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Eine afrikanische Hochzeit

 

Eine afrikanische Hochzeit




So, nun ist es bald soweit, Nervosität macht sich breit an diesem Sonntagabend. Denn morgen früh, Montags, geht es los. Richtung Afrika, um meine Verlobte in ihrem Land, Nigeria, zu heiraten, denn eine Hochzeit in meinem, Deutschland, ist dank der deutschen Ausländerbehörden nicht so ohne weiteres möglich für uns. Hoffentlich klappt alles in Afrika so wie von uns geplant?


Nachdem Deutschland immer mehr Druck auf meine Liebste gemacht hat, das Land zu verlassen, stand für uns nach reiflicher Überlegung fest, dieses gemeinsam zu tuen, denn die Voraussetzungen, die man als Nigerianerin braucht, um in Deutschland zu heiraten, konnte sie nicht erfüllen. Fast 1 ½ Jahre emotionale Achterbahnfahrt lagen nun hinter uns, ob wir diesen Punkt überhaupt jemals erreichen werden, abgelehnter Asylantrag, hangeln von Duldung zu Duldung, drohende Abschiebung, immer wieder Geldprobleme und vieles mehr.Jetzt sitzen wir also schlußendlich auf gepackten Koffern mit vielen Hoffnungen und Ängsten. Hoffentlich geht alles gut?


Es war schon schwierig genug überhaupt an diesen Punkt zu gelangen.


Denn Deutschland wollte sie, da ihr Asylantrag abgelehnt worden war, gerne außer Landes wissen. Also wurde geplant, mangels Paß, in der nigerianischen Botschaft in Berlin ein sogenanntes TC (Travel Document) zu besorgen und damit aus der BRD auszureisen und in Nigeria einzureisen. Dazu wurden von ihr vorab in Nigeria über ein Familienmitglied diverse Papiere in Auftrag gegeben und nach Deuschland geschickt, z.B. Geburtsurkunde, Altersnachweis etc. Ja, das ist in Nigeria möglich, das eine andere Person für einen selbst Papiere und Dokumente ausstellen läßt und besorgt, weshalb deutsche Behörden sich mit deren Anerkennung leider sehr schwer tun.


Mit diesen Papieren dann frohen Mutes an einem Montagmorgen vor einigen Wochen den langen Weg von meinem Wohnort nach Berlin (ca. 600km) auf uns genommen. Ziel: nigerianische Botschaft. Nachdem wir dann von der langen Fahrt vollkommen geschafft endlich unser Ziel erreicht hatten.......................... tja, war leider nix mit TC. Denn die Botschaft stellte fest, das in ihrer Duldung eine andere Nationalität angegeben war. Damit wollte man sie auf keinen Fall nach Nigeria einreisen lassen.


Super!!! Wirklich! Sie ist in Deutschland nicht erwünscht und in ihrem Heimatland ebenfalls nicht. Also irgendwie schizophren, die Situation. Ein Schxxx-Kreislauf. Was nun?


Erst mal wieder nach Hause fahren und über die verschwendete Zeit und die unnötigen Reisekosten geärgert.


Gottseidank hatten wir ja schon einige Papier bzgl. Ihrer Identität aus Nigeria schicken lassen. Diese also zur zuständigen Ausländerbehörde geschickt mit der Bitte um Änderung ihrer Identität und Nationalität von der in der Duldung angegebenen auf die in den Papieren angegebene. Eigentlich ist das ja ein Job für die deutsche Gerichtsbarkeit, und damit drehen wir uns schon wieder im Kreis. Denn eine solche Änderung ist normalerweise nicht so ohne weiteres durchzuführen.


Aber die Ausländerbehörde war so froh das sie Deutschland freiwillig verlassen wollte und hatte selber schon eine solche Menge von Beweisen über ihre richtige Identität, das diese dann für uns ruckzuck ihre Duldung geändert haben und ein Schreiben verfaßt wurde, wonach die Ausländerbehörde aufgrund der vorliegenden Beweise ihre Staatsangehörigkeit quasi beglaubigt. Na, geht doch!


Also in der Folgewoche noch einmal die Reise nach Berlin angetreten, der Weg war uns ja nun bekannt. Und auch in der Botschaft waren wir schon sozusagen „alte Bekannte“.


Die geänderten Papiere auf den Tresen gelegt, meinen Visa-Antrag noch obendrauf, viel Geld aufs Botschaftskonto überwiesen für TC und Visa, und nachdem wir den ganzen Tag in den Räumlichkeiten der Botschaft verbringen durften, durften wir dann zur Belohnung fürs Warten das ersehnte TC und mein Visa mitnehmen. Na also, warum nicht direkt so? Müssen erst unsere Nerven und Geldbeutel leiden?


