächelte und stand auf. Er würde weiterziehen. Es bereitete ihm ein teuflisches Vergnügen seinen Verfolger in die Irre zu führen. Er gab der Barfrau noch einen Wink und diese kam zu ihm. "Werden Sie mir einen Gefallen tun?" sie zuckte mit den schmalen Schultern. "Es kommt darauf an was für einen und was ich dafür bekomme." Der Fremde zog noch einen Goldklumpen hervor und gleichzeitig einen versiegelten Umschlag. "Es wird noch ein Fremder kommen. Geben Sie ihm einfach diesen Umschlag. Und ein kühles Bier. Er wird es brauchen." Er lachte diabolisch und schritt aus der Bar. Die Frau sah ihm hinterher und wog den Brief nachdenklich in ihrer verkrüppelten Hand. Sie wusste nicht was sie machen sollte, aber ihr war bewusst das sie den Brief an den anderen übergeben würde. Irgendetwas in ihr zwang sie dazu. Sie kehrte zu ihrer Arbeit zurück und steckte sich dabei noch ein Blatt des Teufelsgrases in den Mund.

Chris kam kurz vor Sonnenuntergang in dem kleinen Dorf an. Die schiefen Häuser bestanden aus altem morschen Holz und zwei seltsam missgestaltete Kinder warfen ihm misstrauische Blicke zu. Ihm lief es bei deren Anblick eiskalt den Rücken runter. Am Ende der kleinen Straße sah er ein Gebäude welches eine Bar oder so etwas ähnliches sein hätte können. Er steuerte direkt darauf zu. Wenn der Fremde hier war, dann wohl dort. Die morschen Treppen knarzten unheilvoll unter seinem Gewicht und er tastete automatisch nach seinen Pistolen. Irgendwie kam ihm dieses ganze Dorf seltsam vor. Es war als würde er durch ein Dorf voller Lebender Tote gehen. Er lies seinen weiten Mantel wieder über die Waffen fallen und trat ein. Dämmriges Zwielicht empfing ihn und die untergehende Sonne die durch ein halb zugenageltes Fenster am anderen Ende des karg eingerichteten Raums schien, tauchte die Kneipe in ein blutrotes Licht. Ihm lief ein eisiger Schauer über den Rücken, dennoch setzte er sich an die schmutzige Bar. Ehe er etwas bestellen konnte, pfefferte die Bedienung ihm ein lauwarmes Bier auf den Tresen und legte einen gelblichen Brief dazu. "Ich soll dir das geben. Für das nächste Bier mußt du zahlen." Meinte sie unfreundlich. Sie stank nach Teufelsgras und der süßlich faulige Geruch verursachte Chris Übelkeit. Er nickte und nahm den Brief ohne auf das trübe Bier zu achten. Nachdenklich drehte er ihn in der Hand. Er musste von dem Fremden stammen. Chris öffnete ihn vorsichtig und entfaltete das Papier. Es war nicht halb so morsch wie der Zettel in der Tasche die er in der Wüste gefunden hatte.

Lieber Chris,

ich weiß Du folgst mir und ich weiß auch warum.. Du solltest es aufgeben. Die Antworten die Du suchst würden Dir nur schaden. Es würde Dich umbringen zu wissen was passiert ist. Ist es nicht seltsam das auch Tote noch sterben können?

Ich weiß auch das Du mir trotz allem folgen wirst. Ich werde am Ende der Wüste auf Dich warten.Pass auf die Wüste auf. Sie kann einen umbringen. J

