Katja Heinrich

Orange

Heute ist Donnerstag.
Ich rufe dich an, um dir zu sagen, dass ich nächste Woche Urlaub habe.
Ich wähle deine Nummer und die Hummeln machen mich verrückt.
„Feldmann.“ Aaaaah deine Stimme macht mich schon ganz verrückt.
„Hallo Rea, ich bin´s, Sina.“
„Hallo meine Süße.“
Ich schnurre gleich wie ein Kätzchen.
„Ich hab den Urlaub bekommen, ab nächster Woche.“ sage ich mit leicht zittriger Stimme. Mir ist ganz schwummerig, wenn ich daran denke, was in der Zeit so alles passieren wird.
„Echt? Du hast wirklich frei bekommen? Und so bald? Das ist ja toll. Ich habe auch eine gute Nachricht.“ erwiderst du.
„Was denn für eine?“ frage ich neugierig.
„Ich habe mir Montag und Dienstag frei geschaufelt.“ grinst du ins Telefon.
Mein Herz stolpert.
„W-warum?“ frage ich blöde. Meine Güte, jetzt stotter ich auch noch und stelle bekloppte Fragen. Meine Nervosität bringt mich um den Verstand.
„Was?“
„Äh, vergiss es bitte, ich bin einfach nur nervös.“ versuche ich einen Erklärungsansatz.
„Nervös? Warum denn d… ach du liebes Lieschen,“ unterbrichst du dich selbst, „wegen dem Urlaub? Wegen uns?“
„Ja.“ kommt es kläglich aus mir heraus.
„Du bist so süß, Maus, aber du musst doch nicht nervös sein. Hör auf, dich in etwas reinzusteigern und lass das auf dich zukommen. Schauen wir doch einfach nur, das wir eine schöne Zeit haben – und vor allem endlich überhaupt mal Zeit füreinander.“
Ich schwitze nervös vor mich hin.
„Sina?“
„Ja, du hast ja Recht, aber…“
„Nichts aber. Du hast Urlaub, ich hab zwei Tage frei und das Wochenende muss ich sowieso nicht arbeiten. Kommst du morgen zu mir? Ich hab aber Spätdienst und bin erst gegen elf daheim.“
„Mh-Mh.“ mache ich nur.
„Was nun?“ fragst du unsicher.
„Ja, nee, kann ich dich abholen? Dann dauert es nicht mehr ganz so lange bis ich dich sehen kann.“ erwidere ich.
„Jaaaa.“ Ich höre Erleichterung und Freude in deiner Stimme.
„Wann soll ich da sein?“
„Dienstende ist um viertel vor zehn, kann aber sein, ich brauch ein bisschen länger.“
„Ich stehe um viertel vor unten vor dem Haupteingang und warte.“ erkläre ich bestimmt.
„Toll, ich freu mich auf dich.“ Deine Sahnekaramellstimme macht mich ganz schwach.
„Ich mich auch, bis morgen.“
Heute ist der erste Tag in zwei Wochen, an dem wir uns nicht sehen. Nicht mal für eine Minute. Ich habe heute Abend eine Verabredung mit Jan.
Du fehlst mir.
 
 
Freitag.
In der Redaktion kann ich mich wieder kaum konzentrieren. Immerzu huschen meine Gedanken zu dir.
Freue mich wahnsinnig auf den Abend.
Ach du Schande, wir haben gestern gar nicht abgemacht, ob ich wieder heim fahre oder bei dir schlafe.
Bei dem Gedanken daran wird mir ganz anders.
Und überhaupt, ich stelle mich an wie ein Teenie. Was soll das?
Mein Handy klingelt.
„Bessler?“ melde ich mich.
„Hi Süße, wir haben gar nicht darüber gesprochen, ob du das ganze Wochenende bei mir schläfst.“
Du.
„Äh, liest du meine Gedanken?“ frage ich verblüfft?
„Warum?“
„Weil mir das gerade im Moment auch aufgefallen ist.“
Ich höre dich leise lachen. „Siehst du, zwei Verliebte, ein Gedanke.“
„Heißt das nicht …?“
„Ach halt die Klappe und hol mich um viertel vor zehn ab.“ lachst du frech und legst auf.
Argh, die Hummeln sind los. Wie bitte soll ich jetzt noch den Arbeitstag überstehen?
 
Abends dusche ich und packe ein paar Sachen für das Wochenende ein.
Die Hummeln wollen sich gegenseitig übertrumpfen.
Rea Rea Rea hämmert mein Herz, als ich zum Krankenhaus fahre.
Stelle mein Auto auf dem Parkplatz ab und schlendere zum Haupteingang – und gerade als ich dort ankomme, rennst du mir schon entgegen, stürmst in meine Arme und knutschst mich blind.
Ich geh kaputt. Mitten auf dem Platz vor deiner Arbeitsstätte küsst du mich.
„Ich hab dich vermisst und hätte es nicht eine Sekunde länger ohne dich ausgehalten.“ erklärst du, nimmst meine Hand und stiefelst zielsicher los.
„Hallo auch.“ sage ich schwächlich und bin total überfordert. „Sag mal, dich stört das nicht, wenn deine Kollegen sehen, wie du mich küsst?“
„Nö, wieso? Sollte es? Oh verdammt, ist dir das unangenehm?“ fragst du bestürzt.
„Ehm, ich weiß nicht. Kam nur so überraschend.“ murmle ich.
Habe mir tatsächlich noch keine Gedanken darüber gemacht. Bis jetzt.
Aber eigentlich ist es mir auch vollkommen egal, stelle ich fest, drücke deine Hand und strahle dich an.
„Wenn du damit ein Problem hast,….“ setzt du an, aber ich unterbreche dich gleich, „Nein, wirklich. ich hab kein Problem damit, ich war nur einfach überrascht und hab mir noch keine Gedanken darum gemacht. Das ist alles.“
Zur Bekräftigung bekommst du erstmal einen langen Kuss.
„Hmmm, mehr davon.“ meinst du versonnen und lächelst.
Meine Synapsen explodieren gleich. „Aber nicht hier.“ bestimme ich und ziehe dich  zum Auto.
 
