Sandra Schache

Empfinden der Zeit

  Als er in die Runde schaute, fiel ihm nur eines auf. Nur das eine erregte seine Aufmerksamkeit. Zugegeben: jeder Junge seinen Alters würde das Wunder anstarren.
 
Sie war groß und schlank. Graue Wellen flossen wie Haar an ihrem Körper entlang. Ein rotes Kleid umspielte ihren perfekten Körper und fünf Anhängsel folgten ihr auf Schritt und Tritt.
 
Dann verschwand sie in einem Tunnel und würde erst nach einer halben Stunde wieder auf diese Seite des Berges kommen.
 
Erst in einer halben Stunde...
 
Was sollte er die ganze Zeit machen?
 
Er schlenderte durch die Einkaufspassagen und hoffte jede Minute, die er lief, die rote Modelleisenbahn so schnell wie möglich wieder zu sehen.
 
Was würde er nicht alles dafür geben um sie zu haben. Sein ganzes Zimmer würde er verkaufen, doch er wusste das es nicht möglich war. Sie war Eigentum diesen Kaufhauses und nicht zu verkaufen.
 
Er seufzte. Nur noch fünf Tage würde sie da sein und ihre Runden drehen. Fünf kurze Tage die wie im Flug vergehen würden.
 
Wenn er sie doch nur bekommen könnte...
 
Er schaute auf die Uhr. Das Ziffernblatt zeigte, dass gerade mal fünf Minuten vergangen waren. Abermals seufzte er. Warum verging die Zeit nur immer so langsam wenn er auf sie wartete? Und um so schneller verging die Zeit wenn er sie betrachten konnte.
 
Noch so lange...
 
Er schaute sich um. Wo war er hier nur gelandete? Er war so tief in seinen Gedanken versunken gewesen, das er nicht bemerkte wohin er lief. Schnell drehte er sich um und suchte den Weg zurück. Nochmals waren nur fünf Minuten vergangen, als er auf seine Uhr schaute. Also hatte er noch genügend Zeit. Er schaute nach links, nach rechts und dann wieder nach vorn. Wenn er sich nur erinnern könnte von wo er gekommen war.
 
Er entschied sich für den Weg vor ihm, denn schließlich ist er ja immer nur gerade aus gelaufen, das hoffte er zumindest.
 
Jetzt lief er schneller, denn es blieben ihm noch fünfzehn Minuten. Es war zwar noch viel Zeit, doch wenn er den Weg nicht so schnell wie möglich fand, dann würde er sie heute nicht mehr sehen. Er rannte dahin und dorthin, doch er fand die Gleisen der Modelleisenbahn nicht.
 
Noch drei Minuten. Jedes mal schien die Zeit schneller zu vergehen wenn er auf das Ziffernblatt seiner Uhr schaute.
 
Nun rannte er so schnell er konnte und stieß ab und zu einen Passanten an. Plötzlich stolperte er über ein Stromkabel. War er hier nicht schon öfters vorbeigekommen? Dieses Stromkabel kannte er doch! Mit klopfenden Herzen folgte er dem Kabel und fand sie schließlich. Sie kam gerade aus dem Berg gefahren um die freudigen Kinder mit einem lauten Pfeifen zu begrüßen. Mit funkelnden Augen und einem Lächeln im Gesicht schaute er ihr nach, bis sie wieder im Berg verschwand!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.03.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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