San Lutz

Chris seufzte. Er wurde nicht schlau aus diesem Brief. Doch nun hatte er den Beweis das der Fremde wusste das er verfolgt wurde. Der Mann der sich selbst San Lutz nannte spielte nur mit ihm. Und was sollte das heißen, das auch Tote noch sterben können? Wieder eine Frage auf die er keine Antwort wusste. Doch er würde seine Antworten bekommen. "Wann hast du den Brief bekommen? Ich meine wann war der Mann hier der ihn geschrieben hat?" Die Bedienung zuckte mit den Schultern. "Es ist beinahe vier Tage her.... oder länger. Du mußt wissen das die Zeit uns hier nichts bedeutet. Trinkst du dein Bier nicht?" Chris sah misstrauisch auf das trübe Bier und schüttelte den blonden Schopf. "Nein, aber habt ihr hier eine Quelle wo ich meine Wasservorräte auffüllen kann? Ich muß dringend weiter." Und er würde einen Dreck tun und hier übernachten. Er wollte so schnell wie möglich aus diesen seltsamen Dorf hinaus. Die entstellte Frau nickte mit dem Kopf hinter die Kneipe. "Dort hinten ist ein Brunnen. Du mußt dir das Wasser selber hoch holen." Plötzlich lächelte sie einladend. "Willst du heute Abend nicht hier übernachten?" Chris wandte sich abgestoßen ab. Reste des Teufelsgrases steckten in den fauligen Zahnzwischenräumen der Frau. "Nein ich muß weiter." Meinte er und floh regelrecht aus der Bar. Hinter dieser Spilunke fand er tatsächlich einen Brunnen aus groben grauen Steinen und einen dazu passenden Eimer. Chris beugte sich nachdenklich über den Rand des Brunnens und schauderte als er die Tiefe des Brunnens begriff. Schnell wich er zurück und lies den Eimer polternd in die Tiefe sinken. Es schien eine Ewigkeit zu dauern ehe er auf Wasser kaltschte. Das Hochziehen wurde noch viel mühsamer und als Chris alle seine Wasservorräte wieder aufgefüllt hatte lief ihm trotz der Kälte der angebrochenen Nacht der Schweiß über seine Haut und durchtränkte sein weißes Leinenhemd. Er vermisste sein Maultier. Noch während er diesen Gedanken dachte musste er lachen. Er fragte sich langsam selbst was er hier tat. Aber da er noch nicht einmal wusste wie er überhaupt hierher geraten war konnte er auch noch nichts an seiner Lage ändern! Also schulterte er sich seine Wasserschläuche und machte sich auf den Weg. In der Nacht fiel ihm das Laufen erstaunlich leicht. Ihn wunderte es auch nicht mehr das er nicht ermüdete. Sicher, sein Gesicht war gerötet von der ständigen Sonne des Tages und jeder seiner Muskeln schien zu der Masse seines Körpers zu gehören der aus einem einzigen Schmerzen bestand, aber er hatte seit rund vier Tagen nicht mehr geschlafen. Irgendetwas trieb ihn an. Wollte, das er den Mann in Schwarz fand. Er wollte die Antworten auf die ihn bohrenden Fragen und wenn er dabei drauf ging.....Er wollte nicht daran denken. Er verdrängte den Gedanken wie er soviel verdrängte was ihm in seinem Kopf herumschwirrte. Ab und zu tauchte das Bild einer schönen jungen Frau auf die mit tränenverschleierten graugrünen Augen auf ihn niederblickte. Er wusste das er sie kannte, aber ihm fiel der Name nicht ein und so verdrängte er auch diesen Gedanken wieder. Stoisch setzte er einen Fuß vor den anderen, überquerte eine Düne nach der anderen und sah nur ab und zu sinnloser Weise auf seinen Kompass. San Lutz hatte geschrieben er warte am Ende der Wüste auf ihn....Aber an welchem Ende hatte er ihm nicht mitgeteilt. So konnte auch der Kompass ihm nicht helfen. Der Tag brach wieder an und die Kälte der bewölkten Nacht wich der sengenden Hitze eines neuen Tages an dem die Sonne wieder einmal unbarmherzig von einem grellblauen Himmel strahlte. Selbst die Farbe des Himmels schien Chris unwirklich. Er lief weiter und weiter und irgendwie spürte er plötzlich eine leichte kühlende Brise und der salzige Geruch von Meereswasser stieg ihm in die Nase. Er erklomm eine weitere Düne und erstarrte. Die Wüste. Sie war zu ende. Vor ihm erstreckte sich bis zum Horizont ein kristallklares Meer. Die sanften Wellen klatschten mit einem irrealen und dennoch wunderbaren Geräusch über den feinen Sand der Wüste. Chris lief die letzten Schritte zu dem verführerisch duftenden klaren Wasser hinunter und wollte sich gerade samt seiner Klamotten hineinstürzen, als eine weibliche Stimme ihn zurück rief. "NEIN! Tu es nicht. Es ist gefährlich. Es ist tödlich." Er fuhr herum und sah sich einer zierlichen dunkelhaarigen Frau gegenüber. Ihre dunkelbraunen großen Augen waren mit Goldsprenkeln durchsetzt die ihr ein seltsames Aussehen verliehen. "Woher kommst du?" entfuhr es Chris. Sie lachte glasklar. "Ich wohne hier. In einem Dorf nur drei Meilen westlich von hier. Ich bin gerade in der Gegend gewesen." Meinte sie. Chris wollte ihr glauben, aber er konnte es nicht. Irgendetwas war seltsam an ihr. "und was soll an diesem Wasser tödlich sein?" sie senkte den Blick und ihre langen dunklen Wimpern warfen Schatten auf ihre Wangen. Dann hob sie ihn jedoch wieder und lächelte. "Es ist nicht gesund. Wer zu lange darin badet oder die Fische daraus isst geht elendlich zu Grunde." Sie streckte ihre schmale Hand aus. "Komm mit, ich bringe dich in mein Dorf. Dort kannst du essen und trinken." Er zögerte kurz, dann seufzte er. Was sollte ihm schon groß passieren? Er hatte nichts zu verlieren außer seinem Leben. Er nahm die Hand der jungen Frau und lies sich von ihr weiterziehen. Tatsächlich kamen sie nach nicht einmal drei Meilen in ein kleines sauberes Dorf. Es war das absolute Gegenteil des hässlichen Dorf ähnlichen Gebildes welches er vor Tagen durchquert hatte. Auch waren die Menschen hier gesund und keiner schien ein Makel zu haben. Er sah keinen der das Teufelsgras kaute. Dennoch lief es ihm kalt den Rücken hinunter als die junge Frau ihn in eine saubere Stube zog und an einen Tisch setzte. "Mein Name ist übrigens Salina." Meinte sie und zwinkerte ihm zu. "Darf ich dich Chris nennen?" Chris hob eine Augenbraue. "Woher kennst du meinen Namen?" sie lächelte geheimnisvoll. "Ich weiß viel was hier vor sich geht." Sie nahm ein sauberes Glas und schenkte ihm eiskaltes klares Wasser ein. "Wenn du so viel weißt, weißt du doch auch sicher ob sich hier ein Mann Namens San Lutz befindet." Salina zuckte zusammen als er den Namen erwähnte. "Sprich diesen Namen nie wieder hier aus. Du darfst noch nicht einmal an ihn denken. Es bringt Unglück an ihn zu denken und den Tod seinen Namen auszusprechen." Chris nickte. "Dann gehe ich davon aus das er sich nicht hier befindet. Wo kann ich ihn finden und wer oder was ist er?" Die junge Frau wich noch ein wenig zurück, dann schluckte sie und trat näher zu ihm. "Lass mich dir helfen. Lass mich dir helfen zu vergessen. Du darfst nicht an ihn denken." sie deutete auf das Wasser. "Trink. Ich werde gleich wieder da sein." Chris setzte das Glas an seine Lippen, doch er trank nicht. Im Moment wäre ihm das schale Bier aus der anderen Kneipe lieber gewesen. Diese Leute dort waren wenigstens wirklich gewesen. Er war sich hier nicht wirklich sicher ob er nicht einfach nur irgendwo in der Wüste zusammengebrochen war und sich nun in den Tod träumte. Er setzte das Glas ab ohne zu trinken. Was tat er hier? Hier wusste keiner von San Lutz. Das hieß er war am falschen Ende der Wüste herausgekommen. Er wollte gerade wieder aufstehen und gehen als die junge Frau wieder zurück kam. Sie hielt ein verführerisch duftendes frisches Brotleib in der Hand. "Hier, du mußt hungrig sein." Tatsächlich regte sich Chris Magen seit einer langen Zeit wieder und fing lautstark zu protestieren an. Salina lachte leise und setzte sich zu ihm. "Komm iss, was kann es dir schaden? Es wird dir gut tun." Er seufzte. Er musste aufhören überall Verrat und Tod zu sehen. Die junge Frau schien es tatsächlich ernst zu meinen mit ihrer Hilfsbereitschaft. Also brach er sich ein Stück des weichen warmen Brotes ab. "Was meintest du damit, das du mir helfen willst zu vergessen?" sie lächelte wieder dieses unschuldige Lächeln welches so überhaupt nicht zu dem seltsamen Ausdruck in ihren Augen passte. "Das was ich gesagt habe meine ich auch so." Chris lachte. "Ich würde es eher begrüßen wenn jemand mir helfen würde mich zu erinnern. Ich habe viele Fragen. Ich will Antworten darauf." Er biss in das wunderbar weiche Brot und genoss den Geschmack frischer Kräuter die in das Brot eingearbeitet waren. Dennoch störte ihn der zufriedene Ausdruck in dem makellosen Gesicht Salinas.

