Steffi Ditz

Indien

 

Indien

 

 

Nach über sieben Stunden Flugzeit landete mein Flieger endlich in Delhi. Schon seit Wochen freute ich mich auf diese Reise, da mich die indische Kultur sehr faszinierte und mich das Spirituelle sehr begeisterte. Nun war ich endlich angekommen und ich konnte es noch gar nicht glauben. Zunächst einmal nahm ich ein Taxi in Beschlag und war verwundert, dass es so einfach und schnell ging und ließ mich zu meinem Hotel fahren. Es war Anfang Oktober und nicht mehr ganz so warm. Ich war froh an lange Kleidung gedacht zu haben. Zum weiteren Nachdenken kam ich nicht, denn schon hielt das Taxi vor meinem Hotel. Da kein Taxameter lief, handelte ich mit dem Fahrer einen Preis aus, bezahlte und verabschiedete mich.

 

 Ich war nun etwas außerhalb des Zentrums und war erfreut darüber wie hübsch das Hotel war. Es war in gediegen britischen Stil erbaut und eingerichtet und ich entdeckte einen herrlichen Garten mit einem großen Pool. Ich war ein wenig erschöpft von der langen Reise, doch es war noch früh am Morgen und so beschloss ich erst einmal mein Gepäck in mein Zimmer zu bringen und keine Zeit zu vertrödeln, damit ich Indien endlich kennen lernen konnte, oder besser gesagt, einen Teil davon.

 

 

Jetzt war ich bereit die Weltstadt einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Altstadt war voller Menschen- und Wagengedränge. Mir fielen niedrige, abgenutzte Häuser in engen, gewundenen Gassen auf. Ich erreichte die „Chandni Chowk“, die Basarstraße in Old Delhi, die sich zwischen einem Vogelhospital und der Fatehpuri-Moschee befindet. Hier wimmelte es von Händlern, Käufern und Bettlern, Rikschas und Fahrrädern. Ein Vorankommen war fast unmöglich. Ich war entsetzt, doch nicht über die Menschenmengen, sondern über die vielen Bettler, zu denen auch schon Kinder gehörten. Gerne hätte ich ihnen etwas Geld gegeben, doch kurz zuvor hatte ich erfahren, dass es falsch war bettelnden Kindern Geld zu geben, da man damit die gewerbsmäßige Ausnutzung der Bettelei fördere. Also versuchte ich sie so gut es ging zu ignorieren, was mir nicht gerade leicht fiel.

 

Da bemerkte ich wie hungrig ich eigentlich selber war und stellte fest, dass seit dem Frühstück im Flugzeug schon einige Stunden vergangen waren. Also machte ich mich auf die Suche nach einem Restaurant, welches sich schnell finden ließ.

 

 

 

 

 

 Im Restaurant selber genossen Einheimische und Touristen die indische und westliche Küche. Nachdem ich meine indische Mahlzeit regelrecht verschlungen hatte, lag „Tughlaqabad“, das von Affen und Schlangen bevölkerte Ruineareal auf meinem Weg, welches sich ungefähr 13 Kilometer südlich von Delhi befindet. Hierzu hatte ich mir einen Mietwagen mit Fahrer einer zuverlässigen Agentur organisiert, da der Verkehr mich hier als europäischer Besucher voll und ganz überforderte. Ich war erstaunt über die vielen Affen, die selbst vor dem immer noch eindrucksvollen Grabmal des Gründers Ghiyas`du-Din Tughluqs keinen Halt machten, was mich sehr belustigte. Es war einfach zu niedlich den flinken, kleinen Kerlchen zuzuschauen. Frech kamen einige auf mich zu und verlangten Futter. Scheinbar waren sie an Menschen gewöhnt. Jedoch konnte ich ihnen nichts anbieten und sie begannen an meiner Kleidung zu zupfen wie die kleinen Kinder. Schnell bahnte ich mir einen Weg zum Palast, den schon der arabische Weltreisende Ibn Battuta bestaunte. Er hatte gesagt: „Der große Palast, dessen Ziegel der Sultan vergolden ließ. Im Sonnenlicht spiegeln sie so intensiv, dass man unmöglich hinschauen kann.“ Ich konnte dem nur zustimmen. Trotzdem beeindruckte mich dieser Palast ungemein. Gerne wollte ich noch ein wenig die Natur genießen und setzte mich einfach auf den Boden. Dabei hätte ich mich beinahe auf eine Schlange gesetzt, der dieser Platz ebenfalls zu gefallen schien. An die netten Tierchen hatte ich schon fast nicht mehr gedacht, doch immerhin früh genug um zu verhindern, dass sie mich in mein Hinterteil beißen konnte.