 
Auf dem Weg zu dir.
„Ich hab eigentlich tierisch Hunger.“ stellst du fest. „Wollen wir noch schnell was essen gehen?“
Hunger? Ich komm um. Du hast echt Nerven. Ich schicke dir einen kurzen Seitenblick und werde schon wieder nervös. Ich hasse Hummeln.
„Sina?“
„Hm?“
„Was ist? Essen? Nahrungsaufnahme? Keinen Hunger?“
Deine Finger grabbeln in meinem Nacken. Die Hummeln vermehren sich explosionsartig, mein Hirn droht zu kollabieren.
„Äh, ja, können schon was essen.“ brummle ich.
„Sina, bleib locker bitte.“
Deine. Finger. Grabbeln. Weiter.
„Wir gehen jetzt noch gemütlich was futtern und dann sehen wir weiter.“ Entspannt lehnst du dich im Sitz zurück. „Bei mir um die Ecke gibt ein prima Lokal mit gutem Essen.“
„Mmmokay.“ mümmle ich.
 
Vor deiner Wohnung stellen wir das Auto ab, ich lasse meinen Krempel erstmal im Wagen und wir gehen ein paar Schritte zum Lokal.
Drinnen riecht es lecker und meine Lebensgeister kommen zurück. Ich habe tatsächlich Hunger.
Wir setzen uns an einen kleinen Tisch, der Kellner kommt auf uns zu und begrüßt dich herzlich. Aha, du kommst wohl öfter her.
„Das ist Sina, meine … Freundin?!“
Hey, du wirst ja rot. Ist das niedlich, ich möchte dich anknabbern.
„Hallo Sina.“ werde ich vom Kellner nun freudestrahlend mit Handschlag begrüßt, „Ich bin Paolo. Freut mich sehr.“
„Ja, mich auch.“ erwidere ich.
„Was kann ich euch den gutes tun? Wollt ihr was trinken oder habt ihr eher viel Hunger?“
„Hunger!“ sagen wir gleichzeitig.
Paolo lacht. „Fein, wir haben heute Saltimbocca als Tagesgericht. Oder soll ich euch die Karte bringen?“
„Also ich nehm das Saltimbocca und dazu ein Wasser ohne Blubber.“ erkläre ich.
„Ich auch.“
Als Paolo weg ist, wende ich mich dir zu.
„Warum hast du eben gezögert?“
„Ich w-wusste nicht, ob …“
Herrje, jetzt bist du aber nervös.
„Ja?“ Ich will dich zappeln lassen.
„Ob du das ok findest, wenn ich dich so bezeichne. Ich weiß ja nicht, also, wir haben ja nie darüber gesprochen und so.“
„Ich habe nichts dagegen, denke ich.“ Ich grinse breit.
„Machst du dich gerade über mich lustig?“
„Könnte sein.“
„Miststück.“
„Ich finds schön, dass du auch mal unsicher bist.“ Mein Grinsen wird noch breiter. Die Hummeln sind wohl kurzfristig zu dir gezogen.
„Miststück.“
Das Essen kommt.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Katja Heinrich).
Der Beitrag wurde von Katja Heinrich auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.03.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Der kleine Kobold Mallefitz von Sabine Kwyas



Nach hundert Jahren unbeschwerter Kindheit bekommt der kleine Kobold Mallefitz von seiner Mutter seine zukünftige Lebensaufgabe erklärt. Da Kobold en Menschen als Schutzengel dienen, bekommt auch Mallefitz einen kleinen Schützling zugewiesen, den er vor den alltäglichen Gefahren bewahren soll. Es ist das kleine Mädchen Lea, dass Mallefitz mit ihrer Ungestümheit und ihrem Temperament ganz schön auf Trab hält. Doch da der fleißige Kobold sich vorgenommen hat, der beste Schutzengel der Welt zu werden, läßt er Lea niemals aus seinen wachsamen Augen und verhindert somit oftmals die kleinen Unglücke des Lebens. Bis zu dem Zeitpunkt als sein Schützling schwer krank wird und sich ihm überstarke Gegner in den Weg stellen, da beginnt für Mallefitz ein Kampf auf Leben und Tod.
Wird es ihm jetzt immer noch gelingen der beste Schutzengel auf der Welt zu werden und seine liebgewonne Lea vor dem schlimmsten Unheil ihres Lebens zu bewahren.?

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Liebesgeschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Katja Heinrich

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Sodbrennen - 16. Der Phasenesser von Katja Heinrich (Satire)
Brennende Tränen - Teil V von Sandra Lenz (Liebesgeschichten)
Omas Pflaumenkuchen von Heideli . (Sonstige)