Der Mann in Schwarz fluchte. Er hatte nur kurzfristig nicht auf Chris geachtet und nun war er seinen Feinden direkt in die Arme gelaufen. Er musste ihn wieder dort herausbringen. Chris gehörte ihm. Sallina hatte bereits genug Spielzeuge. Wieder verfluchte er sich selbst. Er wurde nachlässig. Er war sich seiner zu sicher gewesen. Nachdenklich lehnte er sich in seinem Stuhl zurück. Er könnte auch warten bis Salina mit ihm fertig war und ihm dann wieder Gedächtnisbrocken zuspielen. Ein bösartiges Lächeln zerstörte seine schönen männlichen Züge und er führte das Kristallglas mit dem blutroten Wein zu seinen Lippen. Er hatte Zeit. Zeit war so ziemlich das Einzigste was er im Überfluss hatte. Und er wusste das Salina ihrer Spielzeuge sehr schnell langweilig wurde. Er selbst war auch einmal auf sie hereingefallen. Und sie hatte ihn fallen lassen wie einen Stein. Sie würde auch Chris fallen lassen wenn sie mit ihm fertig war.

Chris nahm nun doch einen Schluck des Wassers und es schien ihm als hätte er nie etwas köstlicheres zu sich genommen. Salina lächelte ihn weiterhin an. Er fühlte sich das erste mal seit langer Zeit wieder erschöpft und er spürte auch seit langem wieder das seine Füße brannten, die Haut seines Gesichtes sich spannte und er dringend Schlaf benötigte. "ich muß schrecklich aussehen." Murmelte er beschämt und die junge Frau lachte. "Nein gar nicht. Für jemanden der solange durch die Wüste gewandert ist, schaust du erstaunlich gut aus. Ich habe eine Salbe die deinen Sonnenbrand lindern wird. Danach kannst du schlafen. Du schaust müde aus. Komm mit." Sie nahm wieder seine Hand und führte in die schmale Treppe hinauf in ein kleines aber sehr sauberes Zimmer. Dort angekommen zog sie aus einer Schublade der antiken Kommode eine kleine Salbentube heraus und bedeutete ihm sich zu setzen. Dann trug sie mit kühlen zärtlichen Fingern die Salbe auf sein Gesicht auf. Als sie fertig war, fühlte Chris sich entspannt und sehr wohl. Er legte sich auf das weiche Bett und schloss die Augen. "Schlaf mein Lieber. Bald wirst du vergessen haben." Meinte sie leise und verließ das Zimmer. Chris wußte das etwas falsch war, aber er konnte es nicht einordnen. Ehe er den Gedanken erfassen konnte der alles aufgeklärt hätte schlief er ein. Bilder von schreienden Menschen die mit erstarrten Gesichtszügen zum Himmel starrten verfolgten ihn in dem ersten Abschnitt seines Schlafes, doch dann waren sie vergessen. Er sah wieder die junge Frau die sich über ihn beugte und weinte. Larissa.....das war ihr Name. Er wollte seine Hände nach ihr ausstrecken, doch etwas zog ihn von ihr weg. Sie schrie und ihr Gesicht verblasste. Er hatte es vergessen. Er wanderte weiter in seiner Traumwelt und schien plötzlich auf die Erde hinabsehen zu können. Überall war Rauch, Feuer und Tod. Und etwas anderes was er nicht einordnen konnte. Er vergas es.