 

Das waren genug Eindrücke für diesen Tag. Ich ging zurück zum Wagen und ließ mich zum Hotel fahren. Während der Fahrt hatte ich bereits schwer mit der Müdigkeit zu kämpfen, aber tapfer hielt ich durch. Für den Abend hatte ich mir einen Besuch im „Indian International Centre“ vorgenommen um indischen Tanz, Gesang und Musik zu genießen. Aber daraus wurde nichts. Die Müdigkeit siegte schließlich und schneller als mir lieb war schlief ich ein und erwachte erst spät am anderen Tag.

 

Meine Uhr zeigte bereits frühen Nachmittag, was mich ein wenig verärgerte, da mir nun nicht mehr so viel Zeit blieb um mir Delhi anzusehen. Denn in zwei Tagen würde ich schon in Varanasi und darauf in Bombay sein. Also hieß es, keine Zeit vergeuden.

 

 

 

 

 

 

Nach einem leckeren Mittagessen im Restaurant, nahm ich mir erneut einen Mietwagen und ließ mich nach „Dharamsala“ bringen. Ein Ort im Himalaya, der auch „Klein Tibet“ genannt wird. Aus einem Reiseführer hatte ich erfahren, dass dem so war, seit der aus seiner Heimat vertriebene XIV. Dalai Lama hier das von der indischen Regierung gewährte Exil bezog. Das war 1959.

 

 

Hier erlebte man nun einen ungebremsten touristischen Bauboom mit einigen tibetanischen Oasen- wie der Residenz des Dalai Lama in McLeod-Ganj und dem Nordbulinka-Institut samt Tempel, Kunsthandwerk und Gästehaus am Fuße des Gebirges. Dieses wird umschlossen von der vielerorts großartig urtümlichen Landschaft des Bundesstaats „Himachal Pradesh“ mit Waldtälern, Seen und silbrigen Flüssen.

 

Ich beschloss dem „Avalokiteshwara-Tempel“, einem buddhistischem Tempel gegenüber der Residenz des Dalai Lama, einen Besuch abzustatten. Denn schließlich war ich ja auch hier um das Spirituelle kennen zu lernen. Doch bevor ich den Tempel betrat, zog ich meine Schuhe aus, da es als Reinheitsverstoß gilt, die Schuhe beim Betreten religiöser Orte anzubehalten. Stunden verbrachte ich damit das riesige Bildnis der tausendäugigen tibetanischen Schutzgottheit zu betrachten und mich einer entspannten Meditation hinzugeben. Dabei störten mich die anderen Menschen überhaupt nicht.

 

 

Nachdem ich einige Tage damit verbracht hatte Delhi zu erkunden, befand ich mich nun in Varanasi. Hier würde mein Aufenthalt nur von kurzer Dauer sein, denn es zog mich in die modernste Stadt Indiens: Bombay.

 

Nun war ich also in Varanasi, wo es am indischsten ist. Leben und Tod, das goldene Tempeldach, glitzernde Seide und arme Kranke und Greise, den Tod am heiligen Ort erwartend.

 

Nach kurzer Zeit fand ich mich am „Ganges“ wieder. Das Westufer des Ganges wird gesäumt von breiten Treppen, den Ghats. Dahinter entdeckt man Tempeltürme, alte Paläste und Verbrennungsstätten. Ich hatte mir sagen lassen, dass die Stunde vor Sonnenaufgang sehr feierlich sein soll, wenn sich der Himmel über dem unbebauten Ostufer rötlich färbt und Hunderte von Schälchen aus Blättern mit kleinen Ölflammen flussabwärts schwimmen.

 

 

 

 

 

Ich betrachtete das „Dasasvamedh Ghat. Dort beteten einige asketische Saddhus. Sie waren völlig nackt und nur mit Asche bestreut.

 

Ich bewegte mich etwas weiter flussabwärts, wo allmählich der Palast des Maharadschas Man Singh von Amber aus dem 17. Jahrhundert verfällt. Schade darum. Nach vier weiteren Ghats kam ich zum Toten-Verbrennungs-Ghat Jalashayin. Ich wusste, dass dort Fotografieren verboten war, jedoch konnte ich aus respektvoller Distanz zusehen.

 

Am Lalita Ghat steht ein nepalesicher Tempel mit vergoldetem Dach. Auf mich wirkte er sehr beeindruckend.

