Ann-Kathrin Zwiesler

Breakable IV - Wut

Kapitel 4

Wut

Als ich aufwachte schien mir die Sonne ins Gesicht. Ich lag noch immer auf dem Boden und mein Rücken tat höllisch weh. „Sollte ich nicht zu oft machen“ murmelte ich und richtete mich mühsam auf.
Ich sah auf die Uhr. Es war halb neun. “Nat toll!“ jubelte ich ironisch „Jetzt auch noch verpennt!“ ich packte in Rekordzeit meine Schulsachen und wollte zu meinem Handy greifen um, ganz pflichtbewusster Schüler, mein Verschlafen in der Schule zu melden als mir klar wurde, dass ich ebendies ja gestern zu Restmüll verarbeitet hatte. Ich eilte ins Bad, putze mir schnell die Zähne und stürmte ungewaschen aus de Haus.
Wenn ich mich beeile bekomme ich den 9.45 Uhr Bus… dachte ich und hetzte zur Bushaltestelle.
Doch wie erwartet: In dem Moment in dem ich ankam schloss der Fahrer die Türen und fuhr mit einem Grinsen im Gesicht davon. „Arschloch!“ reif ich ihm vergeblich nach und drehte mich zum Fahrplan um. „Na toll!“ Der nächste Bus fuhr erst in einer Stunde! Ich stöhnte gequält auf und machte mich auf den Weg zur Schule. Es dauerte gewöhnlich eine halbe Stunde zu Fuß und wie ich höchst erfreut feststellen musste begann es nach nur zehn Minuten in Strömen zu regnen. Und ich hatte natürlich in der Eile sowohl meinen Schirm als auch die Jacke vergessen und kam so triefend nass und steifgefrohren pünktlich zur Pause in der Schule an. Ich schlurfte ins Sekretariat um mich zu entschuldigen und lief natürlich meinem Lieblings Mathelehrer über den Weg. „Soooooo?“ grinste dieser höhnisch „Ich dachte schon sie halten es gar nicht mehr für nötig zu kommen“ Ich verkniff mir einen Kommentar (der mir zweifelsohne einen Verweis eingebracht hätte) und leierte eine Entschuldigung runter. Dann nutzte ich den Rest der Pause um mich im WC wieder halbwegs zu regenerieren und trottete danach in den Unterricht. Dieser verlief genauso zäh wie gestern und als ich um halb vier endlich wieder zu Hause in meinem Zimmer saß war ich mehr als erleichtert.
Ich kauerte auf meinem Bett und starrte aus dem Fenster als mir plötzlich das zertrümmerte Handy wieder einfiel. Langsam rutschte ich von dem Bett auf den Boden und betrachtete das traurige Überbleibsel des Gerätes. „Kann ich wegschmeißen“ murmelte ich und begann die Plastiksplitter aufzusammeln.

Der Rest der Woche verlief ähnlich: Ich verschlief noch zweimal und quälte mich jeden Nachmittag durch das Nachsitzen.

Am Freitag kam ich dann beinahe Pünktlich in die Schule und saß vor mich hin träumend in der Chemiestunde. Am Samstag würde Jean wieder kommen… ich war mir nicht sicher ob ich mich freute ihn wieder zu sehen oder ob ich einfach nur Angst hatte. Wie sollte ich mich ihm gegenüber verhalten? Würde er mich überhaupt sehen wollen? „Herr Sanders? Hätten sie wohl auch die Güte dem unterricht zu folgen?“ riss mich die Stimme meiner Lehrerin aus den Gedanken. „Ja sicher“ log ich. „Sehr gut“ grinste die Lehrerin „Dann komm doch mal an die Tafel und stell mir eine Reaktionsgleichung von der Oxidation von Ethanol auf“ Was ist Ethanol? fragte ich mich und schlurfte zur Tafel. Hilfesuchend sah ich in die Klasse. Lauter ratlose Gesichter… Oxidation… das ist irgendwas mit Sauerstoff… ich malte einfach mal aufs gerade wohl einige Cs und Hs und Os an die Tafel und setzte mich niedergeschlagen wieder hin. „Ja ich sehe, du passt wirklich gut auf“ scherzte die Chemiepaukerin und trug mir freundlicherweise keine Note dafür ein.
In der zweiten Pause stand ich gedankenversunken an eine Wand gelehnt und dachte darüber nach wie ich das mit Jean wieder einrenken konnte als mich plötzlich jemand schubste „Hey Sanders!“ rief Marco, einer der Schüler die ich am meisten hasste. Er hatte Jean und mich schon von Anfang an auf dem Kieker und nutzte jede Gelegenheit uns, in diesem Fall mich, fertig zu machen. „ich hab gehört dein Freund Jean treibts mit Typen?!?!“ grinste er mich höhnisch an. „Lass mich in Ruhe“ brummte ich und wollte mich entfernen, doch er hielt mich am linken Arm fest „Habt ihr zwei es auch schon gemacht?“ lachte er.
Meine Muskeln spannten sich an und ich spürte kochende Wut in mir aufsteigen. „Seid ihr beiden vielleicht ein bisschen pervers?“ schrie Marco. „Magst dus wenn…“ Doch weiter kam er nicht. Meine Faust traf ihn mitten im Gesicht. Blut spritzte aus seiner Nase und er schrie laut auf. „Oha! Fuck ey Sanders dafür zahlst du!“ fluchte er und rannte gefolgt von seinen Kumpels ins Krankenzimmer. Wie zu erwarten holte mich in der nächsten Stunde der Rektor aus dem Unterricht. „Chris was soll ich mir dir nur machen?“ seufzte er als wäre ich ein Schwerverbrecher. Ich starrte regungslos an ihm vorbei an die Wand. „Er wird dich wegen Körperverletzung anzeigen, das weißt du?!“ ich nickte und starrte weiter.
Sollte er doch… eine gebrochene Nase war bei ihm schon lange fällig!
Als ich nach der Predigt endlich nach Hause durfte ließ ich mich erschöpft auf mein Bett sinken und schlief sofort ein. Ich träumte von riesigen Kohlenstoffatomen die bluteten und von kleinen Plastiksplittern die im Kreis um mich herum flogen. Irgendwann wachte ich auf und sah, dass es dunkel war. Ich warf einen Blick auf meinen Wecker. Es war halb vier. Jean saß jetzt wohl schon am Flughafen. Ich dachte noch lang über ihn nach und fand erst wieder Schlaf als der Morgen bereits graute.

Fortsetzung folgt…

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.04.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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