Chris erwachte als kühle Finger sein Gesicht berührten. Vorsichtig öffnete er seine brennenden Augen und sah in das Gesicht Salinas die sich über ihn beugte und sein Gesicht wieder mit deser Salbe einrieb. "Guten Morgen. Hast du gut geschlafen?" fragte sie und lächelte. Chris nickte und rieb sich seinen Kopf verwirrt. "Ja. Und ich habe geträumt....." sie sah ihn nachdenklich an. "Von was?" er zuckte mit den Schultern und lächelte unbeschwert. "Ich weiß es nicht mehr." Meinte er und schwang seine Beine aus dem Bett um zum Fenster zu treten und hinaus auf die Wüste zu sehen. Er wollte irgendetwas erledigen, wußte aber nicht mehr genau was. Er wischte den Gedanken daran fort. Hier schien es ja recht angenehm zu sein. Er drehte sich wieder zu der jungen Frau um und lächelte sie herzlich an. "Wo genau befinden wir uns hier eigentlich?" sie erwiederte sein Lächeln und ihre goldgesprenkelten Augen funkelten belustigt und irgendwie triumphierend. "Wir befinden uns am Südlichen Ende der Wüste. Du kannst bleiben so lange du willst. Auch gerne für immer. Oder zieht es dich irgendwie in die Wüste zurück?" er zuckte mit den Schultern. "Ich wüßte nicht was ich dort brauchen würde. Ich frage mich sowieso warum ich so lange da durch gelaufen bin." Er rieb sich seinen Kopf als dieser plötzlich anfing stark zu schmerzen. Salina war sofort bei ihm und reichte ihm ein Glas frischen Wassers. "Hier, trink, dann wird es dir besser gehen. Dein Körper hatte starken Flüssigkeitsmangel. Wir müssen dich hier wieder etwas aufpäppeln." Dankbar nahm Chris das Glas entgegen und sah sich um. "Wieviele Menschen leben hier?" Salina stockte kurz, dann lächelte sie wieder ihr umwerfendes Lächeln. "Ich weiß es nicht. Ich habe sie noch nicht gezählt. Aber es sind relativ viele." Chris lachte. "und sie scheinen alle gesund zu sein. Was war mit dem Dorf in dem ich war? Dort schien fast jeder irgendwie entstellt gewesen zu sein." Sie hob erstaunt eine Augenbraue. "du kannst dich daran erinnern?" er grinste. "Warum nicht? Ich bin ja schließlich hindurch gelaufen und da war...." er stockte. "Da war etwas. Ich komm einfach nicht drauf was das war....." er stöhnte. Sein Kopf schien explodieren zu wollen. "Trink Chris. Du brauchst jetzt Wasser." Meinte Salina und drängte ihn dazu das Glas auszutrinken. Danach waren seine Kopfschmerzen wie weggeblasen. "Was war da drinnen?" fragte er. Die junge Frau zuckte mit den Schultern. "Wasser. Wie ich bereits sagte, du hattest großen Flüssigkeitsmangel." Er nickte. "Das stimmt. Ich scheine eine lange Zeit sehr wenig getrunken zu haben." Sein Magen meldete sich wieder protestierend und sie ergriff seine Hand. "Du bist auch völlig ausgehungert. Wann hast du zum letzten Mal etwas gegessen?" er dachte nach. Er wußte es nicht. Er konnte sich nicht daran erinnern. Es war seltsam, aber irgendwie waren alle Erinnerungen verschwommen oder verschwunden.

Es wurde Zeit. Salina hatte ihre Fänge ausgestreckt und ihr Spinnennetz über den jungen Mann geworfen. Er durfte ihr Chris nicht noch länger überlassen. Sonst würde er ihr verfallen und es würde sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich werden ihn aus ihren Klauen zu holen. San Lutz ärgerte sich. Salina war seine ärgste Gegenspielerin. Kein anderer war so gut wie sie. Aber noch war er der Meister. Er würde es auch bleiben. Koste es was es wolle. Er stand auf und warf sich seinen Mantel wieder über die breiten Schultern, dann war er mit einem Schritt wieder in der Wüste.

Salina ging gerade in den Schankraum hinunter um sich um ihre anderen "Gefährten" zu kümmern als sie mitten auf dem Treppenabsatz erstarrte. An einem Tisch nahe der Tür saß ein schwarzgekleideter hochgewachsener Mann der seine langen Beine lässig auf den Tisch gelegt hatte und sich genüsslich gegen die Wand gelehnt hatte. "Was willst du hier?" fauchte sie ihn an und ihre Augen glühten wie heiße Kohlen. Der Mann lachte leise. "Warum so aufgeregt meine Liebe? Ich bin nur hier um mir das zu holen was mir zusteht. Er gehört mir. Und du weißt das genau." Die alterslos erscheinende Frau lachte trocken. "Du bist nicht mehr lange Meister dieses Spieles. Du wirst alt und nachlässig San Lutz. Wie du siehst gefällt es Chris hier sehr gut und du kannst ihn haben wenn ich mit ihm fertig bin, aber keine Sekunde früher." Der hochgewachsene Mann zuckte mit den Schultern. "Wie du meinst. Du weißt das dies Krieg bedeutet?" Salina lächelte ihn kalt an. "Ich dachte wir führen bereits Krieg. Und die erste Schlacht habe ich wohl gewonnen." San Lutz lüftete seinen breitkrempigen Hut. "Eine gewonnene Schlacht entscheidet noch lange nicht über den Ausgang des Krieges. Es ist mir ein Vergügen." meinte er und ging wieder. Salina ging das zu schnell. Er hatte noch nie so schnell aufgegeben. Irgendetwas hatte er vor. Sie lächelte. San Lutz war ihr ärgster Gegenspieler, aber ohne ihn wäre das Spiel auch langeweilig. Sie spielten nicht nur. Es war zu ihrem Lebensinhalt geworden. Sie konnte die Menschen die sie dabei verbraucht hatten gar nicht mehr zählen. Hinter ihr rumpelte etwas und sie drehte sich zu Chris um. "Schon auf? Geht es dir wieder gut? Ja? Könntest du mir dann einen Gefallen tuen?" Chris strahlte die schöne Frau an. "Gerne doch, ich schulde dir so einiges." "Nun, dann hol doch ersteinmal Wasser aus dem Brunnen zwei Meilen nördlich von hier. Unsere Vorräte gehen aus." Meinte sie und verfolgte den jungen Mann mit einem triumphierenden Lächeln als dieser schwerbeladen mit leeren Wasserschläuchen durch die Hintertür ging. Das Spiel konnte beginnen.