Nachdem wir jetzt wieder zu Hause angekommen waren, konnten wir nun endlich in die Detailplanung gehen.


Es ist ja nicht einfach eine Ausländerin, und dann auch noch aus Afrika, zu heiraten.


Also alle meine Papiere besorgt. Scheidungsurteil (ja, ich war schonmal verheiratet), Heiratsurkunde (gibt’s nicht mehr, wurde mir dann gesagt), stattdessen dann beglaubigte Ablichtung aus dem Familienbuch, Paßfotos (für die deutsche Botschaft in Nigeria). Reisepaß bereitgelegt. Na, waren ja gottseidank gar nicht so viele Unterlagen.


Aber für meine Liebste, na, da versprach es noch kompliziert zu werden, zumal wir einen großteil der benötigten Dokumente erst in Nigeria erhalten konnten.


Ein Reisedatum wurde ausgesucht, die Flugtickets bestellt und bezahlt, Details mit der nigerianischen Verwandtschaft abgesprochen, ein günstiges Hotel besorgt. Und ich machte hier schon die Erfahrung, das eine deutsch-nigerianische Hochzeit 01.) gar nicht so einfach ist und 02.) ganz schön finanzielle Reserven verlangt, oder sollte ich besser sagen: verschlingt! Aber was will man machen. Man hat ja eigentlich nur die Möglichkeit seinen Partner dank Abschiebung o.ä. nicht mehr wiederzusehen, oder man muß halt tief in die Tasche greifen, um seine große Liebe zu halten. Und das war ein weiteres Problem. Denn Aufgrund meiner vorhergehenden Ehe und Scheidung, sowie schlechter gehenden Geschäften als Selbständiger, hatte ich eigentlich gar keine finanziellen Reserven mehr für eine solche Aktion. Was zur Folge gehabt hätte, das ich die tatsächlich größte Liebe meines Lebens, meine „2. Hälfte“, den besten Menschen den ich auf dieser Welt kenne, aufgrund unseres Ausländerrechts verloren hätte. Echt deprimierende Vorstellung! Leider berühren persönliche Gefühle und emotionale Leiden aufgrund der Trennung unsere Behörden ja nicht.................... aber gottseidank das ein oder andere Familienmitglied. Weshalb nach einigem hin und her dann schlußendlich doch die Finanzierung für unser Vorhaben, oder sollte ich besser sagen: Abenteuer, denn als solches empfand ich die ganze Sache, gesichert war. Danke!


Und so sitz ich jetzt hier und harre der Dinge die da morgen früh auf mich und uns zukommen:


Montagmorgen, 5.00 Uhr. Es ist soweit. Der Wecker klingelt unbarmherzig nach einer viel zu kurzen Nacht mit wenig Schlaf. Raus aus den Federn, ab unter die Dusche. Gepäck vollzählig? Papiere? Wirklich nichts vergessen? Nervosität macht sich breit. Hmmm, fliegen.......... und dann noch mit Zwischenstop. Zweimal Start und Landung, hoffentlich bleiben die Flugzeuge in der Luft. Leichte Flugangst macht sich in der Magengrube breit. Soll ich tatsächlich in wenigen Stunden ein solches Ungetüm betreten? Ich??? Na, da muß ich wohl durch............ Wo bleibt unser Fahrer der uns zum Flughafen bringt? Kommt doch wohl nicht zu spät? Hoffentlich verpassen wir den Flieger nicht noch. Nervosität................... Alle Sachen gepackt, ins Auto und ab zum Flughafen.


Dort ist am frühen morgen noch nicht viel los, die Ruhe vor dem Sturm. Also in aller Ruhe einchecken und das erste Problem: keiner will die Grenzübertrittsbescheinigung meiner Liebsten haben, die eigentlich gegenüber der Ausländerbehörde als Beweis dient, das sie Deutschland verlassen hat. Auch beim Zwischenstopp in Amsterdam wollte sie dann keiner haben, aber wenigstens einen EU-Ausreisestempel hats gegeben. Also gut, schick ich das Dings halt per Post an die Ausländerbehörde wenn ich wieder zurück in Deutschland bin.


Der Flug ansich war sehr Ereignislos, sieht man einmal davon ab, das ich diverse male die geistige Vorstellung von einem Absturz hatte.


