Steffi Ditz

Schwanger mit 16

 

 

Ich saß völlig aufgewühlt auf meinem Bett und neben mir saß meine Mutter, mit bitterböser Miene. Mir hallten die Worte meines Frauenarztes noch in den Ohren: "Du bist in der 8. Woche schwanger." Meine Mutter hatte schon lange den Verdacht gehabt. Sie wollte, dass ich einen Abbruch mache. Doch so geschockt ich auch war, wusste ich von Anfang an, dass ich dieses Kind um nichts in der Welt wieder hergeben würde. Kurze Zeit später traf ich meinen Freund, ich musste diese Neuigkeit sofort dem zukünftigen Vater erzählen. Ich begann zu weinen und erzählte ihm, dass wir in einigen Monaten zu dritt sein würden. Er strahlte über das ganze Gesicht - ein Glück. Mit soviel Freude hatte ich nicht gerechnet. Wieder zu Hause angekommen, fand ich meine Eltern mit versteinerten Gesichtern am Tisch. Ich setzte mich auf meinen Platz und wartete auf die Predigt, die sie mir halten würden. Aber es geschah nichts, nichts als Totenstille. Schließlich schlich ich in mein Zimmer hoch, als ich es unten plötzlich klingeln hörte. Besuch um diese Zeit, mitten in der Woche? Logisch, meine Eltern hatten nichts Besseres zu tun gehabt, als sofort die Eltern meines Freundes anzurufen und sie um eine Audienz zu bitten. Schließlich musste dieses in den Brunnen gefallene Kind doch wieder gerettet werden. Völlig niedergeschlagen kam mein Freund zu mir in mein Zimmer. Mein Vater hatte seine Eltern angerufen und um einen sofortigen Besuch gebeten, erzählte er mir. Er werde meinen Freund zur Rechenschaft ziehen, wie kann es möglich sein, dass er seine 16 jährige Tochter, die gerade ihre Ausbildung angefangen will, zu schwängern!

 

Die Zeit verging nicht. Was mochten die da unten im Esszimmer über unsere Köpfe hinweg entscheiden? Plötzlich tönte es von unten " Kommt runter!" das war keine Bitte, das war ein klarer Befehl. Kleinlaut schlichen wir die Treppe runter ins Esszimmer. Dort saßen sie, die 4 Richter über unser Baby. Aber merkwürdiger Weise saßen nur meine Eltern dort mit noch immer versteinerter Miene. Der Vater meines Freundes saß ganz entspannt zurück gelehnt auf seinem Stuhl, vor sich eine Flasche Bier. "Na nun guckt mal nicht so, ihr beide." tönte dieser dicke Mann, dem ich bisher meist aus dem Weg gegangen war "wir kriegen das schon zusammen hin!" "Es ist doch noch nicht zu spät, noch kann man doch etwas dagegen unternehmen" rief mein Vater vom anderen Ende des Tisches. " Ich will aber keine Abtreibung, ich will dieses Kind, ich habe heute seinen Herzschlag gehört, ich liebe es jetzt schon" brach es unter Tränen aus mir hervor. Konnte mich denn niemand verstehen? Diese Debatte zog sich stundenlang. Als mein Freund und seine Eltern aufbrachen, hatten alle vier Erwachsenen leicht einen im Tee und wir hatten uns darauf geeinigt, dass ich das Baby bekommen durfte. Ich war glücklich. Hätte ich geahnt, dass meine Mutter die ganze Schwangerschaft nur das nötigste mit mir reden würde, so hätte ich meine Freude in Grenzen gehalten. Aber ich durfte mein Kind behalten. Gedankenverloren strich ich über meinen flachen Bauch. "Bald wirst du wachsen, mein Schatz und jeder wird sehen, dass du da bist!" dachte ich bei mir.

 

Eine Woche später rief mich mein Freund aufgeregt an, er müsse mir etwas zeigen. Er holte mich am Samstagmorgen ab und wir fuhren ein paar Straßen weiter und hielten vor einem frisch renovierten 4-Familienhaus. Mein Freund zog einen Schlüssel aus der Tasche, schloss auf und ging mit mir in den ersten Stock. "Das wird unser Zuhause." Staunend sah ich mir die kleine Wohnung an. Ich sah das Kinderzimmer schon eingerichtet. Konnte schon den Geruch riechen und das Lachen von unserem Baby hören. In den nächsten Tagen stürzten wir uns mit Eifer ans tapezieren, Teppich verlegen und so weiter. Opa spendierte uns eine Küche, die Eltern meines Freundes das Schlafzimmer und meine Eltern ließen sich dazu hinreißen, uns das Wohnzimmer einzurichten. In Windeseile war unser kleines Nest einzugsbereit. Die Wochen vergingen, ich wurde runder und runder. Ich führte Zwiegespräche mit dem Kleinen - ich war immer noch überzeugt, dass es ein Junge sein wird.