Chris sah sich leicht verwirrt um. Eigentlich hatte er einen guten Orientierungssinn, aber er hatte weit und breit keinen Brunnen gesehen. Er würde noch einmal umkehren müssen. Gerade als er sich auf den Rückweg machen wollte fing die Erde an zu beben. Zuerst nur leicht, so das Chris dachte, er würde sich das ganze nur einbilden, doch dann wurde es auf einen Schlag so heftig das ihm der Boden unter den Füßen weggerissen wurde. Leise fluchend versuchte er wieder aufzustehen, kam auch halb auf die Beine, aber dann wurde er wieder zu Boden gerissen. So kroch er auf allen vieren auf eine große Düne zu, doch urplötzlich schien vor ihm die Wüste auseinanderzu driften. Der Riss inmitten der Wüste raste nur so auf ihn zu und er schaffte es gerade noch sich wegzurollen, irgendetwas schien ihn sogar in eine Richtung zu stoßen, während der Riss an ihm vorbeizischte. Schnell robbte er soweit wie möglich von der nun geteilten Wüste weg und starrte fassungslos auf den riesigen Canyon der sich nun direkt vor ihm so weit sein Auge reichte durch die Wüste zog. Die Wüste war nun geteilt. Und das Dorf Salinas lag auf der anderen Seite. Irgendwie mußte er doch wieder dorthin kommen können. Vorsichtig kroch Chris auf allen vieren zum Rand des Canyons. Ganz vor traute er sich nicht, da der feine Wüstensand immer noch stetig in die Tiefe rieselte und er nicht Gefahr laufen wollte mit hinein zu rutschen. Er zog seine Augen zu schmalen Schlitzen zusammen um in der dunklen Tiefe einen Boden erkennen zu können, doch er sah einfach nichts. Es war als würde der Riss durch den gesamten Planeten laufen. Seine Hand suchte einen kleinen Stein und er warf ihn in die Tiefe. Lange Zeit passierte nichts und als endlich ein dumpfes Platschen zu hören war, war bereits einige Zeit vergangen. Nun, runterklettern und wieder hochklettern konnte Chris sich somit aus dem Kopf schlagen. Er drehte sich auf den Rücken und sah in den intensiv blauen Himmel hinauf. Das einzigste was ihm gerade seltsam vorkam war, das die sonne fast orange zu sein schien. Irgendwie störte ihn das, aber er konnte nicht sagen warum. Er stand wieder auf und beschloss am Canyon entlang zu gehen. Er mußte sowieso eine Weile zurückgehen, vielleicht fand er irgendwo eine Stelle die nicht so breit war und wo er hinüberspringen konnte. Zur Not würde er bis zum Meer laufen und von dort aus wieder zurückgelangen. Da fiel ihm wieder ein, das er nicht mit dem Wasser des Meeres in Berührung kommen durfte....er machte eine abwehrende Geste. Warum sollte er sich jetzt schon über Dinge Gedanken machen die noch weit in der Zukunft lagen. Die leeren Wasserschläuche immer noch geschultert fing er an zu laufen. Es dauerte nicht lange und er hatte seinen stoischen Schritt wieder drauf. Ein Fuß vor den anderen. Nur nicht nachdenken. Einfach laufen. Irgendwann würde er schon zurück kommen. Doch langsam hatte er das Gefühl, das der Canyon einen schrecklich großen Bogen machte und ihn nur umso weiter von Salinas Dorf fortführte. Kompass. Ihm fiel plötzlich wieder ein, das er einmal einen Kompass gefunden hatte. Er blieb stehen und wühlte in seinen Taschen. Lächelnd zog er den kleinen Silbernen Kompass heraus. Nun mußte er sich nur noch daran erinnern in welcher Richtung Salinas Dorf gelegen hatte. Sein Blick schweifte wieder zur Sonne. Sie schien genau in der Mitte der Wüste zu stehen. Er fluchte leise, denn er hatte keine Ahnung aus welcher Richtung sie gekommen war. Er würde sie beobachten müssen.

"Schick einen anderen Spieler von dir los. Chris ist mein Spieler und er wird siegen." San Lutz lächelte Salina triumphierend an. Diese verzog ihr schönes Gesicht zu einer eiskalten Grimasse. "Nun gut, ich werde noch einen weiteren Spieler losschicken. Aber sollte Chris mir wieder begegnen ....." den Rest lies sie unausgesprochen, doch ihr goldenen Augen blitzten hinterhältig. "Es ist mir immer wieder ein Vergnügen mit dir zu spielen Salina." Meinte der hochgewachsene dunkelhaarige Mann und deutete spöttisch eine Verbeugung an. "Chris sollte auf Sandwürmer acht geben San Lutz. Du weißt wie gefährlich diese sind." Rief die blonde Frau ihm hinterher als er verschwand. Missmutig drehte sie sich um und ihr Blick schweifte über ihre Spielzeuge. Dann lächelte sie triumphierend und winkte eine neue Spielfigur zu sich. "Geh und finde den Mann und dann töte ihn." Die hochgewachsene schlanke Frau verbeugte sich elegant vor Salina. "Wie Ihr befehlt Herrin." Sie wollte sich gerade umwenden als Salina sie zurückwinkte. "Sunja, töte ihn doch nicht. Bring ihn zurück zu mir. Ich war noch nicht fertig mit ihm." die dunkelhaarige junge Frau verbeugte sich abermals und ging in langen ausgreifenden Schritten in die Wüste hinein. Salina drehte sich um und winkte einen weiteren jungen Mann zu sich. "Du findest die Oase. Du mußt sie vor Chris finden. Ansonsten bist du tot. Hast du verstanden?" der Mann nickte mit leerem Blick und ging ebenfalls in die Wüste.

Chris saß inmitten der Wüste und beobachtete die Sonne. Allmählich hatte er das Gefühl, sie bewege sich überhaupt nicht. Doch er hatte einen Stock in den Sand gesteckt und wußte nun in welcher Richtung Osten und Westen lagen. Salinas Dorf lag im Norden. Er seufzte und stand auf. Doch als er sich umdrehte sah er den Mann in Schwarz vor sich. Irgendwelche Glocken schienen in seinem Kopf zu leuten anzufangen. Irgendetwas hatte er von diesem Mann wissen wollen. Er konnte sich einfach nicht mehr daran erinnern. Er konnte sich an zu vieles nicht mehr erinnern. Bevor er jedoch etwas sagen konnte sprach der schwarzgekleidete Mann. "Du solltest dich auf die Suche nach der Oase machen. Das ist deine einzigste Überlebenschance." Seine Stimme war dunkel und einlullend. Ohne nachzudenken nickte Chris. Das schien die einzigst vernünftige Entscheidung zu sein. Er würde nach der Oase suchen. Doch wo war diese. Er wollte den schwarzverhüllten Mann gerade fragen, doch dieser war bereits wieder verschwunden. Verwirrt schüttelte Chris den Kopf. Irgendetwas stimmt hier überhaupt nicht. Doch er hatte keine Ahnung was. Sein Kopf fing wieder an zu schmerzen. Erleichtert stellte er fest das der verhüllte Mann ihm einen gefüllten Wasserschlauch dagelassen hatte. Gierig trank er mehrere Schlucke und lies die leeren Wasserschläuche fallen. Er würde zwei davon mitnehmen. Mehr würde er nicht brauchen. Doch sollte er eine Quelle finden, würde er sie auffüllen können. So zog er wieder los. Immer richtung Osten. Dort ging die Sonne auf. Chris fand es war ein gutes Zeichen.