Nach etlichen Stunden war es dann endlich soweit. Afrika! Nigeria! Der Flughafen von Lagos. Wir haben unser Ziel erreicht. Nach kurzer telefonischer Rückversicherung steht auch unser Empfangskommitee, bestehend aus den Brüdern meiner Verlobten, bereit. Fast 3 Jahre hat man sich nicht mehr gesehen, die Vorfreude bei meiner zukünftigen Frau natürlich entsprechend groß.


Auschecken, Paßkontrolle und dann.................... der erste Eindruck von Nigeria: man, ist das hier aber alles chaotisch. Wofür bei uns gerade mal 1 Mitarbeiter benötigt wird, benötigen die hier für eine einfache Paßkontrolle mal locker bis zu 5 Mitarbeiter, und jeder erzählt einem was anderes, wo man sich anzustellen hat usw. Unglaublich! Und dann wechselt ein Teil der Mitarbeiter auch noch mitten in der Bearbeitung. Des Rätsels Lösung? Es handelt sich um Moslems, und die haben eben genau jetzt während der Arbeitszeit Gebetszeit. Na, dieser chaotische Ersteindruck wollte dann bis zu meiner Abreise, 14 Tage später, auch nicht mehr weichen.


Und dann der Schock. Verloren in Afrika, oder was?


Was war passiert?


Bei der Einreisekontrolle wurde meine Verlobte doch tatsächlich, weil sie keinen richtigen Paß hatte, sondern nur das TC, von der Polizei aussortiert und in ein Büro geführt. Na, und da stand ich nun. Alleine mitten im Flughafen, in Lagos/Nigeria und wußte überhaupt nicht was Sache ist. Wird sie vielleicht wieder direkt nach Deutschland zurückgeschickt? Oder doch nicht? Und ihre Brüder kenn ich auch nicht, und diese mich nicht. Also an wen wenden, hier in Afrika? Kenn ja noch nicht mal unser Hotel, weil die Brüder uns dies besorgt hatten und uns auch hinfahren wollten.


Irgendwann mußte ich dann auch mal die leere Ankunftshalle verlassen, und jetzt schlug das Chaos voll über mir zusammen. Ich setzte den ersten Fuß vor den Flughafen und wurde prompt von der schier unglaublichen Menschenmenge, die dort direkt auf mich einstürmte, fast überrollt. Jeder wollte irgendwie mich zu einem Hotel fahren, mein Gepäck tranportieren, mich in ein Taxi drängen und vieles mehr. Leichter Schweißausbruch meinerseits. Hilfe! Wo ist meine Frau? Wo deren Brüder? Security rechts und links „hier warten, nicht fortbewegen, gefährlich.........“


Bin ich also doch gestrandet und verloren in Afrika? Und diese unglaubliche Hitze, selbst am späten Abend. Ich schwitze jetzt noch mehr. Angstschweiß, Hitzeschweiß. Und immer noch kein Lebenszeichen von meiner Zukünftigen oder deren Brüdern. Wie sollte ich diese auch erkennen? Oder erreichen? Hatte natürlich klugerweise deren Telefonnummern in Deutschland gelassen. Super.............................. Und immer noch stürmen unentwegt irgendwelche Leute auf mich ein.


Dann der geniale Einfall: ich ruf meine Mutter in Deutschland an, damit diese zu mir nach Hause fährt und mir von dort die Telefonnummer eines der Brüder durchgibt. Also schnell Geld gewechselt und das erste mal die Erfahrung gemacht, das Nigeria ein überraschend teures Land ist. Denn das Telefonat nach Hause war teurer als wenn ich von Deutschland nach Nigeria angerufen hätte. War eigentlich der Meinung gewesen, das Land müßte relativ preiswert sein, war wohl, wie ich auch noch weiter sehen sollte, leider ein Irrtum. So, Mutter hatte jetzt auch noch den Angstschweiß auf der Stirn das Sohnemann „lost in Africa“ ist.


Ja, was ist das? Ich dreh mich um, und wer kommt da in genau diesem Moment? Genau, meine lang vermisste Liebste, im Schlepptau ihre Brüder. Hat zum Glück nur bekanntschaft mit der weit verbreiteten Korruption gemacht. Mußte erst mal einige Euros bezahlen, damit sie einreisen konnte. Ääh, hatte ich schon erwähnt das Nigeria teuer ist?


Großes Hallo, Hände schütteln „nice to meet you“, abwischen meines Angstschweiß, Mutter beruhigt, doch nicht in Nigeria einsam und verlassen Verschollen. Glück gehabt!

++++++++++++++Fortsetzung folgt!!!++++++++++++++++++jfloc, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.03.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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