Schließlich nach Monate langem warten ließ ich mich völlig verängstigt von meinem Freund in die Klinik fahren. Ich hatte Angst, ganz furchtbare Angst. Hoffentlich ging alles gut und mein Kind ist gesund. Zwar hatten mein Freund und ich uns den Kreissaal ein paar Wochen vorher ansehen wollen, was aber nicht ging. Es wurde gerade geboren. Und gleich Zwillinge. Die Hebamme rauschte an uns, die wir draußen kauerten, mit blutigen Laken an uns vorbei. "Na toll, da steht dir ja was bevor!" Diese Bilder gingen nun wieder durch meinen Kopf.  Mittlerweile musste mein Blutdruck auf 180 sein und ich zitterte wie Espenlaub. "Hoffentlich ist das hier bald vorbei!" Einen anderen Gedanken hatte ich in dem Moment nicht.

 

 

 

 

Weiter zu denken kam ich auch nicht. Denn just in dem Moment kam eine Schwester ins Zimmer gestürmt. In der Hand eine 1 Liter Flasche mit undefinierbaren Inhalt und einem meterlangen Schlauch. "Bitte unten rum frei machen und mit dem Po zu mir" kam es im Kommandoton. Was sollte das bitte werden? Ich gehorchte dieser Frau, blieb mir wohl auch nichts anderes übrig, wollte ich das hier schnell hinter mich bringen. Sie fummelte den Schlauch in meinen Po, kippte den Inhalt der Flasche über einen Trichter hinein und befahl " Die Pobacken zusammen kneifen solange es geht. Nach 30 Minuten darfst du aufs Klo" Jawoll. Auch wenn mir schleierhaft war, wie ich 1 Liter Flüssigkeit in meinem Darm, die sofort wieder nach draußen wollte, unterdrücken soll. Aber ich war tapfer. Zwar keine 30 Minuten, aber immerhin 20. Kaum war ich mal wieder von diesen aparten Toiletten zurück in mein Zimmer gewankt, erwartete mich auch schon die Hebamme. "Und los geht's, auf in den Kampf" Hörte ich eben Kampf? Ich wollte hier eigentlich nur mein Kind zur Welt bringen und mit niemanden kämpfen. Folgsam trottete ich hinter ihr her in den gegenüberliegenden Kreissaal wo mich herzzerreißende Schreie empfingen. Nebenan wurde auch kräftig geboren und es schien die arme Frau förmlich in Stücke zu reißen. "Muss das so laut sein? Kann man das irgendwie abstellen?" fragte ich leise. Ich hatte nun noch mehr Angst als ohnehin, was erwartet mich hier? Der Raum sah nicht viel anders aus als ein Raum im Schlachthof. Grelles Licht, ein Geruch der die Nase rümpfen ließ. Aber gut, ich wollte meinen Sohn, sollte es denn einer sein, endlich in den Armen halten. Also hievte ich mich und meine Kugel auf dieses bequeme Bett. War gar nicht mal so ungemütlich. Na wie lange das noch weiß sein mochte? Ohne ein Wort riss mir eine Schwester das Nachhemd hoch, patschte mir diverse klebrige Dinger auf meinen kugeligen Bauch. "Das ist der Wehenschreiber" wurde ich dann doch noch aufgeklärt. Piep Piep Piep macht es von da an neben mir. Stand die gute Frau eben noch neben mir, so machte sie sich plötzlich zwischen meinen Beinen zu schaffen. "Autsch! Gibt es hier keine Enthaarungscreme?" "Hier rasieren wir noch mit dem guten alten Rasiermesser!" Sie skalpierte mich und verschwand. Da lag ich nun. Gefesselt an einen piependen Apparat. Das  Ziehen in meinem Bauch wurde immer stärker. Der Kopf, der gerade durch die Tür schaute, fragte mich, ob noch alles in Ordnung war. Sie entschwand wieder, nicht ohne vorher in mich reinzufassen und mir die Fruchtblase zu zerkneifen. Mir gegenüber hing eine riesengroße Bahnhofsuhr. Sie sagte mir, dass seit der letzten Wehe nicht mal eine Minute vergangen war. So langsam wurde es doch unangenehm. Es drückte plötzlich von innen so nach draußen.

