Ann-Kathrin Zwiesler

Breakable I - Der Anfang vom Ende

Vorwort:
Das ist die Geschichte zweier Freunde, die etwas fanden, das viel mehr wert ist als alle Freundschaft: Liebe!


Kapitel 1
 
Der Anfang vom Ende
 
Es war letzten Herbst, ende November glaube ich, als ich mit
Jean, meinem besten und wahrscheinlich auch einzigen „Busenfreund“ wenn man so
sagen will in einem dunklen, stickigen Cafe´ in Hamburg saß. Wir waren damals
17… gut, heute bin ich nicht viel älter, aber irgendwie fühle ich mich reifer
als damals.
Trübselig starrte ich in den Regen, der schon seit einer
Stunde ununterbrochen gegen die Scheibe peitschte.
„Hey Chris, hörst du mir überhaupt zu?“  Ich schrak auf und blickte zu Jean.
„Ja ja klar… äh… was hast du gesagt?“ Jean lächelte. Er
lächelte so wie er immer lächelte.
Dieses entwaffnende Lächeln dem man sich einfach nicht
widersetzen konnte.
„Hör mal auf zu träumen Junge.“ Lachte er „Ich meinte ich
ruf dich an sobald ich in Amerika bin“
Ja richtig… Amerika… er würde am selben Abend noch los
fliegen und für drei Wochen dort bleiben… drei lange Wochen.
„Versprich es ja?“ forderte ich ihn auf und fixierte mein
leeres Glas.
„Natürlich tu ich das“ und wieder lächelte er.
Ich sah auf und grinste „Wird langweilig in der Schule ohne
dich“ „Na vielleicht könntest du ja zur Ablenkung mal ein bisschen dem
Unterricht folgen“ feixte er und wir mussten beide lachen.
Mit Jean neben sich war es für gewöhnlich nicht einfach dem
zu lauschen was der Lehrer sagte. Die meiste Zeit hatten wir immer damit
verbracht irgendeinen Blödsinn zu fabrizieren.
Als Jean nun anfing über genau diesen Blödsinn zu reden,
schloss ich mich den Erinnerungen an und wir 
begannen uns laut lachend gegenseitig die verrücktesten „Heldentaten“ zu
erzählen.
Das war das letzte Mal, für eine lange Zeit, dass ich so
unbeschwert mit ihm geredet habe.
Ich wünschte mir, wir hätten damals nicht so belanglose
Dinge geredet, denn als er wiederkam, sollte nichts mehr so sein wie früher.
„Oh ich muss los“ stellte Jean plötzlich mit einem Blick auf
seine Armbanduhr fest.
„Musst du wirklich schon los?“ fragte ich „Ja, mein Flug
geht in vier Stunden und ich hab erst halb gepackt“
Das war eine Lüge, das wusste ich. Er ist einer dieser
Menschen die schon Tage vor der Abreise alles fix und fertig gepackt haben.
„Na gut“ meinte ich, wir zahlten und verließen das Cafe´.
In der Tür blieb Jean plötzlich ruckartig stehen „Hast du
einen Regenschirm dabei?“ fragte er mit einem nicht gerade glücklichen Blick
auf die Wassermassen die vom Himmel fielen.
„Öhm… Hast du schon jemals erlebt dass ich einen Regenschirm
dabei hab?“ fragte ich grinsend  „Nein“
seufzte Jean „Du würdest wahrscheinlich sogar deinen Kopf zu Hause lassen, wenn
er nicht angewachsen wäre.“
Mit diesen Worten rannte er in den Regen hinein.
„Hey was machst du?“ rief ich ihm nach und folgte ihm ins
kalte Nass
„Laufen“ rief er und rannte weiter.
„Jean?“ schrie ich und blieb stehen. Es schüttete ziemlich
heftig und ich war schon tropfnass.
Jean blieb stehen und drehte sich um. Er stand zwar einige
Meter von mir entfernt, aber ich konnte deutlich jeden einzelnen Tropfen sehen,
der von seinen nassen schwarzen Haarstränen auf sein schönes Gesicht tropfte
und dort entlang lief um letztendlich seinen Hals hinunter zu kullern und in
seiner Kleidung zu versiegen... Einen Moment stand ich einfach so da im Regen
und starrte ihn an. Ich hatte noch nie bemerkt wie gut er eigentlich aussah.
Mit seinem verwuschelten schwarzen Haar, seinen warmen dunkelbraunen Augen und
seinem verdammt hübschen Gesicht. „Was ist denn nu? Ich hol mir noch den Tod!“
riss er mich aus meinen Gedanken. „Was? Ach so ja… ich… wollte dir einfach
einen guten Flug und viel Spaß wünschen“ „Danke“ er wartete noch einen Moment
und wollte sich dann umdrehen als ich reflexartig auf ihn zuschnellte und
seinen Arm ergriff. Jean sah verwundert zu mir auf „Was ist?“ „Pass… pass auf dich
auf ja?“  Er lächelte „Mach ich“ einen
Moment zögerte ich, dann umarmte ich ihn „ich werd dich vermissen“ „Ich dich
auch“ flüsterte Jean „Aber es sind ja nur drei Wochen“  meinte er dann zuversichtlich und löste sich
aus  meinem Griff „ich muss jetzt aber
echt los sonst verpass ich den Flieger. Und du solltest auch nicht mehr all zu
lange im Regen stehen, sonst liegst du die nächsten drei Wochen flach“ er grinste,
drehte sich um und eilte in Richtung U-Bahnstation.
Ich stand einfach nur da und sah ihm nach.
Erst lange nachdem er verschwunden war setzte ich mich in
Bewegung.
Ich weiß heute nicht mehr genau wohin ich gegangen bin, ich
glaube ich wusste es auch damals nicht so genau aber irgendwann kam ich durchgefroren
und triefend nass zu Hause an.
Ich stand vor der Türe und fragte mich wie ich dorthin
gekommen war.
Mein Hirn war leer. Völlig leer. Vakuum. Nichts!
„Mensch Chris mach dass du rein kommst, du siehst ja aus als
wärst du in der Elbe baden gewesen!“
Verwirrt starrte ich in das besorgte Gesicht meiner Mutter
„Ja… nein, Regen“ murmelte ich, da ich in dem Moment irgendwie nicht fähig war
zusammenhängende Sätze zu formulieren.
Ich spürte wie meine Mutter mich am Arm packte und mich ins
warme Haus zerrte.
Danach wurde ich verdonnert zu duschen und einen von Mums
berüchtigten Erkältungstees runter zu kippen.
Ich griff mir die Tasse mit der dampfenden und „wohlriechenden“
Brühe und verzog mich in mein Zimmer wo ich mich auf mein Bett fallen ließ und
dick in eine Decke einwickelte.
Was war das gewesen? Warum hatte ich Jean auf einmal so
anders gesehen? Warum wollte ich nicht, dass er weg geht? Warum hatte ich ihn
umarmt? Und warum verdammt noch mal hatte ich so ein kribbelndes Gefühl im
Bauch gehabt als Jean mich berührt hatte?
Schon eine Woche später würde ich mir wünschen es niemals herausgefunden
zu haben.
 
Fortsetzung Folgt…  

Diese Geschichte widme ich Chris und Jean, den beiden wunderbarsten Menschen auf dieser Welt!Ann-Kathrin Zwiesler, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.04.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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