Es wurde schwerer. Chris war zuoft von zuvielen Personen beeinflusst worden. San Lutz hatte Schwierigkeiten gehabt in seinen Geist einzudringen. Dieser Mensch war stark. Und er war nun wieder seine Spielfigur. Lächelnd beobachtete er ihn wie er durch die Wüste wanderte. Chris hatte ein erstaunliches Durchhaltungsvermögen. Er war gespannt wie er sich bei der nächsten Falle die Salina ihm bestimmt bald stellen würde, verhalten würde. Hatte sie nicht irgendetwas von Sandwürmern geredet? Er zuckte mit den Schultern. San Lutz war davon überzeugt das Chris auch diese Hürde nehmen würde! Und wenn nicht....gab es immer noch andere Menschen. Allerdings wurden auch diese langsam knapp. Sie waren wahrlich zu verschwenderisch. Er lachte dunkel und lehnte sich wieder in seinem bequemen Stuhl zurück. Dieses Spiel wurde wahrlich niemals langeweilig.

Salina strich sich ungeduldig eine Strähne ihres dunklen Haares zurück und musterte ihre Figuren. Sie waren noch sehr weit weg von Chris. Sie mußte ihnen ein wenig Hilfestellung geben, aber das war nicht erlaubt. Mürrisch wandte sie sich von dem Bild ab. San Lutz würde diesesmal nicht wieder gewinnen. Sie war die wahre Meisterin des großen Spieles. Auch dieser Mann würde es merken. Bald.

Chris lief nun schon sehr lange. Er war erschöpft und müde. Es war komisch. Zuvor hatte er das Gefühl gehabt, niemals müde zu werden, und auch keine Erschöpfung zu kennen. Fast als würde jemand über ihn wachen und ihm Energie zu führen. Doch nun schien sich diese Macht herauszuhalten und ihn mürbe zu machen. Was er nun dringend brauchte war Wasser. Er war zu verschwenderisch mit dem Beutel von dem schwarzgewandten Mann umgegangen. Die Sonne war nun wieder untergegangen und er legte sich erschöpft an den Rand einer Düne. Einer der unendlich vielen Dünen die diese Wüste zu besitzen schien. Was hatte der Mann gesagt? Eine Oase? Er glaubte schon langsam nicht mehr daran. Doch er brauchte Wasser, und das glaubte er nicht nur, das wußte er. Mit der Kraft der Verzweiflung riss er eine Pflanze des Teufelsgrases aus dem sandigen Boden und grub. Diese Pflanze konnte nicht nur von Sand leben. Er grub bis seine Fingernägel anfingen zu bluten und er schon kurz vor dem Aufgeben war, als er spürte das der Boden feuchter wurde. Von der Kraft neuer Hoffnung gespeist sammelte er noch einmal jeden Funken Energie den er noch hatte und grub weiter. Ein verrücktes Kichern entwich seiner trockenen Kehle als sich das Loch langsam mit Wasser füllte. Gierig trank er das bittere Wasser, doch für ihn schmeckte es wie das beste Getränk das es geben konnte. Ihm wurde schlecht und er ließ sich zurücksinken. Doch bevor er einschlief füllte er seine leeren Wasserschläuche auf. Dann fiel er in einen tiefen traumlosen Schlaf der Erschöpfung. Er wurde erst am nächsten Morgen geweckt. Die Erde schien zu beben und er sprang erschrocken auf. Verwirrt sah er sich um. Was machte er hier? Sein Geist schien einen Moment lang klar zu werden, doch dann wußte er wieder das er die Oase finden mußte. Schnell packte er seine Wasserschläuche und lief. Er wußte nicht warum er so schnell rannte, aber er wußte, was auch immer die Erde zum Beben brachte, es konnte gefährlich sein. Er drehte sich um und sah wie sich hinter ihm der Sand wölbte und ein riesiger langezogener Berg sich auf ihn zuzubewegen schien. Er dachte nicht lange nach. Er rannte. Es ging um sein Leben. Das wußte er. Seine wunden Füße versanken tief in dem weichen Sand und das Laufen fiel ihm immer schwerer, dann strauchelte er und fiel. Bevor er sich aufrichten konnte schien die Wüste hinter ihm zu explodieren. Wie versteinert blieb er liegen und starrte mit vor schrecken geweiteten Augen auf das mit armlangen spitzen Zähnen bestückte Maul. Sein Atem wurde ihm von dem bestialischen Gestank des augenlosen Monstrums gestohlen. Er schluckte die aufsteigende Übelkeit hinunter, stand auf und wollte rennen. Doch das wurmähnliche Monster schlug zu. Sein Kopf schlug nur Zentimeter neben Chris in den Sand. Der junge Mann warf sich herum und blieb wie erstarrt liegen als das Maul sich ein weiteres mal auf ihn zubewegte. Er presste seine Augen zusammen und wartete seinen Tod ab. Doch er kam nicht. Vorsichtig öffnete er seine Augen und sah verwirrt auf den riesigen Wurm. Das Kopfende schwenkte wie das eines verstörten Elefanten hin und her. (was zum Henker war ein Elefant fragte sich Chris kurz, aber er wischte den Gedanken beiseite.) Die kleinen bösartigen Augen waren starr auf die Wüste gerichtet und dann wurde es Chris klar. Das Tier oder was immer auch es war, war blind. Es schien ein ungemein scharfes Gehör zu besitzen, doch es war absolut blind. Chris lehnte sich zurück und wartete. Es waren bestimmt nur Minuten, doch dem jungen Mann kamen es vor wie Stunden, bis der Wurm seinen überdeminsionalen Kopf wieder senkte und tief in den Sand hineintauchte. Chris verfolgte den durch die Wüste rasenden Berg eine Weile, bis er auserhalb seines Blickfeldes war, dann erst wagte er es sich zu bewegen. Ein lautloser Seufzer entwich seinen trockenen Lippen und er lockerte seine verkrampften Muskeln. Larissa, wenn ich dir erzählen könnte was ich hier erlebe, du würdest es nicht glauben. Dachte er und stockte. Wer war Larissa. Verwirrt schüttelte er den Kopf und nahm einen Schluck des Wassers. Er fing an zu phantasieren. Er mußte weiter bevor der endgültige Zusammenbruch kam.

