Ann-Kathrin Zwiesler

Breakable II - Verlassen?

Kapitel 2

Verlassen?

Monoton prasselte der Regen auf das Dachfenster meines Zimmers. Ich lag in meinem Bett und starrte an die Decke. Laute Musik dröhnte aus den Boxen meiner Stereoanlage und half mir das genervte Rufen meiner Mutter zu ignorieren.
Es war mittlerweile drei Tage her, dass Jean Deutschland verlassen hatte und er hatte sich nicht gemeldet. Kein kurzer Anruf, keine flüchtige Mail – nichts!
Ich fühlte mich ziemlich einsam wie ich hier lag und mir vorstellte welchen Spaß er da drüben über dem Großen Teich hatte. Normalerweise war er zuverlässig in solchen Dingen und es war noch nie ein Tag vergangen an dem wir nicht miteinander geredet hatten. (Nun gut, doch, aber das war in der fünften Klasse…)
Wieso meldete er sich nicht?
Hatte er mich wirklich vergessen?
Oder war ihm etwas passiert?
„Chris mach die Musik aus!“ schrie meine Mutter die jetzt in voller Pracht und ziemlich wütend in meinem Zimmer stand. Ich rollte mit den Augen, setzte mich auf und sah den Telefonhörer in ihrer Hand. „Jean“ teilte sie mir brüllend mit. Ich schnellte auf, riss ihr den Hörer aus der Hand und schaltete die Musik aus. Danach schob ich sie aus meinem Zimmer, schloss die Türe und sprach ein „Hallo?“ in den Hörer.

„Hey Chris, ich bin’s. Tut mir leid, dass ich erst jetzt anrufe aber ich hatte gestern einfach keine Zeit.“ Ein freudiger Schauer durchfuhr mich und ich musste lächeln.
Der Anruf auf den ich seit drei Tagen gewartet hatte.
„Hey Jean, na? Guten Flug gehabt?“ „Ja, ja, hör zu ich hab nicht lange Zeit ich wollte dir nur schnell bescheid sagen, dass ich noch lebe“ „Oh… ok“ meinte ich ein wenig enttäuscht.

„Nicht böse sein ja? Ich muss jetzt echt los, ein paar von den Leuten haben sich in den Kopf gesetzt New York unsicher zu machen. Ich schreib dir heute Abend eine lange Mail. Versprochen!“ Ich nickte „Ok“ „Also dann bis demnächst“ „Ja bis demnächst… viel Spaß“ „Werde ich haben, Tschüss Chris“ „Tschüss“ Dann hörte ich nur noch ein piepsen – er hatte aufgelegt. Ich ließ die Hand mit dem Telefon langsam sinken.
Was war das denn? Fragte ich mich und starrte das Telefon böse funkelnd an.

Die Mail die ich am nächsten Morgen bekam besserte meine schlechte Laune nicht gerade.
Ich öffnete das Mailprogramm und laß:

>Hey Chris,
Hier ist echt super!
Lauter nette Leute… auch ein paar Spinner, aber die gibt es ja überall. Mein Zimmernachbar ist zum Beispiel ein echter Knaller… Oh je, ich sag dir… Stockschwul!
Und bekennender Brad Pitt Fan!
Na ja, ich werd mich wohl das ein oder andere Mal mit ihm anlegen müssen *lach* Aber das wird schon, er ist ja nicht der einzige Mensch hier.
Also dir daheim in Deutschland noch viel Spaß bei was auch immer du treibst und du hörst bald wieder von mir.
Gruß Jean<

Das war alles.
Ich musste die Nachricht dreimal lesen um zu realisieren dass das seine „lange Mail“ sein sollte.
Wütend starrte ich auf den Bildschirm. Was sollte das alles?
Ich löschte die Mail, schloss das Programm und schmiss mich auf mein Bett.

Auch in den folgenden zwei Wochen bekam ich nichts von ihm zu hören als belangloses Gelaber und knappe Mails.

Eine Woche vor seiner Rückkehr klingelte abends beim Essen das Telefon. Mein älterer Bruder hob ab und ich sah schon an seiner Miene wer es war. „Das Nervenbündel“ teilte er mir mit und drückte mir den Apparat in die Hand.
Er mochte Jean nicht sonderlich und ich war im Moment auch nicht gut auf ihn zu sprechen.
„Ja?“ fragte ich deswegen recht kühl und verließ die Küche um in mein Zimmer zu gehen.
„Hey Chris, ich wollte mal wieder anrufen“ tönte Jean fröhlich ins Telefon.
„Toll“ murrte ich und setzte ich an meinen Schriebtisch. „Was ist denn los mit dir?“ fragte er verwundert „Nichts“ antwortete ich und begann kleine Bildchen auf meine Schreibtischunterlage zu malen. „Doch es ist was! Das hör ich doch!“ beharrte Jean. „Nein es ist nichts!“ blieb ich stur „Was soll das Chris? Warum bist du so abweisend?“ „Vielleicht weil es dich eh nicht interessiert wie es mit geht?“ zischte sich giftig in den Hörer.
Es machte mich wütend, dass er auch noch so tat als wüsste er nicht warum ich so drauf war.
„Was soll das denn jetzt bitte?“ fragte er aufgebracht. „Weißt du, wenn ich dir auf die Nerven gehe musst du es nur sagen!“ giftete ich. „Was soll die Scheiße Chris? Du gehst mir nicht auf die Nerven! Also im Moment schon! Ich hab nämlich echt keinen Bock mich jetzt mit dir rumzuzoffen nur weil du gerade mal wieder eine deiner Trotzphasen hast!“ Das saß. „Jetzt hör mal gut zu…“ setzte ich an, doch er unterbrach mich „Ich muss Schluss machen, Josh ist da“ „Ja von… Wer ist Josh?“ stockte ich. Er hatte diesen Namen noch nie erwähnt. „Das geht dich nichts an!“ blockte Jean ab. „Was soll das? Du hast mir bisher immer alles erzählt“ „Na und? Jetzt eben nicht!“ „Wer ist Josh?“ schrie ich „Das geht dich einen Scheißdreck an!“ brüllte er zurück und legte auf. „Scheiße!“ fluchte ich und warf das Telefon von mir.
Warum musste das alles nur so schief gehen?

Später lag ich in meinem Bett und starrte in die Dunkelheit meines Zimmers. Er was spät in der Nacht doch ich konnte nicht schlafen. Immer noch beschäftigte mich die Frage wer Josh war.
Wieso hatte Jean ihn nie erwähnt? Wieso wollte er mir nicht erzählen wer er war? Wieso hatte er so überreagiert?
Und vor allem: Wieso machte mich das so fertig???
Es hätte mir doch egal sein können…
Doch das war es nicht! Wieso?
Immer wieder stellte ich mir diese Frage obwohl ich die Antwort tief in mir schon lange wusste.

Fortsetzung folgt…

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.04.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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