 

Am Manikarnika Ghat gab es den Fußabdruck Shivas, ein Ganesh-Tempel und ein Wasserbecken zu sehen, das aus den Schweißtropfen Shivas entstand, als er nach einem verlorenen Ohrring seiner Frau Parvatis suchte.

 

Zwei Ghats weiter sollen sich die fünf heiligen Ströme (Ganges, Yamuna, Kirana, Sarasvati und Dhutapapa) beim Panchaganga Ghat unter der Erde treffen.

 

Zum Abschluss hatte ich mir ein Ziel in der Umgebung ausgesucht. Ich wollte nach Sarnath. Dort hatte Buddha, nachdem er erleuchtet wurde, seine erste Predigt gehalten. Es faszinierte mich, dass dies schon so lange her war, man die heilige Stätte aber vor Augen hatte.

 

 

Die Nacht verbrachte ich in einem Hotel in Varanasi und machte mich am nächsten Tag schon früh auf den Weg nach Bombay. In den nächsten fünf Tagen würde ich in Bollywood und Buddhastätten sein.

 

Als ich Bombay, eigentlich Mumbai, erreichte, sah ich erst einmal nur Hochhäuser von Banken und Industriefirmen. Das erinnerte mich eher an eine amerikanische Skyline. Jedoch änderte sich dies, je weiter ich ins Innere der Stadt vordrang. Ich stellte eine faszinierende Mischung westlicher und orientalischer Lebensart fest.

 

In den wenigen Tagen, die mir noch verblieben, sah ich mir die Aurangabad-Höhlen an, die inmitten der Tafelberge nördlich von Aurangabad mit monumentalen Skulpturen und Reliefs erhalten sind.

 

In Ajanta besuchte ich die Bilder Welt des Buddhismus in Felshöhlen. Buddhistische Mönche wählten das hufeisenförmige Felsrund über der tiefen Schlucht des Waghora-Flusses für eine Klosteranlage, die im Laufe von tausend Jahren in immer neue Höhlen in die Vulkanfelswand gemeißelt wurde. Ich war völlig beeindruckt über die überragenden Skulpturen und die noch immer farbstarken Wandgemälde mit

 

 

 

 

Darstellungen von Buddha-Legenden und des höfischen Lebens der Gupta-Dynastie.

 

 

Nun wollte ich mich einmal ins bunte Marktleben hineinwagen und ein Stück Alltag erleben. Dazu war der „Crawford Market“ genau richtig. Alles war voll von Gerüchen und Farben des Orients, frischem Obst, Gemüse sowie lebenden und frisch geschlachteten Tieren. Ein kunterbuntes Durcheinander, was mir aber durchaus gefiel.

 

 

Aus der Hektik Bombays wechselte ich auf eine tropisch grüne Insel, Elephanta. Es war das reinste Kontrasterlebnis. Mit einem weniger touristischen Boot nahm ich die fast einstündige Schiffsreise auf mich. Ich nahm mir Zeit, um nach dem Aufstieg zu den Tempeln über die Insel zu spazieren. Die Hauptattraktion waren auf jeden Fall die Höhlentempel, voran der Mahesha-Tempel, der Shiva gewidmet ist.

 

 

Es war alles so wunderschön, dass mir die Lust fehlte wieder zurück zu fahren. Natürlich blieb mir nichts anderes übrig, denn meine Zeit hier war abgelaufen. Bereits in wenigen Stunden würde ich wieder auf der Heimreise sein. Doch ich war mir sicher, dass die Eindrücke, die ich hier gesammelt hatte, immer in meiner Erinnerung bleiben würden. Leider hatte ich für meine Reise nicht viel Zeit mitgebracht, aber es hatte gereicht um die Schönheit Indiens zu entdecken und der nächste Urlaub würde bestimmt kommen…

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Steffi Ditz).
Der Beitrag wurde von Steffi Ditz auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.03.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Gedichte mit und ohne Depresionen von Henriette Toska



In ihrem Erstlingswerk hat die Autorin verschiedene Gedichte zusammengefasst.
Sie beziehen sich auf den Lebenslauf und Alltagsgeschichten zu jeder Jahreszeit.

Viel Spass beim Lesen

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie Reiseberichte Indien

Weitere Beiträge von Steffi Ditz

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Schwanger mit 16 von Steffi Ditz (Wahre Geschichten)
Pilgerweg X IV. von Rüdiger Nazar (Reiseberichte)
Das Herder-Lexikon von Ingrid Drewing (Autobiografisches)