Sunja zog an den Zügeln die durch schwere Haken in der Haut des Sandwurmes verankert waren. Chris hatte diesen Anschlag überlebt. Es war faszinierend. Er schien noch so weit klar denken zu können das er bemerkt hatte das der Sandwurm blind war. Sie zuckte mit den Schultern. Ihre Herrin hatte ihr nicht gesagt in welchem Zeitraum sie ihn zurückbringen sollte. Sie würde ihn noch eine Weile beobachten. Vielleicht war er auch nur einfach kurzzeitig ohnmächtig geworden und hatte gar nicht bemerkt wie der Sandwurm verschwunden war. Sie sprang vom Rücken des Sandwurmes und bachte sich schnell in Sicherheit ehe das Monstrum sich an ihr dafür rächen konnte, das sie ihn unterworfen hatte. Schweigend und erstarrt beobachtete sie wie sich das riesige Tier von den Zügeln befreite und dann wieder tief in den Sand hineintauchte. So hässlich diese Tiere auch waren. Sunja war sich sicher, das sie auch intelligent waren. Und jedes halbwegs intelligente Tier wußte mit wem man sich besser nicht anlegen sollte. Sie zog sich ihre bis zu den Knien geschürten schwarzen weichen Wildlederstiefel fest und begann Chris in sicherem Abstand zu folgen. Er kam ihr wage bekannt vor.

Leon lief mit leerem Blick durch den Sand. Sein Körper war jetzt schon am Ende, doch etwas trieb ihn weiter. In seinem tiefsten Inneren schrie sein Geist und versuchte sich aus seinem Gefängnis zu befreien. Sein Herz raste, der Schweiß der ihm über die Stirn lief war bereits mit einigen roten Blutstropfen durchsäht. Aber er durfte nicht anhalten. Er mußte seiner Herrin gehorchen.....er brach zusammen. Dennoch kroch er noch eine Düne hinauf, krallte seine Hände in den weichen heißen Sand und da sah er ihn. Seinen Feind. Ihn mußte er überholen. Und er hatte Wasser welches Leon so dringend benötigte. Taumelnd stand er wieder auf, doch er schaffte nur zwei drei schwankende Schritte, dann brach er wieder zusammen und rollte die Düne hinunter.

Chris fuhr herum. Seine müden brennenden Augen hefteten sich auf den jungen Mann der die Düne hinunterrollte. Der Fremde streckte noch einmal seine Hand nach ihm aus und dann sackte auch diese kraftlos hinunter. Chris war unschlüssig. Er mußte zur Oase, aber er konnte diesen Mann dort nicht einfach liegen lassen. Doch etwas zog ihn zur Oase und er drehte sich von dem Fremden ab. Er durfte nicht anhalten. Er DURFTE NICHT. Wieder einmal bekam er fürchterliche Kopfschmerzen. Er sank auf die Knie und presste seine Augen so lange zusammen bis sie schmerzten. Die Kopfschmerzen waren so schnell weg wie sie gekommen waren. Er drehte sich abermals um und ging mit weitausgreifenden Schritten zu dem reglos daliegenden blonden Mann. Sein sandfarbenes Haar fiel ihm wirr in das Gesicht, dennoch konnte Chris beim Näherkommen erkennen, das sein Gesicht von einem dünnen Film aus Blut und Schweiß bedeckt war. Vorsichtig drehte er ihn auf den Rücken. Die Lippen des Fremden waren spröde und aufgeplatzt, sein Puls raste. Chris seufzte. Das Wasser was er hatte war so unendlich wertvoll. Er zog eine der bereits dünner gewordenen Flaschen aus seinem Gürtel und benetzte vorsichtig die trockenen Lippen des Fremden, welche sich bei der Berührung mit Wasser automatisch öffnete. Chris träufelte ihm noch ein paar Tropfen in den Mund und der junge Mann schlug seine Augen auf. Zuerst war sein Blick verschleiert und er lächelte, was sein Gesicht jedoch eher noch in eine Grimasse verwandelte. Dann aber klärten sich seine Augen und er fuhr auf. "Was mach ich hier? Wer bist du und wo sind wir?" Chris drückte ihn sanft wieder zu Boden. "Mein Name ist Chris. Du bist hier fast verdurstet. Ich gebe dir diese eine Flasche Wasser, pass auf sie auf, benutze das Wasser sparsam. Ich bin auf dem Weg zu einer Oase, vielleicht sollten wir gemeinsam gehen, dann können wir uns gegenseitig helfen...." sein gesamtes Inneres schrie danach ihn liegen zu lassen, ihn sogar zu töten. Er war der Feind. Mühsam und mit unendlicher Anstrengung verdrängte Chris den Gedanken. Der Fremde nickte. "Ich will auch zu einer Oase, doch ich würde dich nur aufhalten. Ich ....." er stockte. Er mußte ihn sogar aufhalten. Er würde mit ihm mitgehen. Sein Wasser trinken und dann würde er ... er lächelte und stand mühsam auf. "Ich werde dich begleiten. Mein Name ist Leon."

Sunja empfand es sehr interessant. Es erschien ihr falsch, das diese beiden zusammenarbeiteten. Einer von beiden schien etwas vor zu haben. Sie vermutete, das Leon Chris bald ausschalten würde. Er würde ihr zwar Arbeit ersparen, doch sie sollte ihn lebend zu Salina zurückbringen. Sie vermutete, das Salina ihn abermals gegen einen anderen Gegner ins Spiel schicken wollen würde. Es wäre auch schade, Chris so früh zu verlieren. Er schien einen sehr starken Willen zu haben. Sie wartete ab. Die beiden bewegten sich so langsam vorwärts, das sie eine Weile lang auf der Düne sitzen bleiben könnte. Umdrehen würde sich keiner von ihnen. Sie lächelte und nahm einen Schluck aus ihrer prall gefüllten Wasserflasche.