 

Endlich kam mal wieder jemand um nach mir zu schauen. Nebenan wurde nun nicht mehr geschrien und die Hebamme hatte wohl endlich Zeit. Ich durfte also loslegen und endlich mein Kind gebären. Ein Blick zwischen mein kahl geschlagenes Dreieck und schon kamen die nächsten Kommandos " Pressen, wir können schon die Haare sehen!" "Na toll und ich würde mich freuen, diesen Kerl endlich ganz zu sehen" so langsam war das wirklich nicht mehr lustig. Völlig benebelt presste ich brav weiter, ein kurzer Schub noch, ein Schrei. Wenigstens der Kopf war da. Und Stimme hatte dieser feuchte Kopf auch schon. Der Rest flutschte nur so raus. Ich sah schweißüberströmt auf die Bahnhofsuhr. "11 Stunden!" Völlig entkräftet stemmte ich mich in meinem Bett auf um einen Blick darauf zu erhaschen, was ich da raus gepresst hatte. Aber ehe ich mich versah, hatte ich dieses komische graue Bündel auch schon im Arm. Ich blickte an dem kleinen Körper runter und sah ....Ich hatte einen Sohn! Wünsche gehen eben doch in Erfüllung, wenn man fest genug dran glaubt. Mir traten die Tränen in die Augen, so überwältigt war ich von diesem kleinen Kerl. Gut, hübsch war er nicht. Er hatte viele schwarze Haare und war mit einer merkwürdigen Grauen Schicht überzogen. Irgendwie sah er aus, als hätte man ihn Mehl gewälzt.

 

Ohne dass ich es merkte, hatte mein Freund die Nabelschnur durchschnitten und eine Schwester teilte mir nun im etwas freundlicheren Ton mit, dass dieser Wurm Hunger hätte. Na toll, dann reicht mir bitte mal die Flasche. "Mädchen, du legst ihn dir nun an die Brust damit er trinken kann." Ach so, ja klar. Stillen nennt man das ja. Also befolgte ich den Ratschlag. "Aua! Er hat doch noch gar keine Zähne" Wieso kann er mich beißen?" Ich kann nicht sagen, dass stillen zu meinen Lieblingstätigkeiten

 

werden sollte. Immerhin schlief der Knirps nach mir endlos erscheinenden Minuten friedlich ein. Und ich bekam was zu essen! Sah ich so mitgenommen aus? Sah man mir an, dass ich kurz vor dem verhungern war? Aber mittlerweile war es schon kurz vor 23 Uhr und ich schlang das mir servierte Essen nur so hinunter.

 

Nachdem man mich noch gewaschen und schön sauber angezogen hatte, durfte ich in mein Zimmer gehen. Jawoll, gehen! Ist gar nicht so leicht, wenn es sich zwischen den Beinen anfühlt, als hätte man 5 Tage Dauersex gehabt. Aber der Weg war ja kurz und ich ließ mich erschöpft ins Bett fallen. Meinen kleinen Knirps hatten sie zum hübsch machen erst einmal behalten und brachten ihn mir kurz darauf.

 

Zum ersten Mal war unsere kleine Familie alleine. Stumm blickten wir unseren Sohn an. Die Tür öffnete sich und ein Kopf schob sich in das Zimmer "Sie müssen jetzt gehen, die beiden brauchen etwas Ruhe!" kommandierte dieser Kopf, der zu einer Schwester gehörte. Mein Freund gab uns beiden noch einen kleinen Kuss und verabschiedete sich. In den folgenden 4 Tagen gab sich meine Verwandtschaft die Klinke in die Hand und ich hatte keine ruhige Minute mit meinem Baby alleine. Wenn mal niemand von den vielen Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen, den neuen Omas und Opas da war, dann waren mein Freund und ich damit beschäftigt, uns beibringen zu lassen, unseren Kurzen beim Baden und Wickeln nicht fallen zu lassen. Außerdem bekam ich mein Baby ab dem 2. Tag nur noch für kurze Zeit am Tag zu Gesicht. Sein kleines Näschen hatte sich gelb verfärbt. "Das ist die Neugeborenen Gelbsucht!" musste ich mich aufklären lassen und meinen Kleinen abgeben, damit er unter einer Rotlichtlampe wieder zu einer normalen Farbe finden würde. Schlimm sah er aus, wenn er dort, nur in eine Windel gepackt und einen Schutz über den Augen, unter dieser Lampe lag. Aber Mutter und Kind waren tapfer. Wir nörgelten beide nicht, fügten uns und durften nach 4 Tagen endlich nach Hause.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.03.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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