Chris hielt sich seine Wasserflasche über den Mund und schüttelte ein paar mal. Ein vereinzelter Tropfen fiel heraus und dieser Tropfen schien Chris Durst noch zu verstärken. Er warf einen Blick zu Leon, doch er hatte auch kein Wasser mehr. Nachdenklich sah Chris sich um. Ein paar Meter vor ihm, und doch so unendlich weit entfernt, war eine sehr große Düne. Er müsste sie nur erklimmen und er hätte einen wunderbaren Blick über die Wüste. Er zweifelte stark daran, das er es schaffen würde. In dieser Nacht hatte er wieder geträumt. Ein schwarzgewandter Mann war zu ihm gekommen und hatte auf ihn eingeredet. Er solle Leon töten. Ihm sein Wasser nehmen und einfach in der Wüste liegen lassen. Seit dem schrie alles in seinem Inneren danach Leon einfach seinem Schicksal zu überlassen, oder ihn zu töten. Aber er konnte es nicht. Er war kein Mörder. Aber wenn er es nicht tuen würde, dann würde Leon ihn töten. Chris schüttelte den Kopf entschlossen um den Gedanken zu vertreiben. "ich werde auf die Düne klettern. Kommst du mit?" der andere Mann schüttelte schwach den Kopf. "Ich warte hier. Sag mir Bescheid wenn es etwas anderes als Wüste zu sehen gibt, wenn nicht, dann bleib ich hier bis die Nacht eingebrochen ist. Wir sollten wirklich nicht am Tag hier rumlaufen. Es bringt uns beide um. Und dann werde ich nicht mehr dazukommen dich zu töten. Also lauf hinauf, bring mir gute Nachrichten und es werden die letzten sein, die du jemals jemandem gebracht hast. Er lächelte Chris schwach an und der schwarzhaarige junge Mann stieg wankend die steile Düne hinauf. Feiner Sand löste sich und er sank bei jedem seiner Schritte tief in den weichen Sand ein, doch er hatte sich daran gewöhnt. So stark er auch abgemagert war, seine Muskeln waren zäher und stärker geworden. Dennoch erreichte er den Kamm der Düne erst nach einer langen Zeit. Die Sonne war bereits am untergehen und als Chris sich aufrichtete um einen Blick über die Wüste zu werfen, bot sich ihm ein atemberaubender Anblick. Doch er sah nichts weiter als Sand. Sand und ein paar Palmen die ein paar Dünen weiter ihre Kronen über die Wüste streckten. PALMEN? Chris fuhr so schnell wieder herum, dass er beinahe gefallen wäre. Aber dort waren sie. Deutlich zu sehen. Grüne saftige Palmen. Man sah wirklich nur die Kronen, aber es waren schier unendlich viele. Lachend ging er in die Knie. Salzige Tränen der Erleichterung rollten seine eingefallenen Wangen hinunter. "Leon. Schwing deinen müden Hintern hier her. Dort drüben ist die Oase. Es sind nur noch zwei oder drei Nächte zum Laufen. Wir können es schaffen." Der blonde junge Mann starrte ungläubig zu dem schwarzen Schatten der sich gegen den orangeroten Himmel abhob. "Du verscheißt mich doch oder?" Chris lachte. "Ich würde jetzt sicher keine Scherze machen. Komm hoch und sie es dir selber an." Leon nickte. Sollte er noch warten oder ihn gleich töten. Aber vielleicht brauchte er ihn noch. Er würde ihn kurz vor der Oase töten. Schwer atmend rappelte er sich auf und folgte seinem Begleiter.

"Sie sind fast da meine Liebe. Chris scheint jedoch noch fitter zu sein als dein Leon." San Lutz hatte wieder einmal seine Füße auf den Tisch in Salinas Kneipe gelegt und rauchte genüsslich eine Zigarre. "Es schaut so aus, als würdest du verlieren." Salina setze sich zu ihm und wischte seine Füße mit einer beiläufigen Bewegung vom Tisch. "Hast du mit deinem Sandkorngroßen Gehirn vielleicht bereits gemerkt, das Chris keinen deiner Befehle mehr befolgt? Der einzigste Grund, warum er zur Oase geht, ist, das er überleben will." Der alterslos erscheinende Mann zuckte mit den breiten Schultern. "Das ist mir egal. Solange er als erstes ankommt und diesen Leon vielleicht noch ausschaltet ist es mir egal. Danach werde ich ihn wieder reinigen und erneut ins Spiel werfen. Er ist gut." die zierliche Blondine stand wieder auf. "Ich werde ihn mir schnappen mein Freund. Ich hatte ihn mir damals schon als erstes auserwählt. Du hast nicht fair gespielt SanLutz." "Nicht fair? Das ich nicht lache. Weißt du überhaupt was fair ist? Ich schicke keine gedungenen Amazonen hinter unseren Figuren her. Ich glaube sowieso das sie ihn nicht töten wird." "Das wollte ich auch nicht." "Ach? Dann willst du sie beide nur quälen? Du fängst an mir Konkurenz zu machen meine Liebe. Was ist, wenn sie sich erinnern?" "Dann werde ich sie reinigen. Ich werde nicht sinnlos Spielfiguren verlieren. Menschen sind mittlerweile schwer zu bekommen und sehr teuer. Und jetzt verschwinde. Ich kann deine selbstgefällige Fisage nicht mehr länger ertragen." Er lachte dunkel. "Du bist dir nur bewußt das du verlieren wirst." Salina warf ihm einen tödlichen Blick zu. Dann verschwand er mit einem weiteren dröhnenden Lachen. "Oh wie ich ihn verabscheue." Flüsterte die alterslose Frau und verzog ihr schönes Gesicht zu einer Grimasse.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.03.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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